Britische Terrorermittler prüfen Al Khair wegen Hamas Verbindungen

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Britische Terrorermittler prüfen Al Khair wegen Hamas Verbindungen


Die britische Charity Commission untersucht die Al-Khair Foundation wegen möglicher Verbindungen und Geldflüsse zur Hamas. Brisant ist auch ein Mitarbeiter, dem die US-Justiz materielle Unterstützung der Terrororganisation vorwirft.

Britische Terrorermittler prüfen Al Khair wegen Hamas Verbindungen
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Eine der großen muslimischen Hilfsorganisationen Großbritanniens ist ins Visier der Aufsichtsbehörden und Terrorermittler geraten. Die britische Charity Commission hat ihre Prüfung der Al-Khair Foundation zu einer förmlichen Untersuchung ausgeweitet. Im Raum stehen schwerwiegende Vorwürfe: mögliche Verbindungen zur HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, eine mögliche Finanzierung der Terrororganisation und die Frage, ob Spendengelder bei internationalen Partnern ausreichend kontrolliert wurden.

Noch ist nichts davon gegen die Organisation als solche gerichtlich bewiesen. Eine förmliche Untersuchung der Charity Commission ist ausdrücklich keine Feststellung von Fehlverhalten. Sie gibt der Behörde jedoch zusätzliche rechtliche Möglichkeiten, Vorgänge innerhalb einer gemeinnützigen Organisation umfassend zu prüfen und Vermögenswerte zu schützen. Genau diese Unterscheidung ist wichtig, denn die Vorwürfe sind schwer genug, dass weder Vorverurteilung noch Verharmlosung angebracht wären.

Al-Khair ist keine kleine Spendensammlung am Rand der britischen Wohlfahrtslandschaft. Die Stiftung ist unter der Nummer 1126808 offiziell registriert und arbeitet nach eigenen Angaben international in der humanitären Hilfe. Das Register der Charity Commission führt Tätigkeiten unter anderem in den palästinensischen Gebieten, Pakistan, Somalia, Syrien, Sudan, Jemen und zahlreichen weiteren Staaten auf. Zu den satzungsgemäßen Aufgaben gehören Armutsbekämpfung, Katastrophenhilfe, Bildung und religiöse Aktivitäten.

Die finanziellen Dimensionen machen die Untersuchung besonders bedeutend. Im Geschäftsjahr bis Juli 2023 nahm Al-Khair 31,28 Millionen Pfund ein. Ein Jahr später waren es 60,98 Millionen Pfund, im Geschäftsjahr bis Juli 2025 schließlich 74,79 Millionen Pfund. Davon stammten zuletzt 72,51 Millionen Pfund aus Spenden und Vermächtnissen. Die Einnahmen haben sich damit innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt.

Es geht also um eine Organisation, die jedes Jahr zweistellige Millionenbeträge bewegt und deren Spender darauf vertrauen müssen, dass Geld für Bedürftige nicht in die Hände einer Terrororganisation gelangt.

Ein Mitarbeiter und schwere Vorwürfe aus den USA

Zusätzliche Brisanz erhält der Fall durch Mohammad Yousef Hasna. Der 45-Jährige wurde Ende Juli in Großbritannien aufgrund amerikanischer Vorwürfe festgenommen. US-Staatsanwälte werfen ihm vor, seine führende Stellung bei einer international tätigen Hilfsorganisation genutzt zu haben, um Geld, Lebensmittel und andere Güter an die Hamas weiterzuleiten. Er soll nach Darstellung der amerikanischen Anklage spätestens seit 2023 eng mit hochrangigen Hamas-Funktionären, darunter Ghazi Hamad, zusammengearbeitet haben. Hasna gilt bis zu einer möglichen Verurteilung als unschuldig.

Die Anklage umfasst nach Angaben amerikanischer Behörden unter anderem Verschwörung zur materiellen Unterstützung einer ausländischen Terrororganisation sowie Terrorismusfinanzierung. Auf die einzelnen Anklagepunkte können jeweils lange Freiheitsstrafen stehen. Zum Zeitpunkt seiner Festnahme befand sich Hasna zunächst in einem britischen Auslieferungsverfahren. Anders als in einzelnen ersten Berichten dargestellt, war er zu diesem Zeitpunkt also noch nicht bereits an die Vereinigten Staaten ausgeliefert worden.

Genau hier wird die britische Untersuchung entscheidend. Nach der vorliegenden Mitteilung soll die Charity Commission klären, welche tatsächliche Verbindung zwischen Hasna und Al-Khair bestand, welche Aufgaben und Befugnisse er besaß und ob sich daraus Risiken für die Verwendung von Spendengeldern ergeben haben.

Dass Hasna mit Al-Khair in Verbindung gebracht wurde, ist nicht erst seit seiner Festnahme öffentlich sichtbar. Ältere Berichte bezeichneten Mohammed Abu Hasna als Direktor der internationalen Büros der Al-Khair Foundation. Auch öffentlich zugängliche Spuren aus dem Umfeld internationaler Hilfsarbeit nennen einen Mohammed Hasna in leitender Funktion. Diese Namens und Funktionsverbindungen müssen nun jedoch von den Ermittlern sauber geklärt werden.

Besonders relevant ist dabei nicht nur die Frage, ob ein einzelner Mitarbeiter strafbare Handlungen begangen haben könnte. Bei einer Organisation mit Einnahmen von fast 75 Millionen Pfund geht es um Kontrollsysteme: Wer wählt lokale Partner aus? Welche Prüfungen erfolgen vor Zahlungen? Wer kontrolliert, wo Lebensmittel, Bargeld, Fahrzeuge oder andere Hilfsgüter tatsächlich landen? Und was geschieht, wenn eine Hilfsorganisation in einem Gebiet arbeitet, das über Jahre von einer Terrororganisation beherrscht wurde?

