Sommer-Unterstützung
haOlam-news.de braucht Unterstützung für den Sommer
haOlam-news.de wird privat getragen und verursacht eigene laufende Kosten. Damit Redaktion, Technik und laufende Arbeiten auch im Sommer verlässlich weitergehen können, bitten wir unsere Leserinnen und Leser jetzt um konkrete Unterstützung.
50 Euro helfen besonders. Auch größere Beiträge sind willkommen.

Antisemiten fälschen Haalands Anruf bei Hamas-Geisel


Erling Haaland erkundigte sich bei Omer Shem Tov, der 505 Tage als Geisel in Gaza festgehalten wurde. Aus einer menschlichen Geste machten Israelfeinde eine Lüge über Mord, Soldaten und angebliche jüdische Fußballmacht.

Antisemiten fälschen Haalands Anruf bei Hamas-Geisel
Bildnachweis: Pixabay

Wenn Norwegen am Samstagabend im Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft gegen England spielt, wird in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen ein junger Mann besonders aufmerksam auf Erling Haaland schauen. Omer Shem Tov, Überlebender der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Geiselhaft, drückt dem norwegischen Stürmer die Daumen. Das allein wäre schon eine bewegende Geschichte: Ein Fußballstar ruft einen Fan an, der die Hölle überlebt hat, fragt nach seinem Befinden und schenkt ihm einen Augenblick Normalität. Doch in diesem Sommer reicht selbst eine solche Geste aus, um zur Zielscheibe antisemitischer HetzeVolksverhetzung: Wenn Hass strafbar wirdVolksverhetzung ist eine Straftat nach § 130 StGB. Gemeint sind unter anderem Hassaufrufe, Gewaltforderungen oder menschenwürdeverletzende Hetze gegen nationale, religiöse, ethnische oder andere geschützte Gruppen.Mehr lesen zu werden. Die Jüdische Allgemeine berichtete über den Fall und ordnete ihn in eine Serie von Verschwörungsmythen ein, die die Weltmeisterschaft inzwischen begleiten.

Omer Shem Tov war beim Nova-Festival von Terroristen verschleppt worden. 505 Tage wurde er im GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen als Geisel festgehalten. Dass ein internationaler Fußballstar wie Haaland ihn im April 2025 anrief und sich erkundigte, wie es ihm gehe, hätte eine dieser seltenen Geschichten sein können, in denen Sport mehr ist als Ergebnislisten, Tore und Fernsehbilder. Ein Spieler zeigt Mitgefühl. Ein Überlebender bekommt Aufmerksamkeit. Ein Fan erlebt einen Moment, der ihm niemand mehr nehmen kann.

Doch genau das war offenbar schon zu viel für jene, die Israelis grundsätzlich keine Empathie zugestehen wollen. Aus dem Anruf wurde eine gefälschte Version verbreitet. In dieser manipulierten Erzählung soll Haaland Omer Shem Tov nicht als befreite Geisel angesprochen haben, sondern ihm angeblich dazu gratuliert haben, als Soldat Palästinenser ermordet zu haben. Die Botschaft dieser Fälschung ist durchsichtig: Aus einem Opfer der Hamas soll ein Täter gemacht werden. Aus Mitgefühl soll Komplizenschaft werden. Aus Haaland, der sich menschlich verhielt, soll ein Unterstützer angeblicher israelischer Gewalt werden.

Das ist der Mechanismus des modernen AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen. Er erträgt keinen jüdischen Schmerz, solange er nicht gegen Israel verwendet werden kann. Er erträgt keine israelischen Opfer, weil diese Opfer die einfache Erzählung stören, nach der Israel immer nur Täter sein darf. Wer aus der Geisel Omer Shem Tov einen angeblichen Mörder macht, will nicht über Fußball reden. Er will die Erinnerung an die Entführung, die Gefangenschaft und die Verantwortung der Hamas auslöschen.

Haaland selbst hatte sich bereits beim WM-Qualifikationsspiel gegen Israel nicht in die politische Pose drängen lassen. Er erklärte damals, als Fußballer solle er dazu nichts sagen. Das war weder eine große pro-israelische Rede noch ein politisches Bekenntnis. Es war Zurückhaltung. Doch auch Zurückhaltung reicht manchen nicht. Wer Israel nicht öffentlich verurteilt, gerät schnell selbst ins Visier. Wer einer ehemaligen Hamas-Geisel Mitgefühl zeigt, wird in den Augen der antisemitischen Netzwerke zum Feind.

Die Jüdische Allgemeine beschreibt den Fall nicht isoliert. Sie verweist auch auf eine weitere groteske Erzählung aus dieser Weltmeisterschaft. Nach der Niederlage Ägyptens gegen Argentinien wurde der französische Schiedsrichter François Letexier in sozialen Netzwerken kurzerhand zum Juden erklärt. Sein englischer Wikipedia-Eintrag wurde manipuliert und mit der falschen Angabe versehen, er sei in eine jüdisch-orthodoxe Familie geboren worden. Diese Fälschung wurde anschließend als angeblicher Beweis für eine jüdische Fußballverschwörung verbreitet.

So funktioniert dieser Wahn. Wenn die eigene Mannschaft verliert, war nicht der Gegner besser. Dann war es der Schiedsrichter. Wenn der Schiedsrichter nicht reicht, war er Jude. Wenn Lionel Messi weiterkommt, dann nicht wegen Leistung, sondern wegen angeblicher zionistischer Macht. Wenn Haaland eine Geisel anruft, dann nicht aus Mitgefühl, sondern als Teil eines erfundenen israelischen Mordnarrativs. Antisemitismus braucht keine Logik. Er braucht nur einen Anlass, um Juden, Israelis oder angebliche „Zionisten“ wieder zum heimlichen Lenker der Welt zu erklären.

