18.29 Uhr in Re’im: Drei Jahre nach dem Massaker kehrt Nova an den Ort des Grauens zurück
Überlebende, Familien und ehemalige Geiseln versammelten sich dort, wo Hamas-Terroristen am 7. Oktober 2023 ein Musikfestival in einen Tatort verwandelten. Elkana Bohbot sprach das Jiskor, Präsident Isaac Herzog erinnerte an die Leben, die an diesem Ort für immer abgebrochen wurden.

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Um 18.29 Uhr begann am Mittwoch auf dem ehemaligen Gelände des Nova-Festivals bei Re’im die Gedenkzeremonie zum dritten Jahrestag des HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massakers. Genau zwölf Stunden zuvor, um 6.29 Uhr, hatte Präsident Isaac Herzog gemeinsam mit seiner Frau Michal in JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen eine Gedenkkerze entzündet und damit den Tag eröffnet. Nun standen Angehörige der Ermordeten, Überlebende des Massakers und Menschen, die selbst aus der Geiselhaft der Hamas zurückgekehrt sind, an jenem Ort, an dem am Morgen des 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen Musik, Tanz und ein Festival binnen Minuten in Flucht, Verstecken und eine systematische Menschenjagd umschlugen.
Die Zeremonie begann mit einer Schweigeminute. Danach trat Elkana Bohbot auf die Bühne und sprach das jüdische Totengebet Jiskor. Dass gerade er diese Worte sprach, gab dem Moment eine besondere Bedeutung. Bohbot gehörte zu den Menschen, die vom Nova-Gelände nach GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen verschleppt worden waren. Drei Jahre später stand er wieder in Re’im, nicht als Gefangener, sondern als Überlebender, und erinnerte an diejenigen, die nicht zurückkehren konnten. Unter den Teilnehmern befanden sich Familien, deren Angehörige auf dem Festival ermordet wurden, Überlebende, die sich damals stundenlang versteckten oder unter Beschuss flohen, und ehemalige Geiseln, deren Leben seit diesem Morgen in ein Davor und Danach geteilt ist.
haOlam hatte bereits am Morgen ausführlich an die 378 Menschen erinnert, die im Zusammenhang mit dem Nova-Festival ermordet wurden. Hinter dieser Zahl stehen keine abstrakten Opfer eines Krieges, sondern Menschen, die feiern wollten. Einige wurden auf dem Festivalgelände erschossen, andere auf den Straßen und Feldern während ihrer Flucht, in Schutzräumen oder an anderen Orten, an die sie sich retten wollten. Wieder andere wurden lebend nach Gaza verschleppt und dort später ermordet. Drei Jahre danach ist das Gelände bei Re’im deshalb zu einem der zentralen Erinnerungsorte des 7. Oktober geworden. Dort, wo Lautsprecher und Tanzflächen standen, befinden sich heute Bilder, Namen und Gedenkzeichen.
Herzog: Ein Ort, an dem Tanz zu Trauer wurde
Präsident Herzog beschrieb in seiner Rede den Widerspruch, der die Familien und Überlebenden seit drei Jahren begleitet: Während das Leben weitergeht, ist für Menschen, die einen Angehörigen verloren haben, ein Teil der Zeit stehen geblieben. Am Nova-Gelände sei aus einem Ort des Tanzes ein Ort der Trauer geworden. Auch nach drei Jahren, sagte Herzog, sei kaum zu begreifen, wie junge, freie und lebensfrohe Menschen dort mit solcher Brutalität aus dem Leben gerissen wurden.
Seine Worte trafen einen Kern dieses dritten Jahrestages. Der 7. Oktober gehört inzwischen zur Geschichte Israels, aber er ist für zehntausende Menschen noch keine abgeschlossene Vergangenheit. Verletzte tragen körperliche Folgen, Überlebende kämpfen mit den psychischen Wunden dieses Morgens, Familien leben mit leeren Plätzen und zurückgekehrte Geiseln mit Erfahrungen, die sich nicht durch das Ende ihrer Gefangenschaft auflösen. In diesem Jahr kommt erstmals hinzu, dass alle Geiseln wieder in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen sind. Manche konnten lebend zu ihren Familien zurückkehren. Andere kamen nur zurück, damit ihre Angehörigen sie begraben konnten. Damit endete eine der quälendsten offenen Fragen der vergangenen Jahre, nicht aber das, was der 7. Oktober in Israel hinterlassen hat.
