„Sicherheitsrisiko“, nachdem er sagte, er sei Jude und Israeli: Schwerer Vorwurf in Athen
Ein Israeli, der seit zwölf Jahren in Athen lebt, berichtet, er sei von einer internationalen Party verwiesen worden, kurz nachdem er sich als Jude und Israeli vorgestellt hatte. Eine Begründung erhielt er nicht.

Er lebt seit zwölf Jahren in Athen, kannte die Veranstaltungsreihe bereits und wollte nach eigenen Angaben lediglich einen Samstagabend unter Menschen verbringen. Wenige Minuten später musste Rafi Rom die Veranstaltung verlassen. Sicherheitskräfte hätten ihm mitgeteilt, er stelle ein „Sicherheitsrisiko“ dar. Was dieses Risiko gewesen sein soll, habe ihm niemand erklärt.
Der entscheidende Vorgang unmittelbar zuvor: Rom hatte sich anderen Gästen als Jude und Israeli vorgestellt.
Der Vorfall ereignete sich nach seinen Angaben am Samstagabend bei einer Veranstaltung von Nomad Hub Greece im Rooftop-Bar 21 Grams am Avissinias-Platz im Zentrum Athens. Die Organisation richtet Treffen für digitale Nomaden, ausländische Bewohner und Reisende aus und wirbt selbst mit einer internationalen Gemeinschaft aus mehr als 120 Nationalitäten. Auf ihrer Internetseite beschreibt sie sich als Ort, an dem Menschen aus aller Welt zusammenkommen und jeder seinen Platz finden könne.
Rom schilderte gegenüber Walla, bei seiner Ankunft seien bereits etwa 50 bis 60 Menschen anwesend gewesen. Er habe ein Bier bestellt, Gespräche geführt und sich dabei als jüdisch und israelisch vorgestellt. Einen Streit oder eine Auseinandersetzung habe es nach seiner Darstellung nicht gegeben. Einige Minuten später hätten ihn Sicherheitsleute angesprochen und erklärt, der Veranstalter wolle, dass er gehe, weil er ein Sicherheitsrisiko darstelle. Auf seine Nachfrage, was er getan habe, sei keine konkrete Antwort erfolgt.
Rom sagt, er habe bis zu diesem Zeitpunkt niemanden provoziert, keine Störung verursacht und keinerlei Hinweis erhalten, dass sein Verhalten problematisch gewesen sei. Für ihn ist deshalb klar, dass seine Herkunft und seine jüdische Identität der Grund für den Rauswurf gewesen seien. Er habe sich gedemütigt gefühlt und erst nach Verlassen des Veranstaltungsortes vollständig begriffen, was gerade passiert sei.
Dieser Schluss liegt aufgrund seiner Schilderung nahe, ist bislang aber nicht unabhängig bestätigt. Walla und die JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post weisen ausdrücklich darauf hin, dass es sich um Roms Darstellung handelt. Bis zur Veröffentlichung hatten weder die Veranstalter von Nomad Hub Greece noch Vertreter des Veranstaltungsortes auf die Vorwürfe reagiert. Genau diese Einschränkung gehört zu einer sauberen Berichterstattung dazu.
Das angebliche „Sicherheitsrisiko“ bleibt unerklärt
Gerade die verwendete Begründung macht den Fall so brisant. Sicherheitsmaßnahmen können selbstverständlich notwendig sein, und Veranstalter besitzen grundsätzlich die Verantwortung für die Sicherheit ihrer Gäste. Wenn jedoch ein Mensch ohne vorherige Auffälligkeit als Sicherheitsrisiko bezeichnet wird, nachdem seine jüdische und israelische Identität bekannt geworden ist, muss erklärt werden können, worin dieses Risiko konkret bestanden haben soll.
Eine solche Erklärung liegt bislang nicht vor.
