Ilhan Omar im Visier der Ermittler: Möglicher Einwanderungsbetrug könnte sie die US-Staatsbürgerschaft kosten
Bundesagenten haben Omars Haus durchsucht, ihr Telefon und ihren Pass beschlagnahmt und Angehörige vorgeladen. Im Zentrum steht die Frage, ob bei ihrer Einbürgerung falsche Angaben zum Alter gemacht wurden.

Bildnachweis: Zoe Griffing Heller
Für Ilhan Omar wird aus jahrzehntealten Vorwürfen erstmals eine unmittelbar existenzielle juristische Gefahr. Nach übereinstimmenden Berichten amerikanischer Medien untersucht die Trump-Regierung, ob die demokratische Kongressabgeordnete ihre US-Staatsbürgerschaft aufgrund falscher Angaben im damaligen Einwanderungsverfahren erhalten haben könnte. Ziel der Ermittlungen ist nach Angaben des Wall Street Journal ausdrücklich die Frage, ob eine gerichtliche Ausbürgerung möglich wäre. In einem weiteren Schritt könnte dann auch eine Abschiebung geprüft werden.
Die Ermittlungen haben inzwischen eine Dimension erreicht, die weit über politische Behauptungen hinausgeht. Beamte von Homeland Security Investigations durchsuchten am Montag Omars Haus im Raum Washington auf Grundlage eines richterlich genehmigten Durchsuchungsbeschlusses. Nach Medienberichten wurden unter anderem ihr Mobiltelefon, Computer, Notizbücher und ihr Reisepass sichergestellt. Mehr als ein Dutzend Vorladungen sollen außerdem an Angehörige und andere mögliche Zeugen ergangen sein, die vor einer Grand Jury in Minnesota aussagen sollen.
Trotzdem ist die entscheidende juristische Grenze klar: Eine Durchsuchung beweist keine Schuld. Gegen Omar liegt bislang keine öffentlich bekannte Anklage wegen Einwanderungsbetrugs vor. Ihre Staatsbürgerschaft ist nicht aberkannt, und die Abgeordnete weist sämtliche Vorwürfe zurück. Ihr Büro bezeichnet die Ermittlungen als politisch motivierten Versuch Donald Trumps, eine langjährige Gegnerin einzuschüchtern.
Im Zentrum steht eine scheinbar kleine Abweichung mit möglicherweise großen rechtlichen Folgen: Omars Geburtsjahr und damit ihr damaliges Alter. Die Ermittler prüfen nach Berichten des Wall Street Journal und anderer amerikanischer Medien, ob Omar oder ihr inzwischen verstorbener Vater bei den Einwanderungsunterlagen falsche Angaben machten. Omar kam 1995 mit ihrer Familie aus einem Flüchtlingslager in Kenia in die Vereinigten Staaten und wurde im Jahr 2000 amerikanische Staatsbürgerin.
Ein Jahr Altersunterschied könnte juristisch entscheidend sein
Nach den jetzt bekannt gewordenen Ermittlungsansätzen könnte entscheidend sein, ob Omar bei der Einbürgerung ihres Vaters noch minderjährig war. Wäre sie damals unter 18 gewesen, konnte sie unter den damaligen Voraussetzungen automatisch über ihren eingebürgerten Vater die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten. Sollte sich dagegen beweisen lassen, dass ihr tatsächliches Alter anders angegeben wurde, um genau diese Voraussetzung zu erfüllen, könnte dies für das damalige Einbürgerungsverfahren wesentlich gewesen sein.
Damit ist jedoch noch lange kein Betrug bewiesen. Gerade bei Flüchtlingen aus Somalia waren zuverlässige Geburtsurkunden und andere staatliche Dokumente in den 1990er Jahren keineswegs selbstverständlich. Hinzu kommt eine weitere juristische Hürde: Für eine Ausbürgerung müsste die Regierung vor einem Bundesgericht beweisen, dass die Einbürgerung rechtswidrig erlangt oder durch vorsätzliches Verschweigen beziehungsweise eine wesentliche Falschangabe erreicht wurde. Die Trump-Regierung kann Omar ihre Staatsangehörigkeit deshalb nicht einfach per Verfügung nehmen.
Besonders brisant ist, dass ähnliche Hinweise offenbar bereits während der Biden-Regierung geprüft wurden. Nach dem Bericht des Wall Street Journal kam Homeland Security damals zu dem Ergebnis, dass die vorhandenen Informationen nicht ausreichten, um den Fall weiterzuverfolgen. Welche neuen Beweise die heutigen Ermittler besitzen, ist bislang nicht öffentlich bekannt.
Dass nun ein Bundesrichter einen Durchsuchungsbeschluss genehmigte und Angehörige vor eine Grand Jury geladen werden, zeigt allerdings, dass die Untersuchung inzwischen eine andere Stufe erreicht hat. Für einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss müssen Ermittler einen hinreichenden Verdacht darlegen, dass an dem betreffenden Ort Beweismaterial für eine Straftat zu finden sein könnte. Das ist deutlich mehr als eine politische Anschuldigung, aber weiterhin kein Schuldspruch.
