Islamischer Dschihad: Irans Terrorpartner gegen Israel

Der Islamische Dschihad ist eine palästinensische Terrororganisation. Er wird vom Iran unterstützt, lehnt Israel ab und setzt auf Raketen, Anschläge und Geiselnahmen.

Der Islamische Dschihad, genauer Palästinensischer Islamischer Dschihad, ist eine palästinensische Terrororganisation, die Anfang der 1980er Jahre entstand. International wird sie häufig mit der englischen Abkürzung PIJ bezeichnet. Ihr bewaffneter Arm sind die Al Quds Brigaden. Die Organisation ist kleiner als Hamas, aber für Israel hochgefährlich, weil sie besonders stark auf militärische Gewalt, Raketenangriffe, Terrorzellen und die enge Verbindung zum Iran setzt.

Anders als Hamas entwickelte der Islamische Dschihad keine vergleichbare politische Herrschaftsstruktur in Gaza. Er trat nicht als Regierungspartei auf und baute keinen ähnlich umfassenden Verwaltungsapparat auf. Sein Schwerpunkt liegt deutlich stärker auf bewaffnetem Kampf. Gerade deshalb gilt die Organisation aus israelischer Sicht als besonders radikaler Akteur: Sie sucht weniger politische Verantwortung als permanente Konfrontation mit Israel. Ihr Zweck ist nicht der Aufbau eines Staates, sondern der Kampf gegen den jüdischen Staat.

Ideologie und Zielsetzung

Der Islamische Dschihad verbindet palästinensischen Nationalismus mit islamistischer Ideologie. Die Organisation lehnt Israels Existenz ab und versteht Gewalt gegen Israel als religiös und politisch gerechtfertigten Kampf. Sie orientierte sich früh am iranischen Revolutionsmodell von 1979 und übernahm die Vorstellung, dass islamistische Mobilisierung, bewaffneter Kampf und regionale Bündnisse Israel langfristig schwächen oder beseitigen könnten.

Im Zentrum steht nicht eine verhandelte Lösung, sondern die Ablehnung jüdischer Selbstbestimmung im Land Israel. Genau darin unterscheidet sich der Islamische Dschihad von politischen Kräften, die zumindest formal Verhandlungen oder Diplomatie akzeptieren. Für den Islamischen Dschihad ist Israel kein Konfliktgegner, mit dem ein Ausgleich gesucht wird, sondern ein Feind, dessen Existenz grundsätzlich illegitim sei. Diese Haltung macht die Organisation zu einem zentralen Teil des terroristischen Spektrums gegen Israel.

Abgrenzung zu Hamas

Hamas und Islamischer Dschihad werden oft gemeinsam genannt, weil beide islamistische palästinensische Terrororganisationen sind, beide Israel ablehnen und beide aus dem Gazastreifen heraus gegen Israel kämpfen. Dennoch gibt es Unterschiede. Hamas ist größer, politisch breiter aufgestellt und beherrschte über Jahre den Gazastreifen. Sie verfügt über Verwaltung, Sicherheitsapparate, soziale Strukturen, Propaganda, politische Führung und den militärischen Arm der Qassam Brigaden.

Der Islamische Dschihad ist kleiner, stärker auf bewaffnete Aktionen konzentriert und noch unmittelbarer vom iranischen Unterstützungsnetz abhängig. Er hat keine vergleichbare Regierungsverantwortung übernommen und kann sich deshalb stärker als reine Kampf- und Terrororganisation inszenieren. In der Praxis arbeiten beide Gruppen immer wieder zusammen oder koordinieren Gewalt gegen Israel, konkurrieren aber auch um Einfluss, Geld, Prestige und militärische Bedeutung.

Die Rolle des Iran

Der Iran ist für den Islamischen Dschihad von zentraler Bedeutung. Die Organisation gilt als einer der engsten palästinensischen Partner Teherans. Iranische Unterstützung umfasst nach westlichen und israelischen Einschätzungen Finanzierung, Ausbildung, Waffen, technische Hilfe, Raketenwissen und politische Rückendeckung. Damit ist der Islamische Dschihad Teil des größeren iranischen Netzwerks gegen Israel, zu dem auch Hisbollah im Libanon, Huthi im Jemen sowie schiitische Milizen im Irak und in Syrien gehören.

Für Israel ist diese Verbindung entscheidend. Der Islamische Dschihad ist nicht nur eine lokale Terrorgruppe in Gaza. Er ist ein Baustein einer regionalen Strategie, mit der Iran Israel an mehreren Fronten unter Druck setzt. Während Teheran selbst oft indirekt handelt, führen seine Partner Angriffe aus, bauen Raketenarsenale auf und destabilisieren die Region. Der Islamische Dschihad ist damit ein typisches Beispiel für den Stellvertreterkrieg gegen Israel.

