Trump verspricht Waffenruhe in Gaza – Hoffnung oder leeres Versprechen?
„Wir werden das diese Woche geradebiegen“ – mit gewohnt markigen Worten kündigt Donald Trump einen möglichen Durchbruch im Gaza-Konflikt an. Doch hinter der Kulisse politischer Höflichkeiten bleibt die Lage verfahren. Was wirklich hinter den Gesprächen zwischen Trump und Netanyahu steckt – und warum Israel trotz US-Initiative wachsam bleibt.

Donald Trump liebt das große Versprechen – und diesmal betrifft es die Geiseln von GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen. Nach einem weiteren Treffen mit Israels Premierminister Benjamin Netanyahu in Washington erklärte der US-Präsident am Sonntag vor Reportern, dass er auf einen Waffenstillstand zwischen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und der Terrororganisation HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen „innerhalb einer Woche“ hoffe. Wörtlich sagte er: „Wir sprechen miteinander, und hoffentlich werden wir das in der nächsten Woche klären.“
Es ist ein Satz, der aufhorchen lässt. Denn während Trump den Eindruck einer bevorstehenden Einigung erweckt, hat sich an der Realität im Gazastreifen kaum etwas geändert: Hamas hält noch immer Geiseln fest. Die militärische Bedrohung ist nicht beseitigt. Die israelische Armee operiert weiter in Teilen des Gebiets. Und der politische Druck wächst auf allen Seiten.
Der neue Trump-Plan: 60 Tage Pause, doch kein Frieden in Sicht
Hinter den Kulissen setzen die USA auf ein Abkommen in mehreren Phasen: eine 60-tägige Waffenruhe, verbunden mit der schrittweisen Freilassung israelischer Geiseln und einem teilweisen Rückzug der IDF aus Gaza. Begleitet werden soll das Ganze von politischen Gesprächen über eine dauerhafte Lösung – was auch immer das im KontextKontextualisierung: Fakten verständlich einordnenKontextualisierung bedeutet, Informationen in einen Zusammenhang zu stellen. Sie hilft, Ereignisse nicht isoliert zu betrachten, sondern mit Vorgeschichte, Ursachen, Folgen und beteiligten Akteuren zu verstehen.Mehr lesen mit der Hamas bedeuten soll.
Die israelische Regierung hingegen bleibt bei ihren Kernforderungen: Keine vollständige Waffenruhe, solange nicht alle Geiseln freigelassen und Hamas' militärische Strukturen vollständig zerschlagen sind. Netanyahu sagte nach dem Treffen mit Trump: „Wir sind entschlossen, alle unsere Ziele zu erreichen – die Freilassung aller Geiseln, die Zerstörung der militärischen und politischen Fähigkeiten der Hamas und die Sicherheit IsraelsStaatsräson: Bedeutung und Israels SicherheitStaatsräson meint ein grundlegendes Staatsinteresse, das als besonders wichtig für Bestand, Sicherheit oder Verantwortung eines Staates gilt. In Deutschland wird der Begriff häufig mit der Sicherheit Israels verbunden.Mehr lesen durch eine vollständige Neutralisierung der Bedrohung aus Gaza.“
Eine diplomatische Choreografie – mit vielen Fragezeichen
Trump inszenierte das Treffen mit Netanyahu öffentlichkeitswirksam, begleitet von Ehefrauen und Kameras. Doch hinter den Kulissen war es ein strategisches Ringen: Trump sucht außenpolitische Erfolge für seinen Wahlkampf, Netanyahu hingegen braucht Washingtons Rückendeckung in einem zunehmend international isolierten Krieg.
Auch der neue US-Vizepräsident J.D. Vance, bekannt für seine außenpolitische Skepsis, nahm an dem Gespräch teil – ein Hinweis darauf, dass Washington künftig nicht mehr bereit sein könnte, Israels Strategie bedingungslos zu unterstützen. Das Trump-Lager will offenbar sowohl Ruhe in Gaza als auch politische Punkte auf dem diplomatischen Parkett sammeln – ohne sich die Finger an der Hamas zu verbrennen.
Hoffnung für die Geiseln?
Für die Familien der verbliebenen israelischen Geiseln bleibt jede Verhandlung ein Hoffnungsschimmer – und ein Risiko. Denn bisher hat sich Hamas in jeder Phase als zynischer Verhandlungspartner gezeigt, der Zusagen nur nutzt, um Zeit zu gewinnen. Eine Waffenruhe, so die Sorge vieler Israelis, könnte es der Terrororganisation erneut ermöglichen, sich zu erholen, Tunnel zu bauen, Waffen nachzuführen – und die nächsten Massaker zu planen.
Dementsprechend groß ist die Skepsis in Israel. Dass Trump nun von „Hoffnung“ spricht, ist in JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen wohl eher als diplomatische Geste zu werten denn als Durchbruch. Die Erfahrung lehrt: Hamas reagiert nicht auf Worte, sondern auf Stärke.
Die Ankündigung Trumps kommt zur rechten Zeit – für ihn selbst. Ob sie für Israel etwas bringt, bleibt ungewiss. Solange Hamas nicht militärisch besiegt ist, wird jede „Waffenruhe“ zur Illusion. Israel kann es sich nicht leisten, nach dem 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen in alte Denkmuster zurückzufallen. Trump mag auf einen schnellen Deal setzen – Israel braucht Sicherheit, keine Schlagzeilen.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Montag, 14. Juli 2025