Frankfurt am 7. Oktober: Hass-Demo mit „Märtyrer“-Rhetorik an der Hauptwache

Frankfurt am 7. Oktober: Hass-Demo mit „Märtyrer“-Rhetorik an der Hauptwache


Ausgerechnet am dritten Jahrestag des Hamas-Massakers soll an der Frankfurter Hauptwache erneut eine antiisraelische Demonstration stattfinden. Die Organisatoren sprechen selbst von laufenden Ermittlungen nach ihrer Veranstaltung im Vorjahr und verwenden erneut den Begriff „Märtyrer“.

Frankfurt am 7. Oktober: Hass-Demo mit „Märtyrer“-Rhetorik an der Hauptwache
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Für den Abend des 7. Oktober 2026 wird in Frankfurt unter dem Titel „GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen schreit nach Freiheit“ zu einer Demonstration an der Hauptwache mobilisiert. Beginn soll um 18 Uhr sein. Brisant ist nicht nur das Datum, sondern auch die personelle und politische Vorgeschichte der Veranstaltung.

Die Organisatoren erklären in ihrem eigenen Aufruf, dass die Demonstration vom selben „Anmelderduo“ angemeldet worden sei wie die Veranstaltung am 7. Oktober 2025. Nach ihrer Darstellung laufen gegen die beiden weiterhin Ermittlungsverfahren. Im Zusammenhang mit der damaligen Demonstration habe es zudem Hausdurchsuchungen gegeben.

Die Organisatoren stellen diese Maßnahmen als staatliche Repression dar und halten die juristischen Vorwürfe für unbegründet. Eine strafrechtliche Verurteilung ist daraus nicht abzuleiten. Bemerkenswert ist jedoch, worum sich die Ermittlungen nach ihrer eigenen Darstellung drehen: Unter anderem soll geprüft werden, ob auf der Demonstration Straftaten gebilligt worden seien und ob sich das dortige Gedenken an „Märtyrer“ tatsächlich auf Kämpfer des 7. Oktober bezogen habe.

Trotz dieser Vorgeschichte verwendet der neue Aufruf erneut ausdrücklich den Begriff „Märtyrer“. Die Organisatoren schreiben von mehr als 70.000 „Märtyrern“ seit dem 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen, bezeichnen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen als „Besatzungsmacht“ und behaupten, ein „Völkermord“ dauere an. Die Zahlen und Bewertungen stammen aus dem Aufruf der Veranstalter und sind entsprechend als deren Darstellung einzuordnen.

Die Vorgeschichte ist dokumentiert

Dass die Frankfurter Mobilisierung nicht losgelöst von der Entwicklung der vergangenen Jahre betrachtet werden kann, zeigt die Dokumentation von RIAS Hessen.

Für den 7. Oktober 2025 beschreibt RIAS eine Demonstration in Frankfurt, bei der über Lautsprecher auf Arabisch unter anderem zur Aufopferung für Gaza, gegen Frieden und zum bewaffneten Kampf gegen „die Zionisten“ aufgerufen worden sei. Nach Darstellung von RIAS fanden diese Parolen Widerhall unter arabischsprachigen Teilnehmern.

Bereits vor dieser Veranstaltung hatte die Jüdische Gemeinde Frankfurt scharfe Kritik geäußert. Sie sprach von einer antisemitischen Hass-Demonstration und warnte davor, dass ausgerechnet der Jahrestag des HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massakers genutzt werde, um den Kampf gegen Israel und die Legitimation von Terrorismus auf die Straße zu tragen.

Die Stadt Frankfurt versuchte damals, die Demonstration zu untersagen. Das Verbot hielt der gerichtlichen Prüfung jedoch nicht stand. Die gerichtliche Aufhebung bedeutete dabei keine politische oder moralische Entlastung der Veranstaltung. Gerichte prüfen bei Versammlungsverboten sehr hohe rechtliche Hürden und entscheiden darüber, ob eine konkrete Gefahrenprognose für ein Verbot ausreicht.

haOlam berichtete seinerzeit über den Rechtsstreit und die Vorwürfe der Hamas-Verherrlichung. Die spätere Entwicklung zeigt, dass die Auseinandersetzung mit dem Ende der Demonstration nicht abgeschlossen war.

