„Wenn wir nicht überleben, wird Israel auch nicht überleben“: Iranischer Professor bringt „schmutzige Bomben“ ins Spiel
Hamzeh Safavi, Sohn eines früheren Chefs der Revolutionsgarden, spricht offen über radioaktive Waffen gegen Israel und zweifelt sogar an, dass die bekannten Uranbestände Irans vollständig seien. Belegt ist damit weder eine iranische „schmutzige Bombe“ noch ein geheimes Uranlager. Brisant sind seine Worte trotzdem.

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Hamzeh Safavi ist kein Regierungsmitglied und kein iranischer Atomunterhändler. Seine Aussagen sind deshalb keine offizielle Ankündigung Teherans.
Unbedeutend sind sie trotzdem nicht.
Der Politikwissenschaftler der Universität Teheran ist der Sohn von Yahya Rahim Safavi, einem früheren Oberkommandierenden der RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen und langjährigen Militärberater der iranischen Führung. Erst vor wenigen Tagen hatte haOlam über ihn berichtet, weil er ungewöhnlich offen die iranische Strategie der Urananreicherung infrage stellte. Seine Argumentation damals: Das auf 60 Prozent angereicherte Uran habe Iran nicht geschützt, sondern Sanktionen, politischen Druck und militärische Angriffe eher noch verschärft.
Nun ist ein weiterer Ausschnitt aus einem Gespräch Safavis bekannt geworden. Diesmal klingt er erheblich düsterer.
In der Internetsendung „Hokmran“ spricht Safavi über einen möglichen existenziellen Konflikt mit IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen. Sollte die Auseinandersetzung „schmutzig“ werden und die Grenzen des internationalen Rechts überschreiten, hätten die Verantwortlichen in Iran nach seiner Überzeugung Gegenmaßnahmen bedacht.
Dann folgt der entscheidende Satz:
Wenn Iran nicht überleben werde, werde auch Israel nicht überleben.
Safavi verweist dabei ausdrücklich auf Israels geringe geografische Größe und sagt anschließend, er könne über die vorhandenen Möglichkeiten nicht weiter ins Detail gehen.
Als der Gesprächspartner nachhakt, nennt Safavi „verschiedene Arten schmutziger Bomben“, für die nicht die komplizierte Technologie einer Atombombe notwendig sei.
Noch brisanter wird das Gespräch unmittelbar danach. Der Moderator bringt die Möglichkeit ins Spiel, angereichertes Uran in einen Raketen-Gefechtskopf einzubauen. Safavi widerspricht nicht. Er erklärt vielmehr, dies könne zu einem vergleichbaren Ergebnis führen, und fügt hinzu, iranische Entscheidungsträger seien nicht ausschließlich auf eine Atombombe angewiesen.
Das ist eine bemerkenswerte Aussage.
Aber sie muss sehr genau eingeordnet werden.
Eine sogenannte schmutzige Bombe ist keine Atombombe. Bei einer solchen radiologischen Waffe wird radioaktives Material durch einen konventionellen Sprengsatz verteilt. Es findet keine nukleare Kettenreaktion statt. Die enorme Explosionswirkung einer Kernwaffe lässt sich damit nicht erzeugen. US-amerikanische Strahlenschutzbehörden weisen ausdrücklich darauf hin, dass die eigentliche Explosion einer schmutzigen Bombe gewöhnlich gefährlicher wäre als die unmittelbare Strahlung. Die langfristige Gefahr liegt vor allem in radioaktiver Kontamination, möglichen Gesundheitsschäden, Evakuierungen und dem enormen psychologischen Effekt.
Safavis Bemerkung vom möglicherweise „gleichen Ergebnis“ darf deshalb nicht so verstanden werden, als könne etwas angereichertes Uran in einem gewöhnlichen Raketen-Gefechtskopf technisch eine Atombombe ersetzen.
Das kann es nicht.
Politisch ist die Aussage trotzdem alarmierend.
Denn Safavi spricht nicht abstrakt über die Existenz radiologischer Waffen. Er verbindet das Thema unmittelbar mit Israel und mit einem Szenario, in dem die Islamische Republik selbst um ihr Überleben fürchtet.