Die Charity Commission verlangt von britischen Hilfsorganisationen gerade bei internationalen Tätigkeiten, Risiken für gemeinnützige Mittel zu beherrschen. Im Fall Al-Khair soll nun nach der vorliegenden Mitteilung untersucht werden, ob die Verantwortlichen ihre Partner angemessen überprüft, die Verwendung von Geld im Ausland ausreichend überwacht und wirksame Verfahren gegen Missbrauch eingerichtet haben.

Die Behörde hat wegen des möglichen Risikos für das Vermögen der Stiftung zudem bestimmte Finanztransaktionen unter Zustimmungsvorbehalt gestellt. Das ist noch keine Beschlagnahmung und kein Schuldspruch. Es zeigt aber, dass die Aufsicht die Vorwürfe nicht als gewöhnliche Verwaltungsfrage behandelt.

Parallel dazu wurden nach der vorliegenden Meldung auch britische Terrorermittler tätig. Counter Terrorism Policing London bestätigte Untersuchungen, in deren Zusammenhang Durchsuchungsbeschlüsse für zwei Anschriften im Süden Londons vollstreckt worden seien.

Ausgerechnet eine Organisation mit Anspruch auf Vertrauen

Der Fall besitzt noch eine politische Dimension.

Im Juli 2025 tauchte Al-Khair sogar in einer offiziellen Mitteilung der britischen Regierung auf. Damals stellte London den British Muslim Trust als neuen Partner im Kampf gegen antimuslimischen Hass vor. In der Regierungsmitteilung wurde auch Qasim Rashid Ahmad, Gründer und Vorsitzender der Al-Khair Foundation, mit einer positiven Stellungnahme zu dieser Initiative zitiert. Die Regierung erklärte damit keineswegs Al-Khair zum staatlichen Partner des Programms, doch die Erwähnung zeigt, wie etabliert die Organisation im öffentlichen britischen Raum war.

Auch formal ist Al-Khair keine unbekannte oder versteckt operierende Vereinigung. Das britische Unternehmensregister führt die Organisation seit 2003, die Charity Commission registrierte sie 2008. Die Berichte und Jahresabschlüsse wurden zuletzt fristgerecht eingereicht. Im offiziellen Register sind fünf Treuhänder, 63 Beschäftigte und 152 Freiwillige ausgewiesen.

Gerade das macht den Vorgang so ernst.

Humanitäre Hilfe in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen ist notwendig. Menschen benötigen Lebensmittel, Medikamente und medizinische Versorgung. Aber aus dieser Notwendigkeit folgt keine Befreiung von Kontrolle. Im Gegenteil. Je stärker Terrororganisationen zivile Strukturen durchdringen, desto sorgfältiger müssen Hilfswerke nachweisen können, dass Spenden tatsächlich dort ankommen, wo sie ankommen sollen.

Hamas hat ein offensichtliches Interesse daran, internationale Hilfsstrukturen für die eigene Herrschaft nutzbar zu machen. Genau deshalb ist jede Behauptung über eine solche Zweckentfremdung sorgfältig zu beweisen. Der Schutz humanitärer Arbeit verlangt beides gleichzeitig: Hilfe für Bedürftige und kompromisslose Kontrolle gegen TerrorfinanzierungPay for Slay: Wie Terror gegen Israelis weiter belohnt wird„Pay for Slay“ ist ein kritischer Begriff für palästinensische Zahlungen an in Israel inhaftierte Täter, freigelassene Gefangene und Familien getöteter Angreifer. Kritiker sehen darin eine Belohnung für Terror gegen Israelis.Mehr lesen.

Al-Khair weist die Vorwürfe gegen seine Arbeit zurück beziehungsweise betont nach der vorliegenden Stellungnahme, vollständig mit der Untersuchung zu kooperieren. Die Stiftung erklärt, sie verfüge über Verfahren für Kontrolle, Leitung und Überwachung und wolle gewährleisten, dass Hilfsgelder ihre vorgesehenen Empfänger erreichen. Auf ihrer eigenen Internetseite bezeichnet sie sich weiterhin als international tätige britische Hilfsorganisation und sammelt unter anderem für Gaza.

Diese Erklärung muss Teil einer fairen Berichterstattung sein. Sie beantwortet jedoch die Fragen der Ermittler nicht.

Wenn sich die Vorwürfe nicht bestätigen, muss auch das deutlich festgestellt werden. Sollten Ermittlungen dagegen ergeben, dass unter dem Schutzmantel humanitärer Arbeit tatsächlich Geld oder Güter bei der Hamas gelandet sind, wäre der Schaden weit größer als der Missbrauch einzelner Spenden. Es wäre ein Angriff auf das Vertrauen, von dem seriöse Hilfsorganisationen leben.

Jeder Spender, der Geld für ein hungerndes Kind gibt, muss darauf vertrauen können, dass daraus weder die Versorgung eines Terroristen noch die Finanzierung einer Terrorstruktur wird.

Genau darum geht es jetzt in Großbritannien.

Nicht darum, humanitäre Hilfe unter Generalverdacht zu stellen. Sondern darum, sicherzustellen, dass Menschlichkeit nicht als Tarnung für diejenigen missbraucht werden kann, die Terror finanzieren.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Montag, 10. August 2026

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