Trump droht Oman mit Bomben und bestätigt Geheimkanal zu Irans Revolutionsgarden
Donald Trump bestätigt direkte Kontakte zur iranischen Machtzentrale und verschärft zugleich den Ton gegenüber Oman dramatisch. Besonders brisant ist seine Behauptung, Amerikas bisheriger Munitionsverbrauch im Iran-Krieg sei nur eine Kleinigkeit.

Bildnachweis: The White House
US-Präsident Donald Trump hat am Montag einen geheimen Kommunikationskanal zur Führung der iranischen RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen bestätigt und gleichzeitig dem Sultanat OmanStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen mit militärischer Gewalt gedroht. Die Äußerungen zeigen, wie widersprüchlich die amerikanische Iran-Politik derzeit erscheint: Washington spricht hinter den Kulissen direkt mit jener Organisation, die das militärische Machtzentrum der Islamischen Republik bildet, während Trump öffentlich mit weiterer Gewalt droht und selbst einen langjährigen Vermittler im Golf ins Visier nimmt.
Besonders außergewöhnlich war Trumps Aussage über Oman. Nach einem Gespräch mit Fox News wurde der Präsident auf parallele Verhandlungen zwischen Iran und Oman über die Straße von Hormus angesprochen. Trump antwortete sinngemäß, falls Oman den Vereinigten Staaten in die Quere komme, werde man das Land "in Grund und Boden bombardieren". Die Financial Times und The Times bestätigten die von Fox News verbreitete Aussage am Montag.
Das ist keine beiläufige Drohung gegen irgendeinen Staat der Region. Oman ist ein langjähriger Partner der Vereinigten Staaten und spielt seit Jahrzehnten eine besondere Rolle als Vermittler zwischen Washington und Teheran. Das Sultanat grenzt gemeinsam mit Iran an die Straße von Hormus und versucht seit Wochen, eine Regelung für den Schiffsverkehr durch die strategisch entscheidende Meerenge auszuhandeln.
Dabei geht es inzwischen um weit mehr als technische Schifffahrtswege. Iran verlangt politischen und wirtschaftlichen Einfluss auf den Verkehr durch die Straße von Hormus. Reuters berichtete Anfang August, Teheran wolle die Kontrolle über einlaufende Schiffe erhalten und bei auslaufenden Schiffen zumindest informiert werden und gegebenenfalls eingreifen können. Oman hatte ursprünglich eine regionale Verwaltung mit freiwilligen Beiträgen der Reedereien vorgeschlagen und sich ausdrücklich gegen verpflichtende Transitgebühren ausgesprochen.
Inzwischen haben sich Iran und Oman zumindest auf geografische Koordinaten für eine mögliche neue Schifffahrtsroute verständigt. Ein abschließendes Abkommen gibt es jedoch weiterhin nicht. Teheran macht die vollständige Wiederöffnung der Straße zudem von weiteren amerikanischen Zugeständnissen abhängig. Dazu gehören nach iranischen Angaben unter anderem Sanktionserleichterungen, die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte und politische Bedingungen für weitere Konflikte in der Region.
Trump reagiert darauf mit einer Drohung, die selbst für seine ausgesprochen harte Rhetorik bemerkenswert ist. Allerdings ist sie nicht völlig neu. Bereits am 27. Mai hatte er Oman öffentlich mit militärischer Gewalt gedroht, falls das Sultanat gemeinsam mit Iran ein System zur Kontrolle oder finanziellen Belastung des Schiffsverkehrs unterstütze. Reuters berichtete einen Tag später über eine offizielle amerikanische Warnung an Oman, sich nicht an iranischen Plänen für Transitgebühren zu beteiligen.
Von einem angekündigten oder bereits vorbereiteten amerikanischen Angriff auf Oman kann deshalb dennoch nicht gesprochen werden. Öffentlich bekannt ist eine massive Drohung des Präsidenten, kein militärischer Einsatzbefehl. Gerade diese Unterscheidung ist wichtig. Die Wortwahl bleibt trotzdem außenpolitisch außergewöhnlich, weil Washington damit einen Staat bedroht, dessen Vermittlungsdienste es gleichzeitig benötigt.
