Antisemitismus und Israelhass: BBC gerät immer tiefer in die Krise

Antisemitismus und Israelhass: BBC gerät immer tiefer in die Krise


Eine jüdische Produzentin erhält 400.000 Pfund, israelfeindliche Gäste werden unzureichend überprüft und eine Gaza-Dokumentation täuscht ihr Publikum. Die Forderung nach einer unabhängigen Untersuchung des britischen Rundfunks erhält neue Nahrung.

Antisemitismus und Israelhass: BBC gerät immer tiefer in die Krise
Bildnachweis: Zizzu02

Die British Broadcasting Corporation (BBC) steht erneut wegen schwerwiegender Vorwürfe im Umgang mit IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und jüdischen Mitarbeitern unter Druck. Mehrere aktuelle Kontroversen werfen die Frage auf, ob es sich tatsächlich um voneinander unabhängige redaktionelle Fehler handelt oder ob innerhalb des britischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks grundlegende Probleme bei der Einhaltung journalistischer Standards bestehen.

In einem am 4. November veröffentlichten Meinungsbeitrag für die JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post fordert die britische Medienforscherin Leah Benoz von der Organisation CAMERA eine umfassende unabhängige Untersuchung. Die BBC müsse nicht nur mögliche antisemitische Strukturen, sondern auch eine systematische israelfeindliche Ausrichtung ihrer Berichterstattung überprüfen lassen.

Die Forderung trifft den Sender in einer schwierigen Phase. Gerade im Zusammenhang mit Israel hat die BBC wiederholt Fehler eingeräumt, während ehemalige Mitarbeiter von einem zunehmend feindseligen Arbeitsklima berichten.

Besonders aufschlussreich ist der Fall der preisgekrönten jüdischen Produzentin Lucie Kon. Sie war mehr als zwei Jahrzehnte für die BBC tätig und an internationalen Dokumentarfilmproduktionen beteiligt, darunter einem Film über das HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massaker beim Nova-Musikfestival.

Nach dem 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen änderte sich nach ihren Schilderungen das Arbeitsklima erheblich. Kollegen hätten Zionisten als böse bezeichnet und ihre journalistische Unabhängigkeit wegen ihrer jüdischen Identität infrage gestellt. Als sie einen Dokumentarfilm über das Nova-Massaker vorbereiten wollte, sei sie mit der Forderung konfrontiert worden, die Beweggründe der Hamas-Terroristen stärker zu erklären.

Kon schilderte außerdem, dass sie nach Beschwerden über antisemitische Äußerungen zunehmend ausgegrenzt worden sei. Sie unterstützte die Gründung eines Netzwerks jüdischer BBC-Mitarbeiter und wandte sich schließlich mit einer offiziellen Beschwerde an den Sender.

Ihre berufliche Laufbahn bei der BBC endete im April 2026. Im Oktober wurde bekannt, dass sie eine Zahlung von rund 400.000 Pfund erhalten hatte, nachdem es zu einer rechtlichen Auseinandersetzung gekommen war.

Die BBC bestreitet, dass ihre internen Untersuchungen antisemitische Diskriminierung bestätigt hätten. Sie räumt jedoch Versäumnisse im Umgang mit Kon ein und erkennt an, dass diese persönliche Folgen hatten. Kon selbst erklärte außerdem, sie halte den Sender nicht insgesamt für institutionell antisemitischAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen.

Gerade diese Unterscheidung ist wichtig. Die Zahlung beweist nicht automatisch sämtliche Vorwürfe. Sie zeigt aber, wie schwerwiegend der Konflikt um den Umgang mit einer langjährigen jüdischen Mitarbeiterin geworden ist.

Wenn redaktionelle Fehler immer wieder Israel betreffen

Neben der Behandlung jüdischer Mitarbeiter steht die journalistische Arbeit der BBC selbst in der Kritik.

Erst Anfang November musste der Sender einräumen, bei der Überprüfung der Influencerin Bushra Shaikh versagt zu haben. Sie war am 11. Oktober in der BBC-Sendung „Sunday Morning Live“ aufgetreten.

