In der Schweiz wird über Israels Sicherheit verhandelt, aber Israel sitzt nicht am Tisch
Die USA, Iran, Katar und Pakistan verhandeln in der Schweiz über das neue Memorandum. Eine Eilsitzung zur Hisbollah wurde angesetzt, obwohl Israel selbst nicht beteiligt ist.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Die Verhandlungen in der Schweiz zeigen schneller als erwartet, worin die größte Schwäche des neuen US Iran Memorandums liegt. Es geht längst nicht mehr nur um Uran, Öl, HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen oder diplomatische Formeln zwischen Washington und Teheran. Schon am ersten Tag der Gespräche soll eine Eilsitzung zum Konflikt zwischen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und der HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen auf die Tagesordnung gesetzt worden sein. Das berichten amerikanische Medien unter Berufung auf einen anwesenden Diplomaten. Brisant ist dabei nicht nur das Thema. Brisant ist, wer am Tisch sitzt und wer nicht.
Verhandelt wird zwischen den Vereinigten Staaten, Iran, Katar und Pakistan. Die Gespräche sollen am Bürgenstock in der Schweiz stattfinden, einem Ort, der in der internationalen Diplomatie für diskrete Runden und symbolische Distanz zum eigentlichen Konflikt steht. Auf amerikanischer Seite ist Vizepräsident J. D. Vance angereist. Auch die Trump Vertrauten Steve Witkoff und Jared Kushner sollen vor Ort sein. Iran ist mit Außenminister Abbas Araghchi und Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf vertreten. Pakistan und Katar wirken als Vermittler. Doch weder Israel noch die Hisbollah noch die libanesische Regierung nehmen an der Runde teil.
Damit entsteht eine gefährliche Schieflage. Über den Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah wird gesprochen, aber Israel sitzt nicht am Tisch. Über den Südlibanon, Waffenruhen, Sicherheitsräume und mögliche Verstöße wird verhandelt, aber die Menschen, deren Städte, Familien und Soldaten von Hisbollah Raketen und Drohnen bedroht sind, werden nicht direkt vertreten. Genau hier beginnt das Problem dieses Memorandums: Es versucht, regionale Sicherheit von oben zu ordnen, während die eigentliche Bedrohung vor Ort weiterbesteht.
Der Auslöser ist bekannt. Nach israelischen Angaben brach die Hisbollah die neue Waffenruhe mit mehr als 50 Geschossen auf israelische Soldaten im Südlibanon. Israel reagierte mit Angriffen auf Abschussstellungen, WaffenlagerTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen, KommandozentrenTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen und weitere TerrorinfrastrukturTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen. Später ordneten Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz an, das Feuer anzuhalten. Israel blieb jedoch im Sicherheitsraum an der gelben Linie, weil JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen die Bedrohung nicht als beseitigt betrachtet.
Diese Reihenfolge darf nicht verschwimmen. Die Hisbollah griff an. Israel reagierte. Danach wurde Israel erneut zum Gegenstand internationaler Verhandlungen. Genau dieses Muster kennt Jerusalem nur zu gut: Terrororganisationen testen Grenzen, Israel schützt seine Soldaten und Bürger, und anschließend entsteht diplomatischer Druck auf Israel, damit die größere Verhandlungslage nicht gefährdet wird. Für westliche Diplomaten ist das oft eine Frage der Stabilität. Für Israelis im Norden ist es die Frage, ob sie in ihre Häuser zurückkehren können, ohne wieder unter Raketen, Drohnen und Panzerabwehrwaffen zu leben.
Wer Israel jetzt Zurückhaltung abverlangt, muss denselben Maßstab auf den eigenen Staat anwenden. Würde Deutschland nach mehr als 50 Geschossen auf seine Soldaten erklären, man dürfe nicht reagieren, weil in der Schweiz gerade verhandelt wird? Würde Frankreich seine Grenzorte ungeschützt lassen, wenn eine vom Ausland bewaffnete Miliz jenseits der Grenze Kommandostrukturen und Waffenlager aufbaut? Würden die Vereinigten Staaten akzeptieren, dass eine Terrororganisation ihre Soldaten angreift und dann andere Mächte ohne amerikanische Beteiligung über die Sicherheitslage beraten? Kein Staat würde das akzeptieren. Israel auch nicht.
Die Hisbollah ist keine unabhängige libanesische Widerstandsgruppe, sondern eine vom Iran aufgebaute und bewaffnete Terrororganisation. Sie ist eines der wichtigsten Werkzeuge Teherans gegen Israel. Genau deshalb ist es politisch so heikel, wenn Iran in der Schweiz über eine Eilsitzung zur Hisbollah Frage indirekt Einfluss auf Israels Sicherheitslage bekommt. Teheran kann damit über jene Front sprechen, die es selbst seit Jahren bewaffnet, finanziert und strategisch nutzt.
Gleichzeitig läuft der Streit um die Straße von Hormus weiter. Iranische Stellen behaupteten erneut, die RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen hätten keine Durchfahrtserlaubnis für Schiffe erteilt. Die Vereinigten Staaten widersprachen bereits zuvor und erklärten, kommerzielle Schiffe würden weiter durch die Meerenge fahren. Reuters berichtete, Washington bestreite Irans Schließungsbehauptungen, während die Verhandler in die Schweiz reisen. Damit wird Hormus erneut zum Druckmittel Teherans: Verhandlungen am Seeufer, Drohungen an der wichtigsten Ölpassage der Welt.
