Gemeinsam gegen Islamisten: Verfolgte Minderheiten schließen sich mit Juden zusammen

Gemeinsam gegen Islamisten: Verfolgte Minderheiten schließen sich mit Juden zusammen


Christen, Jesiden, Drusen, Kurden und iranische Oppositionelle haben unterschiedliche Geschichten, aber einen gemeinsamen Feind: den gewaltbereiten Islamismus. Eine neue internationale Organisation bringt sie mit jüdischen Aktivisten zusammen. Ihr Gründer Charles Jacobs kritisiert, dass die Opfer islamistischer Gewalt im Westen häufig zu wenig Aufmerksamkeit erhalten.

Gemeinsam gegen Islamisten: Verfolgte Minderheiten schließen sich mit Juden zusammen
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Juden gehören zu den erklärten Feindbildern islamistischer Terrororganisationen. Doch die Gewalt von HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, Islamischem Staat, Boko Haram und anderen dschihadistischen Bewegungen richtet sich keineswegs ausschließlich gegen Juden oder IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen. Christen werden verfolgt, Jesiden versklavt, Angehörige muslimischer Minderheiten ermordet und politische Gegner islamistischer Herrschaftssysteme unterdrückt. Eine neue internationale Initiative will diese bislang häufig getrennt kämpfenden Gemeinschaften zusammenbringen und ihnen eine gemeinsame Stimme geben.

Im Mittelpunkt steht die International Freedom Coalition (IFC), die 2026 von dem jüdisch-amerikanischen Menschenrechtsaktivisten Charles Jacobs und dem Politikwissenschaftler Walid Phares gegründet wurde. Das Bündnis vereint nach eigenen Angaben Vertreter verschiedener religiöser und ethnischer Minderheiten, darunter Juden, Christen, Jesiden, Drusen, Alawiten sowie Oppositionelle aus Iran, Afghanistan und weiteren Ländern.

In einem ausführlichen Gespräch mit der JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post vom 7. November erläutert Jacobs, weshalb diese Zusammenarbeit notwendig sei. Menschen, die islamistische Verfolgung selbst erlebt hätten, verstünden oft besser als westliche Beobachter, welche Gefahr von gewaltbereiten religiösen Extremisten ausgehe. Sie wüssten auch, dass jüdische Gemeinschaften und Israel nicht die einzigen Ziele dieser Ideologie seien.

Jacobs will deshalb eine internationale Gemeinschaft von Menschen aufbauen, die sich gegen dieselben Formen religiös begründeter Unterdrückung wehren. Während einzelne Minderheiten mit ihren Forderungen nach Schutz und Gerechtigkeit häufig wenig Aufmerksamkeit erhielten, könnten sie gemeinsam erheblich größeren politischen Druck entfalten.

Bereits im Juli veranstaltete die Organisation nach Angaben ihres Mitgründers ihre erste Konferenz in Washington. Vertreter von 15 Gruppen kamen zusammen, um über ihre Erfahrungen und mögliche gemeinsame Aktivitäten zu sprechen. Jacobs berichtete von Begegnungen zwischen sudanesischen Aktivisten, iranischen Oppositionellen, koptischen Christen, Vertretern aus Darfur und Alawiten.

Für viele Beteiligte sei es eine wichtige Erkenntnis gewesen, dass ihre Gemeinschaften nicht isoliert gegen die Verfolgung kämpfen müssten. Sie könnten Erfahrungen austauschen, politische Kontakte gemeinsam nutzen und auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam machen, die außerhalb ihrer Herkunftsländer kaum wahrgenommen würden.

Vom Völkermord an Jesiden bis zur Christenverfolgung in Nigeria

Welche Bedeutung diese Zusammenarbeit haben könnte, zeigt ein Blick auf die Verbrechen islamistischer Terrororganisationen.

Als der Islamische Staat im August 2014 die jesidischen Siedlungsgebiete im nordirakischen Sindschar-Gebirge überfiel, ermordeten seine Terroristen Tausende Menschen. Frauen und Mädchen wurden verschleppt, verkauft und systematisch sexuell missbraucht. Jungen wurden ihren Familien entrissen und teilweise zu Kämpfern erzogen. Die Vereinten Nationen stuften die Verbrechen als Völkermord ein.

Noch immer gelten zahlreiche Jesiden als vermisst. Nach Angaben der Vereinten Nationen vom August 2025 waren es fast 2.600 Menschen. Hinter diesen Zahlen stehen Familien, die seit mehr als einem Jahrzehnt auf Nachrichten über ihre Angehörigen warten.

