Palästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen Begriff

Palästina ist kein einfacher Staatsname, sondern ein historischer, religiöser und politischer Begriff. Wer ihn benutzt, muss jüdische Geschichte, Mandatszeit und Gegenwart genau trennen.

Was bedeutet Palästina?

Palästina ist ein historischer, geografischer und politischer Begriff für eine Region im südlichen Levantegebiet zwischen Mittelmeer, Jordanraum, Libanon, Syrien, Sinai und Arabischer Halbinsel. Der Begriff beschreibt jedoch keinen über Jahrtausende bestehenden souveränen Staat im modernen Sinn. Genau darin liegt ein wichtiger Unterschied: Palästina war in verschiedenen Epochen ein geografischer Raum, eine Verwaltungsbezeichnung, ein Mandatsgebiet, ein politischer Bezugspunkt und später ein Kernbegriff der palästinensischen Nationalbewegung.

Im Deutschen wird Palästina heute häufig als politische Bezeichnung verwendet. Gemeint sind dann meist der Gazastreifen und Teile von Judäa und Samaria, international häufig „West Bank“ genannt. In vielen internationalen Zusammenhängen steht „Palästina“ außerdem für den von zahlreichen Staaten anerkannten „Staat Palästina“, der 1988 von der PLO ausgerufen wurde. Diese politische Verwendung darf aber nicht mit der älteren Geschichte des Landes verwechselt werden.

Historisch ist der Begriff besonders sensibel, weil er oft in einer Weise benutzt wird, die jüdische Geschichte im Land verkürzt oder ausblendet. Das ist sachlich falsch. Jüdisches Leben, jüdische Religion, jüdische politische Geschichte und jüdische Erinnerung sind mit diesem Land seit der Antike verbunden. Jerusalem, Hebron, Safed und Tiberias gehören zu den Orten, an denen jüdische Präsenz, religiöse Bindung und geschichtliche Kontinuität eine besondere Rolle spielten. Auch nach Eroberungen, Vertreibungen, Fremdherrschaft und massiven demografischen Veränderungen hörte jüdisches Leben im Land nicht vollständig auf.

Historischer Ursprung des Begriffs

Der Name Palästina geht auf ältere antike Bezeichnungen zurück, die mit den Philistern und später mit griechisch-römischen Namensformen verbunden waren. In römischer Zeit wurde der Begriff in Verwaltungsbezeichnungen verwendet. Besonders häufig wird darauf verwiesen, dass die römische Provinz Judäa nach dem jüdischen Bar-Kochba-Aufstand im 2. Jahrhundert n. Chr. in den Namen Syria Palaestina einbezogen wurde. Diese Namensgeschichte ist wichtig, weil sie zeigt: Der Begriff Palästina ist alt, aber seine Bedeutung wechselte je nach Herrschaft, Sprache und politischem Zusammenhang.

Für die jüdische Geschichte blieb das Land zugleich Eretz Israel, das Land Israel. Diese Bezeichnung ist nicht einfach eine moderne politische Erfindung, sondern tief in jüdischer Religion, Liturgie, Erinnerung und Geschichte verankert. Wer Palästina historisch erklärt, ohne diese jüdische Verbindung zu nennen, liefert ein verzerrtes Bild. Ebenso ungenau wäre es, die arabische Bevölkerung der Region erst im 20. Jahrhundert wahrzunehmen. In der osmanischen Zeit lebten dort unterschiedliche muslimische, christliche, jüdische, drusische und andere Gemeinschaften. Die moderne nationale Deutung dieser Gemeinschaften entwickelte sich jedoch erst unter den Bedingungen des 19. und 20. Jahrhunderts.

Palästina unter osmanischer und britischer Herrschaft

Bis zum Ersten Weltkrieg gehörte das Gebiet, das später als britisches Mandatsgebiet Palästina bekannt wurde, zum Osmanischen Reich. Es war damals kein eigenständiger Staat Palästina. Die Region war in osmanische Verwaltungsstrukturen eingebunden, deren Grenzen nicht mit späteren politischen Forderungen identisch waren. Bevölkerung, Landbesitz, Verwaltung, lokale Eliten, religiöse Gemeinden und wirtschaftliche Verhältnisse unterschieden sich stark je nach Ort und Zeit.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam das Gebiet unter britische Mandatsverwaltung. Das Britische Mandat Palästina wurde 1922 vom Völkerbund bestätigt. Es nahm Bezug auf die Balfour-Erklärung von 1917, in der Großbritannien die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk unterstützte. Diese Entscheidung entstand nicht im luftleeren Raum. Sie knüpfte an eine jahrtausendealte jüdische Verbindung zum Land an und fiel zugleich in eine Zeit, in der die moderne zionistische Bewegung bereits seit Jahrzehnten jüdische Rückkehr, Landkauf, Selbstorganisation, Landwirtschaft, Sprache, Bildung und politische Vertretung vorantrieb.

Gleichzeitig lebten in der Region arabische Gemeinschaften, deren politische Forderungen im Laufe des 20. Jahrhunderts zunehmend national formuliert wurden. Dieser Punkt ist entscheidend: Die Geschichte Palästinas in der Mandatszeit lässt sich nicht seriös erzählen, wenn man eine Seite ausblendet. Es gab jüdische Kontinuität und zionistische Rückkehrbewegung. Es gab arabische Bevölkerung und wachsenden arabischen Widerstand gegen die jüdische nationale Heimstätte. Und es gab die britische Mandatsmacht, die zwischen internationalen Zusagen, strategischen Interessen, arabischem Druck, jüdischer Einwanderung und zunehmender Gewalt lavierte.