Über den gesamten Mittwoch fanden im Land Gedenkveranstaltungen statt. Gemeinden, Schulen, Krankenhäuser, Universitäten, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen hielten um 12 Uhr inne. In Kfar Aza, Netiv HaAsara und anderen Orten nahe der Grenze versammelten sich Einwohner und Angehörige. Am Denkmal für die Beobachtungssoldatinnen und Einsatzkräfte von Nahal Oz forderten Familien eine offizielle Würdigung des Mutes der jungen Frauen, von denen viele ihre Vorgesetzten vor den Entwicklungen an der Grenze gewarnt hatten und am 7. Oktober auf ihren Posten ermordet wurden.
Auch Forderungen nach vollständiger Aufklärung gehörten an diesem Tag zur Erinnerung. Gal Goren, dessen Eltern Avner und Maya Goren ermordet und deren Leichen nach Gaza verschleppt worden waren, beschrieb die vergangenen drei Jahre als 1.097 Tage, die sich wie ein einziger nicht endender Tag anfühlten. Ofri Bibas-Levy, Schwester des ehemaligen Geisels Yarden Bibas, Schwägerin der ermordeten Shiri Bibas und Tante von Kfir und Ariel, sprach vor ausländischen Diplomaten über Verantwortung und Vertrauen. Ohne Anerkennung des Versagens könne es keine wirkliche Heilung geben, lautete ihre Botschaft.
Dass solche Forderungen ausgesprochen werden, nimmt Hamas nichts von ihrer Verantwortung. Hamas plante und führte gemeinsam mit weiteren Terroristen den Angriff durch, ermordete Zivilisten, verschleppte Menschen und verübte schwere Verbrechen. Die Frage, warum Israel seine Bürger an diesem Morgen nicht schützen konnte, ist eine andere. Gerade ein Staat, der aus dem 7. Oktober lernen will, muss beide Wahrheiten gleichzeitig festhalten: Die Täter kamen aus Gaza. Die Verpflichtung, das eigene Versagen aufzuklären, liegt bei Israel.
50.000 Menschen im Yarkon-Park
Am Abend verlagerte sich ein weiterer Teil des Gedenkens nach Tel Aviv. Im Yarkon-Park begann die große nationale Gedenkzeremonie der Bewegung „Kumu“ und der Familien des 7. Oktober. Sie ist von der staatlichen Gedenkzeremonie zu unterscheiden, die bereits am 5. Oktober auf dem Herzlberg in Jerusalem stattfand. Das Treffen im Yarkon-Park wurde von Familien und zivilgesellschaftlichen Initiativen getragen und entwickelte sich mit rund 50.000 angemeldeten Teilnehmern zu einer der größten Erinnerungsveranstaltungen des Tages.
Moderiert wurde die Zeremonie vom ehemaligen Hamas-Geisel Eli Sharabi und der Schauspielerin Shani Cohen. Sharabi verlor am 7. Oktober seine Frau Lianne und seine Töchter Noiya und Yahel. Sein Bruder Yossi wurde ebenfalls nach Gaza verschleppt und dort getötet. Zu den Initiatoren gehört Yonatan Shamriz, dessen Bruder Alon am 7. Oktober entführt wurde, aus der Geiselhaft entkam und im Dezember 2023 gemeinsam mit zwei weiteren Geiseln irrtümlich von israelischen Soldaten erschossen wurde. Schon diese Biografien zeigen, weshalb das Gedenken an diesem Abend nicht von einer abstrakten Institution getragen wird, sondern von Menschen, deren Familiengeschichte seit dem 7. Oktober untrennbar mit diesem Tag verbunden ist.
Zahlreiche israelische Künstler beteiligten sich an der Veranstaltung. Doch auch dort standen nicht die Auftritte im Mittelpunkt, sondern die Namen und Geschichten der Ermordeten, Gefallenen, Überlebenden und ehemaligen Geiseln. Das war zugleich die Botschaft des gesamten Tages. Drei Jahre sind vergangen, politische Mehrheiten haben sich verändert, militärische Operationen wurden geführt, Geiseln kehrten zurück und Israel diskutiert längst über die Zukunft nach dem Krieg. Für die Familien ist der 7. Oktober jedoch kein abgeschlossenes Kapitel.
Am Nova-Gelände wird diese Wahrheit besonders sichtbar. Ein Festival sollte ein paar Stunden Freiheit sein. Menschen kamen, um zu tanzen, Freunde zu treffen und den Sonnenaufgang zu erleben. Um 6.29 Uhr begann der Angriff.
Zwölf Stunden später, drei Jahre danach, standen ihre Familien wieder dort.
Nicht um den Morgen zu wiederholen.
Sondern damit niemand vergisst, wer dort gelebt hat, wer dort ermordet wurde und was Israel an diesem Tag verlor.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 7. Oktober 2026