Iran droht mit neuen Angriffen und stellt sieben Bedingungen für Hormus
Während Katar zwischen Washington und Teheran vermittelt, verschärft das iranische Regime seine Kriegsdrohungen. Die Meerenge soll geschlossen bleiben, bis die USA weitreichende Forderungen erfüllen. Zugleich verweigern führende Politiker neue Verhandlungen über das Atomprogramm.

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Das iranische Regime verschärft seine Drohungen gegen die Vereinigten Staaten und IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen, während internationale Vermittler versuchen, einen erneuten Ausbruch größerer Kampfhandlungen zu verhindern. Mehrere hochrangige Vertreter der Führung in Teheran kündigten am Wochenende an, auf weitere Angriffe sofort und ohne geografische Beschränkungen zu reagieren. Gleichzeitig macht Iran die Wiederöffnung der strategisch wichtigen Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen von sieben Bedingungen abhängig, die Washington zunächst erfüllen müsse. Besonders brisant ist die Ankündigung aus dem iranischen Parlament, über das Atomprogramm überhaupt nicht mehr verhandeln zu wollen.
Die Warnungen erfolgten unmittelbar vor den amerikanischen Zwischenwahlen am 3. November und zu einem Zeitpunkt, an dem die Regierung von US-Präsident Donald Trump weitere militärische Operationen gegen Iran nicht ausgeschlossen hat. Während sich beide Seiten über katarische Vermittler austauschen, versucht Teheran, militärische Abschreckung und diplomatischen Druck miteinander zu verbinden.
Im Mittelpunkt steht Mohsen Rezaei, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates und früherer Kommandeur der iranischen RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen. Er bestätigte am Samstag, ein Schreiben des amerikanischen Vizepräsidenten JD Vance erhalten und gelesen zu haben. Nach seiner Darstellung habe sich der Ton der amerikanischen Regierung erheblich verändert. Rezaei wertete dies als Zeichen iranischer Stärke, wollte den Inhalt des Schreibens jedoch nicht offenlegen.
Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Straße von Hormus nach dem Willen Teherans erst dann wieder vollständig geöffnet werden soll, wenn die Vereinigten Staaten sieben iranische Bedingungen erfüllen und entsprechende Garantien geben. Die Forderungen betreffen unter anderem finanzielle Fragen, die Aufhebung wirtschaftlicher Beschränkungen und die künftige Kontrolle des Schiffsverkehrs. Nach Rezaeis Darstellung enthalten die sieben Hauptbedingungen weitere Unterforderungen.
Damit beansprucht die iranische Führung faktisch ein Mitspracherecht darüber, unter welchen politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen eine der wichtigsten internationalen Schifffahrtsverbindungen wieder zuverlässig genutzt werden kann.
Drohungen mit neuen Waffen und Angriffen außerhalb der Region
Besonders scharf äußerte sich Ebrahim Azizi, Vorsitzender des Ausschusses für nationale Sicherheit und Außenpolitik im iranischen Parlament. Er kündigte am Samstag an, dass jeder weiteren Bedrohung eine noch härtere Reaktion folgen werde. Dabei sprach er von einem offenen Katalog möglicher Angriffsziele und erklärte, Iran werde selbst bestimmen, wann ein Krieg ende.
Auch Rezaei drohte mit schweren Vergeltungsschlägen. Sollte Iran erneut angegriffen werden, würden die Streitkräfte nach seiner Darstellung neue Waffensysteme einsetzen und dem Gegner verheerende Verluste zufügen. Welche Waffen damit gemeint sind, blieb offen. Unabhängige Hinweise auf konkrete neue militärische Fähigkeiten legte er nicht vor.
Der Sprecher der iranischen Streitkräfte ging noch weiter. Ein neuer Krieg werde möglicherweise erheblich länger dauern als die bisherigen Kampfhandlungen und könne sich über den Nahen Osten hinaus ausbreiten. Die iranischen Streitkräfte hätten ihre Einsatzkonzepte bereits von einer überwiegend defensiven zu einer offensiveren Ausrichtung verändert.
Die Drohungen werden durch Angaben aus dem Büro des obersten iranischen Führers Mojtaba Khamenei verstärkt. Dieses erklärte, Khamenei habe bei einer Zusammenkunft mit hochrangigen Militärkommandeuren angewiesen, auf Bedrohungen jeder Größenordnung unverzüglich und wirksam zu reagieren. Dabei solle es keine geografischen Einschränkungen geben. Außerdem sei angeordnet worden, die möglichen Ziele um weitere amerikanische und israelische Einrichtungen und Interessen zu erweitern.