Der Zeitpunkt verschärft die politische Brisanz zusätzlich. Die Durchsuchung erfolgte nur wenige Wochen vor den amerikanischen Zwischenwahlen, bei denen Omar erneut um ihren Sitz im Repräsentantenhaus kämpft. Demokraten werfen dem Weißen Haus deshalb vor, Strafverfolgungsbehörden gegen eine prominente politische Gegnerin einzusetzen. Omar selbst bezeichnete die Maßnahme als Machtmissbrauch.
Trump und führende Republikaner wiederum greifen Omar seit Jahren scharf an und haben wiederholt öffentlich ihre Abschiebung gefordert. Dieser politische Hintergrund macht eine besonders saubere Trennung zwischen Ermittlungsfakten und parteipolitischer Kampagne notwendig.
Für Israel ist Omar längst keine unbekannte Kongressabgeordnete
In IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und in jüdischen Organisationen ist Ilhan Omar seit Jahren eine der umstrittensten Stimmen im US-Kongress. Sie gehört zum progressiven Flügel der Demokraten und zählt zu den schärfsten Kritikern Israels und der amerikanischen Unterstützung für den jüdischen Staat. Wiederholt unterstützte sie Initiativen gegen Waffenlieferungen an Israel und stellte die amerikanisch-israelische Beziehung grundsätzlich infrage.
Besonders folgenreich waren Äußerungen aus dem Jahr 2019. Omar schrieb über die Unterstützung Israels im Kongress: „It’s all about the Benjamins, baby“ und verwies anschließend auf AIPAC. Politiker beider Parteien kritisierten dies als antisemitisches Stereotyp, weil damit der Eindruck erzeugt werde, jüdisches beziehungsweise pro-israelisches Geld kaufe politische Unterstützung. Die Führung der Demokraten verurteilte die Aussage ausdrücklich. Omar entschuldigte sich später und erklärte, sie habe die antisemitische Bedeutung dieses Stereotyps zuvor nicht verstanden.
Später sorgte sie erneut für Kritik, als sie von politischem Einfluss sprach, der von Amerikanern „Loyalität gegenüber einem fremden Land“ verlange. Auch diese Formulierung wurde als Anspielung auf den antisemitischen Vorwurf einer doppelten Loyalität kritisiert. Omar selbst bestreitet, antisemitischAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen zu sein, und erklärt ihre Positionen als Kritik an Israel und seiner Regierungspolitik.
haOlam berichtete zuletzt im September 2025 über einen weiteren Konflikt um Omar: Finanzunterlagen ihres Haushalts wiesen Vermögenswerte in Millionenhöhe aus, nachdem sie zuvor öffentlich erklärt hatte, keine Millionärin zu sein. Ihr Büro verwies damals auf Vermögenswerte ihres Ehemannes und wies den Vorwurf zurück, sie habe ihre persönliche finanzielle Lage bewusst falsch dargestellt.
Auch diese finanziellen Offenlegungen werden nach aktuellen US-Berichten inzwischen von Bundesbehörden geprüft. Sie sind jedoch von der Frage ihrer Einbürgerung zu unterscheiden und beweisen ebenfalls keine Straftat.
Für Omar steht dennoch erheblich mehr auf dem Spiel als bei einer gewöhnlichen politischen Untersuchung. Sollte ein Gericht irgendwann feststellen, dass ihre Staatsbürgerschaft durch eine vorsätzliche und für die Einbürgerung wesentliche Falschangabe erlangt wurde, könnte ein Verfahren zur Aberkennung der Staatsbürgerschaft folgen. Erst nach einer erfolgreichen Ausbürgerung würde sich überhaupt die Frage stellen, ob sie abgeschoben werden könnte.
Davon ist der Fall heute noch weit entfernt.
Aber ebenso falsch wäre es inzwischen, die Ermittlungen als bloßes Gerücht abzutun. Ein richterlich genehmigter Zugriff auf ihr Haus, beschlagnahmte Geräte, ihr Pass und zahlreiche Grand-Jury-Vorladungen zeigen, dass amerikanische Bundesbehörden die Vorwürfe ernsthaft untersuchen.
Für eine Politikerin, die seit Jahren zu den lautesten antiisraelischen Stimmen des Kongresses gehört und Donald Trump ebenso kompromisslos bekämpft wie dieser sie, wird das Verfahren zwangsläufig politisch aufgeladen bleiben.
Am Ende darf darüber allerdings weder Trump noch Omar entscheiden.
Entscheidend wird sein, was die Ermittler tatsächlich beweisen können und ob dieses Material vor einem unabhängigen Bundesgericht Bestand hat.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 15. Oktober 2026