Al Quds Brigaden

Die Al Quds Brigaden sind der bewaffnete Arm des Islamischen Dschihad. Sie sind für Raketenangriffe, Schussattacken, Anschlagsplanungen, Sprengsätze, Tunnelaktivitäten und bewaffnete Kämpfe gegen Israel verantwortlich. In Gaza gelten sie nach Hamas’ Qassam Brigaden als eine der wichtigsten bewaffneten Kräfte. Auch in Judäa und Samaria traten Strukturen des Islamischen Dschihad in Erscheinung, besonders in Städten wie Jenin, wo bewaffnete Zellen immer wieder Angriffe vorbereiteten oder ausführten.

Die Bezeichnung „Al Quds“ verweist auf Jerusalem. Das ist kein Zufall. Terrororganisationen benutzen Jerusalem und besonders Al Aqsa häufig als Mobilisierungssymbol. Der Name soll religiöse und politische Gefühle bündeln und Gewalt gegen Israel als angeblichen Kampf um Jerusalem darstellen. Aus israelischer Sicht ist genau diese Symbolik gefährlich, weil sie religiöse Aufladung mit Terror verbindet und dadurch Gewalt über Gaza hinaus mobilisieren kann.

Terror gegen Israel

Der Islamische Dschihad ist seit Jahrzehnten an Anschlägen und Angriffen gegen Israel beteiligt. Dazu gehören Selbstmordanschläge, Raketenbeschuss, Schussangriffe, Sprengsätze und bewaffnete Zellen. Besonders aus dem Gazastreifen heraus feuerte die Organisation immer wieder Raketen auf israelische Städte und Gemeinden ab. Für die betroffenen Menschen in Israel bedeutet das nicht abstrakte Sicherheitslage, sondern Sirenen, Schutzräume, unterbrochene Schulwege, zerstörte Häuser und die ständige Möglichkeit, dass ein normaler Tag in Sekunden zur Gefahr wird.

Israel reagierte in den vergangenen Jahren mehrfach mit gezielten Operationen gegen Führungsfiguren, Waffenlager, Raketenstellungen und Kommandostrukturen des Islamischen Dschihad. Diese Einsätze wurden international oft nur als neue Runde der Gewalt wahrgenommen. Aus israelischer Sicht sind sie Teil der Terrorabwehr gegen eine Organisation, die bewusst zivile Orte in Israel bedroht und zugleich ihre eigene militärische Infrastruktur in dicht besiedelten Gebieten versteckt.

Der 7. Oktober 2023

Der 7. Oktober 2023 ist für die Einordnung des Islamischen Dschihad besonders wichtig. Der Angriff aus Gaza wurde von Hamas geführt, doch der Islamische Dschihad war nach mehreren internationalen Darstellungen ebenfalls beteiligt. Terroristen griffen israelische Gemeinden, ein Musikfestival, Familien und Zivilisten an. Mehr als 1.200 Menschen wurden ermordet, mehr als 250 Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Auch der Islamische Dschihad spielte bei den Geiseln und im bewaffneten Spektrum des Angriffs eine Rolle.

Für Israel bestätigte der 7. Oktober, dass Gruppen wie Hamas und Islamischer Dschihad nicht nur „militante Bewegungen“ oder regionale Akteure sind, sondern Organisationen, die gezielt Zivilisten angreifen und jüdisches Leben vernichten wollen. Die Beteiligung des Islamischen Dschihad zeigt zudem, dass der Terror aus Gaza nicht auf eine einzige Organisation reduziert werden kann. Gaza war ein Raum, in dem mehrere bewaffnete Gruppen über Jahre Strukturen aufbauen konnten.

Gaza und Judäa und Samaria

Der Schwerpunkt des Islamischen Dschihad liegt im Gazastreifen. Dort konnte die Organisation unter dem Schutz der Hamas-Herrschaft eigene bewaffnete Strukturen ausbauen. Raketen, Waffenlager, Kommandostellen und Kämpfer wurden Teil einer militärischen Infrastruktur, die Israel immer wieder bedrohte. Gleichzeitig trat der Islamische Dschihad auch in Judäa und Samaria auf, besonders in bewaffneten Milieus in Jenin und Umgebung.

Diese Ausbreitung ist für Israel gefährlich, weil sie mehrere Sicherheitsräume miteinander verbindet. Gaza bedeutet Raketen, Tunnel und grenznahe Angriffe. Judäa und Samaria bedeuten Nähe zu israelischen Städten, Straßen und Gemeinden. Wenn iranisch unterstützte Gruppen auch dort stärker Fuß fassen, wächst das Risiko von Anschlägen im Herzen Israels. Deshalb behandelt Israel den Islamischen Dschihad nicht nur als Gaza-Problem, sondern als Teil einer breiteren Terrorbedrohung.

