Israel bricht mit Kallas, während EU Linke Trump und Jerusalem beschimpft
Gideon Sa’ar kappt den Kontakt zu Kaja Kallas nach einem mutmaßlichen Apartheid-Vergleich. Zugleich zeigt Irene Montero, wie enthemmt Israels Gegner in Brüssel auftreten.

Die Krise zwischen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und der Europäischen Union hat eine neue Schärfe erreicht. Außenminister Gideon Sa’ar hat alle Kontakte zur EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas abgebrochen, nachdem ihr vorgeworfen wurde, Israel bei einem Besuch in Mexiko mit dem südafrikanischen Apartheid-Regime verglichen zu haben. Nach israelischer Darstellung hat Kallas diese Aussage bislang weder dementiert noch klargestellt. Für JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen ist damit eine Grenze überschritten, die nicht mehr als gewöhnliche politische Meinungsverschiedenheit behandelt werden kann.
Der Vorgang fällt in einen Moment, in dem sich im Europäischen Parlament eine Sprache gegen Israel festsetzt, die weit über harte Kritik hinausgeht. Die spanische Europaabgeordnete Irene Montero von Podemos nutzte eine Debatte über die Lage im Nahen Osten, um die EU-Außenpolitik anzugreifen, einen Bruch mit Israel zu fordern und den amtierenden US-Präsidenten Donald Trump in einem verfremdeten Geburtstagslied als „Mr Genocide“ zu beschimpfen. Was auf den ersten Blick wie eine schrille Einlage einer einzelnen Abgeordneten wirken mag, bekommt durch den Streit um Kallas eine größere Bedeutung. Es geht nicht mehr nur um eine linke Aktivistin im Parlament. Es geht um eine politische Atmosphäre in Brüssel, in der Israel immer öfter nicht mehr kritisiert, sondern moralisch ausgegrenzt wird.
Sa’ars Entscheidung ist deshalb mehr als ein diplomatischer Protest. Sie ist eine rote Linie. Der israelische Außenminister wirft Kallas nach Berichten vor, sich seit längerer Zeit einseitig und unfair gegenüber Israel zu verhalten. Der mutmaßliche Apartheid-Vergleich trifft dabei einen besonders empfindlichen Punkt. Denn dieser Begriff steht nicht für eine normale außenpolitische Bewertung. Er trägt die historische Last eines rassistischen Systems, das auf staatlich organisierter Entrechtung beruhte. Wer Israel in diese Nähe rückt, greift nicht nur eine Regierung oder eine einzelne politische Entscheidung an. Er stellt die Legitimität des jüdischen Staates in eine moralische Anklagezone, die seine Gegner seit Jahren gezielt nutzen.
Natürlich darf Israel kritisiert werden. Auch scharf. Auch von europäischen Regierungen, von Abgeordneten, von Menschenrechtsorganisationen und von Partnern. Israel ist eine Demokratie, und gerade Demokratien müssen sich Fragen gefallen lassen. Doch zwischen Kritik an konkreten Entscheidungen und einer Sprache, die Israel mit historischen Schreckensbegriffen belegt, liegt eine entscheidende Grenze. Wer diese Grenze überschreitet, beschädigt nicht nur das Verhältnis zu Jerusalem. Er macht auch jede ernsthafte Debatte schwieriger.
Genau das zeigt der Auftritt Monteros. Sie sprach im Europäischen Parlament nicht nur über Trump, Iran oder die EU-Außenpolitik. Sie beklagte ausdrücklich, dass Europa die Beziehungen zu Israel nicht abgebrochen habe. Sie sprach über GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen, Iran und Libanon, warf den USA und Israel illegale Aggression vor und baute ihre Rede auf einem moralischen Maximalvorwurf auf. Am Ende sang sie gegen Trump. Doch der eigentliche Adressat war nicht nur Washington. Es war auch Jerusalem. Israel sollte als Staat erscheinen, mit dem Europa nicht mehr normal umgehen dürfe.
Diese Logik ist gefährlich, weil sie den Nahen Osten auf eine einzige Anklage verkürzt. Der Iran Krieg 2026, die Rolle der HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen im Libanon, die fortdauernde Bedrohung Nordisraels, das iranische Raketenprogramm, die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen, die HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen und das Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023 verschwinden hinter Schlagworten. Wer nur noch von „Genozid“, „Apartheid“ und „Beziehungsabbruch“ spricht, muss sich mit der Frage nicht mehr quälen, weshalb Israel überhaupt kämpft, weshalb es seine Grenzen verteidigt und weshalb Jerusalem einem neuen US-Iran-Papier mit so großer Sorge begegnet.
