Die Huthi sind eine vom Iran unterstützte Terrororganisation im Jemen. Sie greifen Israel, Handelsschiffe und internationale Seewege mit Raketen und Drohnen an.
Die Huthi sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Ihre Eigenbezeichnung lautet Ansar Allah, auf Deutsch etwa „Unterstützer Gottes“. Der Name Huthi geht auf Hussein Badreddin al-Houthi zurück, eine zentrale Gründerfigur der Bewegung. Ursprünglich entstand sie in den 1990er Jahren im Norden des Jemen, besonders in der Region Saada, aus einem zaiditisch geprägten religiösen und politischen Umfeld. Später entwickelte sie sich zu einer bewaffneten Terrororganisation, die große Teile des Nordwestjemen kontrolliert, den Bürgerkrieg im Land prägt und inzwischen weit über den Jemen hinaus eine Bedrohung darstellt.
Für Israel sind die Huthi nicht nur eine lokale jemenitische Gruppe. Sie sind eine vom Iran unterstützte Terrororganisation und Teil eines regionalen Netzwerks, das Israel an mehreren Fronten bedroht. Seit dem Krieg nach dem 7. Oktober 2023 griffen die Huthi Israel mit Raketen und Drohnen an und attackierten Schiffe im Roten Meer sowie im Golf von Aden. Damit machten sie den Jemen zu einer weiteren Front im regionalen Konflikt zwischen Israel, Iran und dessen Stellvertretern.
Entstehung im Jemen
Die Huthi gingen aus einem zaiditischen Erneuerungsmilieu im Nordjemen hervor. Der Zaidismus ist eine Richtung des schiitischen Islam, die historisch im Jemen stark verwurzelt ist. Die Huthi präsentierten sich zunächst als Bewegung gegen politische Ausgrenzung, Korruption und ausländischen Einfluss. Im Laufe der Jahre radikalisierten sie sich jedoch zunehmend und wurden zu einer bewaffneten Kraft, die gegen die jemenitische Regierung kämpfte.
Ab 2004 kam es zu mehreren Kriegsrunden zwischen den Huthi und der Regierung des damaligen Präsidenten Ali Abdullah Saleh. Der Gründer Hussein Badreddin al-Houthi wurde 2004 getötet, doch die Bewegung blieb bestehen und wuchs weiter. Die Umbrüche des sogenannten Arabischen Frühlings, der Sturz Salehs und die Schwäche staatlicher Institutionen öffneten den Huthi den Weg zu größerer Macht. 2014 nahmen sie Sanaa, die Hauptstadt des Jemen, ein. Der Council on Foreign Relations beschreibt die Eskalation des Jemenkriegs ab 2014 als Folge der Huthi-Einnahme von Sanaa und der weiteren Destabilisierung des Landes.
Machtübernahme und Bürgerkrieg
Mit der Einnahme von Sanaa wurden die Huthi zu einem zentralen Machtfaktor im Jemen. 2015 griff eine von Saudi-Arabien geführte Koalition in den Krieg ein, um die international anerkannte jemenitische Regierung zu unterstützen. Daraus entstand einer der schwersten Konflikte der Gegenwart, mit massiver humanitärer Not, zerstörter Infrastruktur, Hunger, Vertreibung und politischer Zersplitterung. Die Huthi kontrollieren bis heute große Teile des Nordwestjemen und wichtige Gebiete mit Zugang zum Roten Meer.
Die Huthi sind dabei nicht einfach Rebellen ohne Staatlichkeit. In den von ihnen kontrollierten Gebieten verfügen sie über Verwaltungsstrukturen, Sicherheitsapparate, Propaganda, Steuerung der Bevölkerung und militärische Einrichtungen. Sie regieren autoritär, unterdrücken Gegner und nutzen den Krieg zur Festigung ihrer Macht. Internationale Berichte werfen ihnen schwere Menschenrechtsverletzungen vor, darunter willkürliche Festnahmen, Unterdrückung von Kritikern und den Einsatz von Kindersoldaten.