Diese Angaben stammen von der iranischen Führung selbst. Ob die beschriebenen Anweisungen tatsächlich in dieser Form erteilt wurden und welche militärischen Vorbereitungen daraus folgen, lässt sich unabhängig nicht vollständig überprüfen.
Für Israel sind die Drohungen dennoch ernst zu nehmen. Das iranische Regime verfügt trotz erheblicher militärischer Verluste weiterhin über Raketen, Drohnen und regionale Verbündete. Die Revolutionsgarden unterstützen zudem bewaffnete Organisationen, darunter die Terrororganisationen HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen und HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen. Ein erneuter Krieg könnte daher nicht allein iranisches und israelisches Staatsgebiet betreffen, sondern auch amerikanische Einrichtungen und weitere Staaten der Region.
haOlam.de berichtete bereits am 10. Oktober über die Schwierigkeiten, Irans Raketenprogramm dauerhaft auszuschalten. Trotz schwerer Schäden an Produktionsanlagen versucht das Regime, seine Bestände wiederherzustellen. Dabei bestehen Hinweise auf Unterstützung aus Russland sowie auf die weitere Nutzung vorhandener Komponenten und unterirdischer Infrastruktur.
Die jüngsten Ankündigungen belegen nicht, dass dieser Wiederaufbau bereits erfolgreich abgeschlossen wäre. Sie zeigen aber, dass Teheran weiterhin versucht, seine verbliebenen militärischen Fähigkeiten als Druckmittel einzusetzen.
Hormus bleibt das entscheidende Druckmittel
Besonders deutlich wird die iranische Strategie an der Straße von Hormus. Die Meerenge zwischen Iran und Oman verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist für den internationalen Energiehandel von zentraler Bedeutung. Seit Beginn des Krieges wird die Schifffahrt dort durch iranische Angriffe, Minengefahren, militärische Gegenmaßnahmen und umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen erheblich beeinträchtigt.
Erst am Freitag, dem 30. Oktober, berichtete haOlam.de über neue Zwischenfälle mit Öltankern. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, mehrere Schiffe seien nach der Nutzung nicht genehmigter Routen auf Minen gelaufen. Einzelheiten dieser Darstellung blieben umstritten. Oman meldete seinerseits die Evakuierung von Besatzungsmitgliedern eines brennenden Tankers, während internationale Sicherheitsstellen weitere Zwischenfälle untersuchten.
Diese Vorgänge zeigen, dass die Gefahr für Handelsschiffe nicht nur aus politischen Drohungen besteht. Die Spannungen haben unmittelbare Auswirkungen auf Transportwege, Versicherungen, Energielieferungen und die Sicherheit von Seeleuten.
Washington versucht, den Schiffsverkehr militärisch abzusichern und gleichzeitig die iranischen Ölexporte durch eine Seeblockade unter Druck zu setzen. Teheran verlangt dagegen, dass die Vereinigten Staaten ihre Beschränkungen aufheben und iranische Interessen bei der künftigen Verkehrsregelung berücksichtigen.
Nach Rezaeis Vorstellungen soll ein möglicher Kompromiss einen Schifffahrtskorridor in der Mitte der Straße von Hormus umfassen. Dieser verläuft durch Gewässer, die Iran und Oman betreffen. Teheran beansprucht dabei eine maßgebliche Rolle bei der Kontrolle und Abwicklung des Verkehrs.
Dass Iran eine solche Kontrolle fordert, bedeutet allerdings nicht, dass es die Meerenge völkerrechtlich nach Belieben sperren oder alle internationalen Schiffe eigenen Genehmigungen unterwerfen dürfte. Die Frage der Durchfahrtsrechte unterliegt internationalen seerechtlichen Regeln. Die rechtlichen Positionen Irans und anderer Staaten unterscheiden sich dabei erheblich.
Für die amerikanische Regierung wäre eine Vereinbarung, die Teheran faktisch ein politisches Vetorecht über den internationalen Energieverkehr verschafft, entsprechend problematisch.
haOlam.de hatte bereits am 13. Oktober über die Grenzen der iranischen Hormus-Strategie berichtet. Trotz sinkender Durchfahrtszahlen gelang es den Staaten der Golfregion, einen Teil ihrer Ölexporte über alternative Pipelines, Häfen und Transportwege umzuleiten. Damit blieb Irans Fähigkeit begrenzt, die weltweite Energieversorgung dauerhaft vollständig zu blockieren.
Das macht die Meerenge für Teheran jedoch keineswegs bedeutungslos. Selbst zeitweilige Angriffe und die anhaltende Unsicherheit können erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen und den politischen Druck auf Washington sowie dessen regionale Partner erhöhen.
Der iranischen Führung geht es deshalb nicht nur um militärische Kontrolle. Hormus ist auch ein Verhandlungsinstrument, mit dem sie wirtschaftliche Zugeständnisse erzwingen möchte.
