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Nach BDS-Beschluss: Humboldt-Universität hält an Israel fest


Das Studentenparlament fordert den Bruch mit israelischen Hochschulen. Die Leitung der Humboldt-Universität widerspricht nun dem Kern dieses Boykottvorstoßes und will ihre sieben wissenschaftlichen Partnerschaften mit Israel fortsetzen.

Nach BDS-Beschluss: Humboldt-Universität hält an Israel fest
Bildnachweis: Sanjpeach77

Die Leitung der Berliner Humboldt-Universität lässt sich vom Israel-BoykottBDS: Boykottkampagne gegen IsraelBDS ist eine gegen Israel gerichtete Boykottkampagne. Der Deutsche Bundestag verurteilte die Bewegung 2019 als antisemitisch.Mehr lesen ihres Studentenparlaments vorerst nicht auf Kurs bringen. Nachdem das studentische Gremium den Abbruch von Kooperationen mit israelischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen gefordert hatte, stellte das Präsidium nun klar: Die bestehenden Partnerschaften sollen fortgeführt werden.

Damit zieht die Universität eine notwendige Grenze gegenüber einem Beschluss, der Wissenschaft nicht nach der Qualität ihrer Forschung, sondern nach der Nationalität der beteiligten Einrichtungen bewertet. Der Vorgang ist damit allerdings nicht erledigt. Der Boykottbeschluss bleibt bestehen, wurde über den Referentinnenrat an Zehntausende Studenten verbreitet und wird nun von der Universitätsleitung Punkt für Punkt geprüft.

Eine Sprecherin der Humboldt-Universität erklärte am Montag, das Präsidium setze weiterhin auf den wissenschaftlichen Dialog mit seinen israelischen Kooperationspartnern. Die Hochschule arbeitet derzeit mit fünf israelischen Universitäten und zwei Forschungseinrichtungen zusammen. Genau diese Beziehungen wollte das Studentenparlament unter politischen Vorbehalt stellen.

Der Beschluss war am 9. Juli auf Antrag der „Linken Liste“ angenommen worden. Unter der Überschrift „Solidarität mit Palästina – Beteiligung der HU am Völkermord beenden“ verlangte das Gremium, die Zusammenarbeit mit israelischen Einrichtungen offenzulegen und anschließend jene Verbindungen zu beenden, die nach Auffassung der Antragsteller mit angeblichem „Völkermord“, „Apartheid“ oder „Besatzung“ verbunden seien.

Am 17. Juli verschickte der Referentinnenrat die Forderungen in einer Rundmail an die Studentenschaft. Damit wurde aus einem Beschluss eines kaum beachteten Hochschulgremiums eine politische Botschaft an die gesamte Universität: Israelische Wissenschaftseinrichtungen sollten nicht länger als selbstverständliche Partner gelten, sondern sich einem von BDS geprägten Verdacht unterwerfen.

Die Universitätsleitung widerspricht dem Kern der Forderung

Die nun bekannt gewordene Reaktion des Präsidiums ist deshalb bedeutsam. Die Leitung übernimmt weder die Behauptung, wissenschaftliche Zusammenarbeit mit IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen bedeute eine Beteiligung an einem Verbrechen, noch behandelt sie israelische Hochschulen als Einrichtungen, von denen sich eine deutsche Universität distanzieren müsse.

HU-Präsidentin Julia von Blumenthal hatte bereits im November 2025 erklärt, ein allgemeiner Boykott israelischer Wissenschaftseinrichtungen schwäche gerade jene demokratischen Kräfte, die in Israel für eine offene Gesellschaft, politische Auseinandersetzung und wissenschaftliche Freiheit eintreten.

Dieser Hinweis trifft den zentralen Widerspruch der Boykottforderung. Wer vorgibt, die israelische Regierung kritisieren zu wollen, aber zugleich israelische Universitäten aus internationalen Netzwerken drängen möchte, trifft nicht in erster Linie Minister oder Parteien. Getroffen werden Studenten, Wissenschaftler, gemeinsame Forschungsprojekte und Menschen, die innerhalb Israels oft höchst unterschiedliche politische Auffassungen vertreten.

Der vom Studentenparlament gewünschte Ausschluss beruht deshalb nicht auf einer Prüfung einzelner Vorhaben. Er folgt einer kollektiven Logik: Eine Einrichtung wird verdächtig, weil sie israelisch ist. Zusammenarbeit soll nur noch dann als hinnehmbar gelten, wenn sie den politischen Bedingungen der Boykottbewegung entspricht.