Der UN-Teilungsplan von 1947

1947 schlugen die Vereinten Nationen vor, das Mandatsgebiet westlich des Jordan in einen jüdischen und einen arabischen Staat zu teilen. Jerusalem sollte eine besondere internationale Stellung erhalten. Die jüdische Führung akzeptierte den Teilungsplan trotz schwerer Nachteile und trotz der Tatsache, dass Jerusalem nicht Teil des jüdischen Staates werden sollte. Die arabische Seite lehnte den Plan ab.

Nach der Gründung des Staates Israel am 14. Mai 1948 griffen mehrere arabische Staaten den jungen Staat an. Der Krieg endete nicht mit der Gründung eines arabisch-palästinensischen Staates. Stattdessen kontrollierte Jordanien Judäa und Samaria einschließlich Ostjerusalems, während Ägypten den Gazastreifen kontrollierte. Ein souveräner Staat Palästina entstand weder 1948 noch in den folgenden Jahren unter jordanischer oder ägyptischer Kontrolle. Dieser historische Befund ist für die Einordnung des Begriffs Palästina zentral.

Zugleich führte der Krieg von 1948 zu Flucht, Vertreibung, Verlust und einem tiefen palästinensischen Trauma, das in der arabischen und palästinensischen Erinnerung als Nakba bezeichnet wird. Auch hier ist Genauigkeit notwendig: Die palästinensische Flüchtlingsfrage ist real, aber sie darf nicht isoliert von Krieg, arabischer Ablehnung des Teilungsplans, Angriffen auf Israel und der gleichzeitigen Vertreibung oder Flucht Hunderttausender Juden aus arabischen und muslimisch geprägten Ländern betrachtet werden. Wer nur eine Seite erzählt, erklärt nicht Geschichte, sondern betreibt politische Auswahl.

Palästina als moderner politischer Begriff

Der moderne politische Begriff Palästina ist eng mit der palästinensischen Nationalbewegung verbunden. Die PLO wurde 1964 gegründet, also noch vor dem Sechstagekrieg von 1967. Nach 1967 rückten der Gazastreifen, Judäa und Samaria sowie Ostjerusalem immer stärker in das Zentrum internationaler Debatten. Die PLO erklärte 1988 den Staat Palästina. Seit den Oslo-Abkommen ab 1993 existiert die Palästinensische Autonomiebehörde als politische Verwaltungsstruktur in Teilen der palästinensischen Gebiete.

Diese Entwicklung änderte aber nichts daran, dass die endgültigen Fragen nie abschließend geregelt wurden. Grenzen, Sicherheit, Jerusalem, Flüchtlinge, Siedlungen, gegenseitige Anerkennung und das Ende aller Ansprüche blieben umstritten. Besonders schwer wiegt die politische Spaltung der palästinensischen Seite. Die Fatah dominiert die Palästinensische Autonomiebehörde in Teilen von Judäa und Samaria. Die Terrororganisation Hamas übernahm 2007 gewaltsam die Kontrolle über den Gazastreifen und machte das Gebiet zu einem Zentrum bewaffneter Konfrontation mit Israel.

Für Israel ist der Begriff Palästina deshalb nicht nur eine Frage der Diplomatie, sondern auch eine Frage der Sicherheit. Ein palästinensischer Staat neben Israel wäre etwas anderes als ein politisches Projekt, das Israel ersetzen oder militärisch bedrohen soll. Dieser Unterschied ist nicht nebensächlich. Er entscheidet darüber, ob „Palästina“ als nationaler Anspruch neben Israel gemeint ist oder als Kampfbegriff gegen Israels Existenz.

Problematische Verwendung des Begriffs

Besonders heikel ist die Verwendung von Palästina in Parolen, Karten und Kampagnen, die Israel vollständig ausblenden. Wenn „Palästina“ vom Jordan bis zum Mittelmeer dargestellt wird, ohne Israel zu zeigen, ist das keine neutrale Geografie. Es ist eine politische Aussage. Viele Juden und Israelis verstehen solche Darstellungen als Leugnung des jüdischen Staates und als Forderung nach seiner Ersetzung. Diese Sorge ist nicht theoretisch, sondern durch jahrzehntelange Gewalt, Terror, Vernichtungsrhetorik und den Angriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 tief geprägt.

Das bedeutet nicht, dass jede Verwendung des Begriffs Palästina antisemitisch ist. Eine solche Pauschalisierung wäre falsch. Der Begriff kann historisch, geografisch, diplomatisch oder identitär verwendet werden. Problematisch wird er dort, wo er jüdische Geschichte löscht, Israel delegitimiert, Terror verharmlost oder so tut, als habe es vor Israel einen modernen souveränen Staat Palästina gegeben, der einfach von außen beseitigt worden sei. Das ist keine tragfähige historische Darstellung.

Genauso falsch wäre es, palästinensische Menschen pauschal mit Terrororganisationen gleichzusetzen. Palästinenser sind nicht identisch mit Hamas, Islamischem Dschihad, Fatah oder PLO. Der Begriff Palästina darf nicht dazu dienen, Menschen zu entmenschlichen. Aber er darf auch nicht dazu benutzt werden, die jüdische Geschichte des Landes oder das Existenzrecht Israels zu verdrängen.

Quellen

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  9. https://www.cia.gov/the-world-factbook/countries/gaza-strip/ cia.gov/the-world-factbook/countries/gaza-strip/

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