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16 Monate Haft nach antisemitischem Angriff auf orthodoxen Juden in Slough


Shafiq Rahman beschimpfte und bedrohte einen jüdischen Bauprüfer auf offener Straße. Das Gericht wertete die Tat als religiös verschärften Angriff, jüdische Organisationen sehen ein klares Signal gegen Judenhass.

16 Monate Haft nach antisemitischem Angriff auf orthodoxen Juden in Slough
Bildnachweis: Pixabay

Ein britisches Gericht hat den 48-jährigen Shafiq Rahman aus Slough zu insgesamt 16 Monaten Haft verurteilt. Der Fall steht für jene Form von Alltagsantisemitismus, die nicht in Hinterzimmern beginnt, sondern mitten auf der Straße. Ein orthodoxer jüdischer Mann war am 20. April beruflich in der Elliman Avenue in Slough unterwegs. Er arbeitete dort als Bauprüfer, trug eine Kippa und fotografierte die Außenseite eines Hauses. Genau das reichte offenbar aus, um zur Zielscheibe zu werden. Nach Angaben der Thames Valley Police fuhr Rahman auf einem Fahrrad vorbei, bemerkte den sichtbar jüdischen Mann, begann ihn antisemitischAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen zu beschimpfen, näherte sich ihm, bedrohte ihn und versuchte, ihm das Telefon aus der Hand zu reißen.

Der Angriff wurde gefilmt und verbreitete sich schnell in sozialen Netzwerken. Dadurch wurde der Fall nicht nur zu einer lokalen Polizeimeldung, sondern zu einem erschütternden Beispiel dafür, wie offen Judenhass in Großbritannien inzwischen auftreten kann. In dem Video, das vor Gericht eine Rolle spielte, wurde der Mann unter anderem als „dirty Jew“ beschimpft und mit dem Vorwurf konfrontiert, Babys in Palästina zu töten. Auch die Drohung, ihm den Kiefer zu brechen, wurde nach Berichten jüdischer Medien in der Verhandlung genannt. Rahman bekannte sich schuldig zu religiös oder rassistisch verschärfter Körperverletzung, zu drohenden Worten mit der Absicht, Angst vor Gewalt auszulösen oder Gewalt zu provozieren, sowie zu Sachbeschädigung.

Die Strafe umfasst auch einen weiteren Fall. Rahman wurde zusätzlich in einem getrennten Verfahren wegen eines Hundes unter seiner Verantwortung verurteilt, der im Juni 2025 in Thatcham einen Mann schwer verletzt hatte. Die Thames Valley Police teilte mit, Rahman sei am 10. Juli vor dem Reading Crown Court zu insgesamt 16 Monaten Haft verurteilt worden.

Für den angegriffenen Mann, der in Berichten als Moishe beschrieben wird, war es kein abstrakter Zwischenfall. Er schrieb später in einem persönlichen Beitrag in der Daily Mail über die Tat und schilderte, wie er bei seiner Arbeit plötzlich antisemitisch beschimpft wurde. Diese Erfahrung steht für eine bittere Wahrheit: Jüdisches Leben wird nicht nur durch organisierte Extremisten bedroht, sondern auch durch Menschen, die einem sichtbaren Juden auf der Straße begegnen und sofort den NahostkonfliktPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen, IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen, GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen und alte antisemitische Feindbilder auf ihn projizieren.

Genau darin liegt die besondere Schwere dieses Falls. Der Angegriffene war nicht Vertreter einer Regierung. Er war kein Soldat, kein Politiker, kein Sprecher Israels. Er war ein Mann bei der Arbeit. Er trug eine Kippa. Das genügte, um ihn zum Stellvertreter für eine ganze antisemitische Fantasie zu machen. Der Täter sah keinen Menschen mehr, sondern eine Projektionsfläche. Aus einem jüdischen Bauprüfer wurde in der Sprache des Angriffs ein angeblicher Kindermörder. Das ist nicht Israelkritik. Das ist Judenhass in seiner rohesten Form.

Die Polizei fand klare Worte. Stuart Bosley, Kommandeur für East Berkshire bei der Thames Valley Police, bezeichnete die Tat als schockierenden und gezielten antisemitischen Angriff auf einen Mann, der einfach seiner Arbeit nachging. Solche Verbrechen verursachten Angst und Belastung, nicht nur beim Opfer, sondern auch in der gesamten Gemeinschaft. Jeder müsse ohne Furcht vor Belästigung oder Missbrauch seinem Leben nachgehen können. Antisemitismus habe in Slough und in der Gesellschaft keinen Platz.

