Jemen vor neuem Großkrieg: Regierung meldet 181 Huthi-Angriffe in 24 Stunden

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Jemen vor neuem Großkrieg: Regierung meldet 181 Huthi-Angriffe in 24 Stunden


Die seit 2022 weitgehend eingefrorene Front im Jemen gerät immer stärker in Bewegung. Regierungstruppen melden 181 Angriffe der vom Iran unterstützten Huthi innerhalb nur eines Tages. Unabhängig bestätigt ist diese Zahl bislang nicht, die massive Eskalation hingegen schon.

Jemen vor neuem Großkrieg: Regierung meldet 181 Huthi-Angriffe in 24 Stunden
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Der Jemen steht zunehmend vor einer Rückkehr zum offenen Bürgerkrieg. Nach Angaben der international anerkannten Regierung haben die vom Iran unterstützten HuthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen innerhalb von nur 24 Stunden 181 Angriffe auf Stellungen der Regierungstruppen verübt. Darüber berichtet die Jüdische Allgemeine unter Berufung auf Angaben der jemenitischen Streitkräfte.

Die außergewöhnlich hohe Zahl lässt sich bislang nicht unabhängig verifizieren. Sie passt jedoch in eine Entwicklung, vor der internationale Beobachter seit Wochen warnen. Kämpfe nehmen an mehreren Fronten zu, Raketen und Drohnen treffen Städte und Häfen, Saudi-Arabien wird erneut angegriffen und auch die Schifffahrt im Roten Meer gerät wieder unmittelbar ins Visier der Huthi.

UN-Sondergesandter Hans Grundberg warnte am 13. August, der Jemen befinde sich in der gefährlichsten Lage seit der 2022 vereinbarten Waffenruhe. Nach seinen Angaben hat sich die militärische Aktivität entlang der Frontlinien erheblich verstärkt. Angriffe in Marib, Hadramaut, Mokka und anderen Gebieten hätten bereits militärische und zivile Opfer gefordert.

Damit geht es längst nicht mehr um gelegentliche Verstöße gegen einen brüchigen Waffenstillstand.

Die Frage ist inzwischen, ob aus den vielen einzelnen Gefechten wieder ein landesweiter Krieg wird.

Huthi greifen gleichzeitig an Land und auf See an

Wie ernst die Entwicklung ist, zeigte sich Anfang August besonders deutlich in Mokka an der Küste des Roten Meeres.

Am 9. August griffen die Huthi die Hafenstadt mit ballistischen Raketen und Drohnen an. Nach Angaben des jemenitischen Militärs wurden vier Soldaten und drei Zivilisten getötet, 30 weitere Menschen verletzt. Die Luftabwehr habe elf Huthi-Drohnen abgeschossen. Huthi-Militärsprecher Yahya Saree bestätigte den Angriff grundsätzlich, erklärte jedoch, Ziel seien saudische Truppenansammlungen und WaffenlagerTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen gewesen. Die jemenitische Regierung wiederum berichtete von Treffern in Wohngebieten.

Inzwischen musste der Hafen von Mokka seinen kommerziellen und maritimen Betrieb vollständig einstellen. Nach Angaben der Hafenleitung wurde die Anlage innerhalb weniger Tage von mehr als 25 Raketen getroffen. Der entstandene Schaden wird auf rund 16 Millionen Dollar geschätzt.

Damit greifen die Huthi nicht nur Regierungstruppen im Landesinneren an. Sie erhöhen gleichzeitig den Druck auf die wirtschaftliche Infrastruktur und auf eine der strategisch wichtigsten Seerouten der Welt.

Auch vor der Küste gibt es inzwischen wieder Tote.

Am 11. August wurde das Frachtschiff Tihamah in der Meerenge Bab al-Mandab angegriffen. Vier Besatzungsmitglieder und zwei jemenitische Rettungskräfte kamen nach Angaben der Behörden ums Leben. Die Huthi behaupteten, das Schiff habe saudische Militärausrüstung transportiert. Eine unabhängige Bestätigung für diese Behauptung gab es nicht.

Die neue Eskalation begann nicht plötzlich.

Bereits am 20. Juli hatten die Huthi eine sogenannte Seeblockade gegen Saudi-Arabien ausgerufen. Ihr Militärsprecher erklärte, saudische Schiffe sollten am Bab al-Mandab gestoppt werden. Durch diese nur rund 32 Kilometer breite Meerenge laufen in normalen Zeiten etwa zwölf Prozent des Welthandels und rund ein Viertel des weltweiten Containerverkehrs auf der Route durch den Suezkanal.

