Londons letzter Versuch scheitert: Israel schließt britisches Konsulat in Jerusalem
Großbritanniens Sicherheitsberater Jonathan Powell reiste heimlich nach Israel, um die Schließung noch abzuwenden. Jerusalem bleibt jedoch hart: Am Donnerstag soll das britische Konsulat schließen.

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Der diplomatische Konflikt zwischen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und Großbritannien erreicht die nächste Stufe. Wenige Tage vor der angekündigten Schließung des britischen Konsulats in JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen hat London offenbar noch einmal auf höchster Ebene versucht, die israelische Regierung zum Einlenken zu bewegen. Der britische Nationale Sicherheitsberater Jonathan Powell reiste nach übereinstimmenden israelischen und britischen Medienberichten vergangene Woche unangekündigt nach Israel und führte Gespräche mit israelischen Regierungsvertretern.
Der Versuch blieb erfolglos. Das israelische Außenministerium ließ am Montag noch einmal unmissverständlich erklären, dass das Konsulat am Donnerstag, dem 8. Oktober, wie angekündigt geschlossen werden soll.
Damit wird aus einem politischen Streit, der Anfang September mit britischen Sanktionen gegen israelische Gemeinden in Judäa und SamariaJudäa und Samaria: Israels historisches Kernland im politischen StreitJudäa und Samaria bezeichnen historische Landschaften zwischen Jerusalem, dem Jordantal und den zentralen Höhenzügen des Landes Israel. In Israel ist der Begriff gebräuchlich. International wird das Gebiet oft anders bezeichnet und politisch als umstritten eingeordnet.Mehr lesen begann, eine der schwersten diplomatischen Auseinandersetzungen zwischen Jerusalem und London seit Jahren.
Powells Reise war von der britischen Regierung nicht öffentlich angekündigt worden. Nach Angaben mehrerer mit den Gesprächen vertrauter Quellen sollte der erfahrene Sicherheitsberater eine Lösung finden, mit der das Konsulat geöffnet bleiben könnte. Dass London einen der ranghöchsten Beamten der britischen Regierung dafür nach Israel schickte, zeigt, wie wichtig der Regierung von Premierminister Andy Burnham die Einrichtung ist.
Für Israel ist genau diese Bedeutung inzwischen Teil des Problems.
London wollte Druck ausüben und gleichzeitig seinen Einfluss behalten
Das britische Konsulat im Jerusalemer Stadtteil Scheich Dscharrah ist nicht einfach eine gewöhnliche diplomatische Vertretung. Es unterhält die britischen Beziehungen zu den Palästinensern in Jerusalem, Judäa und Samaria sowie im GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen und arbeitet weitgehend unabhängig von der britischen Botschaft in Israel.
Gerade deshalb richtet sich die israelische Gegenmaßnahme gezielt gegen Londons politischen Einfluss auf die Palästinenserfrage.
Auslöser war die Entscheidung der britischen Regierung vom 8. September, ihre Politik gegenüber israelischen Gemeinden in Judäa und Samaria erheblich zu verschärfen. Großbritannien kündigte unter anderem Beschränkungen für Waren aus diesen Gebieten sowie Sanktionen gegen Unternehmen und Personen an, die nach britischer Auffassung den Ausbau israelischer Gemeinden unterstützen.
Außenminister Ed Miliband ging dabei weit über Kritik an einzelnen Bauvorhaben hinaus. Er warf Israel schwere Verstöße in Judäa und Samaria vor und sprach im britischen Parlament sogar von „ethnischer Säuberung“ in Teilen des Gebietes.
Israel reagierte noch am selben Tag.
Außenminister Gideon Sa’ar kündigte die Schließung des britischen Konsulats in Jerusalem an. Zugleich wurden britische Vertreter aus dem internationalen Koordinierungszentrum in Kirjat Gat ausgeschlossen, britische Aktivitäten bei der Ausbildung palästinensischer Sicherheitskräfte beendet und mehreren britischen Politikern und Aktivisten die Einreise nach Israel untersagt.
Sa’ar bezeichnete die britische Politik als moralisch verzerrt und warf der Labour-Regierung vor, mit ihren Maßnahmen mitten im israelischen Wahlkampf Einfluss auf die innenpolitische Debatte nehmen zu wollen.
haOlam hatte bereits damals darauf hingewiesen, dass Jerusalem mit seiner Reaktion eine klare Grenze zieht: London kann politischen und wirtschaftlichen Druck auf Israel ausüben, kann aber nicht selbstverständlich davon ausgehen, gleichzeitig seinen bisherigen politischen Einfluss in Jerusalem und auf palästinensische Strukturen behalten zu können.
Genau daran scheint nun auch Powells Vermittlungsversuch gescheitert zu sein.
Die Beziehungen verschlechtern sich auf mehreren Ebenen
Die Auseinandersetzung beschränkt sich längst nicht mehr auf das Konsulat.
Nach israelischen Angaben ist auch die Intensität der Geheimdienstzusammenarbeit zwischen beiden Ländern zurückgegangen. Für Großbritannien ist das keineswegs belanglos. Israel verfügt über umfangreiche Erkenntnisse zu iranischen Netzwerken, islamistischen Terrororganisationen und Bedrohungen, die auch europäische Staaten betreffen. Frühere britische Politiker haben wiederholt darauf hingewiesen, dass israelische Geheimdienstinformationen zur Verhinderung von Terroranschlägen in Großbritannien beigetragen hätten.
London versucht dennoch, seinen politischen Kurs gegenüber Israel weiter zu verschärfen und gleichzeitig wichtige Sicherheitsbeziehungen aufrechtzuerhalten.
Dieser Spagat wird zunehmend schwieriger.
Nach einem Bericht der Jerusalem Post haben hochrangige britische Vertreter Israel inzwischen sogar signalisiert, dass Großbritannien im Falle der Schließung des Konsulats und der Ausweisung britischer Diplomaten seinerseits israelische Diplomaten ausweisen könnte. Genannt wurde eine Zahl von 27 israelischen Diplomaten samt Familienangehörigen.
Eine offizielle britische Bestätigung dieser konkreten Zahl lag zunächst nicht vor. Israelische diplomatische Kreise erklärten dazu lediglich, über mögliche zukünftige Entscheidungen anderer Staaten werde nicht spekuliert. Gleichzeitig machten sie deutlich, dass Israel auf weitere Maßnahmen gegen das Land reagieren werde.
Damit steht London vor einer Entscheidung, die weit über die Zukunft eines einzelnen Konsulats hinausgeht.
Die britische Regierung wollte Israel mit Sanktionen zu einer Änderung seiner Politik in Judäa und Samaria bewegen. Jerusalem antwortete nicht mit einer symbolischen Protestnote, sondern mit Maßnahmen, die unmittelbar den britischen Einfluss vor Ort treffen.
Nun hat Großbritannien offenbar versucht, zumindest einen Teil dieser Folgen wieder rückgängig zu machen, ohne die Ursache des Konflikts zu beseitigen.
Israel macht bisher nicht mit.
Die Konsequenz dieser Linie ist deutlich: Wer die politischen Beziehungen zu Israel bewusst verschärft, muss damit rechnen, dass auch die eigenen diplomatischen Privilegien und Einflussmöglichkeiten überprüft werden.
Für London war Powells geheime Reise der Versuch, wenige Tage vor Ablauf der Frist doch noch einen Ausweg zu finden.
Bislang gibt es keinen.
Wenn keine überraschende Einigung mehr zustande kommt, endet am Donnerstag eine jahrzehntelange britische diplomatische Präsenz in ihrer bisherigen Form in Jerusalem.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 7. Oktober 2026