Die Weltmeisterschaft zeigt damit etwas, das weit über den Fußball hinausgeht. Früher stritt man nach solchen Spielen über Elfmeter, Abseits, Chancen und Trainerfehler. Heute verwandeln radikale Milieus selbst Sportereignisse in politische Projektionsflächen. Eine Palästinaflagge taucht nach einer marokkanischen Niederlage in europäischen Straßenszenen auf. In Den Haag werden nach Angaben der Jüdischen Allgemeinen antisemitische Vernichtungsparolen gerufen. Und im Netz wird ein Anruf zwischen einem Fußballstar und einer befreiten Hamas-Geisel in eine Lüge umgeschrieben.

Das Problem ist nicht, dass Fußball politisch sein kann. Sport war nie völlig frei von Politik. Das Problem ist, dass Judenhass inzwischen jede offene Stelle besetzt. Er hängt sich an Siege, Niederlagen, Schiedsrichter, Wikipedia-Einträge, Prominente, Geiseln und gefälschte Videos. Er braucht keinen Zusammenhang mit Israel. Er erzeugt ihn einfach.

Für Omer Shem Tov bedeutet das eine zweite Zumutung. Nach der Geiselhaft wird seine Geschichte nicht nur von Hamas und ihren Unterstützern relativiert. Sie wird verdreht. Ein junger Israeli, der verschleppt wurde und 505 Tage nicht frei war, soll in der antisemitischen Fantasie nicht als Opfer gelten dürfen. Genau das ist die Grausamkeit dieser PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen. Sie will nicht nur Israel beschädigen. Sie will Israelis das Recht nehmen, als Menschen gesehen zu werden.

Haaland verdient in diesem Zusammenhang keinen Spott, sondern Respekt. Er tat nichts Spektakuläres. Er hielt keine große Rede. Er machte einen Anruf. Aber dieser Anruf war menschlich. Und in einer Zeit, in der Israelfeindschaft oft als moralische Haltung verkauft wird, kann Menschlichkeit gegenüber einem israelischen Opfer bereits als Provokation gelten. Das sagt wenig über Haaland. Es sagt sehr viel über seine Kritiker.

Die gefälschte Version des Videocalls zeigt, wie gefährlich manipulierte Inhalte geworden sind. Ein Ausschnitt, ein falscher Untertitel, eine erfundene Behauptung, ein empörter Beitrag, und schon entsteht ein neues Stück Hetze. Viele prüfen nicht mehr, ob etwas stimmt. Sie fragen nur, ob es in ihr Feindbild passt. Und wenn es gegen Israel geht, genügt oft schon die Richtung.

Gerade deshalb müssen solche Fälle klar benannt werden. Nicht als „Kontroverse“. Nicht als „aufgeheizte Fußballstimmung“. Nicht als „Nahoststreit im Netz“. Es ist Antisemitismus, wenn eine befreite Hamas-Geisel zum Täter umgelogen wird. Es ist Antisemitismus, wenn ein Schiedsrichter nach einer Niederlage erfunden zum Juden gemacht wird, damit eine Verschwörungserzählung passt. Es ist Antisemitismus, wenn sportliche Enttäuschung, politische Wut und Hass auf IsraelIsraelbezogener Antisemitismus: Wenn Israelhass Judenhass wirdIsraelbezogener Antisemitismus liegt vor, wenn Feindschaft gegen Juden auf Israel übertragen wird. Kritik an israelischer Politik ist nicht automatisch antisemitisch. Antisemitisch wird sie, wenn Israel dämonisiert, delegitimiert, mit doppelten Maßstäben behandelt oder Juden weltweit für Israel verantwortlich gemacht werden.Mehr lesen zu einem einzigen Gift vermischt werden.

Die Fußball-Weltmeisterschaft sollte Menschen verbinden. In diesem Fall zeigt sie, wie schnell selbst ein Spiel zur Bühne für alte Feindbilder wird. Haaland wird angegriffen, weil er Mitgefühl zeigte. Omer Shem Tov wird verleumdet, weil er Israeli ist. Und im Hintergrund steht dieselbe alte Botschaft: Juden dürfen Opfer sein, aber nur, wenn ihr Leiden politisch nützlich ist. Israelis dürfen nicht einmal Mitgefühl bekommen, ohne dass jemand daraus eine Verschwörung baut.

Das ist die Wahrheit hinter diesem Fall. Nicht Haaland hat sich politisiert. Nicht Omer Shem Tov hat den Fußball missbraucht. Antisemiten haben eine menschliche Geste genommen und sie in Hass verwandelt.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Samstag, 11. Juli 2026

haOlam-News unterstützen

haOlam-News ist auf die Unterstützung seiner Leserinnen und Leser angewiesen. Jeder Beitrag hilft, unabhängige Berichterstattung weiterzuführen.

Sie benötigen nicht zwingend ein PayPal-Konto. Im nächsten Schritt kann je nach PayPal-Anzeige auch eine Zahlung per Karte angeboten werden.

Sie möchten unsere Arbeit unterstützen, nutzen aber kein PayPal? Schreiben Sie uns kurz, wir melden uns mit den passenden Möglichkeiten.

Weitere interessante Artikel

Newsletter