Geiselnahme in Berliner Rewe nach fast zwölf Stunden beendet
Spezialkräfte überwältigten am Samstagmorgen den Täter in Marienfelde und befreiten die festgehaltene Frau. Nach Angaben vor Ort kam kein Schusswaffeneinsatz zum Einsatz, der Mann soll mit einem Taser gestoppt worden sein.

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Nach fast zwölf Stunden ist die Geiselnahme in einem Rewe-Supermarkt in Berlin-Marienfelde beendet worden. Spezialkräfte der Polizei überwältigten den Täter am Samstagmorgen gegen 9:20 Uhr und befreiten die Frau, die seit Freitagabend in seiner Gewalt gewesen war. Nach Angaben des rbb stand die Geisel anschließend unter Schock und wurde von Rettungskräften behandelt. Der Täter wurde leicht verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Laut Berichten vor Ort wurde nicht geschossen, stattdessen soll ein Taser eingesetzt worden sein.
Der Einsatz hatte am Freitagabend kurz nach 22 Uhr begonnen. Nach Angaben der Polizei brachte ein Mann in dem Supermarkt an der Hildburghauser Straße, Ecke Tirschenreuther Ring, eine Frau in seine Gewalt und bedrohte sie. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an, darunter Spezialkräfte, Feuerwehr und Rettungsdienst. Der Bereich um den Markt wurde weiträumig abgesperrt. Für Anwohner habe nach Darstellung der Polizei zu keiner Zeit Gefahr bestanden.
Nach Angaben eines Mitarbeiters des Marktes soll es sich bei der Geisel um eine Kollegin gehandelt haben. Der 22-Jährige schilderte gegenüber Journalisten, der Markt habe kurz vor der Schließung gestanden. Er habe die letzten Kunden aus dem Geschäft begleiten wollen, als der Mann plötzlich ein sehr großes Messer gezogen habe. Das „funkelnde Messer“ habe er gesehen, dann sei alles sehr schnell gegangen. Der Mitarbeiter konnte zusammen mit einer weiteren Mitarbeiterin aus dem Supermarkt laufen und die Polizei alarmieren.
In der Nacht blieb die Lage angespannt. Die Polizei hielt nach eigenen Angaben Kontakt zu dem Geiselnehmer. Polizeisprecher Stefan Petersen-Schümann erklärte während des Einsatzes, man stehe mit dem Mann in Verbindung. Später hieß es, der Täter habe im Verlauf des Einsatzes unterschiedliche Forderungen gestellt. Zu den Hintergründen der Tat gab es zunächst keine gesicherten Angaben.
Rund um den Supermarkt war Marienfelde über Stunden von einem schweren Polizeieinsatz geprägt. In der Nacht waren die Straßen im Umfeld weitgehend leer. Am Eingang des Marktes standen Beamte in Schutzausrüstung, mehrere Einsatzkräfte sicherten den Bereich. Nach Beobachtungen vor Ort brannte auch mitten in der Nacht Licht im Geschäft. Am frühen Morgen stellten Einsatzkräfte eine Leiter an das Gebäude, um sich einen besseren Überblick über die Lage im Inneren zu verschaffen.
Der Zugriff erfolgte schließlich am Samstagvormittag. Polizeisprecher Florian Nath sagte, der Täter sei durch Spezialkräfte überwältigt und die Geisel befreit worden. Nach Informationen einer rbb-Reporterin gab es keinen Schusswaffeneinsatz. Der mutmaßliche Einsatz eines Tasers deutet darauf hin, dass die Spezialkräfte versuchten, die Lage mit möglichst begrenztem unmittelbarem Risiko für die Geisel zu beenden.
Für die betroffene Frau endeten fast zwölf Stunden in akuter Bedrohung. Auch wenn zunächst keine schweren körperlichen Verletzungen gemeldet wurden, steht der psychische Ausnahmezustand einer solchen Tat außer Frage. Eine Geiselnahme in einem alltäglichen Ort wie einem Supermarkt trifft nicht nur das unmittelbare Opfer. Sie reißt auch Kollegen, Kunden, Angehörige, Einsatzkräfte und Anwohner aus einer vermeintlich normalen Umgebung heraus.
Der Tatort liegt in einem überwiegend ruhigen Wohngebiet im Süden Berlins. Marienfelde gehört zum Bezirk Tempelhof-Schöneberg, in der Umgebung befinden sich Wohnhäuser, Schulen, Kindertagesstätten und eine Tankstelle. Gerade diese Normalität macht den Vorfall so erschütternd: Ein Supermarkt kurz vor Ladenschluss, Mitarbeiter, die ihren Arbeitstag beenden wollen, letzte Kunden, ein gewöhnlicher Freitagabend. Dann wird daraus ein Einsatz mit Spezialkräften, Absperrungen und stundenlangem Warten.
Noch offen ist, was den Mann zu der Tat veranlasste, welche Forderungen er stellte und ob es eine Verbindung zwischen Täter und Opfer gab. Die Polizei wird nun klären müssen, wie der Mann in den Markt kam, wann genau die Lage außer Kontrolle geriet und ob weitere Personen unmittelbar gefährdet waren. Auch die Aussagen der geflüchteten Mitarbeiter und mögliche Videoaufnahmen aus dem Markt dürften für die Ermittlungen wichtig werden.
Fest steht bislang: Die Geiselnahme wurde beendet, die Frau wurde befreit, der Täter ist in polizeilichem Gewahrsam und wurde medizinisch behandelt. Die weiteren Ermittlungen sollen die Hintergründe der Tat klären.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Samstag, 11. Juli 2026