Hamas rüstet trotz Waffenruhe weiter auf Israel schaltet sechs Terroristen aus
Kommandeure, Scharfschützen und ein Waffenschmuggler arbeiteten nach israelischen Erkenntnissen an neuen Angriffen und der Wiederherstellung terroristischer Strukturen. Die gezielten Luftangriffe in Chan Junis zeigen, weshalb die Entwaffnung der Hamas weiterhin eine zentrale Sicherheitsfrage bleibt.

Bildnachweis: IDF Specher Einheit
Die israelischen Streitkräfte und der Inlandsgeheimdienst Schin Bet haben im südlichen GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen sechs Terroristen ausgeschaltet, die nach israelischen Erkenntnissen neue Angriffe vorbereiteten und die militärischen Fähigkeiten ihrer Organisationen wiederherstellen wollten. Unter den Getöteten befinden sich ein Kompaniekommandeur der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Eliteeinheit Nukhba, zwei Scharfschützenführer beziehungsweise Scharfschützen sowie ein Mann, der am Waffenschmuggel in den Gazastreifen beteiligt gewesen sein soll. Die Angriffe erfolgten am 1. und 2. November im Raum Chan Junis. Am Mittwoch bestätigte die Armee die Ergebnisse der Operationen.
Die sechs Männer gehörten drei unterschiedlichen Terrororganisationen an: der Hamas, dem Palästinensischen Islamischen Dschihad und der Armee des Islam. Nach Angaben der israelischen Sicherheitsbehörden waren sie nicht lediglich ehemalige Kämpfer, sondern beteiligten sich auch in jüngster Zeit an militärischen Aktivitäten. Dazu gehörten die Vorbereitung von Anschlägen auf israelische Soldaten und Zivilisten sowie Bemühungen, beschädigte terroristische Strukturen wieder einsatzfähig zu machen.
Die Armee bezeichnet diese Aktivitäten ausdrücklich als systematische Verletzung der geltenden Waffenruhe.
Damit rückt erneut die Frage in den Mittelpunkt, die IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen seit Monaten beschäftigt: Was ist eine Waffenruhe wert, wenn Terrororganisationen die Kampfpause nutzen, um ihre militärischen Kräfte wieder aufzubauen?
Israel hat nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023 deutlich gemacht, dass es eine erneute militärische Bedrohung aus dem Gazastreifen nicht hinnehmen will. Die gezielte Bekämpfung von Terroristen, die neue Angriffe vorbereiten, ist Teil dieses Sicherheitskonzepts. Es geht darum, eine bekannte Gefahr zu beseitigen, bevor daraus ein weiterer Angriff auf israelische Soldaten oder die Zivilbevölkerung entsteht.
Nukhba-Kommandeur, Scharfschützen und Waffenschmuggler ausgeschaltet
Nach der gemeinsamen Erklärung der Streitkräfte und des Schin Bet wurden am Sonntag vier Terroristen im Gebiet von Chan Junis getötet.
Zu ihnen gehörte Shaher Mohammed Zaarab, den die israelischen Sicherheitsbehörden als Kompaniekommandeur der Nukhba-Einheit der Hamas identifizierten. Die Nukhba gehört zu den besonders ausgebildeten Kampfeinheiten des militärischen Hamas-Arms. Angehörige dieser Formation waren maßgeblich am Massaker vom 7. Oktober beteiligt.
Ebenfalls getötet wurde Mohammed Zakaria al-Jamal, der nach israelischen Erkenntnissen eine bewaffnete Hamas-Zelle befehligte. Mohammed Amin al-Namas gehörte ebenfalls zum militärischen Arm der Terrororganisation.
Das vierte Ziel war Mohammed Ali Abu Shaar, den die Armee als Scharfschützen des Palästinensischen Islamischen Dschihad identifizierte.
Am Montag folgten zwei weitere gezielte Luftangriffe.
Dabei wurde Mahmoud Jihad Mohammed Qafa ausgeschaltet, der nach Angaben der Armee eine Scharfschützengruppe der Hamas leitete. Das zweite Ziel war Asaad Suleiman Salman Qashta, ein Mitglied der Armee des Islam. Ihm werfen die Sicherheitsbehörden vor, den Schmuggel von Gütern in den Gazastreifen unterstützt zu haben.
