„Free Palestine“ gerufen und Juden angezündet: Attentäter gesteht antisemitischen Terror

„Free Palestine“ gerufen und Juden angezündet: Attentäter gesteht antisemitischen Terror


Er warf Brandsätze auf Menschen, die für die israelischen Geiseln demonstrierten. Eine 82-jährige Frau starb, zahlreiche weitere Menschen wurden verletzt. Jetzt hat Mohamed Sabry Soliman vor einem US-Bundesgericht eingeräumt, dass er seine Opfer wegen ihrer jüdischen Identität und israelischen Herkunft töten wollte.

„Free Palestine“ gerufen und Juden angezündet: Attentäter gesteht antisemitischen Terror
Bildnachweis: Pixabay

Der antisemitische Brandanschlag von Boulder im US-Bundesstaat Colorado hat eine weitere juristische Aufarbeitung erfahren. Am Donnerstag, dem 29. Oktober 2026, bekannte sich Mohamed Sabry Soliman vor einem Bundesgericht in Denver in zwölf Anklagepunkten schuldig. Darunter befinden sich neun Hassverbrechen und drei Straftaten im Zusammenhang mit dem Einsatz von Brandsätzen. Der 47-jährige Ägypter gestand, Menschen gezielt angegriffen zu haben, weil er sie für Juden beziehungsweise Israelis hielt.

Damit steht das Motiv eines Anschlags fest, der am 1. Juni 2025 die jüdische Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten erschütterte. Damals hatten sich Mitglieder der Initiative „Run for Their Lives“ in der Innenstadt von Boulder versammelt. Sie wollten friedlich auf das Schicksal der Menschen aufmerksam machen, die von der Terrororganisation HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen beim Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023 nach GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen verschleppt worden waren.

Die Teilnehmer hielten israelische Fahnen und demonstrierten für die Geiseln. Sie waren unbewaffnet. Ihr Anliegen bestand darin, an das Schicksal entführter Menschen zu erinnern.

Soliman hatte etwas anderes vorbereitet.

Nach den Feststellungen der amerikanischen Ermittlungsbehörden plante er seinen Angriff über einen längeren Zeitraum. Er beschaffte Materialien für Brandsätze und stellte mehr als ein Dutzend Molotowcocktails her. Zusätzlich präparierte er ein mit Benzin gefülltes Rückensprühgerät, das als improvisierte Flammenwaffe eingesetzt werden konnte.

Am 1. Juni fuhr er nach Boulder. Vor dem historischen Gerichtsgebäude an der Pearl Street griff er die versammelten Menschen an. Er entzündete zwei Molotowcocktails und warf sie in die Menge.

Während der Attacke rief er „Free Palestine“.

Was für Millionen Menschen eine politische Forderung ist, begleitete in diesem Moment einen gezielten Mordanschlag. Der Täter wollte nach seinem eigenen Geständnis möglichst viele Menschen töten.

Karen Diamond überlebte die Verbrennungen nicht

Unter den Opfern befand sich die 82-jährige Karen Sorin Diamond. Sie erlitt schwerste Verbrennungen am gesamten Körper. Mehr als drei Wochen kämpfte sie im Krankenhaus um ihr Leben, bevor sie ihren Verletzungen erlag.

Ihr Ehemann wurde ebenfalls schwer verbrannt, überlebte jedoch. Weitere Teilnehmer erlitten erhebliche Verletzungen, teilweise mit langwierigen gesundheitlichen Folgen. Andere mussten erleben, wie Menschen unmittelbar neben ihnen in Brand gerieten.

Die Staatsanwaltschaft des Bezirks Boulder sprach von einem antisemitischen Terroranschlag, der nicht nur ein Menschenleben kostete, sondern zahlreiche Opfer körperlich und seelisch schwer verletzte.

Bereits am 6. Mai 2026 hatte sich Soliman vor einem Gericht des Bundesstaates Colorado in den dort erhobenen Anklagepunkten schuldig bekannt. Er wurde wegen Mordes und zahlreicher weiterer Straftaten zu lebenslanger Haft ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung sowie zusätzlichen 2.128 Jahren Gefängnis verurteilt.

Das neue Verfahren betrifft die strafrechtliche Verantwortung auf Bundesebene. In den Vereinigten Staaten können bestimmte Gewalttaten sowohl nach dem Recht eines Bundesstaates als auch nach Bundesrecht verfolgt werden.

Für die Angehörigen der Opfer ist der neuerliche Schuldspruch besonders bedeutsam, weil der Täter nun auch ausdrücklich die antisemitische Motivation seines Handelns anerkannt hat.

Das US-Justizministerium erklärte, Soliman habe im Rahmen seiner Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft eingeräumt, die Gruppe wegen ihrer tatsächlichen oder von ihm angenommenen jüdischen Religion und israelischen Nationalität angegriffen zu haben.

Damit lässt sich die Tat nicht als gewöhnlicher politischer Konflikt oder als außer Kontrolle geratene Demonstration beschreiben. Es handelte sich um einen geplanten Angriff auf Menschen, denen der Täter aufgrund ihrer Identität und ihrer Solidarität mit israelischen Geiseln das Lebensrecht absprach.

