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Hamburger Festival ließ Verklärerin des Hamas-Massakers auftreten


Trotz monatelanger Warnungen erhielt Sama’ Abdulhadi beim Habitat-Festival eine Bühne. Die DJ hatte den Terrorangriff vom 7. Oktober als „palästinensischen Widerstand“ bezeichnet. Nun werden Boykottforderungen gegen den Veranstalter laut.

Hamburger Festival ließ Verklärerin des Hamas-Massakers auftreten
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Das Hamburger Habitat-Festival hat alle Warnungen ignoriert und die palästinensische Techno-DJ Sama’ Abdulhadi auftreten lassen. Damit ist die Auseinandersetzung nicht mehr theoretisch. Der Veranstalter kann sich nicht länger darauf berufen, die Vorwürfe noch prüfen oder kurzfristig reagieren zu müssen. Er kannte die Aussagen, kannte die Kritik und entschied sich dennoch für den Auftritt.

Abdulhadi hatte den Terrorangriff der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen vom 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen öffentlich als Handlung des „palästinensischen Widerstands“ eingeordnet. Dabei verwendete sie mit „Toufan al-Aqsa“ ausgerechnet die Bezeichnung, welche die Hamas selbst für das Massaker gewählt hat.

Die Hamburger Antisemitismusbeauftragte Anna von Villiez hatte den Auftritt als „nicht hinnehmbar“ bezeichnet und seine Absage verlangt. Auch der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hatte bereits Monate zuvor vor Abdulhadis Positionen gewarnt. Das Festival ließ sie trotzdem auflegen.

Der Wortlaut war bekannt

Am ersten Jahrestag des Massakers schrieb Abdulhadi auf Instagram, der „palästinensische Widerstand“ habe als Reaktion auf eine jahrzehntelange israelische Besatzung die „Schlacht von Toufan al-Aqsa“ geführt und damit die Aufmerksamkeit der Welt auf die Lage der Palästinenser gelenkt.

Das war keine gewöhnliche Kritik an der israelischen Regierung. „Toufan al-Aqsa“, auf Deutsch „Al-Aqsa-Flut“, ist der von der Hamas verwendete Name für ihren Terrorangriff. Terroristen ermordeten an diesem Tag rund 1.200 Menschen, verübten sexualisierte Gewalt und verschleppten mehr als 250 Geiseln in den GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen.

Zu den wichtigsten Tatorten gehörte das Nova-Musikfestival. Hunderte junge Menschen wurden dort gejagt, erschossen, verbrannt oder entführt. Nach israelischen Angaben wurden auf dem Festivalgelände und in dessen Umgebung mehr als 360 Menschen ermordet.

Wenn eine international bekannte DJ diesen Angriff mit der Bezeichnung der Täter versieht und ihn als Aktion des „Widerstands“ beschreibt, wird aus einem Terrorverbrechen eine politisch sinnvolle Tat gemacht. Die Opfer erscheinen in dieser Erzählung lediglich als Mittel, mit dem die Aufmerksamkeit der Welt erzwungen worden sei.

Eine belastbare Grundlage, Abdulhadi als Mitglied oder organisatorische Unterstützerin der Hamas zu bezeichnen, ist bislang nicht öffentlich dokumentiert. Die von BILD verwendete Bezeichnung „Hamas-Anhängerin“ geht deshalb über das sicher Belegbare hinaus. Belegt ist jedoch, dass sie die Sprache und die Rechtfertigungserzählung der Terrororganisation übernommen hat. Das wiegt schwer genug.

Der Veranstalter entschied sich bewusst für den Auftritt

Das Habitat-Festival erklärte vor der Veranstaltung, AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen, Diskriminierung und Gewaltverherrlichung hätten dort keinen Platz. Die Einladung einer Künstlerin bedeute nicht, dass sämtliche politischen Äußerungen dieser Person geteilt würden. Zudem handele es sich lediglich um ein DJ-Set und nicht um ein politisches Podium.

Spätestens nach dem Auftritt ist klar, wie wenig diese Erklärung wert war. Das Festival wurde über Monate auf die Aussagen hingewiesen. Es erhielt Schreiben, öffentliche Kritik und die ausdrückliche Aufforderung der Hamburger Antisemitismusbeauftragten, Abdulhadi auszuladen. Eine überraschende oder kurzfristig nicht mehr zu korrigierende Situation lag nicht vor.

Der Veranstalter traf eine bewusste Entscheidung. Er stellte die Durchführung des Auftritts über die Einwände jüdischer Organisationen und der zuständigen Antisemitismusbeauftragten.