Besonders auffällig ist der Gegensatz zum Selbstbild des Veranstalters. Nomad Hub Greece wirbt mit einer Gemeinschaft von mehr als 15.000 Mitgliedern aus über 120 Nationalitäten und bezeichnet seine Veranstaltungen als Treffpunkt für Menschen aus aller Welt. Die Rooftop-Veranstaltungen im 21 Grams werden ausdrücklich als internationale Treffen für Expats, Nomaden, Reisende und Einheimische beworben.
Wenn sich Roms Darstellung bestätigt, wäre ausgerechnet bei einer Veranstaltung, die ihre internationale Offenheit zum eigenen Markenkern macht, ein Gast nach Bekanntwerden seiner jüdisch-israelischen Identität ausgeschlossen worden.
Das wäre keine Auseinandersetzung über Benjamin Netanyahu, GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen, Siedlungspolitik oder irgendeine konkrete Entscheidung der israelischen Regierung. Rom ist nach seiner Darstellung nicht wegen einer politischen Äußerung aufgefallen. Er sagte, wer er ist.
Und kurz darauf musste er gehen.
Der Fall kommt nicht aus dem Nichts
Der Vorwurf fällt in eine Zeit, in der jüdische Organisationen in Griechenland bereits vor einer Verschärfung der Situation gewarnt haben. Das Zentrale Jüdische Gemeindegremium Griechenlands, KIS, äußerte am 13. August tiefe Besorgnis über eine Reihe von Vorfällen in Athen und anderen Regionen des Landes. Dabei gehe es um Einschüchterungen israelischer Touristen sowie von Menschen, die jüdische Symbole tragen oder Hebräisch sprechen. Die Organisation betonte ausdrücklich, scharfe Kritik an der israelischen Regierung sei nicht automatisch antisemitischAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen. Die Grenze werde jedoch überschritten, wenn Israelis oder Juden wegen ihrer Identität bedroht und eingeschüchtert würden.
Nur einen Tag später reagierte die griechische Tourismusministerin Olga Kefalogianni. Griechenland garantiere die Sicherheit aller Besucher, erklärte sie. Rassistische Verhaltensweisen und Gewalt würden nicht toleriert, und das Land bleibe auch für israelische Touristen ein sicherer und offener Ort.
Der neue Vorwurf aus Athen ist deshalb besonders unangenehm. Er ereignete sich nur wenige Tage nach diesen öffentlichen Versicherungen.
Schon Anfang August hatte das israelische Außenministerium Reisende in Griechenland angesichts landesweiter propalästinensischer Proteste zu erhöhter Vorsicht aufgefordert. Israelis sollten Demonstrationen meiden und israelische beziehungsweise jüdische Symbole möglichst nicht offen zeigen. Hintergrund waren Protestaktionen an zahlreichen Orten im Land, darunter auch touristische Zentren.
Genau darin liegt das inzwischen kaum noch zu übersehende Problem: Menschen sollen Kippa, Davidstern, Hebräisch oder ihre israelische Herkunft möglichst nicht sichtbar werden lassen, um Konflikten aus dem Weg zu gehen. Wenn ein Israeli nun sogar bei einem als international und offen beworbenen gesellschaftlichen Treffen nach eigener Aussage zum „Sicherheitsrisiko“ erklärt wird, weil seine Identität bekannt wird, ist eine Grenze erreicht, die mit Kritik an israelischer Politik nichts mehr zu tun hat.
Ob es in diesem konkreten Fall tatsächlich genau so geschah, müssen die Veranstalter beantworten. Bislang fehlt ihre Stellungnahme.
Aber auch Schweigen beantwortet die entscheidende Frage nicht:
Was genau machte Rafi Rom plötzlich zum Sicherheitsrisiko?
Wenn es dafür einen konkreten, von seiner Herkunft unabhängigen Grund gab, muss er benannt werden.
Wenn es keinen gab, bleibt ein sehr anderer Verdacht zurück.
Dann wäre nicht Rom das Sicherheitsrisiko gewesen, sondern seine jüdische und israelische Identität das unerwünschte Merkmal.
Und genau vor einer solchen Entwicklung warnen jüdische Vertreter in Griechenland bereits.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 26. August 2026