Gaza-Flottille scheitert schon in Kiel: 30.000 Euro Schaden statt Fahrt gegen Israel
Die „Handala II“ soll demonstrativ Israels Seeblockade vor Gaza durchbrechen. Doch schon im Kieler Sporthafen endet die politische Inszenierung vorerst an einer Kaimauer. Das Schiff ist beschädigt, die Maschine streikt, die Polizei ermittelt und selbst der Hafenbetreiber will das Boot möglichst schnell wieder loswerden.

Die Fahrt der „Handala II“ soll ein politisches Zeichen gegen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen setzen. Die Aktivisten wollen tausende Kilometer durch Europa und das Mittelmeer fahren, um schließlich die israelische Seeblockade vor GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen demonstrativ zu durchbrechen.
Im Kieler Sporthafen ist die Mission allerdings zunächst sehr viel profaner gescheitert.
Das früher unter dem Namen „Fru Sand“ fahrende dänische Kleinschiff kollidierte beim Anlegen mit der Kaimauer. Nach Angaben der Sporthafen Kiel GmbH entstand ein Schaden von mindestens 30.000 Euro. Der betroffene Bereich wurde abgesperrt, die Feuerwehr legte vorsorglich eine Ölsperre um das Schiff und die Kieler Polizei ermittelt wegen der Beschädigung.
Hinzu kommt ein Maschinenschaden.
Wann die „Handala II“ überhaupt wieder aus eigener Kraft fahren kann, ist offen.
Für eine Besatzung, die in einigen Wochen eine militärisch überwachte Seeblockade im östlichen Mittelmeer herausfordern möchte, ist das kein nebensächliches technisches Problem.
Politische Provokation unter dem Etikett der Hilfe
Die Organisatoren präsentieren ihre Fahrt als Solidaritätsaktion für Gaza. Kapitän Jan Wollnick erklärte nach dem Unfall, man tue dies „für die Kinder in Gaza“.
Doch wie viel konkrete Hilfe sich überhaupt an Bord befindet, bleibt unklar.
Nach dem vorliegenden Bericht ist weder bekannt, wie viele Tonnen Hilfsgüter transportiert werden, noch ob das Schiff überhaupt eine nennenswerte humanitäre Ladung mitführt. Auf den Seiten der Organisation steht ohnehin vor allem die politische Funktion der Reise im Vordergrund: Hafenbesuche, Veranstaltungen, Proteste und schließlich der Versuch, die israelische Seeblockade zu durchbrechen.
Das macht einen Unterschied.
Wer Lebensmittel und Medikamente nach Gaza bringen möchte, verfügt über Möglichkeiten, Hilfsgüter über bestehende internationale und israelische Kontrollwege einzuführen. Wer stattdessen mit einem politischen Aktivistenboot auf die israelisch kontrollierte Küste zufährt, verfolgt zusätzlich ein anderes Ziel: Bilder einer Konfrontation mit Israel zu produzieren.
Genau darin liegt der eigentliche Sinn solcher Flottillen.
Sie sind weniger effizienter Hilfstransport als politische Bühne.
Die Organisation Ship to Gaza schreibt selbst, dass die „Handala II“ verschiedene europäische Häfen anlaufen und anschließend versuchen soll, die Blockade zu durchbrechen.
Dabei wird die israelische Seeblockade von den Aktivisten gewöhnlich so dargestellt, als handele es sich lediglich um eine willkürliche Beschränkung Gazas.
Ausgeblendet wird der sicherheitspolitische Hintergrund.
Israel kontrolliert den SeewegStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen, weil HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen und andere Terrororganisationen seit Jahren versuchen, Waffen, Komponenten und militärisch nutzbares Material nach Gaza zu bringen. Ob einzelne Maßnahmen der Blockade verhältnismäßig sind, kann und muss diskutiert werden. So zu tun, als habe die Kontrolle des Seeweges nichts mit Terrorismus und Waffenschmuggel zu tun, wäre jedoch ebenso politisch wie die Flottille selbst.
Schon vorher technische Probleme
Besonders bemerkenswert ist, dass der Kieler Unfall offenbar nicht das erste technische Problem auf der Reise ist.
Bereits während eines früheren Aufenthalts im dänischen Svendborg fiel beim Manövrieren der Motor aus. Ein mitreisender Aktivist berichtete, dass nach einer Überlastung zeitweise weder Motorleistung noch Strom und Hydraulik zur Verfügung standen.
Trotzdem soll das Schiff nach Reparaturen weiter über Bremerhaven, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Portugal und Italien Richtung Gaza fahren.
Der Betreiber des Kieler Sporthafens scheint darüber wenig begeistert.
Nach dem Bericht erklärte Geschäftsführer Mühlenhardt, das Schiff sei für einen Sporthafen „komplett ungeeignet“ und solle möglichst schnell verschwinden. Bei stärkerem Wind könne es sogar eine Gefahr für den Hafen darstellen.
Das ist eine bemerkenswerte Bewertung für ein Schiff, dessen Besatzung sich anschickt, eine rund 3.000 Kilometer entfernte Krisenregion anzusteuern.
Auch finanziell läuft die Kampagne offenbar nicht besonders überzeugend. Eine Spendensammlung für das Projekt soll lediglich rund zehn Prozent des angepeilten Betrages erreicht haben. Zuletzt seien keine weiteren Zuwendungen hinzugekommen.
Nun kommen möglicherweise Reparaturkosten und die Frage hinzu, wer für den Schaden an der Kieler Kaimauer haftet.
Kinder in Gaza brauchen Hilfe, aber keine falschen Zahlen
Kritik an dieser Aktivistenfahrt darf allerdings nicht dazu führen, die humanitäre Situation in Gaza kleinzureden.
Die im Ausgangsbericht enthaltene Behauptung, die Mangelernährung von Kindern in Gaza sei ungefähr mit der Situation deutscher Kinder vergleichbar und praktisch nicht vorhanden, lässt sich mit aktuellen UNICEF-Daten nicht belegen.
UNICEF berichtete im Juli zwar von deutlichen Verbesserungen gegenüber der dramatischen Lage früherer Kriegsphasen. Dennoch benötigen weiterhin zehntausende Kinder Behandlung wegen akuter Mangelernährung.
Man kann also gleichzeitig zwei Dinge feststellen:
Kinder in Gaza benötigen tatsächlich Hilfe.
Und eine politisch inszenierte Bootsfahrt mit unklarer Hilfsladung ist deshalb noch lange keine sinnvolle humanitäre Operation.
Genau diese Trennung geht in der öffentlichen Inszenierung solcher Flottillen häufig verloren.
Die Aktivisten sprechen von humanitärer Hilfe, ihr erklärtes strategisches Ziel lautet jedoch ausdrücklich, die israelische Blockade zu brechen. Damit suchen sie bewusst die Konfrontation mit Israel.
In Kiel haben sie diese Konfrontation vorerst nicht erreicht.
Dafür stehen nun eine beschädigte Kaimauer, mindestens 30.000 Euro Sachschaden, eine Ölsperre, ein kaputtes Schiff und polizeiliche Ermittlungen auf der Bilanz.
Und ausgerechnet an der beschädigten Kaimauer soll gemeinsam mit „Students for Palestine“ auch noch demonstriert werden.
Politische Symbolik beherrscht die Gruppe also weiterhin.
Bei der Navigation besteht offenbar noch Verbesserungspotenzial.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Samstag, 15. August 2026