Gerade diese Funktionen verdeutlichen, weshalb die Männer für die israelische Sicherheitsführung von Bedeutung waren.
Scharfschützengruppen können israelische Soldaten unmittelbar bedrohen. Kommandeure sind für die Organisation, Ausbildung und Einsatzfähigkeit bewaffneter Einheiten verantwortlich. Schmuggelnetzwerke können dazu beitragen, Waffen und anderes Material für die Wiederherstellung terroristischer Fähigkeiten verfügbar zu machen.
Nach Darstellung der Armee waren die sechs Männer auch während der jüngsten Waffenruhe aktiv. Sie sollen nicht nur vorhandene militärische Strukturen erhalten, sondern deren Einsatzmöglichkeiten gezielt wieder ausgebaut haben.
Die Luftangriffe erfolgten nach geheimdienstlicher Aufklärung. Nach israelischen Angaben wurden Präzisionsmunition und Luftüberwachung eingesetzt, um die Gefahr für unbeteiligte Zivilisten zu verringern.
Die konkreten nachrichtendienstlichen Erkenntnisse über einzelne geplante Angriffe wurden nicht vollständig veröffentlicht. Die Angaben zu den Funktionen und jüngsten Aktivitäten der Getöteten stammen deshalb aus der gemeinsamen Mitteilung von Armee und Schin Bet.
Am Mittwoch meldeten die Sicherheitsbehörden außerdem einen weiteren, eigenständigen Schlag gegen die Hamas: In Gaza-Stadt wurde Gamal Abu Said getötet, der nach israelischen Angaben die Operationsabteilung des militärischen Hamas-Geheimdienstes leitete. Abu Said hatte während des Krieges die israelische Geisel Omer Shem Tov gefangen gehalten. Die Armee wirft ihm ebenfalls vor, neue Anschläge vorbereitet und die Fähigkeiten der Hamas wiederhergestellt zu haben. Dieser Einsatz ist von den sechs Tötungen in Chan Junis zu unterscheiden.
Hamas soll abrüsten, arbeitet aber weiter an ihrer Kampfkraft
Die jüngsten Operationen bestätigen aus Sicht der israelischen Sicherheitsbehörden eine Entwicklung, vor der JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen seit Beginn der Verhandlungen über eine dauerhafte Ordnung im Gazastreifen warnt.
Die Hamas hat ihre militärischen Fähigkeiten durch den Krieg erheblich eingebüßt. Zahlreiche Kommandeure wurden getötet, WaffenlagerTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen zerstört und Tunnelanlagen beschädigt. Doch die Terrororganisation verfügt weiterhin über bewaffnete Mitglieder, verbliebene Ausrüstung und Möglichkeiten, ihre Strukturen wiederherzustellen.
Bereits Anfang September wurde bekannt, dass die Hamas nach israelischen Erkenntnissen Waffen aus Depots holte, ihre Einheiten reorganisierte und versuchte, beschädigte militärische Infrastruktur erneut nutzbar zu machen.
Dazu kamen Meldungen über Sprengsätze gegen israelische Soldaten und weitere bewaffnete Aktivitäten.
Am 9. Oktober schalteten die israelischen Streitkräfte drei Terroristen von Hamas und Islamischem Dschihad aus, die nach Angaben der Armee ebenfalls neue Angriffe vorbereiteten. Gleichzeitig wurden mehrere Waffenlager zerstört. Darin befanden sich unter anderem Raketen, Sprengsätze, Mörsergranaten und Sturmgewehre.
Ende Oktober und Anfang November folgten weitere gezielte Operationen gegen Hamas-Kommandeure, die auch mit der Gefangenhaltung israelischer Geiseln in Verbindung gebracht wurden.
Darunter befand sich Ihab Jamil Abu Taqiya, der nach Erkenntnissen der Armee an der Gefangenhaltung zahlreicher Israelis beteiligt war, darunter Noa Argamani, Emily Hand und Ohad Ben Ami. Auch ihm wurde vorgeworfen, zuletzt an der Vorbereitung neuer Angriffe mitgewirkt zu haben.
Diese Vorfälle zeigen, dass die israelischen Sicherheitsbehörden nicht nur die politische Führung der Hamas beobachten. Ihr Augenmerk gilt auch jenen Kommandeuren und bewaffneten Gruppen, die auf niedrigerer Ebene dafür sorgen können, dass die Terrororganisation militärisch handlungsfähig bleibt.