Gerade Europa müsste es besser wissen. Die Europäische Union kann keine glaubwürdige Nahostpolitik betreiben, wenn sie Terrororganisationen, iranische Machtpolitik und israelische Sicherheitsinteressen nicht gleichzeitig in den Blick nimmt. Die Hamas ist nicht aus einer Fußnote der Geschichte entstanden, sondern hat am 7. Oktober 2023 ein Massaker verübt, das den Krieg ausgelöst und Israels Gesellschaft traumatisiert hat. Die Hisbollah ist keine lokale Protestbewegung, sondern eine schwer bewaffnete, vom Iran unterstützte Terrororganisation an Israels Nordgrenze. Das iranische Regime betreibt seit Jahren ein Netz aus Raketen, Milizen, Urananreicherung und regionaler Erpressung. Wer Israel in dieser Lage zum Hauptproblem erklärt, betreibt keine Analyse. Er betreibt politische Verzerrung.
Der mutmaßliche Apartheid-Vergleich durch Kallas wiegt auch deshalb schwer, weil er aus der Spitze der europäischen Außenpolitik kommen soll. Bei Montero kann man noch sagen: Sie gehört zu einer radikalen Linken, die mit Zuspitzung, Anklage und Inszenierung arbeitet. Bei Kallas liegt die Sache anders. Die Hohe Vertreterin der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik spricht nicht nur für eine Parteigruppe. Sie ist das Gesicht europäischer Außenpolitik. Wenn von dort Begriffe fallen, die Israel mit einem rassistischen Unrechtsregime gleichsetzen, dann ist das kein Randlärm mehr. Dann betrifft es die Arbeitsfähigkeit zwischen Jerusalem und Brüssel.
Sa’ars Schritt ist hart, aber politisch nachvollziehbar. Diplomatie lebt nicht davon, jede Kränkung zu schlucken. Sie lebt auch von Klarheit darüber, welche Sprache Zusammenarbeit zerstört. Israel muss der EU nicht vorschreiben, welche Position sie in jeder einzelnen Frage einnimmt. Aber Jerusalem darf erwarten, dass die europäische Außenpolitik die einzige jüdische Demokratie im Nahen Osten nicht mit historischen Kampfbegriffen delegitimiert. Wenn Kallas ihre Aussage nicht so gemeint haben sollte, müsste sie das klarstellen. Wenn sie sie so gemeint hat, ist der Bruch kaum überraschend.
Für Europa ist das ein Warnsignal. Die EU steht ohnehin unter Druck, weil ihre Nahostpolitik oft widersprüchlich wirkt. Einerseits betont sie Israels Recht auf SicherheitExistenzrecht Israels: Das Recht des jüdischen Staates auf SicherheitDas Existenzrecht Israels bezeichnet das Recht des jüdischen Staates, als souveräner Staat sicher und anerkannt zu bestehen. Wer Israel dieses Recht abspricht, kritisiert nicht nur eine Regierung, sondern stellt jüdische Selbstbestimmung grundsätzlich infrage.Mehr lesen. Andererseits gewinnen Kräfte an Einfluss, die Israel isolieren, sanktionieren oder politisch aus internationalen Strukturen drängen wollen. Einerseits spricht Brüssel von einer regelbasierten Ordnung. Andererseits fällt es vielen europäischen Stimmen schwer, Hamas und Hisbollah mit derselben moralischen Klarheit zu benennen, mit der sie Israel verurteilen. Diese Schieflage spürt man in Jerusalem sehr genau.
Der Montero-Auftritt macht diese Schieflage sichtbar. Nicht, weil ein Lied im Parlament die Weltpolitik verändert. Sondern weil es zeigt, wie leicht sich moralische Selbstgewissheit an die Stelle politischer Verantwortung setzt. Eine Abgeordnete, die Trump als „Mr Genocide“ besingt, Kallas öffentlich unter Druck setzt und Israel zum Gegenstand eines Beziehungsabbruchs machen will, sucht keine schwierige Lösung. Sie sucht eine Bühne. Doch Außenpolitik ist kein Theater. Wer die Lage in Gaza, im Libanon, in Iran und in Israel ernst nimmt, muss mehr leisten als Schlagworte.
