Libanon beschuldigt Israel, doch der entscheidende Bruch kommt von der Hisbollah
Nach neuen israelischen Angriffen im Südlibanon spricht Beirut von Brutalität. Doch Jerusalem verweist auf mehr als 50 Geschosse der Hisbollah und auf eine Waffenruhe, die ohne Entwaffnung nur ein Wort bleibt.

Bildnachweis: Symbolbild
Die libanesische Armee hat IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen am Samstag schwere Vorwürfe gemacht. Die Angriffe im Libanon seien „brutal“ und zielten darauf ab, eine Rückkehr zur Stabilität zu verhindern, erklärte sie öffentlich. Nach Angaben der staatlichen libanesischen Nachrichtenagentur NNA wurden bei israelischen Luftschlägen im Süden des Landes mehrere Menschen getötet. Reuters meldete später mindestens zehn Tote, darunter nach Angaben der libanesischen Armee auch ein Soldat. Getroffen worden seien unter anderem Arabsalim, Orte in der Region Nabatiya, Gebiete am Berg Rihan in der Region Jezzin sowie weitere Ziele im westlichen Bekaa Tal.
Das ist die libanesische Darstellung. Sie ist ernst zu nehmen, weil Tote, zerstörte Häuser und die Angst der Bevölkerung reale Folgen dieses Krieges sind. Doch sie ist nicht die ganze Wahrheit. Denn fast zeitgleich erklärte ein israelischer Militärvertreter, die Angriffe hätten sich gegen HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen Ziele gerichtet, nachdem die Terrororganisation über Nacht mehr als 50 Geschosse auf israelische Soldaten im Südlibanon abgefeuert habe. Genau an diesem Punkt entscheidet sich, ob über den Libanon Konflikt ehrlich berichtet wird oder ob wieder das alte Muster greift: Israel schießt, Israel wird angeklagt, die Hisbollah verschwindet im Nebensatz.
Aus Jerusalemer Sicht ist diese Verkürzung nicht hinnehmbar. Israel steht nicht im Libanon, weil es dort ein politisches Abenteuer sucht. Es steht dort, weil die Hisbollah seit Jahren ein iranisch bewaffneter Staat im Staate ist, der den Süden des Libanon in ein Aufmarschgebiet verwandelt hat. Raketen, Drohnen, Panzerabwehrwaffen und unterirdische Strukturen sind keine Folklore des Widerstands, sondern militärische Instrumente einer Terrororganisation, deren erklärtes Ziel nicht ein friedlicher Grenzverkehr, sondern die dauerhafte Bedrohung Israels ist. Wer Stabilität im Libanon fordert, aber die Hisbollah nicht entwaffnet, fordert im Kern nur die Wiederherstellung jener Ausgangslage, aus der der nächste Krieg entsteht.
Besonders brisant ist der Zeitpunkt. Erst am Freitag war nach amerikanischen Angaben eine neue Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah vorgesehen. Sie sollte nicht isoliert wirken, sondern Teil der größeren diplomatischen Konstruktion rund um das amerikanisch iranische Zwischenabkommen sein. Washington versucht, den Iran Krieg 2026 in eine Verhandlungsphase zu überführen, die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen offen zu halten und weitere regionale Fronten zu beruhigen. Genau hier liegt das Problem: Auf dem Papier klingt eine umfassende Beruhigung der Region wie ein diplomatischer Erfolg. In der Realität kann sie für Israel brandgefährlich werden, wenn Teheran entlastet wird, während seine Stellvertreter weiter bewaffnet bleiben.
Die Hisbollah hat diese Schwäche sofort erkannt. Ein hochrangiger Vertreter der Organisation erklärte gegenüber Reuters, man werde Israel keine „Bewegungsfreiheit“ in angeblich besetztem libanesischem Gebiet erlauben. Das ist nicht nur eine militärische Ansage. Es ist der Versuch, die eigene Rolle umzudeuten. Die Hisbollah spricht von libanesischer Souveränität, obwohl sie selbst seit Jahren die Souveränität des Libanon untergräbt. Sie beruft sich auf nationale Würde, während sie politische Entscheidungen in Beirut mit Waffen, Angst und iranischer Rückendeckung überlagert. Sie präsentiert sich als Schutzmacht des Landes, obwohl sie den Libanon immer wieder in Kriege hineinzieht, deren Preis am Ende nicht die Kommandeure in Bunkern zahlen, sondern Familien in Dörfern, Soldaten auf Straßen und Kinder in zerstörten Häusern.
