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Mojtaba Khamenei droht mit weltweiter Rache


Irans neuer Oberster Führer kündigt Vergeltung für den Tod Ali Khameneis an. Besonders brisant ist die Formulierung, „freie Menschen“ weltweit würden Teile dieser „göttlichen Mission“ übernehmen.

Mojtaba Khamenei droht mit weltweiter Rache
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Iran verschärft seinen Ton genau in dem Moment, in dem Washington und Teheran über neue Gespräche streiten. In einer schriftlichen Erklärung, die dem neuen Obersten Führer Mojtaba Khamenei zugeschrieben wird, kündigt die Islamische Republik Vergeltung für die Tötung Ali Khameneis an. Die Erklärung spricht nicht nur von staatlicher Rache. Sie deutet eine weltweite Mobilisierung an. „Freie Menschen“ überall auf der Welt würden bald jeweils einen Teil dieser „göttlichen Mission“ ausführen, heißt es sinngemäß in der Botschaft. Damit wird aus iranischer Trauerpropaganda eine internationale Drohkulisse.

Die Botschaft ist mehr als ein Beileidstext. Sie ist ein politischer Schwur. Iran werde das „reine Blut“ Khameneis und der anderen „Märtyrer“ rächen, heißt es darin. Die Täter würden nicht friedlich in ihren Betten sterben. Die Rache sei nicht abhängig von der Anwesenheit eines bestimmten Führers oder einzelner Amtsträger. Genau dieser Satz ist entscheidend. Er löst die Drohung vom Staat, vom Apparat und von einer konkreten Befehlsstruktur. Er stellt Vergeltung als religiös-politische Pflicht dar, die auch andere übernehmen können.

Für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen, jüdische Gemeinden und westliche Sicherheitsbehörden ist diese Sprache alarmierend. Iran verfügt seit Jahrzehnten über ein Netzwerk aus Revolutionsgarde, HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, Islamischem Dschihad, HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, Milizen, Propagandakanälen und sympathisierenden Strukturen im Ausland. Wenn der neue Oberste Führer Rache nicht nur als staatliche Aufgabe, sondern als Mission „freier Menschen“ weltweit beschreibt, dann ist das keine bloße Trauerformel. Es ist eine Botschaft an ein Umfeld, das längst gelernt hat, ideologische Sprache in Gewalt, Einschüchterung oder Anschlagsfantasien zu übersetzen.

Gleichzeitig versucht Teheran, die diplomatische Tür nicht vollständig zuzuschlagen. Genau hier liegt der Widerspruch der aktuellen Lage. Donald Trump erklärte auf Truth Social, Iran habe um eine Fortsetzung der Gespräche gebeten. Die Vereinigten Staaten hätten dem zugestimmt, zugleich aber unmissverständlich klargemacht, dass die Waffenruhe vorbei sei. Iranische Stellen bestritten diese Darstellung und erklärten, Teheran habe keine Bitte um neue Gespräche gestellt. Nach Angaben iranischer Medien werde Iran nicht verhandeln, solange die Vereinigten Staaten nicht von ihren Positionen abrückten.

Noch komplizierter wird die Lage durch Berichte aus Washington. CBS News meldete unter Berufung auf hochrangige US-Beamte, iranische Vertreter hätten Trump-Beratern privat mitgeteilt, die Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen seien ein Fehler gewesen. Verantwortlich sei demnach eine abweichende Gruppe von Hardlinern gewesen, die Verhandlungen sabotieren wolle. Die USA verlangen nach Reuters und AP nun, dass Iran öffentlich zusichert, die Straße von Hormus offen zu halten und Angriffe auf Handelsschiffe zu beenden.

Damit stehen zwei iranische Botschaften nebeneinander. Nach außen und in Richtung Vermittler kann Iran so tun, als wolle es Gespräche retten und die Eskalation begrenzen. Nach innen und gegenüber seinen Anhängern spricht das Regime von Blut, Märtyrern, Rache und göttlicher Mission. Diese Doppelspur ist nicht neu. Die Islamische Republik hat immer wieder Diplomatie und Gewalt parallel genutzt: Verhandlungen als Zeitgewinn, Drohungen als Druckmittel, Stellvertreter als Werkzeug und religiöse Sprache als ideologische Munition.

Für Israel ist genau das der Kern des Problems. Teheran kann nicht glaubwürdig Entspannung verlangen, während sein oberster Machtträger eine Rachebotschaft mit weltweiter Reichweite verbreitet. Wer behauptet, er wolle Gespräche, aber zugleich erklärt, die Täter würden nicht friedlich sterben, sendet keine Deeskalation. Er sendet Abschreckung, Drohung und den Versuch, Anhänger jenseits der iranischen Grenzen ideologisch auf Linie zu bringen.

Die Formulierung von den „freien Menschen“ weltweit ist dabei besonders gefährlich. Sie erlaubt dem Regime, Verantwortung zu verwischen. Wenn später irgendwo ein Angriff, eine Drohung, eine Attacke auf israelische oder jüdische Ziele geschieht, kann Teheran behaupten, es habe keinen konkreten Befehl gegeben. Gleichzeitig hat es vorher den moralischen und religiösen Rahmen geliefert. Genau diese Grauzone macht solche Botschaften so wirkungsvoll. Sie müssen nicht operativ präzise sein. Es reicht, wenn sie das Signal setzen.

