Hisbollah nutzt Waffenruhe zur Aufrüstung: Iran finanziert neue Angriffsdrohnen

Hisbollah nutzt Waffenruhe zur Aufrüstung: Iran finanziert neue Angriffsdrohnen


Teheran überweist Millionen, während die Hisbollah Sprengstoff beschafft und ihre militärischen Strukturen wiederaufbaut. Libanesische Sicherheitsquellen warnen vor Vorbereitungen auf einen neuen Krieg gegen Israel.

Hisbollah nutzt Waffenruhe zur Aufrüstung: Iran finanziert neue Angriffsdrohnen
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Die vom Iran unterstützte HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen bereitet sich seit drei Monaten auf eine mögliche Wiederaufnahme des Krieges gegen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen vor. Nach Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters erhielt die Terrororganisation zusätzliche zweistellige Millionenbeträge aus Teheran, um ihre schwer beschädigten militärischen Fähigkeiten wiederherzustellen. Im Mittelpunkt stehen die Produktion von Angriffsdrohnen, die Beschaffung von Sprengstoff und der Wiederaufbau militärischer Führungsstrukturen.

Die Informationen stammen von libanesischen Sicherheitsvertretern, die mit den Aktivitäten der Hisbollah vertraut sind. Auch eine Person aus dem Umfeld der Organisation bestätigte gegenüber Reuters neue iranische Finanzmittel.

Die Hisbollah nutzt demnach die seit Juni zurückgegangene Intensität der Kämpfe, um sich auf eine erneute militärische Auseinandersetzung vorzubereiten. Während international über eine dauerhafte Stabilisierung der israelisch-libanesischen Grenze gesprochen wird, investiert die Organisation erneut in Waffen.

Zusätzlich zu den Geldern für die militärische Aufrüstung sollen bereits rund 200 Millionen Dollar aus Iran für die Unterstützung vertriebener Familien in den schiitisch geprägten Gebieten des Libanon bereitgestellt worden sein.

Die beiden Finanzierungszwecke sind zu unterscheiden. Nach den vorliegenden Informationen ist nicht belegt, dass die gesamten 200 Millionen Dollar unmittelbar für Waffen ausgegeben wurden.

Drohnen statt verlorener Raketenstellungen

Die Hisbollah hat in den vergangenen Kriegen erhebliche Verluste erlitten. Zahlreiche Kämpfer und Kommandeure wurden getötet, WaffenlagerTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen zerstört und militärische Einrichtungen ausgeschaltet.

Besonders schwer trafen die israelischen Operationen die Führungs- und Kommunikationsstrukturen der Organisation.

Libanesische Sicherheitsquellen berichten, dass Hisbollah-Einheiten bei den Kämpfen um Bint Dschbeil und den strategisch wichtigen Höhenzug Ali al-Taher zeitweise weitgehend voneinander abgeschnitten waren.

Kleine Kampfgruppen konnten nur eingeschränkt kommunizieren. Gleichzeitig mussten sie ihre Panzerabwehrraketen rationieren.

Die israelische Armee setzte verstärkt ferngesteuerte Systeme ein, darunter bewaffnete Drohnen und unbemannte Fahrzeuge. Diese Technik verringerte die unmittelbare Gefährdung israelischer Soldaten und erschwerte nach Darstellung der libanesischen Quellen die Operationen der Hisbollah.

Nun versucht die Organisation, ihre Verluste durch eine stärkere Produktion eigener Angriffsdrohnen auszugleichen.

Solche Systeme ermöglichen Angriffe auf militärische Stellungen, ohne dass sich die Bediener unmittelbar dem gegnerischen Feuer aussetzen müssen. Besonders kleine Drohnen lassen sich zudem vergleichsweise kostengünstig herstellen.

Dass es sich nicht nur um theoretische Planungen handelt, zeigt ein Eingeständnis der Hisbollah selbst.

Die Organisation bestätigte in diesem Monat, dass von libanesischen Behörden beschlagnahmter Sprengstoff ihr gehörte. Ein Hisbollah-Funktionär und eine libanesische Sicherheitsquelle erklärten gegenüber Reuters, das Material sei für den Einsatz in Sprengstoffdrohnen gegen Israel vorgesehen gewesen.

Damit liegt ein konkreter Hinweis auf den Wiederaufbau offensiver Fähigkeiten vor.

Iran investiert trotz eigener Wirtschaftskrise

Bemerkenswert ist der Zeitpunkt der iranischen Finanzhilfen.

Die Islamische Republik steht selbst unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Amerikanische Sanktionen, Einschränkungen internationaler Handelsverbindungen und die Folgen des Krieges belasten ihre finanziellen Möglichkeiten.

