Nach geplantem Massenanschlag auf Ben Gurion streiten die Emirate über „Ehre“ statt über Israels Sicherheitsforderungen
Ein Flydubai-Copilot wollte eine Passagiermaschine in den Ben-Gurion-Flughafen steuern. Zwei Wochen später verweigert Abu Dhabi zentrale israelische Sicherheitsforderungen – und die Flugverbindung droht zum diplomatischen Konflikt zu werden.

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Zwei Wochen nachdem ein islamistisch radikalisierter Flydubai-Copilot versucht haben soll, eine vollbesetzte Passagiermaschine als Waffe gegen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen einzusetzen, entwickelt sich aus dem beinahe vollendeten Terroranschlag eine Krise zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der Streit dreht sich nicht mehr nur darum, wann Flydubai seine Verbindungen nach Tel Aviv wieder aufnimmt. Inzwischen geht es um eine wesentlich grundsätzlichere Frage: Wie weit dürfen israelische Sicherheitsbehörden nach einem Anschlagsversuch gehen, bei dem ausgerechnet ein Besatzungsmitglied einer emiratischen Fluggesellschaft die größte Gefahr darstellte?
Nach einem Bericht von N12 verlangt Israel vor einer Rückkehr von Flydubai zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen am Flughafen Dubai. Der Schin Bet fordert demnach weitere israelische Röntgenanlagen für Gepäckkontrollen sowie die Möglichkeit, eigenes Sicherheitspersonal vor Ort einzusetzen. Außerdem erwartet JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen eine vollständige Aufarbeitung des Anschlagsversuchs und Zugang zu den Ergebnissen der emiratischen Untersuchung. Die Emirate lehnen zentrale Teile dieser Forderungen bislang ab. Hochrangige Vertreter sollen gegenüber N12 erklärt haben: „Wir werden nicht tun, was ihr uns sagt. Ihr verletzt unsere Ehre.“
Dieser Satz macht den Konflikt größer als einen technischen Streit zwischen Sicherheitsbehörden.
Denn Israel fordert zusätzliche Kontrollen nicht nach einem theoretischen Szenario. Am 30. September befand sich Flydubai-Flug FZ1073 auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv, als der omanische Copilot Hamam al-Hammami nach den inzwischen veröffentlichten Ermittlungsergebnissen seinen Kapitän mit einer Notfallaxt angriff und versuchte, die Kontrolle über das Flugzeug zu übernehmen. Die Maschine verlor innerhalb weniger Sekunden mehr als 4.000 Meter an Höhe. Nur weil der schwer verletzte Kapitän handelte, weitere Piloten und Passagiere eingriffen und der Angreifer überwältigt wurde, endete der Flug nicht in einer Katastrophe.
Die emiratische Generalstaatsanwaltschaft bestätigte inzwischen offiziell, dass es sich um einen vorbereiteten Terroranschlag handelte. Al-Hammami habe das Flugzeug übernehmen und für einen Selbstmordanschlag auf das Passagierterminal des Ben-Gurion-Flughafens einsetzen wollen. Ziel sei gewesen, möglichst viele Menschen zu töten. Nach Angaben der Ermittler orientierte sich der Plan an den Anschlägen vom 11. September 2001.
Das ist der Ausgangspunkt des heutigen Streits.
Nicht verletzte nationale Ehre.
Nicht israelisches Misstrauen.
Ein realer Terrorplan gegen einen israelischen Flughafen.
Nach dem beinahe vollendeten Anschlag kann Israel nicht einfach zur Tagesordnung übergehen
haOlam hat den Fall seit dem ersten Entführungsalarm auf FZ1073 begleitet. Zunächst war lediglich bekannt, dass es im Cockpit zu einem Angriff gekommen war. Danach zeigte sich Schritt für Schritt das Ausmaß des Sicherheitsversagens. Der mutmaßliche Täter soll bereits Jahre zuvor extremistische Auffälligkeiten gezeigt haben. Nach Berichten wurde er bei einer früheren Fluggesellschaft aus Sicherheitsgründen aus dem aktiven Flugbetrieb genommen. Später gelangte er dennoch zu Flydubai und ausgerechnet auf die Route nach Israel.
Hinzu kamen Versäumnisse auf israelischer Seite. Interne Warnungen hatten bereits vor dem Anschlagsversuch darauf hingewiesen, dass die Kontrolle ausländischer Flugbesatzungen unzureichend organisiert sei. Die Daten des späteren Attentäters lagen israelischen Stellen vor. Trotzdem konnte er mehrfach auf der Verbindung nach Ben Gurion eingesetzt werden. Die israelische Polizei prüft inzwischen auch mögliche Interessenkonflikte im Verkehrsministerium.
Israel hat deshalb keinen Anlass, die eigenen Fehler kleinzureden.