Zuvor hatte Shaikh in sozialen Netzwerken schwerwiegende Äußerungen über Juden und Israel verbreitet. Unter anderem bezeichnete sie jüdische Einwanderer nach Israel in beleidigender Weise als Lügner und erklärte, Israel stelle für den Westen eine größere Bedrohung dar als Iran.

Die BBC bestätigte später, dass ihre Produktionsverantwortlichen über diese Beiträge nicht ausreichend informiert gewesen seien. Die Auswahlverfahren für Studiogäste wurden daraufhin überarbeitet.

Es ist nicht der erste Vorfall, bei dem eine unzureichende Prüfung von Personen mit Verbindungen zum NahostkonfliktPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen erhebliche Folgen hatte.

Besonders schwer wiegt die Gaza-Dokumentation „Gaza: How to Survive a Warzone“ aus dem Februar 2025. Der Film wurde von einem 13-jährigen Jungen erzählt, dessen Vater eine Funktion innerhalb der Hamas-geführten Verwaltung des Gazastreifens innehatte.

Diese Verbindung wurde dem Publikum nicht offengelegt.

Im Oktober 2025 stellte die britische Medienaufsicht Ofcom ausdrücklich fest, dass die BBC damit gegen die Regeln für journalistische Genauigkeit verstoßen hatte. Das Verschweigen der familiären Verbindung habe den Zuschauern eine wesentliche Information vorenthalten und sei deshalb materiell irreführend gewesen.

Die BBC musste die Feststellungen öffentlich bekannt machen.

Das ist keine bloße Beschwerde einer israelfreundlichen Organisation, sondern das Ergebnis einer unabhängigen behördlichen Untersuchung.

Allerdings stellte Ofcom in diesem Verfahren nicht fest, dass der Film insgesamt von der Hamas gesteuert worden sei. Auch die interne BBC-Untersuchung fand keine Beweise für eine unangemessene Einflussnahme der Familie des Erzählers auf den Inhalt. Der bestätigte Verstoß betraf die fehlende Offenlegung.

Ein weiterer Streitpunkt ist die Berichterstattung von BBC Arabic.

Im September 2026 berichtete der britische Telegraph über 53 Personen, die in einer BBC-Liste als getötete Journalisten bezeichnet wurden, obwohl Recherchen Verbindungen zu Hamas und anderen Terrororganisationen ergeben hatten. Einzelne Betroffene sollen sogar am Massaker vom 7. Oktober beteiligt gewesen sein.

Die BBC kündigte daraufhin eine Überprüfung ihrer Liste an. Der öffentlich berichtete Verdacht ist damit ernst zu nehmen, allerdings sind nicht sämtliche 53 Fälle durch eine unabhängige behördliche Untersuchung abschließend geklärt.

Gerade bei Angaben über getötete Journalisten ist besondere Sorgfalt erforderlich. Eine Person kann journalistisch tätig gewesen sein und zugleich Verbindungen zu einer bewaffneten Organisation unterhalten. Solche Verbindungen müssen geprüft und dort offengelegt werden, wo sie für das Verständnis entscheidend sind.

Die BBC darf terroristische Zugehörigkeiten nicht übergehen, nur weil sie dem Bild eines ausschließlich zivilen Opfers widersprechen könnten.

Der Maßstab steht in der eigenen Satzung

Der grundlegende Widerspruch liegt im öffentlichen Auftrag des Senders.

Die BBC ist keine politische Interessenorganisation. Ihr Auftrag ist in einer königlichen Satzung festgelegt. Sie soll unabhängig berichten, Informationen sorgfältig prüfen und ihrem Publikum eine ausgewogene Grundlage zur eigenen Meinungsbildung bieten.

Das gilt auch und gerade für Israel.

Ein öffentlich-rechtlicher Sender darf selbstverständlich über palästinensisches Leid berichten, israelische Militäroperationen kritisch untersuchen und schwere Vorwürfe gegen staatliche Stellen aufgreifen.