Antizionismus als Rechtfertigung für Gewalt

Besonders aufschlussreich ist der Umgang des Täters mit seiner eigenen Motivation. Bereits bei seinem früheren Schuldeingeständnis hatte Soliman erklärt, keinen Hass gegen jüdische Menschen zu empfinden. Sein Gegner sei der ZionismusZionismus: Das Recht der Juden auf SelbstbestimmungZionismus bezeichnet die jüdische Nationalbewegung, die für die Rückkehr des jüdischen Volkes in seine historische Heimat und für jüdische Selbstbestimmung im Land Israel eintrat. Der moderne Zionismus entstand im 19. Jahrhundert als Antwort auf Antisemitismus, Verfolgung und Entrechtung.Mehr lesen.

Dieses Selbstbild steht in einem unübersehbaren Widerspruch zu seinem tatsächlichen Handeln.

Soliman griff keine militärische Einrichtung an. Er attackierte keine bewaffneten Soldaten. Seine Opfer waren Zivilisten, die an einer friedlichen Versammlung teilnahmen und für die Freilassung verschleppter Menschen eintraten.

Er machte sie zu seinen Feinden, weil er sie mit IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und dem jüdischen Volk verband.

Gerade hier zeigt sich, wie antisemitische Gewalt unter dem Deckmantel einer vermeintlich ausschließlich politischen Gegnerschaft gerechtfertigt werden kann. Eine Person kann behaupten, lediglich den Zionismus abzulehnen. Wenn sie anschließend Menschen wegen ihrer jüdischen Identität oder ihrer angenommenen Verbindung zu Israel angreift, entscheidet nicht ihre bevorzugte Selbstbeschreibung über den Charakter der Tat.

In Boulder hat der Täter selbst eingeräumt, dass er seine Opfer aus antisemitischen Beweggründen töten wollte.

Die Parole „Free Palestine“ ist für sich genommen kein Aufruf zur Gewalt. Sie wird von Menschen mit sehr unterschiedlichen politischen Vorstellungen verwendet. In den Händen Solimans wurde sie jedoch zur Begleitparole eines Mordanschlags.

Das darf nicht verallgemeinert werden. Es darf aber ebenso wenig verharmlost werden.

Wer Menschen im Namen einer politischen Sache verbrennt, verteidigt keine Menschenrechte. Er begeht Terror. Und wer diese Tat mit Verweisen auf das Leid der PalästinenserPalästinenser: Herkunft, Begriffswandel und politische IdentitätPalästinenser bezeichnet heute meist palästinensische Araber mit eigener nationaler Identität. In der Mandatszeit konnte der Begriff jedoch allgemein Bewohner des britischen Mandatsgebiets Palästina meinen, auch Juden.Mehr lesen entschuldigen wollte, würde die Verantwortung für einen antisemitischen Mordanschlag relativieren.

Weiteres Urteil im Januar

Im Bundesverfahren bekannte sich Soliman unter anderem eines Hassverbrechens mit Todesfolge schuldig. Die Staatsanwaltschaft beantragt eine weitere lebenslange Freiheitsstrafe sowie zusätzliche 50 Jahre Haft. Auf die Forderung nach der Todesstrafe wurde im Rahmen der Vereinbarung verzichtet.

Das endgültige Strafmaß soll am 7. Januar 2027 verkündet werden. Der zuständige Bundesrichter John Kane ist bei seiner Entscheidung nicht automatisch an die Empfehlung der Staatsanwaltschaft gebunden.

Für die Familie von Karen Diamond und die überlebenden Opfer wird das Urteil den Anschlag nicht ungeschehen machen. Es kann jedoch die strafrechtliche Verantwortung des Täters auch auf Bundesebene abschließend feststellen.

Der Fall steht zugleich für eine Entwicklung, vor der jüdische Organisationen seit Jahren warnen: Antisemitische Gewalt richtet sich zunehmend gegen Menschen, die öffentlich als Juden erkennbar sind oder ihre Solidarität mit Israel zeigen.

In Boulder genügte eine friedliche Demonstration für entführte Menschen, um zum Ziel eines tödlichen Angriffs zu werden.

haOlam.de hatte bereits kurz nach der Tat über den Anschlag berichtet und dabei vor unbewiesenen Behauptungen über mögliche organisatorische Verbindungen des Täters gewarnt. Auch heute gibt es keinen öffentlich bestätigten Nachweis, dass Soliman im Auftrag der Hamas oder einer anderen Organisation handelte. Für die Einordnung seiner Tat ist eine solche Verbindung jedoch nicht erforderlich.

Sein eigenes Geständnis benennt das antisemitische Motiv.

Karen Diamond wurde nicht bei einer militärischen Auseinandersetzung getötet. Sie nahm an einer friedlichen Veranstaltung teil, die an israelische Geiseln erinnerte. Ein Mann, der möglichst viele Menschen töten wollte, griff sie und die anderen Teilnehmer mit Feuer an.

Der Täter rief „Free Palestine“. Seine Opfer wollten die Freiheit der Geiseln. Am Ende starb eine 82-jährige Frau, weil ein AntisemitAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen aus politischem Hass Menschen anzündete.

Das ist der Kern dieses Verbrechens. Und genau deshalb muss es als das bezeichnet werden, was es war: ein antisemitischer Terroranschlag.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 1. November 2026

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