Das gilt auch für Kallas. Wenn die EU-Außenbeauftragte Israel kritisiert, muss sie präzise sein. Sie muss sagen, welche Entscheidung sie meint, welche Forderung sie erhebt, welche Rechtsgrundlage sie sieht und welche Alternative sie vorschlägt. Ein historisch aufgeladener Vergleich mit Apartheid-Südafrika erfüllt diese Anforderungen nicht. Er verkürzt, er trifft, er delegitimiert. Und er fällt in eine Zeit, in der antisemitische und antiisraelische Kampagnen genau solche Begriffe nutzen, um Israel als Staat moralisch aus der Gemeinschaft der Demokratien herauszudrängen.
Dass Israel darauf empfindlich reagiert, ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist eine Folge historischer Erfahrung. Der jüdische Staat weiß, was es bedeutet, wenn Worte nicht mehr nur beschreiben, sondern entmenschlichen, markieren und ausgrenzen. Niemand muss jede israelische Entscheidung gutheißen, um zu verstehen, dass der inflationäre Gebrauch von Begriffen wie „Apartheid“ oder „Genozid“ eine politische Wirkung hat. Er macht aus Israel nicht einen umstrittenen Staat, sondern einen angeblich verbrecherischen Sonderfall. Genau diese Erzählung speist Boykottkampagnen, akademische Ausgrenzung, kulturelle Absagen und immer häufiger auch offenen Hass gegen Juden in Europa.
Europa sollte deshalb sehr genau auf diesen Moment schauen. Sa’ar bricht nicht mit der EU als Ganzes. Er bricht mit Kallas, solange sie die ihr zugeschriebene Aussage nicht zurücknimmt oder klärt. Das lässt Raum für eine Korrektur. Aber dieser Raum muss genutzt werden. Schweigen reicht nicht. Ausweichen reicht nicht. Eine europäische Außenbeauftragte, die ernst genommen werden will, muss erklären, ob sie Israel tatsächlich mit Apartheid-Südafrika verglichen hat. Und wenn ja, weshalb sie glaubt, dass eine solche Aussage noch mit fairer Diplomatie vereinbar ist.
Für Israel ist die Sache größer als eine Personalie. Der Streit zeigt, dass Jerusalem in Europa zunehmend um sprachliche und politische Normalität kämpfen muss. Nicht um Zustimmung zu jeder Regierungslinie. Nicht um Immunität gegen Kritik. Sondern um das Recht, als Staat mit realen Bedrohungen behandelt zu werden und nicht als moralisches Feindbild, das man ausgrenzen darf.
Der Iran Krieg 2026 macht diese Frage noch dringlicher. Während Washington mit Teheran ein Memorandum schließt, das aus israelischer Sicht viele zentrale Gefahren ungelöst lässt, geraten in Europa ausgerechnet jene Stimmen lauter, die nicht den Iran, nicht Hamas, nicht Hisbollah, sondern Israel politisch isolieren wollen. Das ist eine gefährliche Verschiebung. Denn wer Israel schwächt, während Teheran wirtschaftlich entlastet wird und seine regionalen Stellvertreter nicht wirksam begrenzt werden, stärkt am Ende nicht den Frieden. Er stärkt jene, die Israel seit Jahren unter Druck setzen.
Kallas kann diese Krise entschärfen, wenn sie klarstellt, was sie gesagt hat und was sie nicht gesagt hat. Montero kann ihre politische Show fortsetzen, aber sie sollte nicht mit ernsthafter Nahostpolitik verwechselt werden. Die EU insgesamt muss sich entscheiden, ob sie Partner Israels bleiben will oder ob sie zulässt, dass ihre Debatte von Begriffen und Gesten beherrscht wird, die am Ende nur Israels Gegnern nutzen.
Jerusalem hat jetzt ein Signal gesetzt. Es sagt: Kritik ja, Dämonisierung nein. Diplomatie ja, historische Verzerrung nein. Zusammenarbeit ja, aber nicht um den Preis, dass Israel in Brüssel wie ein Unrechtsstaat behandelt wird. Diese Linie ist nicht überzogen. Sie ist notwendig. Denn wer die Sprache verliert, verliert am Ende auch die Grundlage für jede ehrliche Politik.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 18. Juni 2026