Genau hier liegt das grundlegende Problem der Waffenruhe.
Eine Unterbrechung größerer Kampfhandlungen ist noch keine Entwaffnung. Solange die Hamas weiterhin über Waffenlager, Scharfschützen, Sprengstoff, bewaffnete Zellen und militärische Kommandeure verfügt, bleibt ihre Fähigkeit bestehen, neue Angriffe vorzubereiten.
Das gilt ebenso für den Palästinensischen Islamischen Dschihad und kleinere bewaffnete Organisationen. Selbst wenn die Hamas ihre militärischen Aktivitäten einschränken würde, könnten andere Gruppen weiterhin terroristische Anschläge planen.
Für Israel ist diese Gefahr nicht theoretisch.
Am 7. Oktober 2023 zeigte sich, welche Folgen es haben kann, wenn die militärischen Fähigkeiten der Hamas unterschätzt werden. Terroristen drangen in israelische Grenzgemeinden ein, ermordeten etwa 1.200 Menschen und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.
Aus dieser Erfahrung ergibt sich für die israelische Sicherheitsführung die Notwendigkeit, einen erneuten Aufbau vergleichbarer Angriffsmöglichkeiten zu verhindern.
Die internationale Gaza-Vereinbarung verfolgt ebenfalls das Ziel, die bewaffneten Organisationen zu entwaffnen und ihre militärische Infrastruktur abzubauen. Eine neue zivile Verwaltung und internationale Sicherheitsmechanismen sollen verhindern, dass die Hamas ihre bisherige Herrschaft mit Waffengewalt fortsetzt.
Doch zwischen einer vereinbarten Entwaffnung und ihrer tatsächlichen Umsetzung besteht weiterhin eine erhebliche Lücke.
Wenn Angehörige terroristischer Organisationen während der Waffenruhe neue Anschläge vorbereiten, ist das nicht bloß ein nebensächlicher Zwischenfall. Es betrifft unmittelbar die Sicherheitsgrundlage der gesamten Vereinbarung.
Israel muss seine Soldaten und seine Bevölkerung nicht schutzlos lassen, während bewaffnete Gruppen neue Angriffe vorbereiten. Die gezielten Operationen gegen die sechs Terroristen in Chan Junis sind nach Darstellung der Streitkräfte genau darauf ausgerichtet, solche Gefahren rechtzeitig zu beseitigen.
Die Verantwortung für eine dauerhafte Stabilisierung des Gazastreifens liegt deshalb nicht allein bei Israel. Entscheidend ist, ob die Hamas und die übrigen bewaffneten Organisationen ihre militärischen Aktivitäten tatsächlich einstellen und ihre Waffen abgeben.
Solange das nicht geschieht, bleibt die Gefahr einer erneuten Eskalation bestehen.
Die jüngsten Einsätze verdeutlichen zugleich, dass Israels Sicherheitsbehörden weiterhin über die Fähigkeit verfügen, bestimmte Kommandeure und operative Mitglieder terroristischer Organisationen gezielt aufzuspüren und auszuschalten.
Das allein wird die Entwaffnung der Hamas nicht ersetzen. Es kann jedoch verhindern, dass bekannte militärische Akteure ungehindert neue Anschläge vorbereiten.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, weshalb Israel gegen Terroristen vorgeht, die nach seinen Erkenntnissen neue Angriffe planen. Entscheidend ist, weshalb Hamas, Islamischer DschihadIslamischer Dschihad: Irans Terrorpartner gegen IsraelDer Islamische Dschihad ist eine palästinensische Terrororganisation, die Anfang der 1980er Jahre entstand. Sie lehnt Israel ab, wird stark vom Iran unterstützt und verfügt mit den Al Quds Brigaden über einen bewaffneten Arm.Mehr lesen und andere bewaffnete Organisationen noch immer daran arbeiten, ihre militärischen Fähigkeiten wiederherzustellen, obwohl die Waffenruhe gerade eine dauerhafte Sicherheitsordnung ermöglichen soll.
Nach dem 7. Oktober kann Israel nicht darauf vertrauen, dass aus einer vorübergehenden Ruhe automatisch dauerhafte Sicherheit entsteht. Dafür müssen die terroristischen Strukturen tatsächlich aufgelöst werden.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 4. November 2026