Ein DJ-Set macht die Person hinter dem Mischpult nicht unpolitisch. Veranstalter entscheiden, wem sie Reichweite, Anerkennung und Normalität verschaffen. Sie müssen sich nicht jede frühere Äußerung eines Künstlers zu eigen machen. Wenn sie aber nach ausführlichen Warnungen an einer Buchung festhalten, tragen sie Verantwortung für diese Entscheidung.

Ausgerechnet die Technoszene darf Nova nicht vergessen

Besonders beschämend ist, dass diese Gleichgültigkeit ausgerechnet bei einem Musikfestival sichtbar wurde. Die Techno- und Clubszene beschreibt sich gern als Schutzraum für Freiheit, Vielfalt und Menschen, die andernorts ausgegrenzt werden. Beim Umgang mit den jüdischen und israelischen Opfern des Nova-Festivals erwies sich dieser Anspruch als erschreckend dehnbar.

Anna von Villiez brachte das Problem auf den Punkt: „Der systematische Einsatz schwerer sexualisierter Gewalt und der Mord an Hunderten Menschen sind keine Form des Widerstands, sondern ein Verbrechen.“ Die Umdeutung verhöhne die Opfer und ihre Angehörigen.

Die Forderung nach einer Ausladung richtete sich nicht gegen palästinensische Künstler. Herkunft ist kein Ausschlussgrund. Kritik an Entscheidungen der israelischen Regierung ist ebenfalls legitim. Die Grenze verläuft dort, wo ein Terrorangriff mit dem Namen der Täter bezeichnet und als legitimer Widerstand verklärt wird.

Diese Grenze hat Abdulhadi mit ihren dokumentierten Aussagen überschritten. Das Habitat-Festival wusste davon und ließ sie dennoch auftreten.

Boykottforderungen aus Teilen der Musikszene

Nach dem Auftritt werden nun auch innerhalb der elektronischen Musikszene Forderungen nach Konsequenzen laut. Mehrere DJs, Produzenten und Veranstalter kündigten laut einem Beitrag des Bürgerportals myheimat an, künftig nicht mehr mit den Verantwortlichen des Festivals zusammenarbeiten zu wollen.

Der österreichische DJ Wolfgang Karabas verlangte eine Prüfung, ob das Festival öffentliche Gelder erhalten habe. Sollte dies der Fall sein, müssten nach seiner Auffassung Konsequenzen bis zur Streichung einer solchen Unterstützung erwogen werden. Andere Musiker forderten einen Boykott des Veranstalters.

Die Größe und Repräsentativität dieser Initiative lässt sich anhand des Bürgerreporter-Beitrags nicht abschließend bestimmen. Auch gibt es bislang keinen belastbaren Hinweis darauf, dass die Stadt Hamburg eine künftige Austragung verhindern will. Die Überschrift des Beitrags geht in diesem Punkt weiter als die darin genannten Tatsachen.

Die Boykottaufrufe zeigen dennoch, dass die Kritik die Musikszene erreicht hat. Wer die eigene Veranstaltung als diskriminierungsfreien Raum vermarktet, aber die Verklärung des Hamas-Massakers folgenlos hinnimmt, muss damit rechnen, dass Künstler und Besucher daraus Konsequenzen ziehen.

Nun müssen mögliche Förderungen offengelegt werden

Zu klären ist jetzt, ob das Habitat-Festival oder die verantwortlichen Unternehmen direkt oder indirekt öffentliche Unterstützung erhalten haben. Aus den bislang vorliegenden Berichten ergibt sich dafür noch kein Beleg. Eine transparente Auskunft wäre dennoch geboten.

Öffentliche Kulturförderung begründet keinen Anspruch des Staates auf politische Gefolgschaft. Sie darf auch nicht nach bloßer Zustimmung oder Ablehnung einzelner Meinungen vergeben werden. Ebenso wenig besteht jedoch eine Pflicht, jeden Veranstalter unabhängig von seinem Umgang mit antisemitischer Terrorverklärung zu unterstützen.

Sollten öffentliche Mittel geflossen sein, müssen die zuständigen Stellen prüfen, ob Förderbedingungen, Antidiskriminierungsklauseln oder andere Verpflichtungen eingehalten wurden. Eine solche Prüfung wäre keine Zensur, sondern der normale Umgang mit Steuergeld.

Das Festival hatte die Möglichkeit, eine klare Grenze zu ziehen. Es hätte sagen können: Palästinensische Künstler sind willkommen, die Umdeutung von Mord, Vergewaltigung und Geiselnahme zu „Widerstand“ ist es nicht. Stattdessen ließ es den Auftritt stattfinden.

Die Musik ist verklungen. Die Verantwortung bleibt.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 19. Juli 2026

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