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Iranische Hardliner fordern die Atombombe, während das Regime um Hormus kämpft


Der militärische Druck hat Teherans Führung schwer getroffen, aber nicht gebrochen. Iran-Experte Beni Sabti warnt, dass das Regime sein bloßes Überleben als Sieg deutet und den Griff zur Atombombe beschleunigen könnte.

Iranische Hardliner fordern die Atombombe, während das Regime um Hormus kämpft
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Das islamistische Regime in Teheran denkt nicht an Kapitulation. Trotz zerstörter Militäranlagen, schwerer wirtschaftlicher Schäden und wachsender Unruhe in der Bevölkerung hält die Führung an ihrem Krieg um die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen fest. Zugleich werden innerhalb des Machtapparats erneut Stimmen laut, die den schnellen Bau einer iranischen Atombombe verlangen.

Der Iran-Forscher Beni Sabti vom israelischen Institut für Nationale Sicherheitsstudien erklärte im Radiosender 103FM, ein iranischer Abgeordneter habe öffentlich gefordert, unverzüglich eine Atombombe zu beschaffen, um Irans Position in der Straße von Hormus zu schützen.

Sabti zitierte die Haltung des Regimes sinngemäß so: Je stärker der Druck werde, desto schneller wolle Teheran zur Bombe gelangen. Die konkrete Veröffentlichung des Abgeordneten ließ sich bislang nicht unabhängig auffinden. Die Aussage passt jedoch zu einer seit Jahren geführten Debatte innerhalb des iranischen Machtapparats, in der Funktionäre offen über eine Änderung der Atomdoktrin und den Bau einer Waffe sprechen.

Dabei wäre es falsch, den Eindruck zu erwecken, amerikanische Angriffe hätten den iranischen Wunsch nach einer Atomwaffe erst hervorgerufen. Das Atomprogramm, die Urananreicherung und die systematische Behinderung internationaler Kontrollen reichen weit zurück.

Der militärische Druck erschafft diese Absicht nicht. Er zwingt das Regime lediglich, offener zu zeigen, welchen Stellenwert die Bombe für sein Überleben besitzt.

Für die Mullahs wäre eine Atomwaffe keine gewöhnliche militärische Fähigkeit. Sie wäre eine Versicherung gegen einen Sturz des Regimes, gegen weitere Angriffe auf seine Führung und gegen den Verlust seiner regionalen Macht. Genau deshalb darf die internationale Gemeinschaft die Forderungen aus Teheran nicht als bloße Kriegsrhetorik abtun.

Das Regime betrachtet schon sein Überleben als Sieg

Nach Sabtis Einschätzung misst die iranische Führung Erfolg nicht daran, ob ihre Streitkräfte gewinnen, ihre Wirtschaft funktioniert oder die Bevölkerung ein normales Leben führen kann. Solange der zentrale Machtapparat weiterbesteht und einige hochrangige Kommandeure der RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen noch im Amt sind, erklärt das Regime sich selbst zum Sieger.

Sabti verglich diese Denkweise mit HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen. Auch die Terrororganisation in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen habe ihr bloßes Fortbestehen als Erfolg dargestellt, obwohl ihre Führung den GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen in die Zerstörung geführt und die eigene Bevölkerung für ihren Krieg geopfert habe.

Im Iran gilt dieselbe Logik. Stromausfälle, wirtschaftliche Not, zerstörte Infrastruktur und zivile Belastungen sind für die Führung kein Grund zum Einlenken. Sie werden als notwendiger Preis des Kampfes dargestellt.

Der neue Revolutionsführer Mojtaba Khamenei profitiert nach Sabtis Einschätzung sogar vom dauerhaften Ausnahmezustand. Während sein Vater zumindest gelegentlich über wirtschaftliche Probleme, Sport oder gesellschaftliche Fragen gesprochen habe, bestehe die öffentliche Botschaft des Sohnes beinahe ausschließlich aus Krieg, Widerstand und Vergeltung.

Ein Regime im permanenten Kriegszustand kann jede Kritik als Verrat darstellen. Es kann Proteste unterdrücken, wirtschaftliches Versagen äußeren Feinden zuschreiben und die Bevölkerung unter dem Vorwand nationaler Sicherheit kontrollieren.

Der Krieg hält diese Führung deshalb nicht nur unter Druck. Er verschafft ihr zugleich eine Rechtfertigung für ihre Herrschaft.

Nach Sabtis Angaben kam es zuletzt zu kleineren Protesten, gegen die Sicherheitskräfte erneut Tränengas eingesetzt hätten. Hinzu kämen lange und teilweise überraschende Stromabschaltungen sowie eine wachsende wirtschaftliche Verzweiflung. Diese Angaben beruhen auf seiner Einschätzung und sind für einzelne Orte bislang nicht unabhängig bestätigt.

Die iranische Bevölkerung bezahlt damit für einen Krieg, den sie weder beschlossen noch kontrolliert hat. Während Familien ohne Strom und sichere Einkommen auskommen müssen, führt die Führung einen Kampf um Schifffahrtsrouten, RaketenstellungenTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen und die eigene politische Zukunft.

Begrenzte Schläge reichen möglicherweise nicht aus

Sabti fordert von den Vereinigten Staaten, das Tempo und die Tiefe ihrer Angriffe zu erhöhen. Solange Washington vor allem Einrichtungen entlang der Küste treffe und zentrale Führungspersonen im Inneren des Landes verschone, könne sich der Krieg über lange Zeit fortsetzen.