Dass die Verantwortlichen auch in Europa strafrechtlich verfolgt werden, zeigte im August 2026 ein Urteil des Oberlandesgerichts München. Ein irakisches Ehepaar wurde wegen schwerster Verbrechen an zwei jesidischen Mädchen verurteilt. Die Kinder waren im Herrschaftsgebiet des Islamischen Staates versklavt und wiederholt misshandelt worden. Das Gericht ordnete die Taten in den Zusammenhang des Völkermordes an den Jesiden ein.

Auch Nigeria gehört zu den Ländern, in denen islamistische Terrororganisationen seit Jahren schwere Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung begehen. Boko Haram und der sogenannte Islamische Staat in Westafrika greifen Dörfer an, entführen Menschen und zwingen Frauen und Mädchen zu Ehen oder sexueller Sklaverei.

Im Juni 2026 warnten unabhängige Menschenrechtsexperten der Vereinten Nationen ausdrücklich vor Tötungen, Entführungen, sexueller Gewalt und erzwungenen Religionswechseln, von denen insbesondere Frauen und Mädchen christlicher und anderer religiöser Minderheiten betroffen seien.

Allerdings wäre es falsch, sämtliche Gewalttaten in Nigeria allein auf religiöse Motive zurückzuführen. Neben islamistischen Terrorgruppen sind auch andere bewaffnete Akteure tätig. Landkonflikte, ethnische Spannungen und organisierte Kriminalität verschärfen die Sicherheitslage. Die gezielte religiöse Verfolgung durch Boko Haram und andere dschihadistische Gruppen ist dennoch umfassend dokumentiert.

Im Sudan wiederum reichen die Erfahrungen religiöser und ethnischer Verfolgung Jahrzehnte zurück. Unter der islamistisch geprägten Regierung Omar al-Baschirs wurden Angehörige nichtarabischer Bevölkerungsgruppen Opfer von Verschleppung, Versklavung und schwerer Gewalt. Jacobs engagierte sich bereits in den 1990er-Jahren gegen die damalige Sklaverei.

Auch im gegenwärtigen sudanesischen Bürgerkrieg werden schwerste Verbrechen an Zivilisten begangen. UN-Ermittler dokumentierten unter anderem ethnisch motivierte Massentötungen und sexuelle Gewalt. Dabei muss zwischen den unterschiedlichen Tätergruppen und ihren Motiven unterschieden werden. Nicht jede Gewalttat im Sudan lässt sich dem Dschihadismus zuordnen.

Genau diese unterschiedlichen Erfahrungen will die International Freedom Coalition zusammenführen. Ihr gemeinsamer Ausgangspunkt ist nicht, dass alle Verfolgten dieselbe Religion oder politische Überzeugung vertreten. Entscheidend ist nach Darstellung der Gründer vielmehr ihr gemeinsames Interesse am Schutz vor religiösem Extremismus, Gewalt und politischer Unterdrückung.

Warum Jacobs westliche Menschenrechtsbewegungen kritisiert

Besonders scharf fällt Jacobs' Kritik an Teilen westlicher politischer Bewegungen aus. Er wirft ihnen vor, bei der Bewertung von Menschenrechtsverletzungen unterschiedliche Maßstäbe anzulegen. Während westliche Staaten und Israel intensiv kritisiert würden, erhielten Opfer islamistischer Gewalt nach seiner Einschätzung oftmals zu wenig Unterstützung.

Ein zentrales Problem sieht Jacobs in der Befürchtung, Kritik an islamistischen Bewegungen könne als Feindseligkeit gegenüber Muslimen ausgelegt werden. Dadurch entstehe eine Situation, in der gerade jene Menschen zu wenig Gehör fänden, die selbst Muslime seien und unter islamistischer Herrschaft litten.

Seine Organisation betont deshalb ausdrücklich, dass sie nicht gegen den Islam oder muslimische Menschen gerichtet sei. Zu ihren Partnern gehören auch Gegner der Taliban, Kritiker der Huthi-BewegungHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen und muslimische Oppositionelle, die sich gegen religiösen Zwang und politische Unterdrückung wenden.

Diese Unterscheidung ist wesentlich. Islamismus bezeichnet politische Bewegungen, die gesellschaftliche und staatliche Ordnung nach ihrer jeweiligen Auslegung islamischer Grundsätze gestalten wollen. Dschihadistische Organisationen versuchen, ihre Herrschaftsansprüche mit Gewalt und Terror durchzusetzen. Die große Mehrheit muslimischer Menschen ist mit solchen Terrororganisationen nicht gleichzusetzen. Viele Muslime gehören selbst zu deren Opfern.

