Geheimsitzung in Camp David: Trump-Team berät Iran-Krieg und neue Huthi-Front

Geheimsitzung in Camp David: Trump-Team berät Iran-Krieg und neue Huthi-Front


Trumps engster Sicherheitskreis traf sich stundenlang und ohne vorherige Ankündigung in Camp David. Auf dem Tisch lagen zwei miteinander verbundene Krisen: eine mögliche neue große US-Operation gegen Iran und Saudi-Arabiens geplante Offensive gegen die Huthi-Terrororganisation im Jemen. Für Israel betrifft beides unmittelbar dieselbe iranische Bedrohungsachse.

Geheimsitzung in Camp David: Trump-Team berät Iran-Krieg und neue Huthi-Front
Bildnachweis: NASA Kennedy Space Center / NASA/John Kraus

Die amerikanische Regierung steht vor Entscheidungen, die das militärische Kräfteverhältnis im Nahen Osten erneut erheblich verändern könnten. Führende Mitglieder des nationalen Sicherheitskabinetts von US-Präsident Donald Trump trafen sich am Freitag für mehrere Stunden in Camp David, um über den weiteren Kurs gegenüber Iran und über den eskalierenden Krieg zwischen Saudi-Arabien und der HuthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen-Terrororganisation im Jemen zu beraten.

Das Treffen wurde vom Weißen Haus nicht angekündigt. Nach übereinstimmenden Angaben dreier amerikanischer Regierungsvertreter leitete Vizepräsident JD Vance die Beratungen. Zu den Teilnehmern gehörten Außenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Pete Hegseth, Finanzminister Scott Bessent, Trumps Sondergesandter Steve Witkoff, CIA-Direktor John Ratcliffe und der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, General Dan Caine.

Ein amerikanischer Beamter beschrieb die Gespräche gegenüber Axios als außergewöhnlich weitreichend. Entscheidungen seien entweder bereits getroffen oder zumindest so tiefgehend diskutiert worden, dass konkrete Empfehlungen an Trump vorbereitet werden könnten.

Das Weiße Haus lehnte eine Stellungnahme zu dem Treffen ab.

Gerade diese Zurückhaltung macht die Zusammenkunft bemerkenswert. Ein ähnliches Treffen in Camp David hatte zuletzt im Juni 2025 stattgefunden, nur wenige Tage bevor IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen militärisch gegen Iran vorging. Daraus folgt nicht, dass nun unmittelbar ein neuer Angriff bevorsteht. Die Parallele erklärt jedoch, warum das Treffen in Washington und im Nahen Osten aufmerksam beobachtet wird.

Trump selbst verschärft gleichzeitig seinen öffentlichen Ton gegenüber Teheran. Am Donnerstag erklärte er, Iran müsse ein Abkommen akzeptieren, andernfalls drohten gravierende Konsequenzen. Am Freitag ließ er auf Nachfrage offen, was als Nächstes geschehen werde. Würde er seine Pläne verraten, sagte Trump sinngemäß, wäre dies eine große Nachricht. Iran befinde sich jedenfalls in einer schlechten Lage.

Teheran bereitet sich selbst auf eine größere Kriegsrunde vor

Die amerikanischen Beratungen finden nicht in einem politischen Vakuum statt.

Die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran sind erneut festgefahren. Iran hatte über katarische Vermittler einen Vorschlag vorgelegt, der unter anderem ein Ende der Kampfhandlungen, eine Aufhebung der amerikanischen Blockade iranischer Häfen, die Freigabe eingefrorener Gelder und Erleichterungen bei den Ölsanktionen vorsieht. Washington verlangt dagegen, dass auch das iranische Atomprogramm Teil einer umfassenderen Vereinbarung wird.

Beide Seiten bereiten sich gleichzeitig auf ein mögliches Scheitern der Diplomatie vor.

Nach Informationen von Reuters haben iranische Kommandeure ihre Planungen für den Fall neuer großangelegter amerikanischer Angriffe intensiviert. Dabei geht es offenbar nicht nur um amerikanische Einrichtungen. Teheran erwägt demnach eine erheblich breitere Antwort gegen Staaten, die amerikanische Operationen unterstützen könnten.

Iranische Verantwortliche sollen zudem verbündete bewaffnete Gruppen im Libanon, Irak und Jemen angewiesen haben, sich auf eine koordinierte Reaktion vorzubereiten.

Genau hier wird die Entwicklung für Israel unmittelbar relevant.

Die iranische Strategie bestand seit Jahren darin, militärischen Druck über mehrere Fronten zu verteilen. Die HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen im Libanon, schiitische Milizen im IrakSchiitenmilizen: Irans bewaffnete Netzwerke im Nahen OstenSchiitenmilizen sind bewaffnete Gruppen mit schiitischem Hintergrund, die besonders im Irak und in Syrien aktiv sind. Viele von ihnen werden vom Iran unterstützt, ausgebildet oder politisch beeinflusst und gehören zum regionalen Netzwerk der Quds-Einheit und der Revolutionsgarden.Mehr lesen und die Huthi im Jemen ermöglichen es Teheran, Gegner anzugreifen, ohne jede Operation unmittelbar mit regulären iranischen Streitkräften führen zu müssen.

