Ein hebräisches Wort genügt: Hasswelle gegen Ronaldo-Partnerin
Georgina Rodríguez schrieb zu einem Urlaubsvideo lediglich „gesund“ auf Hebräisch. Zahlreiche Nutzer reagierten mit Palästina-Parolen und machten die jüdische Sprache selbst zum politischen Feindbild.

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Georgina Rodríguez veröffentlichte Bilder aus dem Familienurlaub auf Mallorca. Über einem kurzen Video stand nur ein einziges Wort: „בריאה“. Der hebräische Ausdruck kann in diesem Zusammenhang „gesund“ bedeuten, je nach sprachlicher Verwendung auch „Schöpfung“.
Eine politische Erklärung gab die Partnerin des portugiesischen Fußballstars Cristiano Ronaldo nicht ab. Weder IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen noch GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen, die israelische Regierung oder der Krieg kamen in dem Beitrag vor. Trotzdem verwandelte sich die Kommentarspalte innerhalb kurzer Zeit in einen Schauplatz des Nahostkonflikts.
Nutzer fragten empört, warum Rodríguez ausgerechnet Hebräisch verwendet habe. Andere veröffentlichten palästinensische Flaggen, schrieben „Free Palestine“ oder verbreiteten die Parole „From the river to the seaFrom the river to the sea: Die Parole gegen Israels Existenz„From the river to the sea“ bezeichnet das Gebiet vom Jordan bis zum Mittelmeer. In antiisraelischen Kontexten wird die Parole häufig als Forderung nach einem Palästina anstelle Israels verstanden.Mehr lesen“. Einige brachten sogar den spanischen Fußballspieler Lamine Yamal in die Diskussion, obwohl auch er mit dem eigentlichen Beitrag nichts zu tun hatte.
Der Vorfall ist gerade deshalb bemerkenswert, weil es keinen politischen Ausgangspunkt gab. Rodríguez hatte keine israelische Militäroperation verteidigt, keine Stellungnahme zur HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen veröffentlicht und keine Regierungspolitik kommentiert. Der Anlass für die Feindseligkeit war die bloße Verwendung der hebräischen Sprache.
Nicht Israel, sondern Hebräisch wurde zum Problem
Der jüdische Aktivist Hen Mazzig wies auf diesen entscheidenden Unterschied hin. Rodríguez habe lediglich ein hebräisches Wort geschrieben. Darauf seien Kommentare gefolgt, die nicht auf eine politische Aussage reagierten, sondern bereits die Existenz des Hebräischen als Provokation behandelten.
Hebräisch ist nicht nur die Amtssprache Israels. Es ist eine jahrtausendealte jüdische Sprache, die in Gebeten, religiösen Texten, Literatur und im Alltag von Millionen Menschen verwendet wird. Ein hebräisches Wort ist kein Bekenntnis zu einer israelischen Regierung und keine Stellungnahme zum Krieg.
Genau diese selbstverständliche Trennung verweigerten zahlreiche Kommentatoren. Die Sprache wurde mit Israel gleichgesetzt, Israel wiederum mit sämtlichen Vorwürfen des aktuellen politischen Konflikts. Aus einer harmlosen Urlaubsbotschaft entstand so eine öffentliche Gesinnungsprüfung.
Niemand käme ernsthaft auf die Idee, jedes arabische Wort mit den Taten der Hamas zu verbinden. Niemand würde von einem Menschen verlangen, sich für die Politik eines Landes zu rechtfertigen, nur weil er dessen Sprache verwendet. Beim Hebräischen scheint diese Grenze für viele nicht mehr zu gelten.
Nicht jede Nachfrage nach der Bedeutung des Wortes ist antisemitischAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen. Auch Mitgefühl mit palästinensischen Zivilisten ist selbstverständlich kein JudenhassAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen. Die Grenze wird aber dort überschritten, wo Hebräisch selbst als anstößig behandelt und mit Parolen beantwortet wird, die sich gegen die Existenz Israels richten.
Rodríguez war bereits nach dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen in eine Debatte geraten. Damals teilte sie zunächst das Bild eines Kindes aus Gaza. Nach Kritik veröffentlichte sie zusätzlich das Foto eines verletzten israelischen Kindes und rief zum Frieden auf. Eine konsequent israelfreundliche politische Kampagne lässt sich ihr also kaum unterstellen.
Gerade das macht die neue Reaktion so entlarvend. Selbst eine Prominente, die zuvor beide Seiten des Leids zeigen wollte, wird angegriffen, sobald ein hebräischer Begriff in ihrem Beitrag erscheint.
Für Rodríguez dürfte die Flut an Kommentaren unangenehm sein, sie verfügt jedoch über große Reichweite und professionellen Schutz. Für jüdische Schüler, israelische Studenten oder hebräisch sprechende Familien hat dieselbe Feindseligkeit eine andere Bedeutung. Sie erleben, dass bereits ihre Sprache als politische Provokation gewertet werden kann.
Hebräisch ist keine Kriegserklärung. Wer seine bloße Sichtbarkeit nicht erträgt, kritisiert nicht mehr nur eine Regierung. Er richtet seine Ablehnung gegen jüdische Kultur und jüdische Gegenwart.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 4. August 2026