Das ist keine gewöhnliche Hochschuldebatte. Es ist der Versuch, BDS an einer deutschen Universität zur praktischen Richtlinie zu machen.

Der Beschluss verlangt ausdrücklich eine an BDS und PACBI ausgerichtete studentische Selbstverwaltung. PACBI ist der akademische und kulturelle Teil der internationalen Boykottbewegung gegen Israel. Studentische Mittel und Strukturen sollen demnach nicht mehr für bestimmte Kooperationen mit israelischen Einrichtungen zur Verfügung stehen. Gleichzeitig sollen Gruppen, die den Boykott Israels unterstützen, leichter gefördert werden können.

Die Universitätsleitung prüft nun jeden einzelnen Punkt des Beschlusses. Diese Prüfung ist notwendig, reicht allein jedoch nicht aus. Denn ein Klima der Ausgrenzung entsteht nicht erst, wenn ein Vertrag mit einer israelischen Universität tatsächlich gekündigt wird. Es entsteht bereits dann, wenn israelischen Studenten und Forschern vermittelt wird, ihre Herkunft mache sie zu unerwünschten Partnern.

Der Boykottbeschluss bleibt ein Warnsignal

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Berlin und Brandenburg warnte vor einem Klima der Einschüchterung für jüdische und israelische Studenten sowie Wissenschaftler. Diese Sorge ist nicht übertrieben. Seit dem HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023 wurden Berliner Hochschulen immer wieder zu Schauplätzen aggressiver israelfeindlicher Aktionen, Besetzungen und persönlicher Anfeindungen.

Auch die Humboldt-Universität hat erlebt, wie schnell vorgebliche Proteste gegen israelische Politik in die Ausgrenzung jüdischer und israelischer Menschen übergehen können. Der aktuelle Beschluss fällt deshalb nicht in einen politisch leeren Raum. Er folgt auf Jahre, in denen die Grenze zwischen Kritik, Dämonisierung und offenem Boykott immer weiter verschoben wurde.

Dass das Präsidium an den sieben bestehenden Partnerschaften festhält, ist daher richtig. Es wäre jedoch verfrüht, den Vorgang als erledigte Auseinandersetzung zu betrachten. Die Universitätsleitung hat bislang keine vollständige Zurückweisung des Beschlusses verkündet. Sie hat erklärt, die einzelnen Forderungen zu prüfen und den wissenschaftlichen Dialog mit Israel fortzusetzen.

Das ist ein wichtiger Widerspruch gegen den Boykott, aber noch keine Antwort auf alle Folgen des Beschlusses. Offen bleibt, wie die Universität mit der geforderten BDS-Ausrichtung der studentischen Selbstverwaltung umgehen wird, ob entsprechende Gruppen weiterhin finanzielle und organisatorische Unterstützung erhalten können und wie jüdische sowie israelische Hochschulangehörige vor Einschüchterung geschützt werden sollen.

Ebenso offen bleibt, weshalb ein Gremium, dessen demokratische Grundlage wegen der regelmäßig äußerst niedrigen Wahlbeteiligung begrenzt ist, politische Beschlüsse im Namen einer ganzen Studentenschaft verbreiten kann. Die Boykottforderung erhält durch die Rundmail eine Reichweite und institutionelle Wirkung, die weit über die tatsächliche Unterstützung innerhalb der Universität hinausgehen dürfte.

Der erste notwendige Schritt ist dennoch getan: Die Humboldt-Universität kündigt ihre israelischen Partner nicht. Sie lässt Forschung und Austausch nicht von einem studentischen BDS-Beschluss bestimmen.

Das sollte an einer deutschen Hochschule selbstverständlich sein. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre ist es das leider nicht mehr.

Gerade deshalb muss das Präsidium nun konsequent bleiben. Wissenschaftliche Beziehungen dürfen nicht davon abhängen, ob israelische Einrichtungen politischen Gesinnungsprüfungen genügen. Jüdische und israelische Studenten dürfen nicht den Eindruck erhalten, ihre Universität betrachte sie als Vertreter eines Staates, der unter Generalverdacht gestellt werden könne.

Der Boykottvorstoß des Studentenparlaments hat gezeigt, wie weit die BDS-Linie bereits in Teile des Hochschulbetriebs vorgedrungen ist. Die Antwort der Universitätsleitung zeigt zumindest, dass diese Linie nicht unwidersprochen zur Politik der gesamten Humboldt-Universität wird.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Montag, 20. Juli 2026

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