Gespräche über Frieden, aber keine Einigung über das Atomprogramm
Parallel zu den Drohungen laufen umfangreiche diplomatische Bemühungen. Katar spielt dabei erneut eine zentrale Vermittlerrolle. Bereits am Freitag führten katarische Vertreter längere Gespräche in Teheran. Am Samstag reiste eine iranische Delegation unter Beteiligung eines stellvertretenden Außenministers nach Doha.
Auch Pakistan, Ägypten und die Türkei bemühen sich nach internationalen Berichten darum, die Differenzen zwischen Washington und Teheran zu verringern.
Allerdings widersprechen sich die Darstellungen über den Stand der Gespräche. Während Rezaei eine deutliche Veränderung des amerikanischen Tons hervorhob, erklärte Trump, das Schreiben seines Vizepräsidenten habe insbesondere humanitäre Hilfe und medizinische Versorgung betroffen. Amerikanische Medien berichteten dagegen, es gehe auch um die Voraussetzungen für neue direkte Verhandlungen.
Der vollständige Brief wurde nicht veröffentlicht. Deshalb bleibt offen, welche konkreten Angebote Washington gemacht hat und welche Erwartungen die iranische Seite daraus ableitet.
Noch schwerer wiegen die unterschiedlichen Positionen zum Atomprogramm.
Ali Nikzad, stellvertretender Vorsitzender des iranischen Parlaments, erklärte am Sonntag, Iran werde unter keinen Umständen über sein Atomprogramm verhandeln. Die Vereinigten Staaten hätten frühere Gelegenheiten verspielt, Vereinbarungen verletzt und iranische Atomanlagen angegriffen. Das Zeitfenster für entsprechende Gespräche sei deshalb geschlossen.
Diese Position steht im deutlichen Gegensatz zu den amerikanischen Forderungen. Washington verlangt seit Langem überprüfbare Beschränkungen der iranischen Nuklearaktivitäten und will die Atomfrage auch bei neuen Verhandlungen nicht ausklammern.
Zugleich erklärte Rezaei, dass bislang keine offizielle Entscheidung zur Änderung der iranischen Nukleardoktrin getroffen worden sei. Damit wies er Spekulationen über einen bereits beschlossenen grundlegenden Kurswechsel zurück. Innerhalb Irans gibt es allerdings Forderungen, die bisherige Haltung angesichts möglicher weiterer Angriffe zu überdenken.
Es entsteht somit ein widersprüchliches Bild. Einerseits spricht die Führung in Teheran von diplomatischen Möglichkeiten und einem veränderten amerikanischen Ton. Andererseits knüpft sie den Beginn substanzieller Gespräche an weitreichende Vorbedingungen, droht mit neuen militärischen Angriffen und verweigert nach Aussagen eines führenden Parlamentariers Verhandlungen über die zentrale Atomfrage.
Für Israel wäre eine Vereinbarung ohne überprüfbare Beschränkungen des iranischen Atomprogramms und ohne ausreichende Sicherheitsgarantien kaum geeignet, die langfristige Bedrohung zu verringern. Hinzu kommt die weiterhin bestehende Fähigkeit Irans, Israel durch Raketen, Drohnen und verbündete Terrororganisationen zu gefährden.
Die amerikanische Regierung steht damit vor einer schwierigen Entscheidung. Ein diplomatischer Durchbruch könnte weitere Kampfhandlungen verhindern und die Schifffahrt im Persischen Golf stabilisieren. Eine Vereinbarung, die lediglich den wirtschaftlichen Druck auf Teheran reduziert, ohne wesentliche Sicherheitsfragen zu lösen, könnte dem Regime dagegen Zeit zur militärischen Erholung verschaffen.
Am Samstag erklärte US-Außenminister Marco Rubio, Präsident Trump habe noch keine Entscheidung über weitere Angriffe getroffen. Die Vereinigten Staaten seien weiterhin zu einer diplomatischen Lösung bereit. Zugleich blieben militärische Optionen bestehen.
Der iranische Führungsapparat versucht offenbar, diese Unsicherheit zu seinen Gunsten zu nutzen. Während die Vermittler über eine Wiederöffnung der Straße von Hormus und neue Gespräche beraten, soll die Androhung einer größeren militärischen Eskalation den Preis möglicher amerikanischer Angriffe erhöhen.
Ob diese Strategie zu einer Vereinbarung oder zu neuen Kampfhandlungen führt, ist offen. Die jüngsten Erklärungen aus Teheran zeigen jedoch, wie groß die Kluft zwischen diplomatischen Kontakten und einer tatsächlichen Verständigung weiterhin ist.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 1. November 2026