Washington spricht direkt mit den Revolutionsgarden
Fast noch wichtiger als die Oman-Drohung ist Trumps Bestätigung eines geheimen Kanals zur Führung der Islamischen Revolutionsgarden. Am Sonntag hatte Axios erstmals ausführlich darüber berichtet. Demnach erkannte die amerikanische Regierung bereits im Mai ein grundlegendes Problem: Washington wusste offenbar nicht, ob die offiziellen iranischen Verhandlungspartner tatsächlich für die Revolutionsgarden sprechen konnten, deren Einfluss nach den schweren Verlusten der iranischen politischen Führung erheblich gestiegen war.
Die Trump-Regierung suchte deshalb nach einem direkten Weg zur militärischen Machtzentrale des Regimes. Als Vermittler wurde Nechirvan Barzani eingesetzt, Präsident der Autonomen Region Kurdistan im Irak. Barzani lebte während des Iran-Irak-Krieges zeitweise in Iran, studierte an der Universität Teheran, spricht Persisch und verfügt über persönliche Kontakte in den iranischen Machtapparat.
Axios zufolge wurde Barzani im Mai gebeten, direkt mit dem damaligen beziehungsweise heutigen Führungspersonal der Revolutionsgarden Kontakt aufzunehmen. Am 14. Mai soll er mit Ahmad Vahidi gesprochen haben. Vahidi habe dabei signalisiert, dass die Revolutionsgarden die laufenden Verhandlungen unterstützten. Anschließend sei die Antwort über Barzani nach Washington zurückgemeldet worden. Die JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post berichtete bereits am Sonntag ausführlich über den von Axios aufgedeckten Kommunikationsweg.
Trump hat nun gegenüber Fox News bestätigt, dass ein solcher Kanal zu Vertretern der Revolutionsgarden besteht.
Politisch ist das bemerkenswert. Die Vereinigten Staaten führen Krieg gegen Iran, bekämpfen militärische Strukturen der Revolutionsgarden und sprechen gleichzeitig direkt mit deren Führung. Das ist kein Widerspruch, der in der Diplomatie ungewöhnlich wäre. Gerade in Kriegen können geheime Kommunikationskanäle notwendig sein, um Bedingungen auszuhandeln, Missverständnisse zu verhindern oder eine Kapitulation, Waffenruhe oder politische Vereinbarung vorzubereiten.
Es zeigt jedoch, wer in Washington inzwischen als entscheidender Ansprechpartner in Teheran betrachtet wird. Nicht allein Präsident Masoud Pezeshkian, Außenminister Abbas Araghchi oder das Parlament zählen, sondern die Revolutionsgarden. Wer Frieden mit Iran verhandeln will, muss offenbar mit jener Organisation sprechen, die zugleich Raketenkräfte, große Teile des Sicherheitsapparates und wesentliche Bereiche der iranischen Regionalpolitik kontrolliert.
Das passt zu den jüngsten Berichten über die zunehmende Macht der Revolutionsgarden nach Monaten des Krieges.
Trumps "Peanuts" und die Realität der amerikanischen Munitionsbestände
Eine weitere Aussage Trumps verdient besondere Aufmerksamkeit. Der Präsident erklärte gegenüber Fox News, die bislang gegen Iran eingesetzte Munition sei im Verhältnis zu den amerikanischen Möglichkeiten lediglich "Peanuts", also eine Kleinigkeit.
Diese Aussage steht in auffälliger Spannung zu öffentlich bekannten Erkenntnissen über amerikanische Munitionsbestände.
Reuters berichtete am 4. August unter Berufung auf mehrere mit den Beständen vertraute Quellen, dass die Vereinigten Staaten im Iran-Krieg praktisch sämtliche verfügbaren weitreichenden Präzisionsraketen der Typen ATACMS und PrSM eingesetzt hätten. Nach den Reuters vorliegenden Informationen wurden außerdem erhebliche Teile der amerikanischen Bestände an Patriot- und THAAD-Abfangraketen verbraucht. Auch der Bestand an Tomahawk-Marschflugkörpern sei stark zurückgegangen.
Reuters berichtete konkret, Schätzungen des Center for Strategic and International Studies zufolge seien zwischen Februar und Juli etwa 65 Prozent der Patriot-Abfangraketen eingesetzt worden. Der Bestand an THAAD-Abfangraketen sei mindestens 38 Prozent niedriger als zu Kriegsbeginn. Zwei Reuters-Quellen erklärten, diese Größenordnungen entsprächen internen amerikanischen Daten. Bei Tomahawk-Marschflugkörpern soll etwas weniger als die Hälfte des weltweiten amerikanischen Bestandes eingesetzt worden sein, wobei Reuters diese Zahl nicht unabhängig bestätigen konnte.