Ideologie und Feindbild Israel
Die Huthi-Ideologie ist stark antiwestlich, antiisraelisch und religiös aufgeladen. Ihr bekannter Slogan enthält Feindparolen gegen die USA, Israel und Juden. Diese Sprache ist nicht bloß Rhetorik. Sie zeigt, wie eng politische Feindschaft, islamistische Mobilisierung und antisemitische Motive miteinander verbunden sind. Israel erscheint in dieser Weltanschauung nicht als konkreter Staat mit konkreter Politik, sondern als ideologischer Hauptfeind.
Die Huthi nutzen Israel und Jerusalem als Mobilisierungssymbole, obwohl der Jemen geografisch weit von Israel entfernt liegt. Gerade das zeigt, dass ihre Feindschaft nicht aus einem direkten Grenzkonflikt entsteht. Sie ist Teil einer größeren ideologischen Ordnung, in der Israel als Feindbild dient, um Macht, Gewalt und regionale Bündnisse zu legitimieren. Für Israel macht das die Huthi besonders gefährlich: Sie bedrohen Israel nicht wegen eines lokalen Streitpunkts, sondern weil sie Teil einer antiisraelischen Achse sind.
Die Verbindung zum Iran
Iran ist der wichtigste ausländische Unterstützer der Huthi. Teheran hat die Bewegung über Jahre politisch, militärisch und technisch gestärkt. Nach Einschätzung des Council on Foreign Relations hat iranische Unterstützung die militärischen Fähigkeiten der Huthi erheblich verbessert und ihnen ermöglicht, Macht bis ins Rote Meer zu projizieren. Dazu gehören Drohnen, Raketen, Ausbildung, technische Hilfe und Know-how beim Bau oder Einsatz moderner Waffensysteme.
Diese Unterstützung macht die Huthi zu einem wichtigen Teil der iranischen Regionalstrategie. Iran nutzt Partner wie Hisbollah, Hamas, Islamischer Dschihad, schiitische Milizen im Irak und Syrien sowie die Huthi, um Gegner an mehreren Fronten unter Druck zu setzen. Für Israel bedeutet das: Ein Angriff aus dem Jemen ist nicht isoliert zu betrachten. Er gehört in den Zusammenhang eines regionalen Stellvertreterkriegs, in dem Teheran Gewalt auslagert und zugleich politischen Einfluss gewinnt.
Rotes Meer und Welthandel
Die Huthi wurden international besonders durch ihre Angriffe auf die Schifffahrt im Roten Meer bekannt. Das Rote Meer und die Meerenge Bab al Mandab gehören zu den wichtigsten Handelswegen der Welt. Schiffe, die zwischen Europa und Asien unterwegs sind, passieren diese Route häufig auf dem Weg zum Suezkanal. Angriffe in diesem Gebiet treffen deshalb nicht nur Israel, sondern die globale Wirtschaft, Energieversorgung, Lieferketten und Handelspreise.
Seit November 2023 griffen die Huthi zahlreiche Handelsschiffe und militärische Ziele an. Der Council on Foreign Relations beschreibt, dass ihre Angriffe im Roten Meer und im Golf von Aden den internationalen Schiffsverkehr massiv störten und Reedereien zu längeren, teureren Routen zwangen. Security Council Report berichtete 2025 von mehr als 100 Angriffen auf Schiffe seit Beginn der Gaza-Kriegsphase und von mehreren Raketen- und Drohnenangriffen in Richtung Israel.
Angriffe auf Israel
Die Huthi griffen Israel seit Oktober 2023 wiederholt mit Raketen und Drohnen an. Viele dieser Geschosse wurden abgefangen, doch ihre Bedeutung liegt nicht nur in unmittelbaren Schäden. Jeder Angriff zeigt, dass Iran und seine Partner versuchen, Israel von mehreren Seiten unter Druck zu setzen: aus Gaza, aus dem Libanon, aus Syrien, aus dem Irak und aus dem Jemen. Der Jemen wurde dadurch zu einer entfernten, aber realen Front.
