Ire nach antisemitischer Morddrohung gegen jüdisches Paar in Frankreich festgenommen

Ire nach antisemitischer Morddrohung gegen jüdisches Paar in Frankreich festgenommen


Ein irischer Mann soll einem jüdischen Ehepaar in Frankreich gesagt haben, Hitler hätte „sein Werk beenden“ sollen. Danach drohte er dem Paar vor laufender Kamera mit einer Kugel in den Kopf.

Ire nach antisemitischer Morddrohung gegen jüdisches Paar in Frankreich festgenommen
Bildnachweis: Symbolbild

Ein irischer Staatsbürger in seinen Sechzigern ist in Frankreich festgenommen worden, nachdem er ein australisch-jüdisches Ehepaar in einem Supermarkt bei Avignon antisemitischAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen bedroht haben soll. Der Fall sorgt auch deshalb für Aufsehen, weil der Verdächtige aus Irland stammt, einem Land, dessen politische Debatte über IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen in den vergangenen Jahren immer schärfer geworden ist.

Nach Angaben des Ehepaares begann die Begegnung zunächst freundlich. Die Situation änderte sich, als das Gespräch auf Irlands Haltung zu Israel, HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen und HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen kam. Danach soll der Mann erklärt haben, er bedaure, dass Hitler sein „Werk“ nicht beendet habe.

Diese konkrete Aussage ist nicht auf dem später veröffentlichten Video zu hören und beruht auf der Schilderung der Betroffenen. Die anschließende Morddrohung dagegen wurde aufgezeichnet. Darauf ist zu hören, wie der Mann dem Paar mit einer Kugel in den Kopf droht, falls es sich ihm weiter nähere.

Nach Darstellung der jüdischen Frau habe der Mann anschließend sogar „Bring back Hitler“ gesagt. Auch diese Aussage wird von ihr geschildert. Für sie hatte die Bemerkung eine besonders persönliche Bedeutung: Ihr Vater hatte die SchoahShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen überlebt, mehrere Angehörige ihrer Familie wurden in AuschwitzShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen ermordet.

Der Fall ist deshalb weit mehr als eine gewöhnliche Auseinandersetzung unter Touristen. Ein politisches Gespräch über Israel schlug nach Angaben der Betroffenen in offenen Judenhass um. Das Paar ist australisch, nicht israelisch. Trotzdem endete die Begegnung bei Hitler und einer Morddrohung gegen Juden.

Gerade der irische Hintergrund des Verdächtigen wird nun international diskutiert. Die Australian Jewish Association und weitere Vertreter jüdischer Organisationen verwiesen darauf, dass der Fall in eine Zeit fällt, in der Irland gegenüber Israel einen besonders harten politischen Kurs verfolgt. Daraus lässt sich selbstverständlich keine Verantwortung eines ganzen Landes für die Tat eines Einzelnen ableiten. Der Vorgang zeigt aber, wie schnell ein aufgeheiztes Klima rund um Israel in offenen Antisemitismus umschlagen kann.

Das Ehepaar erstattete zunächst keine Anzeige. Nach eigenen Angaben kannte es als ausländischer Tourist seine Rechte in Frankreich nicht und wollte während einer weiteren Reise kein zusätzliches Risiko eingehen. Nach der Rückkehr nach Frankreich wandten sich die beiden an jüdische Sicherheitskontakte und anschließend an die Polizei in Nizza.

Am Mittwoch nahmen französische Ermittler den Tatverdächtigen fest. Der Fall wird von Einheiten der Gendarmerie in Marseille und Avignon bearbeitet.

Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez begrüßte die Festnahme und erklärte, der Verdächtige müsse sich für seine Taten verantworten. Antisemitismus müsse entschlossen bekämpft werden.

Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt der Mann als unschuldig. Die Ermittlungen müssen klären, welche Äußerungen ihm zweifelsfrei zugerechnet werden können. Die auf Video dokumentierte Morddrohung dürfte dabei eine zentrale Rolle spielen.

Der Fall bleibt dennoch schon jetzt erschütternd. Ein jüdisches Ehepaar reist durch Europa, spricht mit einem Fremden über Politik und wird wenige Augenblicke später mit Hitler und dem Tod bedroht.

Dass der Verdächtige ausgerechnet aus Irland stammt, macht die Nachricht politisch besonders brisant. Denn wo Israel immer aggressiver zum Feindbild gemacht wird, darf niemand so tun, als hätte dieses Klima keinerlei Folgen für Juden.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Freitag, 28. August 2026

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