Jacobs kritisiert besonders das Zusammenwirken bestimmter radikal linker Strömungen mit islamistischen Organisationen. Aus seiner Sicht verbindet diese Gruppen weniger eine gemeinsame Vorstellung von Freiheit und Gleichberechtigung als ihre Ablehnung westlicher Politik und Israels.

Als historisches Beispiel verweist er auf die iranische Revolution von 1979. Damals beteiligten sich auch linke und säkulare Kräfte am Sturz des Schahs. Nach der Machtübernahme durch Ayatollah Ruhollah Chomeini wurden zahlreiche frühere Verbündete verfolgt, inhaftiert oder hingerichtet. Die islamistische Führung beseitigte schrittweise die politische Vielfalt, die den Umsturz zunächst mitgetragen hatte.

Jacobs sieht darin eine Warnung vor Bündnissen, in denen demokratische und säkulare Akteure mit Bewegungen zusammenarbeiten, die demokratische Freiheiten grundsätzlich ablehnen.

Seine Einschätzung ist eine politische Interpretation und lässt sich nicht pauschal auf sämtliche linken Parteien, Menschenrechtsorganisationen oder pro-palästinensischen Bewegungen übertragen. Entscheidend bleibt, welche Organisationen tatsächlich islamistische Gewalt rechtfertigen, antisemitische Positionen verbreiten oder religiöse Unterdrückung unterstützen.

Die Initiative versucht, diese Auseinandersetzung mit konkreten Kampagnen zu verbinden. In Detroit ließ sie nach Angaben von Jacobs ein Fahrzeug mit einer politischen Botschaft über die Verfolgung und Versklavung schwarzer Afrikaner in Nigeria und Sudan einsetzen. Die Kampagne richtete sich an den demokratischen Politiker Abdul El-Sayed und forderte ihn auf, sich öffentlich zu diesen Verbrechen zu äußern.

Jacobs berichtete, der Fahrer sei bei der Aktion angegriffen und seines Telefons beraubt worden. Auch die Polizei habe ihn aufgefordert, die Anzeigetafeln abzuschalten. Diese Angaben stammen aus seiner Darstellung gegenüber der Jerusalem Post; eine unabhängige Bestätigung der Einzelheiten liegt bislang nicht vor.

Für die neue Organisation geht es jedoch nicht allein um öffentliche Proteste. Sie will politische Entscheidungsträger in Washington und Europa erreichen, auf Sanktionen gegen Verantwortliche hinwirken und den Opfern eine stärkere internationale Vertretung ermöglichen.

Dabei ist das Bündnis noch jung. Ob aus gemeinsamen Konferenzen und Kampagnen langfristig eine einflussreiche Menschenrechtsorganisation entsteht, ist offen. Auch die konkrete politische Wirkung der bisherigen Aktivitäten lässt sich noch nicht abschließend beurteilen.

Die Gründung zeigt allerdings eine bemerkenswerte Entwicklung: Menschen aus Gemeinschaften, die religiös und kulturell teilweise sehr unterschiedlich sind, suchen ausdrücklich die Zusammenarbeit mit jüdischen Aktivisten.

In einer Zeit, in der Israel international mit Boykottforderungen und jüdische Gemeinschaften mit wachsendem AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen konfrontiert sind, ist diese Zusammenarbeit von besonderer Bedeutung. Sie widerspricht der Vorstellung, Juden und andere Minderheiten müssten zwangsläufig auf unterschiedlichen Seiten politischer Konflikte stehen.

Zugleich erinnert die Initiative daran, dass die Opfer islamistischer Terrororganisationen weit über Israel hinausreichen. Der Islamische Staat ermordete Jesiden und schiitische Muslime, Boko Haram terrorisiert Teile Nigerias, und das iranische Regime verfolgt seit Jahrzehnten politische und religiöse Gegner.

Der gemeinsame Kampf gegen solche Verbrechen kann deshalb nicht darauf beschränkt werden, einzelne religiöse Gemeinschaften zu schützen. Er betrifft grundlegende Rechte, darunter die Freiheit, den eigenen Glauben auszuüben, eine Religion abzulehnen, politische Kritik zu äußern und ohne Angst vor Gewalt zu leben.

Jacobs und seine Mitstreiter setzen darauf, dass aus den Erfahrungen der Verfolgten eine dauerhafte internationale Zusammenarbeit entsteht. Ob ihr Vorhaben erfolgreich sein wird, müssen die kommenden Jahre zeigen. Die zentrale Idee ist jedoch bereits erkennbar: Wer wegen seiner Religion, Herkunft oder politischen Überzeugung von Extremisten bedroht wird, soll nicht länger allein um internationale Aufmerksamkeit kämpfen müssen.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 8. November 2026

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