Mojtaba Khamenei setzt damit die Linie seines Vaters fort, aber in einer neuen Lage. Ali Khamenei war über Jahrzehnte der Architekt einer Strategie, die Israel mit bewaffneten Stellvertretern umzingeln sollte. Hisbollah im Libanon, Hamas und Islamischer DschihadIslamischer Dschihad: Irans Terrorpartner gegen IsraelDer Islamische Dschihad ist eine palästinensische Terrororganisation, die Anfang der 1980er Jahre entstand. Sie lehnt Israel ab, wird stark vom Iran unterstützt und verfügt mit den Al Quds Brigaden über einen bewaffneten Arm.Mehr lesen in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen, Milizen in Syrien und Irak, die HouthisHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen im Jemen, dazu Raketen, Drohnen und nukleare Erpressung. Sein Sohn übernimmt nun ein geschwächtes, aber nicht gebrochenes System. Die militärischen Schläge der vergangenen Monate haben Iran getroffen. Doch das ideologische Zentrum sucht offenbar nicht nach Rückzug, sondern nach Racheerzählung.

Das erklärt auch die religiöse Aufladung der Erklärung. Khameneis Tod wird nicht als militärische Niederlage beschrieben, sondern als Märtyrertod. Die Getöteten werden in eine schiitische Opfergeschichte gestellt, Kerbela, Hussein, göttliche Mission, Blut und Vergeltung. Das ist kein Beiwerk. Es ist die Sprache, mit der das Regime Niederlagen in Mobilisierung verwandelt. Aus einem Schlag gegen die Führung soll eine Verpflichtung für Anhänger entstehen. Aus Schwäche soll Sendungsbewusstsein werden.

Für die Vereinigten Staaten bedeutet das, dass neue Gespräche nur unter harten Bedingungen Sinn ergeben. Offene Seewege, ein Ende der Angriffe auf Handelsschiffe, keine Drohungen gegen US-Ziele, keine Nutzung von Vermittlern als Schutzschild, klare Kontrolle über die Revolutionsgarde und überprüfbare Schritte im Nuklearbereich. Ohne solche Bedingungen wäre jede Verhandlung nur die nächste Bühne, auf der Teheran Zeit gewinnt und gleichzeitig seine Drohkulisse ausbaut.

Für Europa ist die Botschaft ebenfalls relevant. Wenn Iran von Menschen weltweit spricht, betrifft das nicht nur den Persischen Golf. Jüdische Einrichtungen, israelische Botschaften, Synagogen, Gemeindezentren, israelische Sportler, Geschäftsleute, Reisende und Dissidenten können in den Fokus radikalisierter Milieus geraten. Die Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte zeigt, dass iranische Rachepolitik nicht an Irans Grenzen endet. Buenos Aires, Burgas, Zypern, Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben auf unterschiedliche Weise erlebt, dass der lange Arm Teherans kein theoretisches Problem ist.

Deshalb darf die Erklärung nicht als bloßer Trauertext abgetan werden. Natürlich ist sie Teil der Beerdigungsinszenierung. Natürlich will das Regime seinen Anhängern Stärke zeigen. Aber autoritäre Systeme meinen ihre Symbole oft ernster, als westliche Beobachter wahrhaben wollen. Wenn ein neuer Oberster Führer Rache ankündigt, den Tod seines Vaters sakralisiert und Menschen weltweit in eine „Mission“ einbezieht, dann ist das eine sicherheitspolitische Nachricht.

Gerade jetzt, da Katar, Pakistan und andere Vermittler versuchen, den Gesprächskanal offen zu halten, muss die westliche Antwort nüchtern bleiben. Gespräche können nötig sein. Aber Gespräche ersetzen keine Abschreckung. Wer Iran nur an seinen diplomatischen Botschaften misst, übersieht die andere Hälfte des Systems. Und wer nur auf die Worte „Verhandlungen“ hört, während gleichzeitig „Rache“ gepredigt wird, versteht Teherans Methode nicht.

Mojtaba Khameneis Erklärung zeigt, dass Iran nach dem Tod Ali Khameneis nicht in eine Phase der Mäßigung eingetreten ist. Das Regime sucht Kontinuität, Vergeltung und ideologische Mobilisierung. Es will zugleich verhandeln, drohen, dementieren und seine Anhänger weltweit ansprechen. Das ist keine Entspannung. Das ist die nächste Phase derselben Strategie.

Für Israel kann daraus nur eine Schlussfolgerung folgen: Iran darf nicht an seinen Gesprächsangeboten gemessen werden, sondern an seinen Taten, seinen Netzwerken und seinen Drohungen. Eine Führung, die Rache zur göttlichen Mission erklärt, bleibt eine Bedrohung. Auch dann, wenn sie am nächsten Tag über Vermittler wieder reden lässt.

Thematische Einordnung


Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Samstag, 11. Juli 2026

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