Er plädiert ausdrücklich für weitere Angriffe auf hochrangige Vertreter des iranischen Machtapparats. Das ist die Einschätzung eines israelischen Iran-Experten, keine bestätigte Entscheidung der amerikanischen Regierung.

Das US-Zentralkommando hat seine Angriffe inzwischen deutlich ausgeweitet. Am 13. Juli trafen amerikanische Streitkräfte militärische Ziele in Buschehr, Tschahbahar, Dschask, Konarak, Bandar Abbas und auf der Insel Abu Musa. Angegriffen wurden Küstenverteidigungssysteme, Raketen- und Drohnenstellungen sowie iranische Marinefähigkeiten.

CENTCOM erklärte, Ziel der Operationen sei es, Irans Fähigkeit zu verringern, zivile Handelsschiffe in der Straße von Hormus anzugreifen.

Bereits am 7. und 8. Juli hatten die Vereinigten Staaten rund 170 iranische Militärziele getroffen. Darunter waren Luftabwehrsysteme, Küstenradare, Raketenlager, Drohnenanlagen, Logistikstandorte und mehr als 60 kleinere Boote der Revolutionsgarden. Die Angriffe folgten nach iranischen Attacken auf mehrere Handelsschiffe.

Sabtis Warnung lautet dennoch, dass militärischer Druck allein keine Wirkung entfaltet, wenn das Regime ihn lediglich übersteht und anschließend als Beweis seiner Widerstandskraft verkauft.

Teheran muss Fähigkeiten verlieren, die es nicht schnell wiederherstellen kann. Dazu gehören seine Küstenraketen, seine Marineeinheiten, sein Drohnenprogramm, seine Führungsstrukturen und vor allem die Möglichkeit, sein Atomprogramm unbeobachtet fortzuführen.

Die Internationale Atomenergiebehörde stellte im Februar wegen des Krieges ihre Überprüfungen vor Ort ein. Generaldirektor Rafael Grossi erklärte im Juni, die Behörde könne unter diesen Bedingungen zentrale Entwicklungen nicht ausreichend verifizieren. Bereits zuvor hatte Iran den Zugang zu mehreren Anlagen verzögert oder verweigert.

Damit wächst genau jene Unsicherheit, die das Regime nutzen könnte. Zerstörte bekannte Anlagen bedeuten nicht automatisch das Ende des Atomprogramms. Material, Fachwissen, Zentrifugen und technische Komponenten können verlagert, verborgen oder an geheimen Standorten weiterverwendet werden.

Das INSS warnt deshalb, dass Iran weiterhin über nukleare Fähigkeiten verfügt und zugleich sein Raketenarsenal wiederaufbaut. Dadurch steige die Gefahr eines schnellen Durchbruchs zur Atomwaffe.

Ein erneutes Memorandum, das dem Regime wirtschaftliche Erleichterungen gewährt, ohne vollständige Kontrollen, die Herausgabe angereicherten Urans und die Ausschaltung der militärischen Atomstrukturen durchzusetzen, würde diese Gefahr nur vertagen.

Ahmadinedschad war wahrscheinlich kein Mossad-Agent

Sabti äußerte sich auch zu der Behauptung, der frühere iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad habe als Agent des Mossad gearbeitet. Diese Darstellung bezeichnete er als wenig glaubwürdig.

Ein geheimes Treffen oder der Versuch, einen Gesprächskanal aufzubauen, sei nicht mit einer nachrichtendienstlichen Anwerbung gleichzusetzen. Es sei durchaus möglich, dass israelische Vertreter Ahmadinedschad nach Budapest lockten, ihm Aufmerksamkeit schenkten und prüften, ob er für politische Kontakte offen sei.

Daraus folge jedoch nicht, dass der frühere Präsident zum israelischen Agenten geworden sei. Ahmadinedschad sei stets von Leibwächtern und ideologisch zuverlässigen Begleitern umgeben gewesen. Die Vorstellung, er habe über längere Zeit unbemerkt für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen gearbeitet und könne anschließend frei im Iran auftreten, hält Sabti für naiv.

Diese Einordnung ist wichtig. Nicht jede spektakuläre Geheimdienstgeschichte muss übernommen werden, nur weil sie das Regime schlecht aussehen lässt. Teheran beschuldigt regelmäßig Kritiker, frühere Funktionäre und Oppositionelle, mit Israel verbunden zu sein. Solche Vorwürfe dienen auch als Werkzeug der inneren Repression.

Die zentrale Gefahr liegt nicht in einer möglicherweise übertriebenen Geschichte über Ahmadinedschad. Sie liegt in einem Regime, das Schiffe angreift, Nachbarstaaten mit Raketen bedroht, seine Bevölkerung unterdrückt und nun erneut offen über die Atombombe spricht.

Sabtis Analyse zeigt, weshalb halbherziger Druck das Problem nicht lösen wird. Die iranische Führung deutet Zurückhaltung als Schwäche, ihr eigenes Überleben als Sieg und jeden Kompromiss als Gelegenheit, Zeit zu gewinnen.

Teheran darf nicht nur an den Verhandlungstisch zurückgebracht werden. Das Regime muss seine Fähigkeit verlieren, die Straße von Hormus zu erpressen und gleichzeitig im Schutz des Krieges zur Atomwaffe vorzustoßen.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 15. Juli 2026

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