Dennoch fließen weiterhin beträchtliche Mittel an die Hisbollah.

Die Organisation wurde 1982 mit Unterstützung der iranischen RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen aufgebaut und gehört bis heute zu den wichtigsten bewaffneten Verbündeten Teherans.

Für Iran ist sie ein Instrument regionaler Machtprojektion. Ihre militärischen Fähigkeiten ermöglichen es, Israel von libanesischem Territorium aus zu bedrohen, ohne dass dafür iranische Truppen unmittelbar an der israelischen Grenze stehen müssen.

Die neue Finanzierung zeigt, dass Teheran trotz seiner eigenen Probleme an dieser Verbindung festhält.

Die amerikanische Regierung versucht, diese Geldströme durch Sanktionen und Maßnahmen gegen Finanznetzwerke zu unterbrechen.

Ein Sprecher des US-Außenministeriums erklärte gegenüber Reuters, Washington werde die Finanzierungsmöglichkeiten der Hisbollah weiter einschränken.

Das amerikanische Finanzministerium verwies zugleich darauf, dass Iran zunehmend Schwierigkeiten habe, Geld an seine Verbündeten zu transferieren.

Ein Reuters-Bericht vom 7. Oktober verdeutlichte das Ausmaß dieser Probleme: Für die Übermittlung der rund 200 Millionen Dollar an die Hisbollah sollen Mittelsmänner eine Gebühr von etwa 20 Prozent verlangt haben.

Die Organisation erhält demnach weiterhin iranische Unterstützung, muss dafür aber wachsende finanzielle und logistische Hindernisse überwinden.

Libanon droht erneut zum Kriegsschauplatz zu werden

Die Wiederbewaffnung verschärft auch den innenpolitischen Konflikt im Libanon.

Die Regierung in Beirut steht unter dem Druck, das staatliche Gewaltmonopol durchzusetzen und die Hisbollah zu entwaffnen.

Solange die Organisation jedoch über eigene Waffen, Finanzierungswege und militärische Strukturen verfügt, bleibt sie ein eigenständiger bewaffneter Machtfaktor innerhalb des Landes.

Die Hisbollah rechtfertigt ihre Bewaffnung mit der israelischen Militärpräsenz im Süden des Libanon. Gegenüber Reuters erklärte ihr Medienbüro, Widerstand gegen diese Präsenz sei legitim.

Gleichzeitig bestritt die Organisation, dass ihre militärischen Kommando- und Kontrollsysteme während der Kämpfe zusammengebrochen seien.

Die libanesischen Sicherheitsquellen zeichnen ein anderes Bild. Ihnen zufolge ist die Hisbollah weiterhin erheblich geschwächt und hat ihre früheren Bestände an Waffen und Personal noch nicht vollständig wiederhergestellt.

Das ist für die Einschätzung der Bedrohung wesentlich: Die Organisation bereitet sich auf neue Kämpfe vor, ist aber nach den verfügbaren Angaben nicht wieder auf ihrem früheren militärischen Stand.

Besonders aufmerksam verfolgt sie die Spannungen zwischen Washington und Teheran. Nach Darstellung der Reuters-Quellen befürchtet die Hisbollah, dass eine erneute amerikanisch-iranische Eskalation auch den Krieg an der israelisch-libanesischen Grenze wieder auslösen könnte.

Die Terrororganisation erklärte zugleich, sie wolle Israel keinen zusätzlichen Anlass für eine Eskalation liefern, weil ihre Anhänger weitere Vertreibungen und Zerstörungen befürchteten.

Hier zeigt sich der Widerspruch zwischen ihrer öffentlichen Vorsicht und den dokumentierten Aufrüstungsbemühungen.

Während die libanesische Bevölkerung weiterhin unter den Folgen der vergangenen Kämpfe leidet, fließen neue Gelder in Drohnen, Sprengstoff und militärische Infrastruktur.

Die Quellen belegen keinen bereits beschlossenen Termin für einen neuen Angriff. Sie zeigen jedoch, dass die Hisbollah die Kampfpause nicht allein zur Versorgung ihrer Anhänger und zum Wiederaufbau ziviler Einrichtungen nutzt.

Sie bereitet sich ausdrücklich auf die Möglichkeit weiterer Kämpfe vor.

Damit bleibt die Entwaffnung der Hisbollah eine zentrale ungelöste Sicherheitsfrage. Solange Teheran die Organisation finanziert und diese ihre Angriffsfähigkeiten wiederherstellt, besteht die Gefahr, dass der Libanon erneut in einen Krieg mit Israel hineingezogen wird.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 29. Oktober 2026

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