Das zeigt die ganze Ambivalenz des neuen Abkommens. Trump verkauft das Memorandum als Sieg, sogar als mögliche bedingungslose Kapitulation Irans. Doch Iran verhandelt nicht wie ein Regime, das kapituliert hat. Teheran droht mit Hormus, lässt seine Delegation mit hohen Vertretern anreisen und versucht, den Israel Hisbollah Konflikt in die erste Sitzung einzubringen. Wer wirklich bedingungslos kapituliert, setzt nicht am nächsten Tag die Sicherheitslage des Gegners auf die Tagesordnung.
Barack Obamas Warnung, die Vereinigten Staaten könnten am Ende schlechter dastehen als vor dem Krieg, erhält vor diesem Hintergrund neues Gewicht. Man muss Obamas eigenes Atomabkommen nicht für ideal halten, um die Gefahr zu erkennen: Wenn nach militärischen Erfolgen ein politisches Papier entsteht, das Iran wirtschaftlich entlastet, Hormus wieder zum Druckinstrument werden lässt und die Stellvertreterfrage nicht hart löst, dann ist die Lage nicht stabiler. Sie ist nur komplizierter.
Noch deutlicher wird es durch die Kritik früherer US Beamter aus dem republikanischen Lager. Dan Brouillette, Energieminister in Trumps erster Amtszeit, warnte, das Abkommen könne zu großzügig sein, weil Iran zu früh wieder Öl exportieren und damit hohe Einnahmen erzielen könne. Seine Sorge ist aus israelischer Sicht zentral. Geld, das nach Teheran fließt, bleibt nicht automatisch in Häfen, Straßen oder Kraftwerken. In der Vergangenheit floss iranisches Geld immer wieder in Raketen, Drohnen, Milizen und Terrorstrukturen.
Für Israel entscheidet sich der Wert des Memorandums nicht an Trumps Wortwahl. Er entscheidet sich daran, ob die Hisbollah tatsächlich gebunden wird, ob iranische Mittel nicht wieder in Stellvertreter fließen, ob die Straße von Hormus offen bleibt und ob Israel seine Bürger im Norden besser schützen kann als zuvor. Wenn diese Fragen offenbleiben, ist der Begriff „Kapitulation“ nur politische Verpackung.
Die Schweiz Gespräche machen nun sichtbar, wie schnell das Abkommen von der Realität eingeholt wird. Erst wird ein Memorandum als historischer Durchbruch gefeiert. Dann bricht die Hisbollah nach israelischen Angaben die Feuerpause. Dann reagiert Israel. Dann droht Iran mit Hormus. Und nun wird ausgerechnet der Israel Hisbollah Konflikt zur Eilsitzung einer Runde, in der Israel nicht vertreten ist. Das ist keine solide Sicherheitsarchitektur. Das ist ein diplomatisches Kartenhaus.
Besonders gefährlich ist die Vorstellung, Israel könne sich auf Zusagen anderer verlassen, solange die Hisbollah bewaffnet bleibt. Die Bewohner im Norden Israels wissen, was solche Zusagen wert sind, wenn die nächste Drohne startet oder der nächste Beschuss beginnt. Sie brauchen keine schöne Erklärung aus der Schweiz. Sie brauchen Sicherheit an der Grenze. Sie brauchen die Gewissheit, dass eine Waffenruhe nicht bedeutet, dass die Hisbollah ihre Kräfte neu ordnet und Israel unter Druck gesetzt wird, nicht zu reagieren.
Diplomatie ist notwendig. Kein verantwortlicher Staat kann ein Interesse daran haben, dass der Iran Krieg 2026 unkontrolliert weiterbrennt. Aber Diplomatie darf nicht bedeuten, dass Israel die Schutzpflicht gegenüber seinen Bürgern aus der Hand gibt. Kein anderer Staat würde zulassen, dass über seine Grenzsicherheit gesprochen wird, während seine eigenen Vertreter fehlen und der wichtigste Unterstützer der gegnerischen Terrororganisation mit am Tisch sitzt.
Genau das ist die offene Wunde dieser Verhandlungen. Wenn Iran über Hisbollah mitredet, muss auch Israels Sicherheitsinteresse direkt vertreten sein. Wenn über den Südlibanon gesprochen wird, darf die Tatsache nicht verdrängt werden, dass die Hisbollah nach israelischen Angaben gerade erst mehr als 50 Geschosse auf israelische Soldaten abgefeuert hat. Wenn Hormus verhandelt wird, muss benannt werden, dass Iran die Meerenge als Druckmittel gegen die Weltwirtschaft benutzt. Und wenn Trump von Kapitulation spricht, muss geprüft werden, ob Teheran sich wirklich gebunden hat oder nur gelernt hat, militärische Niederlagen in diplomatische Vorteile zu verwandeln.
Am Ende wird der Erfolg der Schweiz Gespräche nicht daran gemessen, ob die Teilnehmer ein weiteres Foto, eine weitere Erklärung oder eine weitere Frist präsentieren. Er wird daran gemessen, ob Israel sicherer ist, ob die Hisbollah gestoppt wird, ob Iran nicht erneut Geld und Zeit für seine Stellvertreter gewinnt und ob die Straße von Hormus offen bleibt, ohne dass Teheran sie bei jeder Krise erneut als Waffe einsetzt.
Alles andere wäre kein Frieden. Es wäre ein Handel über Israels SicherheitStaatsräson: Bedeutung und Israels SicherheitStaatsräson meint ein grundlegendes Staatsinteresse, das als besonders wichtig für Bestand, Sicherheit oder Verantwortung eines Staates gilt. In Deutschland wird der Begriff häufig mit der Sicherheit Israels verbunden.Mehr lesen ohne Israel.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 21. Juni 2026