Für Israel sind diese Angriffe ein strategisches Warnsignal. Eine Miliz, die weit entfernt liegt und dennoch ballistische Raketen, Marschflugkörper oder Drohnen Richtung Israel starten kann, verändert die Sicherheitslage. Sie zwingt Israel und seine Partner, Luftverteidigung, Nachrichtendienstinformationen, Marineoperationen und internationale Kooperation neu zu bewerten. Die Huthi zeigen, dass moderne Stellvertreterkriege nicht mehr an unmittelbare Grenzen gebunden sind.
Terroristische Einstufung und internationale Reaktion
Die USA stuften Ansarallah, also die Huthi, im März 2025 erneut als ausländische Terrororganisation ein. Das US-Außenministerium begründete dies mit der Bedrohung durch Huthi-Aktivitäten, darunter Angriffe auf Schifffahrt, amerikanische Interessen und regionale Sicherheit. Diese Einstufung ist politisch bedeutsam, weil sie die Huthi nicht nur als Bürgerkriegspartei, sondern als terroristische Organisation mit internationaler Bedrohungswirkung einordnet.
Die internationale Reaktion auf die Huthi ist kompliziert, weil der Jemen zugleich eine schwere humanitäre Krise erlebt. Sanktionen und militärische Maßnahmen gegen die Huthi müssen daher mit der Sorge um zivile Versorgung abgewogen werden. Das ändert jedoch nichts an der Verantwortung der Huthi für Angriffe auf Schiffe, Raketenbeschuss, Unterdrückung in ihren Gebieten und ihre Einbindung in Irans antiisraelische Strategie.
Propaganda und Selbstinszenierung
Die Huthi stellen ihre Angriffe gern als Unterstützung für Palästinenser oder als Kampf gegen Israel dar. Diese Darstellung verschleiert, dass sie zivile Schifffahrt bedrohen, internationale Handelswege angreifen und den Jemen weiter in regionale Kriege hineinziehen. Der Kampf gegen Israel dient ihnen auch zur innenpolitischen Legitimation. Wer sich als Teil einer großen „Widerstandsachse“ darstellt, kann eigene Repression, wirtschaftliche Not und autoritäre Herrschaft leichter ideologisch überdecken.
Die Huthi-Propaganda wirkt besonders stark, weil sie einfache Feindbilder anbietet: USA, Israel, Westen, Juden. Diese Verbindung macht sie für antiisraelische Milieus anschlussfähig. Sie zeigt zugleich, warum die Huthi nicht als normale politische Kraft verharmlost werden dürfen. Ihre Ideologie ist nicht nur jemenitisch-national, sondern regional, religiös aufgeladen und antisemitisch grundiert.
Bedeutung für Israel
Für Israel sind die Huthi ein Beispiel dafür, wie weit das iranische Bedrohungsnetz reicht. Israel hat keine gemeinsame Grenze mit dem Jemen. Dennoch können Huthi-Raketen und Drohnen israelische Städte bedrohen, den Hafen Eilat treffen, Schifffahrt im Roten Meer stören und internationale Partner Israels unter Druck setzen. Damit erweitern sie den Konflikt räumlich und politisch.
Besonders wichtig ist die Verbindung zum Roten Meer. Eilat ist Israels Zugang zu diesem Seeweg. Wenn die Huthi Schiffe angreifen oder Seewege unsicher machen, betrifft das auch Israels Handel, Sicherheit und strategische Bewegungsfreiheit. Der Konflikt mit den Huthi ist deshalb nicht nur eine Folge des Gaza-Krieges, sondern Teil einer breiteren Frage: Kann eine vom Iran unterstützte Miliz einen internationalen Seeweg erpressen und Israel aus großer Entfernung angreifen?