Islamischer Dschihad sagt Ja , Hamas verteilt schon Gewehre
Die nächste Terrorgruppe soll dem Entwaffnungsplan zugestimmt haben. Gleichzeitig versucht Hamas offenbar, ihre Waffen als privaten Besitz zu tarnen – und zeigt damit, wie leicht aus dem Friedensplan eine gefährliche Täuschung werden könnte.

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Der Palästinensische Islamische Dschihad soll dem Entwaffnungsplan des von US-Präsident Donald Trump gegründeten Friedensrates zugestimmt haben. Das meldete der saudische Sender Al-Hadath am Sonntagnachmittag unter Berufung auf eine mit den Gesprächen vertraute Quelle. Eine eigene öffentliche Bestätigung der Terrororganisation lag zunächst nicht vor. Noch zwei Tage zuvor hatte der Islamische Dschihad Vorbehalte gegen die verbreitete Fassung des Abkommens geäußert. Sollte die Zustimmung nun tatsächlich erfolgt sein, wäre damit neben HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen auch die zweite bedeutende Terrororganisation im GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen grundsätzlich in den geplanten Prozess einbezogen.
Die Nachricht klingt zunächst wie ein weiterer Durchbruch. Trump hatte am Donnerstag erklärt, der Friedensrat habe eine Vereinbarung über die vollständige Entwaffnung der Hamas und aller anderen bewaffneten Gruppen in Gaza erreicht. Der Plan sieht vor, militärische Aktivitäten zu beenden, schwere Waffen einzusammeln, Tunnel und Produktionsstätten außer Betrieb zu nehmen und die Sicherheitsverantwortung schrittweise an eine neue palästinensische Verwaltung sowie eine internationale Stabilisierungstruppe zu übertragen. Der israelische Rückzug soll an überprüfbare Fortschritte bei der Entmilitarisierung gebunden werden.
Gerade die Einbeziehung des Islamischen Dschihad ist unverzichtbar. Die Organisation ist seit 1997 in den Vereinigten Staaten als ausländische Terrororganisation eingestuft, lehnt die Existenz Israels ab und verübte über Jahrzehnte Raketenangriffe, Selbstmordanschläge und weitere Angriffe gegen israelische Zivilisten und Soldaten. Iran unterstützte den Islamischen Dschihad finanziell, materiell und durch Ausbildung. Eine alleinige Entwaffnung der Hamas würde daher nicht genügen, wenn der Islamische Dschihad seine Raketen, Gewehre, Kommandeure und verborgenen Strukturen behalten dürfte.
Doch nahezu gleichzeitig mit der gemeldeten Zustimmung kam aus Gaza eine Nachricht, die den gesamten Optimismus erschüttert. Nach einem Bericht des israelischen Senders KAN soll Hamas damit begonnen haben, Gewehre an einzelne Mitglieder zu verteilen. Ein palästinensischer Gewährsmann erklärte, die Waffen sollten auf diese Weise als persönlicher Besitz ausgegeben werden und nicht mehr als Teil des militärischen Bestandes der Terrororganisation erscheinen. Seine unmissverständliche Einschätzung lautete: Hamas werde sich nicht entwaffnen.
Aus Terrorwaffen wird angeblich privater Besitz
Der Vorgang wäre weit mehr als ein kleiner Verstoß gegen technische Einzelheiten. Er würde zeigen, dass Hamas schon vor Beginn der eigentlichen Umsetzung nach Schlupflöchern sucht. Der Plan unterscheidet zwischen schweren Waffen und persönlichem Waffenbesitz, der künftig nach palästinensischem Recht geregelt werden soll. Genau diese Unterscheidung könnte Hamas nun ausnutzen: Ein Gewehr, das gestern einem bewaffneten Verband gehörte, wird heute einem einzelnen Terroristen übergeben und morgen als dessen private Waffe ausgegeben. Die militärische Struktur verschwindet dadurch nicht. Sie wird lediglich auf dem Papier aufgelöst.
Ein solcher Trick würde Hamas ermöglichen, Hunderte oder Tausende Bewaffnete über den gesamten Gazastreifen zu verteilen. Die Männer müssten keine einheitlichen Uniformen tragen und könnten offiziell als gewöhnliche Einwohner, ehemalige Polizisten oder Mitarbeiter ziviler Einrichtungen auftreten. Im entscheidenden Augenblick könnten sie dennoch erneut Befehle erhalten, Gegner einschüchtern, WaffenlagerTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen schützen oder die Kontrolle über Straßen und Behörden übernehmen. Eine neue Verwaltung wäre dann nicht wirklich frei. Sie würde unter den Augen bewaffneter Hamas-Mitglieder arbeiten, die weiterhin darüber entscheiden könnten, wer sprechen, kandidieren, demonstrieren oder mit IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und internationalen Kräften zusammenarbeiten darf.
