Israel wartete auf den Moment: Hamas-Operationschef Abu Obeid ohne Zivilisten ausgeschaltet

Israel wartete auf den Moment: Hamas-Operationschef Abu Obeid ohne Zivilisten ausgeschaltet


Mehrfach war Nael Abu Obeid der IDF entkommen. Nach langer Überwachung gelang es dem israelischen Geheimdienst, den Hamas-Terroristen allein zu lokalisieren. Erst dann wurde der Angriff freigegeben.

Israel wartete auf den Moment: Hamas-Operationschef Abu Obeid ohne Zivilisten ausgeschaltet
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Die israelischen Sicherheitskräfte hatten Nael Abu Obeid seit Langem im Visier. Mehrere Versuche, den Kommandeur der Rafah-Brigade und zugleich Leiter des Operationsapparates des militärischen HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Flügels auszuschalten, waren zuvor gescheitert. Am Dienstagabend passten schließlich alle Voraussetzungen zusammen: Der Geheimdienst konnte seinen Aufenthaltsort im südlichen GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen bestimmen und stellte nach Angaben aus dem Südkommando fest, dass sich keine Zivilisten unmittelbar bei ihm befanden. Erst daraufhin wurde der Angriff freigegeben.

„Wir waren schon mehrere Male kurz davor, ihn auszuschalten“, zitierte N12 israelische Militärkreise. Diesmal hätten die nachrichtendienstlichen Erkenntnisse ausgereicht, um Abu Obeid präzise zu lokalisieren. Mitarbeiter der Nachrichtendienste hätten über Tage und Nächte einzelne Informationsfragmente zusammengeführt, bis sich ein ausreichend klares Lagebild ergeben habe.

IDF und Shin Bet bestätigten anschließend offiziell seinen Tod. Abu Obeid war nicht lediglich ein lokaler Kommandeur. Die israelischen Streitkräfte bezeichnen ihn als eine der zentralen verbliebenen Figuren innerhalb der militärischen Hamas-Struktur. Er führte die Rafah-Brigade und stand zugleich an der Spitze des Operationsapparates des militärischen Arms.

Vom Bataillonskommandeur zum Hamas-Operationschef

Abu Obeid hatte innerhalb der Rafah-Brigade mehrere Führungspositionen durchlaufen. Er kommandierte unter anderem die Bataillone Tel Sultan und Yabna und war später stellvertretender Brigadekommandeur. Nach der Ausschaltung Mohammed Shabanas im Mai 2025 übernahm er die Führung der gesamten Rafah-Brigade. Shabana war bei demselben israelischen Angriff getötet worden, bei dem auch Hamas-Chef Mohammed Sinwar ums Leben kam.

Nach Angaben der IDF steuerte Abu Obeid Terroristen der Brigade, plante Angriffe gegen israelische Soldaten und Zivilisten und arbeitete zuletzt intensiv daran, die stark geschwächten militärischen Strukturen der Hamas im Raum Rafah wieder aufzubauen. Die Armee beschreibt diesen Wiederaufbau inzwischen als eines der zentralen Sicherheitsprobleme im Gazastreifen.

Genau hier liegt die Bedeutung seiner Ausschaltung. Die Hamas versucht trotz Waffenruhe, Verluste in ihren Führungsstrukturen zu ersetzen, Waffenbestände wieder nutzbar zu machen und beschädigte Einheiten neu zu organisieren. haOlam berichtete erst vergangene Woche darüber, dass die IDF konkrete Hinweise auf eine erneute militärische Aufrüstung der Terrororganisation sieht.

Abu Obeid gehörte zu den Männern, die diesen Wiederaufbau organisieren sollten.

N12 zufolge war er zudem während des Krieges an Operationen gegen israelische Streitkräfte beteiligt und spielte auch bei Aktivitäten im Zusammenhang mit der Geiselfrage eine Rolle. Einzelheiten dazu wurden aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlicht.