Auch jüdische Organisationen begrüßten die Verurteilung. Der Community Security Trust erklärte, niemand dürfe rassistischer Beschimpfung, Drohungen und Einschüchterung ausgesetzt werden, nur weil er jüdisch sei. Die Verfolgung und das Urteil sendeten ein klares Signal, dass Antisemitismus nicht geduldet werde und dass solcher Judenhass Folgen haben müsse. Shomrim, eine jüdische Freiwilligenorganisation in Großbritannien, dankte den Bürgern, die Hinweise an die Polizei gaben und damit zur Identifizierung des Täters beitrugen.

Der Fall zeigt auch, warum Videos solcher Angriffe eine doppelte Wirkung haben. Sie verletzen, weil sie die Tat immer wieder sichtbar machen. Sie helfen aber auch, weil sie Öffentlichkeit schaffen, Täter identifizieren und Behörden zum Handeln zwingen können. In Slough gingen nach der Veröffentlichung der Aufnahmen Hinweise ein, die zur Festnahme Rahmans beitrugen. Er wurde am 23. April festgenommen, am folgenden Tag angeklagt und später verurteilt.

Trotzdem bleibt die Frage, warum jüdische Bürger in Großbritannien überhaupt in diese Lage geraten. Warum muss ein Mann, der eine Kippa trägt und seiner Arbeit nachgeht, damit rechnen, auf offener Straße für Israel, Gaza oder den Nahostkonflikt verantwortlich gemacht zu werden? Warum wird ein sichtbarer Jude in Europa wieder so schnell zum Ziel politischer Wut, religiöser Feindbilder und roher Gewaltfantasien?

Die Antwort liegt nicht nur in diesem einen Täter. Sie liegt in einem Klima, in dem antisemitische Sprache wieder lauter geworden ist. Seit dem 7. Oktober wird in vielen westlichen Ländern nicht nur gegen israelische Politik demonstriert. Immer wieder kippt die Sprache in pauschale Judenfeindschaft. Jüdische Schulen, Synagogen, Studenten, Geschäftsleute, Bauprüfer, Fußballfans und Passanten werden plötzlich als Stellvertreter eines Konflikts behandelt, den sie nicht führen. Genau diese Verschiebung macht den Alltag für Juden gefährlicher.

Großbritannien steht dabei besonders unter Druck. Jüdische Gemeinden berichten seit Jahren von wachsender Sorge. Viele Juden fragen sich, ob Polizei, Politik und Gesellschaft die Bedrohung wirklich beim Namen nennen. Eine Verurteilung wie in Slough ist deshalb wichtig. Sie zeigt, dass der Rechtsstaat handeln kann. Aber sie löst das Grundproblem nicht. Sie kommt nach der Tat. Das Opfer musste den Hass bereits erleben.

Der Satz, den dieser Fall in die britische Gesellschaft schreibt, ist einfach: Ein Jude darf auf offener Straße nicht zum Freiwild werden. Nicht wegen seiner Kippa. Nicht wegen Israel. Nicht wegen Gaza. Nicht wegen der Parolen anderer. Wer einen jüdischen Mann beschimpft, bedroht und angreift, weil er sichtbar jüdisch ist, greift nicht nur eine einzelne Person an. Er greift das Sicherheitsgefühl einer ganzen Gemeinschaft an.

Die 16 Monate Haft sind deshalb mehr als eine juristische Zahl. Sie sind ein notwendiges Signal. Aber ein Signal reicht nur, wenn es gehört wird. Antisemitismus muss Folgen haben, im Gerichtssaal, auf der Straße, in Schulen, in Universitäten, in Moscheen, in sozialen Netzwerken und überall dort, wo aus politischer Wut Hass auf Juden wird.

Moishe ging in Slough seiner Arbeit nach. Er hätte an diesem Tag nichts weiter sein sollen als ein Mann mit einem Auftrag. Stattdessen musste er erleben, wie schnell ein sichtbarer Jude in Großbritannien wieder zur Zielscheibe werden kann. Dass Rahman nun im Gefängnis sitzt, ist richtig. Dass es diesen Fall überhaupt gab, ist beschämend.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Samstag, 11. Juli 2026

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