Internationale Einstufung

Der Islamische Dschihad wird von den USA als ausländische Terrororganisation geführt. Auch andere Staaten und Institutionen betrachten ihn als Terrororganisation oder verhängen Sanktionen gegen Personen und Netzwerke, die seine Gewalt unterstützen. Die Europäische Union verlängerte Anfang 2026 restriktive Maßnahmen gegen Unterstützer gewaltsamer Handlungen von Hamas und Palästinensischem Islamischem Dschihad. Diese Einstufungen beruhen auf der Rolle der Organisation bei Terror, Gewalt gegen Zivilisten, Raketenangriffen und ihrer Einbindung in regionale Unterstützungsnetzwerke.

Die internationale Einordnung ist wichtig, weil sie zeigt: Der Islamische Dschihad ist keine gewöhnliche politische Bewegung. Er verfolgt keine demokratische Interessenvertretung, sondern setzt auf bewaffnete Gewalt. Seine Sprache ist die Sprache des Kampfes, seine Praxis die Praxis des Terrors. Wer ihn verharmlost, verschweigt die Opfer und macht aus Gewalt gegen Israelis eine politische Meinungsäußerung.

Propaganda und Sprache

Wie andere Terrororganisationen arbeitet auch der Islamische Dschihad mit Propaganda. Angriffe werden als „Widerstand“ verklärt, getötete Terroristen als „Märtyrer“ bezeichnet, Raketenangriffe als Verteidigung ausgegeben. Diese Sprache soll Gewalt moralisch aufladen und Verantwortlichkeiten verwischen. Besonders gefährlich ist, wenn Medien solche Begriffe unkritisch übernehmen. Wer Terroristen als „Kämpfer“ oder „Militante“ beschreibt, ohne ihre Anschläge gegen Zivilisten klar zu benennen, schwächt die moralische Klarheit.

Der Islamische Dschihad nutzt zudem religiöse Symbolik, Jerusalem-Bezüge und Bilder angeblicher Verteidigung palästinensischer Ehre. Diese Propaganda spricht nicht nur lokale Anhänger an, sondern soll auch in der arabischen und muslimischen Welt Unterstützung erzeugen. Sie verwandelt einen politischen und militärischen Konflikt in einen religiös aufgeladenen Kampf. Für Israel erhöht das die Gefahr, weil religiöse Mobilisierung schwerer zu begrenzen ist als klassische politische Auseinandersetzung.

Warum der Begriff im Lexikon wichtig ist

Der Islamische Dschihad ist ein wichtiger Lexikonbegriff, weil er in vielen Artikeln über Gaza, Iran, Raketenangriffe, Geiseln, Terrorzellen, Jenin, Jerusalem und den Nahostkonflikt auftaucht. Leser verwechseln ihn leicht mit Hamas oder halten ihn für eine kleine Randgruppe. Tatsächlich ist er eine eigenständige, gefährliche und stark iranisch geprägte Terrororganisation mit erheblicher militärischer Bedeutung.

Wer den Islamischen Dschihad versteht, versteht besser, warum Israel Gaza und bestimmte Terrorstrukturen nicht nur als lokale Bedrohung sieht. Die Organisation verbindet islamistische Ideologie, palästinensischen Terror und iranische Regionalstrategie. Sie steht für eine Form des Konflikts, in der nicht Frieden, Koexistenz oder Staatlichkeit im Mittelpunkt stehen, sondern die fortgesetzte Gewalt gegen Israel. Genau deshalb darf der Begriff nicht weichgezeichnet werden.

Quellen

  1. National Counterterrorism Center: Palestine Islamic Jihad dni.gov/nctc/terrorist_groups/pij.html
  2. U.S. Department of State: Foreign Terrorist Organizations state.gov/foreign-terrorist-organizations
  3. Encyclopaedia Britannica: Palestinian Islamic Jihad britannica.com/topic/Palestinian-Islamic-Jihad
  4. European Council on Foreign Relations: Al-Quds Brigades ecfr.eu/special/mapping_palestinian_politics/al_quds_brigades_aqb_islamic_jihad/
  5. Council of the European Union: Hamas and Palestinian Islamic Jihad restrictive measures consilium.europa.eu/en/press/press-releases/2026/01/16/hamas-and-palestinian-islamic-jihad-council-prolongs-restrictive-measures-for-another-year/
  6. Australian National Security: Palestinian Islamic Jihad nationalsecurity.gov.au/what-australia-is-doing/terrorist-organisations/listed-terrorist-organisations/palestinian-islamic-jihad

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