Noch problematischer ist, was er anschließend über Irans Uran sagt.
Auf die Frage, ob der vorhandene Uranbestand eine Form der Abschreckung sei, antwortet Safavi sinngemäß: Wer könne garantieren, dass Iran überhaupt nur über die offiziell bekannten Mengen angereicherten Urans verfüge?
Iran sei ein großes Land. Außerdem existiere weltweit ein Markt für nicht vollständig erfasstes Uran.
Für diese Andeutung liefert Safavi keinen Beweis.
Das muss ausdrücklich gesagt werden.
Aus seinem Satz folgt nicht, dass Iran tatsächlich einen geheimen zusätzlichen Uranbestand besitzt. Er behauptet auch nicht ausdrücklich, selbst Kenntnis über ein solches Lager zu haben. Er stellt die Möglichkeit in den Raum.
Gerade das macht die Aussage allerdings politisch so verantwortungslos.
Seit Jahren gehört die Frage nach dem Verbleib und der Kontrolle des iranischen Urans zu den empfindlichsten Punkten des Atomstreits. Wer aus dem Umfeld der iranischen Machtelite öffentlich damit spielt, möglicherweise könne irgendwo noch mehr angereichertes Material existieren, produziert genau die Unsicherheit, die Israel und andere Staaten seit Jahren fürchten.
Vom Warnen vor dem Uran zur Drohkulisse mit Uran
Bei Safavi fällt dabei ein Widerspruch besonders auf.
Noch vor wenigen Wochen argumentierte er, dass die Anreicherung auf 60 Prozent Iran eher geschadet als geschützt habe. haOlam berichtete darüber am 17. August. Safavi stellte damals die Frage, ob der Uranbestand nicht selbst zu einem Auslöser für Sanktionen und militärischen Druck geworden sei.
Diese Kritik wirkte vergleichsweise nüchtern: Iran habe versucht, sich durch nukleare Eskalation einen Verhandlungshebel zu schaffen, dabei aber möglicherweise das Gegenteil erreicht.
Jetzt benutzt derselbe Mann Uran plötzlich in einer völlig anderen Argumentation.
Nicht mehr als strategischen Fehler, sondern als Teil eines möglichen letzten Abschreckungsszenarios gegen Israel.
Das bedeutet nicht zwingend, dass Safavi seine frühere Position aufgegeben hat. Denkbar ist vielmehr, dass er zwischen einer normalen iranischen Atomstrategie und einem extremen Szenario unterscheidet, in dem das Überleben des Regimes selbst bedroht wäre.
Aber gerade diese Unterscheidung ist beunruhigend.
Sie läuft auf die Vorstellung hinaus: Eine klassische Atombombe sei vielleicht strategisch nicht sinnvoll oder technisch nicht verfügbar. Wenn aber die Existenz der Islamischen Republik auf dem Spiel stehe, könnten andere radioaktive Möglichkeiten relevant werden.
Noch einmal: Safavi spricht nicht für die iranische Regierung.
Es gibt anhand seiner Worte keinen Beleg dafür, dass Iran bereits eine schmutzige Bombe gebaut hat. Ebenso wenig beweist seine Spekulation einen geheimen Uranvorrat.
Doch solche Aussagen sollten auch nicht als belanglose akademische Gedankenspiele abgetan werden.
Safavi stammt aus einer Familie, die eng mit der militärischen Führung der Islamischen Republik verbunden ist. CNN bezeichnete ihn im April als Unterstützer des iranischen Systems und verwies ausdrücklich auf seine familiäre Nähe zu den Revolutionsgarden. Sein Vater führte die IRGC ein Jahrzehnt lang.
Wenn ein solcher Mann öffentlich sagt, bei einem existenziellen Konflikt werde Israel ebenfalls nicht überleben, und unmittelbar danach über schmutzige Bomben und möglicherweise unbekannte Uranbestände spricht, ist das eine Botschaft, die Israel ernst nehmen muss.
Nicht als bestätigten iranischen Einsatzplan.
Aber als Hinweis darauf, welche Szenarien inzwischen im Umfeld des Regimes offen diskutiert werden.
Das ist schon beunruhigend genug.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 25. August 2026