Das Pentagon reagiert bereits. Anfang August wurden Vereinbarungen zur massiven Erhöhung der Produktion wichtiger Teile für Patriot- und THAAD-Systeme bekannt. Zuvor hatte die US-Armee Lockheed Martin einen Vertrag über bis zu 58,6 Milliarden Dollar für Patriot-Abfangraketen erteilt. Das Weiße Haus hatte zudem wiederholt Rüstungsunternehmen zu Gesprächen über eine schnellere Produktion bestellt.
Trumps Aussage ist deshalb sorgfältig zu lesen. Die Vereinigten Staaten verfügen selbstverständlich weiterhin über ein gewaltiges militärisches Arsenal. Daraus folgt aber nicht, dass sämtliche für einen langen Krieg entscheidenden Präzisionswaffen in beliebiger Menge vorhanden sind. Gerade bei hoch entwickelten Raketenabwehrsystemen und weitreichenden Präzisionswaffen bestehen nach übereinstimmenden Berichten erhebliche Engpässe.
Trump erklärte zugleich, viele besonders hochwertige Systeme seien unter seinem Vorgänger Joe Biden an die Ukraine abgegeben worden. Auch hier vermischt sich eine politische Schuldzuweisung mit einem realen Problem. Lieferungen an die Ukraine haben amerikanische Bestände belastet. Der seit Februar geführte Krieg gegen Iran hat jedoch selbst enorme Mengen an Munition verbraucht. Reuters berichtete bereits im Juni ausdrücklich, sowohl die Ukraine-Hilfe als auch der Iran-Krieg hätten die amerikanischen Waffenbestände reduziert.
Damit entsteht ein bemerkenswerter Gegensatz. Trump präsentiert nach außen militärische Überlegenheit und erklärt die bisherigen Einsätze zur Kleinigkeit. Gleichzeitig investiert seine Regierung Milliarden, um leere oder deutlich geschrumpfte Lager möglichst schnell wieder aufzufüllen.
Das eine schließt das andere nicht aus. Die Vereinigten Staaten bleiben militärisch weitaus stärker als Iran. Doch Stärke bedeutet nicht Unverwundbarkeit, und ein großes Gesamtarsenal ersetzt keine knappen Spezialwaffen.
Genau deshalb ist Trumps Kombination aus geheimen Verhandlungen und maximalen öffentlichen Drohungen so interessant. Washington versucht offensichtlich, Teheran weiterhin unter enormen Druck zu setzen, hält aber zugleich einen direkten Draht zu den Revolutionsgarden offen. Gegenüber Oman soll wiederum verhindert werden, dass Iran über eine neue Regelung der Straße von Hormus dauerhaft politischen Einfluss auf eine der wichtigsten Handelsadern der Welt erhält.
Die Straße ist inzwischen nahezu zum Stillstand gekommen. Reuters meldete für Sonntag keinen einzigen registrierten Durchgang eines Handelsschiffes. Am Samstag waren es lediglich fünf, gegenüber mehr als 130 täglichen Durchfahrten vor Beginn des Krieges. Zugleich wurden zuletzt mehrere Tanker angegriffen.
Für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen bleibt bei all diesen Manövern ein entscheidender Punkt: Ein amerikanisch-iranisches Abkommen darf nicht dazu führen, dass die Revolutionsgarden militärisch gestärkt aus dem Krieg hervorgehen, Iran faktisch Kontrolle über die Straße von Hormus erhält oder Teheran lediglich Zeit bekommt, seine Fähigkeiten wiederherzustellen.
Der geheime Kanal nach Teheran kann helfen, einen Krieg zu beenden. Er wird gefährlich, wenn aus einem Ende der Kämpfe ein politischer Erfolg für jene Kräfte wird, die diesen Konflikt über Jahrzehnte vorbereitet haben.
Und Trumps Drohung gegen Oman zeigt zugleich, wie weit Washington offenbar bereit ist zu gehen, um genau das zu verhindern.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Montag, 17. August 2026