Für die Menschen in Gaza wäre das keine Befreiung von der Terrorherrschaft, sondern ihre Fortsetzung in einer schwerer erkennbaren Form. Ein Vater, dessen Sohn von Hamas misshandelt wurde, könnte noch immer dem bewaffneten Täter auf der Straße begegnen. Ein Beamter der neuen Verwaltung müsste weiterhin fürchten, dass ein angeblicher Privatmann mit einem Gewehr vor seiner Tür erscheint. Familien, Clans und politische Gegner, die auf ein Ende der Hamas-Herrschaft hoffen, wären weiterhin einer Organisation ausgeliefert, die zwar ihre Fahnen eingerollt, aber ihre Waffen behalten hätte.
Der Plan kann deshalb nicht allein anhand der Zahl eingelagerten Raketen oder zerstörten Tunnel bewertet werden. Jede Schusswaffe muss registriert, ihr früherer Besitzer festgestellt und ihre weitere Verwendung kontrolliert werden. Hamas-Mitglieder dürfen Waffen nicht durch eine einfache Übertragung in angebliches Privateigentum retten. Wer einer Terrororganisation angehört, kann nicht gleichzeitig als unpolitischer Bürger behandelt werden, dessen Gewehr mit dem militärischen Apparat nichts zu tun habe. Ohne eine solche Kontrolle wäre die versprochene Entwaffnung eine statistische Übung, während die tatsächliche Macht auf den Straßen unverändert bliebe.
Eine Zustimmung ohne Abgabe ist wertlos
Die angebliche Zustimmung des Islamischen Dschihad bleibt dennoch politisch bedeutsam. Die Terrororganisation galt bislang als besonders eng mit Iran verbunden und hatte sich gegen Formulierungen des Abkommens gestellt. Ihr mögliches Einlenken könnte zeigen, dass der militärische und politische Druck wirkt und Teheran derzeit nicht mehr in der Lage ist, seine Verbündeten im Gazastreifen nach Belieben auf einem gemeinsamen Kurs zu halten. Das ist jedoch eine Einordnung, keine bereits bewiesene Abkehr des Islamischen Dschihad von Iran oder vom Terror gegen Israel.
Auch eine offizielle Unterschrift würde nicht beweisen, dass die Organisation ihre Waffen tatsächlich abgibt. Hamas und Islamischer DschihadIslamischer Dschihad: Irans Terrorpartner gegen IsraelDer Islamische Dschihad ist eine palästinensische Terrororganisation, die Anfang der 1980er Jahre entstand. Sie lehnt Israel ab, wird stark vom Iran unterstützt und verfügt mit den Al Quds Brigaden über einen bewaffneten Arm.Mehr lesen haben wiederholt Abkommen, Waffenruhen und internationale Vermittlungsphasen genutzt, um ihre Kräfte zu ordnen und Bedingungen nachträglich umzudeuten. Schon jetzt besteht der zentrale Streit in der Reihenfolge: Israel verlangt vollständige und überprüfte Entwaffnung, bevor die israelische Armee ihre entscheidenden Stellungen räumt. Hamas fordert dagegen einen israelischen Rückzug, bevor sie ihre Waffen abgibt, und erklärt die gesamte Kontrolle der Entwaffnung zur ausschließlich palästinensischen Angelegenheit.
Israel darf deshalb nicht aufgrund einer Meldung von Al-Hadath, einer Erklärung Trumps oder einer späteren Pressemitteilung aus Gaza militärische Tatsachen aufgeben. Entscheidend ist, ob Waffen wirklich eingesammelt, Raketenwerfer vernichtet, Tunnel unbrauchbar gemacht und bewaffnete Verbände dauerhaft aufgelöst werden. Erst wenn unabhängige Prüfer dies bestätigen und Hamas wie Islamischer Dschihad keine Befehlsgewalt mehr über bewaffnete Männer besitzen, kann von Entwaffnung gesprochen werden.
Der Friedensrat verfügt zunächst über ein Zeitfenster von zwei Wochen, in dem die weiteren Einzelheiten festgelegt und die ersten Verpflichtungen umgesetzt werden sollen. Der vollständige Prozess könnte anschließend viele Monate dauern. Gerade deshalb ist der gemeldete Beginn der Waffenverteilung so alarmierend. Jede Woche, in der Gewehre verschwinden, neue Besitzer eingetragen oder Kämpfer in zivile Strukturen verschoben werden, erschwert eine spätere Kontrolle.
Trump bezeichnete das Abkommen als historischen Schritt. Historisch wäre es tatsächlich, wenn Hamas und Islamischer Dschihad ihre Waffen vollständig verlieren und Gaza nie wieder als Ausgangspunkt für Massaker, Raketenangriffe und Geiselnahmen benutzen können. Historisch wäre es aber auch als schwerer Fehler, wenn Israel sich zurückzieht, während die Terroristen ihre Gewehre lediglich untereinander verteilen und anschließend behaupten, es gebe keine bewaffneten Organisationen mehr.
Die gemeldete Zustimmung des Islamischen Dschihad ist daher noch kein Grund zum Feiern. Sie ist höchstens die Voraussetzung für eine Prüfung. Die wirkliche Entscheidung fällt nicht in den Erklärungen der Funktionäre, sondern in den Straßen, Tunneln und Waffenlagern Gazas. Dort muss sich zeigen, ob die Terrororganisationen ihre Macht aufgeben oder nur ihre Waffen besser verstecken.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 2. August 2026