Er muss aber ebenso sorgfältig über die Verantwortung der Hamas, antisemitische Gewalt und die Sicherheitsinteressen Israels berichten.

Diese Anforderungen sind kein Sonderrecht für Israel. Sie ergeben sich unmittelbar aus den journalistischen Maßstäben, die sich die BBC selbst auferlegt hat.

Der jüngste Meinungsbeitrag in der Jerusalem Post erinnert zudem an den Auftritt des Musikduos Bob Vylan beim Glastonbury-Festival 2025. Während einer von der BBC übertragenen Veranstaltung wurden Todesparolen gegen die israelischen Streitkräfte gerufen.

Die interne Beschwerdestelle des Senders stellte später einen Verstoß gegen die Richtlinien zum Schutz vor verletzenden und anstößigen Inhalten fest. Die BBC entschuldigte sich. Sie sah allerdings keinen Verstoß gegen ihre Regeln zur Unparteilichkeit oder zur Anstiftung zu Straftaten.

Auch dieser Fall zeigt, weshalb eine differenzierte Untersuchung notwendig ist. Nicht jeder Fehler ist rechtlich oder journalistisch gleich einzuordnen. Doch wiederholte Fehlentscheidungen verlangen eine nachvollziehbare Erklärung ihrer Ursachen.

Bereits im November 2025 hatten BBC-Generaldirektor Tim Davie und Nachrichtenchefin Deborah Turness nach Kontroversen um die redaktionelle Bearbeitung einer Rede Donald Trumps ihre Rücktritte erklärt. Ein internes Papier des früheren BBC-Beraters Michael Prescott hatte neben diesem Fall auch erhebliche Bedenken gegenüber der Nahost-Berichterstattung von BBC Arabic formuliert.

Die Rücktritte folgten unmittelbar auf den Streit um die Trump-Dokumentation und dürfen deshalb nicht allein den Vorwürfen zur Israel-Berichterstattung zugeschrieben werden.

Die Frage nach strukturellen Defiziten blieb damit jedoch ungelöst.

Auch frühere Untersuchungen zur BBC-Berichterstattung über Israel hatten wiederholt einseitige Darstellungen, unzureichende Einordnung und problematische Wortwahl beanstandet. Über diese Entwicklung wurde bereits ausführlich berichtet.

Am 4. November teilte die BBC-Führung nach Angaben des Guardian mit, dass sie ihre jüdischen Mitarbeiter stärker unterstützen und verpflichtende Schulungen zum Antisemitismus durchführen wolle. Zugleich lehnte sie Forderungen nach einer zusätzlichen unabhängigen Untersuchung zunächst ab.

Damit steht erneut die Glaubwürdigkeit der internen Aufarbeitung zur Debatte.

Eine unabhängige Untersuchung müsste klären, wie redaktionelle Entscheidungen getroffen werden, warum bestimmte Informationen nicht überprüft oder offengelegt wurden und ob Beschwerden jüdischer Mitarbeiter angemessen behandelt werden.

Sie müsste ebenso prüfen, ob unterschiedliche Maßstäbe bei der Berichterstattung über Israel und andere Konfliktparteien angewandt werden.

Der BBC ist nicht damit geholfen, jeden Vorwurf pauschal zurückzuweisen. Ebenso wenig wäre es gerechtfertigt, aus jedem einzelnen Fehler bereits einen bewiesenen institutionellen Antisemitismus abzuleiten.

Was inzwischen vorliegt, sind konkrete redaktionelle Verstöße, öffentlich eingeräumte Versäumnisse und ernsthafte Beschwerden jüdischer Mitarbeiter.

Für einen Sender, dessen internationale Glaubwürdigkeit auf Unabhängigkeit und journalistischer Genauigkeit beruht, ist das schwerwiegend genug.

Die BBC muss nicht israelfreundlich berichten. Sie muss wahrheitsgemäß berichten. Und wer seinen eigenen Anspruch auf Unparteilichkeit ernst nimmt, sollte eine unabhängige Prüfung nicht als Bedrohung betrachten.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 5. November 2026

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