Diese Struktur wurde seit dem 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen teilweise schwer getroffen, ist aber nicht verschwunden.

Die Huthi haben Israel wiederholt mit Raketen und Drohnen angegriffen und den internationalen Schiffsverkehr im Roten Meer attackiert. Ihre jüngsten Geländegewinne im Jemen haben die Bedrohung noch erheblich vergrößert.

haOlam berichtete bereits im September, dass die Huthi bis an den Bab al-Mandab vorgedrungen sind und dort strategisch wichtige Positionen kontrollieren. Die Meerenge verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und gehört zu den wichtigsten Handelswegen zwischen Europa und Asien.

Damit entstand neben der von Iran bedrohten Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen ein zweiter maritimer Engpass, an dem eine mit Teheran verbundene Terrororganisation erheblichen Einfluss auf den Welthandel ausüben kann.

Für Israel geht es dabei auch um die südliche Handelsroute über Eilat und das Rote Meer.

Saudi-Arabien bereitet Großoffensive vor

Der zweite Schwerpunkt der Camp-David-Sitzung betrifft deshalb Saudi-Arabien.

Riad bereitet nach aktuellen Reuters-Recherchen eine umfangreiche Offensive gegen die Huthi vor. Ziel ist vor allem, deren jüngste Geländegewinne zurückzudrängen und den Bab al-Mandab wieder für den internationalen Schiffsverkehr zu sichern.

Die Planungen sind erheblich größer als bisher bekannte begrenzte Gegenangriffe.

Mehr als 100.000 jemenitische Soldaten könnten je nach gewähltem Operationsplan mobilisiert werden. Saudi-Arabien erwägt entweder einen konzentrierten Vorstoß entlang der Küste oder eine umfassendere Offensive auf mehreren Fronten. Saudische Luftangriffe sollen die Bodentruppen unterstützen.

Washington hilft bereits mit Aufklärung, militärischer Beratung und Zielinformationen. Bislang lehnt Trump allerdings eine direkte amerikanische Beteiligung mit eigenen Luftangriffen ab.

Saudi-Arabien drängt genau darauf.

Damit muss Trump inzwischen über zwei militärische Entscheidungen gleichzeitig befinden: ob die USA ihre großangelegten Operationen gegen Iran wieder aufnehmen und ob sie sich stärker am Kampf gegen Teherans wichtigsten verbliebenen regionalen Verbündeten im Jemen beteiligen.

Die beiden Fragen lassen sich kaum noch vollständig voneinander trennen.

haOlam hatte bereits Mitte September darüber berichtet, dass Saudi-Arabien Washington um direkte Angriffe auf die Huthi gebeten hatte. Damals verweigerte Trump diesen Schritt noch. Die militärische Lage hat sich seitdem weiter verändert. Die Huthi kontrollieren strategisch wichtige Positionen am Bab al-Mandab, greifen saudische Ziele an und bedrohen weiterhin internationale Schifffahrtsrouten.

Gleichzeitig verstärken die USA ihre militärische Präsenz in der Region. Zusätzliche Patriot-Systeme wurden nach Saudi-Arabien und Katar verlegt, um wichtige Energieanlagen besser gegen mögliche iranische Raketen- und Drohnenangriffe zu schützen. Weitere amerikanische Marinekräfte wurden in Richtung Nahost verlegt.

Diese Maßnahmen bedeuten noch nicht, dass Trump einen neuen Großangriff beschlossen hat.

Sie schaffen aber die militärischen Voraussetzungen, um einen solchen Schritt überhaupt durchführen zu können und gleichzeitig gefährdete Verbündete besser gegen iranische Vergeltung zu schützen.

Für Israel ist die Entwicklung deshalb von erheblicher strategischer Bedeutung.

Ein neuer amerikanischer Angriff auf Iran könnte israelische Städte erneut zum Ziel iranischer Raketen machen. Ein amerikanisches Eingreifen gegen die Huthi könnte dagegen den militärischen Druck auf eine Organisation erhöhen, die Israel und seine südlichen Handelswege seit Jahren bedroht.

Gleichzeitig bleibt das Risiko einer größeren regionalen Eskalation bestehen. Iran hat bereits erkennen lassen, dass es im Falle neuer Angriffe nicht lediglich symbolisch reagieren will.

Die Sitzung in Camp David liefert noch keine Antwort darauf, welchen Weg Trump wählen wird.

Sie zeigt jedoch, dass die Entscheidung nicht mehr abstrakt diskutiert wird.

Außenministerium, Pentagon, CIA, Generalstab und Trumps wichtigste politische Berater saßen gemeinsam stundenlang hinter verschlossenen Türen. Auf dem Tisch lagen Iran, die Huthi, Saudi-Arabien und damit praktisch sämtliche miteinander verbundenen Fronten eines Konflikts, der längst weit über Iran selbst hinausreicht.

Vor wenigen Wochen suchte Washington noch nach einem Weg aus dem Krieg.

Jetzt berät die amerikanische Führung darüber, ob sie ihn auf zwei Fronten wieder ausweitet.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Samstag, 3. Oktober 2026

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