Auch 2026 sorgte das antiisraelische Demonstrationsmilieu in Frankfurt erneut für Aufmerksamkeit. Für eine Veranstaltung unter dem Motto „Palästina darf sich wehren, auch mit Steinen und Gewehren – Widerstand ist Völkerrecht“ prüften Behörden die rechtlichen Grenzen. Hessens Antisemitismusbeauftragter Uwe Becker warnte damals ausdrücklich vor „Terrorwerbung“ und einer Verherrlichung der Hamas-Massaker als angeblicher Widerstandsaktion.

Die Entwicklung fügt sich in ein größeres Muster. RIAS Hessen ordnete 2025 bei fast zwei Dritteln der beobachteten einschlägigen Versammlungen die verantwortlichen Akteure dem antiisraelischen Aktivismus zu. Dabei geht es nicht um jede Kritik an israelischer Politik. Entscheidend ist, wenn Israel delegitimiert und dämonisiert, Terror relativiert oder jüdische SelbstbestimmungZionismus: Das Recht der Juden auf SelbstbestimmungZionismus bezeichnet die jüdische Nationalbewegung, die für die Rückkehr des jüdischen Volkes in seine historische Heimat und für jüdische Selbstbestimmung im Land Israel eintrat. Der moderne Zionismus entstand im 19. Jahrhundert als Antwort auf Antisemitismus, Verfolgung und Entrechtung.Mehr lesen grundsätzlich infrage gestellt wird.

Warum der 7. Oktober nicht irgendein Demonstrationstag ist

Das Datum der diesjährigen Frankfurter Mobilisierung lässt sich nicht von dieser Vorgeschichte trennen. Am 7. Oktober 2023 drangen Hamas-Terroristen und weitere bewaffnete Angreifer nach Israel ein, ermordeten mehr als 1.200 Menschen und verschleppten 251 Geiseln in den Gazastreifen.

Der 7. Oktober ist deshalb kein beliebiger Termin im politischen Kalender. Er ist der Jahrestag eines antisemitischen Massakers.

Selbstverständlich dürfen auch an diesem Tag politische Forderungen erhoben und Entscheidungen der israelischen Regierung kritisiert werden. Die Versammlungsfreiheit endet nicht am Jahrestag eines Terroranschlags. Ebenso selbstverständlich müssen aber Inhalt, Sprache und Vorgeschichte einer Demonstration kritisch betrachtet werden.

Wer am 7. Oktober von „Märtyrern“ spricht, dessen Wortwahl bekommt angesichts des konkreten historischen Datums eine besondere Bedeutung. Und wenn dasselbe Anmelderduo nach einer Veranstaltung zurückkehrt, bei der laut RIAS zum bewaffneten Kampf gegen „Zionisten“ aufgerufen wurde und die Organisatoren selbst von laufenden Ermittlungen berichten, ist eine Darstellung als harmlose humanitäre Protestveranstaltung nicht angemessen.

Hinzu kommt eine bewusste Umkehr der zeitlichen Perspektive. Der aktuelle Aufruf beginnt nicht mit dem Hamas-Massaker, sondern stellt deutsche Unterstützung für Israel, palästinensische Opferzahlen und den Genozidvorwurf in den Mittelpunkt. Das Massaker, das diesen Jahrestag überhaupt definiert, erscheint dagegen vor allem als Gegenstand strafrechtlicher Vorwürfe gegen die Organisatoren.

Gerade darin liegt die politische Brisanz. Der 7. Oktober wird nicht nur unterschiedlich bewertet – seine Bedeutung selbst wird umkämpft. Wo aus dem Jahrestag eines antisemitischen Massakers ein Mobilisierungstermin gegen Israel wird und zugleich Begriffe wie „Märtyrer“ weiterverwendet werden, ist kritische Aufmerksamkeit keine Überreaktion, sondern notwendig.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 6. Oktober 2026

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