Bemerkenswert ist auch, wie IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen den Angriff vorbereitete. Nach Darstellung der Armee wurde nicht einfach eine Gelegenheit genutzt, sobald Abu Obeids Aufenthaltsort bekannt war. Die Streitkräfte warteten, bis sie davon ausgingen, dass sich keine unbeteiligten Zivilisten in seiner unmittelbaren Umgebung befanden.

Verteidigungsminister Israel Katz fasste die israelische Linie nach der Operation knapp zusammen: Kein Terrorist sei geschützt, Hamas werde nicht im Gazastreifen bleiben. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu äußerte sich ähnlich.

Diese Aussagen sind nicht nur politische Botschaften. Sie spiegeln die operative Strategie wider, die Israel derzeit im Gazastreifen verfolgt: Anstatt der Hamas Zeit für einen systematischen Wiederaufbau zu geben, sollen diejenigen Kommandeure ausgeschaltet werden, die genau diesen Prozess organisieren.

Eine Führungsebene nach der anderen fällt weg

Abu Obeids Tod steht deshalb nicht allein.

Am selben Tag bestätigten IDF und Shin Bet die Ausschaltung von Ahmad Batash, dem Kommandeur des Jabalia-Bataillons der Hamas im Norden des Gazastreifens. Batash war für Waffen und militärische Ausrüstung seiner Brigade verantwortlich und arbeitete nach israelischen Angaben ebenfalls am Wiederaufbau der TerrorstrukturenTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen.

Bereits zuvor hatte Israel Rafat Abu Zamar ausgeschaltet, einen Kompaniechef im Operationsstab der Hamas. Nach Angaben der IDF hatte Abu Zamar Terroristen vor dem Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen ausgebildet und danach weiter am Aufbau militärischer Fähigkeiten gearbeitet.

Auch der Palästinensische Islamische Dschihad verlor einen wichtigen Funktionär: Mohsen Farid Said Abu al-Hadaf, Leiter einer Raketenzelle, wurde in Khan Yunis getötet. Nach israelischen Angaben hatte er am 7. Oktober am Angriff auf den Raum Kissufim teilgenommen und bis zuletzt neue Terroroperationen vorbereitet.

Die Häufung ist kein Zufall. Israel versucht derzeit gezielt, jene Führungsebene zu beseitigen, die zwischen der politischen Spitze der Terrororganisation und den einzelnen Kämpfern steht. Genau diese Kommandeure sind notwendig, um Brigaden neu aufzubauen, Waffen zu verteilen, Kämpfer auszubilden und neue Angriffe zu koordinieren.

Für die Hamas entsteht dadurch ein strukturelles Problem: Ein getöteter Terrorist kann ersetzt werden. Ein immer wieder ausgedünntes Netz erfahrener Kommandeure dagegen nicht unbegrenzt.

Das gilt besonders für Rafah. Die dortige Brigade gehörte vor dem Krieg zu den wichtigsten militärischen Formationen der Hamas im Süden des Gazastreifens. Israel hat ihre Tunnel, Kommandozentren und Bataillonsstrukturen während des Krieges massiv getroffen. Dennoch versucht die Terrororganisation weiterhin, verbliebene Kämpfer und Waffen neu zu organisieren.

haOlam hatte Anfang September über israelische Erkenntnisse berichtet, wonach Hamas trotz der offiziellen Entwaffnungsdebatte erneut Waffen aus Lagern holt und militärische Fähigkeiten wiederherstellt. Abu Obeid war einer derjenigen, die diesen Prozess auf Führungsebene vorantrieben.

Die lange Überwachung vor seinem Tod zeigt zugleich, wie sich Israels Vorgehen verändert hat. Die IDF wollte nicht nur den richtigen Mann treffen. Sie wartete offenbar auch auf den richtigen Moment.

Dass Abu Obeid schließlich ohne Zivilisten in seiner unmittelbaren Umgebung lokalisiert wurde, machte aus einer lange vorbereiteten Operation eine Gelegenheit, die Israel nicht verstreichen ließ.

Mehrfach war der Hamas-Kommandeur entkommen.

Beim letzten Mal nicht.

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Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 16. September 2026

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