Saudi-Arabien kündigte an, die Schifffahrtsroute offen zu halten.

Damit hat sich aus dem jemenitischen Bürgerkrieg erneut ein Konflikt entwickelt, der weit über die Landesgrenzen hinausreicht.

Teherans Verbündete erhöhen den Druck

Die Huthi gehören zu den wichtigsten verbliebenen bewaffneten Partnern Irans in der Region. Ihre militärischen Fähigkeiten reichen inzwischen weit über klassische Guerillakriegsführung hinaus.

Die Organisation verfügt über ballistische Raketen, Marschflugkörper, Drohnen und Systeme zur Bekämpfung von Schiffen. Bereits während des GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen-Krieges demonstrierte sie, dass sie den internationalen Schiffsverkehr im Roten Meer über Monate erheblich beeinträchtigen kann. AP dokumentierte mehr als 100 angegriffene Schiffe während dieser Kampagne.

Nach dem erneuten Aufflammen des Konflikts zwischen Iran, Saudi-Arabien und den Huthi hat sich die Lage nochmals verschärft.

Im Juli griffen die Huthi saudische Energieanlagen in Jizan und Yanbu an. Die saudisch geführte Koalition reagierte ihrerseits mit Luftangriffen auf Huthi-Stellungen. Auch die international anerkannte jemenitische Regierung setzte ihre Luftwaffe gegen Raketenstellungen, Drohnenanlagen und Waffenlager der Miliz ein. Reuters berichtete zugleich über neue Truppenbewegungen entlang einer Front, die sich vom Roten Meer bis in Richtung saudischer Grenze zieht.

Die Waffenruhe von 2022 hatte den Bürgerkrieg nie beendet. Sie fror große Teile der Front lediglich ein.

Noch im Juni erklärte UN-Sondergesandter Grundberg, dass die relative Ruhe im Land trotz regionaler Spannungen weitgehend Bestand habe. Gleichzeitig warnte er, der Konflikt sei ungelöst und könne jederzeit wieder aufbrechen.

Nur wenige Wochen später sieht die Situation vollkommen anders aus.

Raketen fliegen wieder auf Städte und Häfen. Regierungstruppen und Huthi stehen sich an mehreren Frontabschnitten gegenüber. Saudi-Arabien greift wieder militärisch ein. Die Huthi attackieren saudische Ziele und Handelsschiffe.

Und die jemenitische Regierung meldet nun 181 Angriffe innerhalb eines einzigen Tages.

Ob jeder dieser 181 gemeldeten Vorfälle tatsächlich als eigenständiger Angriff gewertet werden kann, lässt sich derzeit nicht unabhängig überprüfen. Gerade in einem laufenden Krieg sind Zahlen der beteiligten Parteien mit Vorsicht zu behandeln.

Doch die größere Entwicklung benötigt diese eine Zahl nicht als Beweis.

Reuters, AP und die Vereinten Nationen dokumentieren übereinstimmend eine erhebliche militärische Eskalation.

Für Iran bietet der Jemen dabei eine Möglichkeit, Gegner auch außerhalb des eigenen Staatsgebiets unter Druck zu setzen. Für die Huthi wiederum eröffnet die regionale Krise die Chance, ihre Position innerhalb des Jemen militärisch zu stärken und sich gleichzeitig als regionaler Machtfaktor zu präsentieren.

Für die jemenitische Bevölkerung bedeutet das vor allem eines: Die Ruhe der vergangenen Jahre droht endgültig zu enden.

Das Land hat bereits mehr als ein Jahrzehnt Bürgerkrieg hinter sich. Millionen Menschen sind weiterhin auf Hilfe angewiesen. Das Auswärtige Amt warnt aktuell ausdrücklich vor Reisen in sämtliche Teile des Jemen und verweist auf die erneut verschärfte Sicherheitslage nach Huthi-Angriffen auf Schiffe und Ziele in Saudi-Arabien sowie den folgenden militärischen Gegenmaßnahmen.

Die Meldung über 181 Angriffe innerhalb von 24 Stunden ist deshalb weniger eine isolierte Zahl als ein Warnsignal.

Der eingefrorene Krieg im Jemen taut nicht langsam auf. Er droht mit voller Wucht zurückzukehren.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Montag, 17. August 2026

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