Das macht die Erklärung der libanesischen Armee so problematisch. Natürlich hat ein Staat das Recht, Angriffe auf seinem Gebiet zu verurteilen. Natürlich ist jeder getötete Soldat und jeder getötete Zivilist eine schwere Nachricht. Aber ein Staat, der Stabilität fordert, muss auch sagen, wer diese Stabilität seit Jahren systematisch verhindert. Wenn die libanesische Armee Israel als Hauptursache der Unsicherheit beschreibt, während die Hisbollah weiter Geschosse abfeuert, dann entsteht ein politisches Bild, das der Realität nicht gerecht wird. Der Libanon ist nicht nur Opfer israelischer Schläge. Er ist auch Geisel einer Terrororganisation, die stärker ist als viele Institutionen des Staates.
Für Israel stellt sich deshalb eine bittere Frage nicht theoretisch, sondern täglich: Was ist eine Waffenruhe wert, wenn sie auf israelischer Seite Zurückhaltung verlangt, auf Hisbollah Seite aber nur neue Bewegungsräume schafft? Die israelische Erfahrung mit solchen Vereinbarungen ist ernüchternd. Immer wieder wurden Feuerpausen als diplomatische Erfolge gefeiert, während Terrororganisationen sie nutzten, um Stellungen zu reparieren, Waffen nachzuführen, Kommandostrukturen neu zu ordnen und den nächsten Angriff vorzubereiten. Der Süden des Libanon ist dafür seit Jahren ein warnendes Beispiel.
Der Iran Krieg 2026 hat diese Lage noch verschärft. Nach den offenen amerikanisch israelischen Schlägen gegen iranische Ziele versucht Teheran, über Diplomatie, Stellvertreterdruck und regionale Erpressung zugleich Einfluss zu behalten. Die Hisbollah ist dabei kein Randakteur, sondern ein zentrales Werkzeug iranischer Machtpolitik. Wenn Washington nun den großen Ausstieg aus dem Krieg sucht, während JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen auf die ungelösten Sicherheitsfragen verweist, prallen zwei Logiken aufeinander: Die amerikanische Diplomatie will ein Abkommen, Israel braucht belastbare Sicherheit. Das ist kein kleiner Unterschied. Für die Menschen in Kiryat Schmona, Metula oder den Gemeinden im Norden Israels entscheidet er darüber, ob sie nach Hause zurückkehren können oder weiter unter Raketenalarm leben müssen.
Darum reicht es nicht, nur auf die Bilder aus dem Libanon zu schauen. Man muss auch fragen, was vorher geschah, wer geschossen hat, welche Infrastruktur getroffen wurde und welche Organisation aus jeder Waffenruhe politischen Gewinn ziehen will. Israel muss jede militärische Aktion erklären, begründen und nach Möglichkeit begrenzen. Aber es muss nicht hinnehmen, dass eine iranisch gesteuerte Terrororganisation wenige Kilometer von israelischen Ortschaften entfernt wieder zur Normalität wird.
Die eigentliche Tragödie besteht darin, dass der Libanon Stabilität verdient hätte. Die Menschen dort verdienen einen Staat, der nicht von der Hisbollah in einen endlosen Konflikt hineingezogen wird. Die Soldaten der libanesischen Armee verdienen eine Führung, die sie nicht zwischen israelischem Feuer, Hisbollah Macht und iranischen Interessen zerreibt. Und Israel verdient eine internationale Debatte, die nicht erst dann hinsieht, wenn die Antwort aus Jerusalem kommt, sondern bereits dann, wenn die Hisbollah den nächsten Bruch vorbereitet.
Wer Frieden im Libanon will, darf die Hisbollah nicht schonen. Wer Stabilität fordert, darf iranische StellvertreterAchse des Widerstands: Irans Terrornetzwerk gegen Israel„Achse des Widerstands“ ist die Eigenbezeichnung eines von Iran unterstützten Netzwerks aus Terrororganisationen und Milizen. Dazu zählen unter anderem Hisbollah, Hamas, Islamischer Dschihad, Huthi und proiranische Milizen im Irak und in Syrien. Das Netzwerk bedroht Israel mit Raketen, Drohnen, Terroranschlägen und Stellvertreterkrieg.Mehr lesen nicht als unvermeidliche Realität behandeln. Und wer Israel auffordert, die Waffen schweigen zu lassen, muss zugleich dafür sorgen, dass von libanesischem Boden keine Geschosse mehr auf israelische Soldaten und israelische Städte abgefeuert werden. Alles andere ist keine Diplomatie. Es ist die Vertagung des nächsten Angriffs.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Samstag, 20. Juni 2026