Aber gerade weil auf mehreren Seiten Sicherheitsmechanismen versagt haben, ist die Forderung nach einer umfassenden Untersuchung und neuen Kontrollen keine diplomatische Marotte. Sie ist die logische Konsequenz aus einem Terroranschlag, der nur durch das Eingreifen einzelner Menschen scheiterte.
Die Vereinigten Arabischen Emirate haben ihrerseits einen wichtigen Schritt getan. Anders als zahlreiche Staaten in vergleichbaren Fällen versuchten sie nicht, den Vorgang dauerhaft als persönlichen Streit im Cockpit herunterzuspielen. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete die Tat ausdrücklich als geplanten Terroranschlag und veröffentlichte weitreichende Erkenntnisse über die Radikalisierung und Vorbereitung des Copiloten.
Gerade deshalb ist der jetzige Konflikt schwer verständlich.
Nach Angaben von N12 verlangt Israel den vollständigen Untersuchungsbericht und zusätzliche Sicherungsmaßnahmen. Die Emirate wollen jedoch nicht in dem Umfang kooperieren, den Jerusalem fordert, solange Israel die Wiederaufnahme der Flydubai-Flüge nicht genehmigt. Die israelische Delegation, die unter Führung des Verkehrsministeriums nach Dubai reisen sollte, bleibt deshalb vorerst zu Hause.
Das erzeugt einen gefährlichen gegenseitigen Druckmechanismus.
Abu Dhabi will erst die Rückkehr der Flüge.
Israel will erst ausreichende Sicherheitsgarantien.
Nach einem Anschlagsversuch dieses Ausmaßes kann Jerusalem dabei kaum so tun, als wären beide Fragen voneinander zu trennen.
Flydubai ist nicht irgendeine ausländische Fluggesellschaft. Das Unternehmen gehört dem Emirat Dubai und wurde nach den Abraham-AbkommenAbraham-Abkommen: Israels Durchbruch in der arabischen WeltDie Abraham-Abkommen sind Normalisierungsvereinbarungen zwischen Israel und mehreren arabischen beziehungsweise muslimisch geprägten Staaten. Sie begannen 2020 mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain.Mehr lesen zu einem der wichtigsten Symbole der neuen Normalität zwischen Israel und den Emiraten. Zeitweise verbanden zahlreiche tägliche Flüge beide Länder. Dubai wurde zu einem zentralen Drehkreuz für israelische Reisende nach Asien, Australien und andere Regionen.
Genau deshalb besitzt der Streit politische Sprengkraft.
Was als Erfolgsgeschichte der Abraham-Abkommen begann, wird nun daran gemessen, wie beide Staaten reagieren, wenn ihre Sicherheitsinteressen kollidieren.
Die Abraham-Abkommen müssen auch einen schweren Sicherheitskonflikt aushalten
Nach Angaben von N12 hat Flydubai seine Israel-Flüge zunächst bis zum 31. Oktober gestrichen. Ob die Airline danach tatsächlich zurückkehrt, ist offen. Die Differenzen über Sicherheitskontrollen und Untersuchungsergebnisse bestehen weiter.
Das muss nicht zwangsläufig zu einer größeren diplomatischen Krise führen. Israel und die Emirate haben seit 2020 gezeigt, dass sie trotz erheblicher politischer Meinungsverschiedenheiten zusammenarbeiten können. Auch nach dem 7. Oktober blieben die diplomatischen Beziehungen bestehen. Wirtschaft, Tourismus und Sicherheitskontakte entwickelten sich weiter.
Gerade deshalb wäre es falsch, jede Auseinandersetzung sofort als Scheitern der Abraham-Abkommen darzustellen.
Aber ebenso falsch wäre es, aus Rücksicht auf diese Beziehungen die Dimension des aktuellen Konflikts kleinzureden.
Ein Angestellter einer emiratischen Fluggesellschaft soll versucht haben, ein Passagierflugzeug in den größten internationalen Flughafen Israels zu steuern. Er hatte nach den offiziellen Ermittlungsergebnissen die Route zuvor erkundet und den Anschlag vorbereitet. Mehr als 170 Menschen an Bord und möglicherweise zahlreiche Menschen am Boden waren in Lebensgefahr.
In einer solchen Situation ist die Forderung Israels nach vollständiger Aufklärung keine Demütigung der Emirate.
Sie ist eine Sicherheitsfrage.
Und Sicherheitsfragen können nach dem 7. Oktober in Israel nicht mehr danach behandelt werden, ob ihre Konsequenzen diplomatisch angenehm sind.
Die israelische SicherheitsdoktrinSicherheitsdoktrin Israels: Abschreckung, Frühwarnung und ÜberlebenDie Sicherheitsdoktrin Israels beschreibt die Grundsätze, mit denen der Staat seine Existenz schützt. Klassisch beruht sie auf Abschreckung, Frühwarnung und schneller militärischer Entscheidung, später ergänzt durch Verteidigungssysteme.Mehr lesen hat sich verändert, weil das Land erfahren musste, welchen Preis es zahlen kann, wenn Warnsignale, bekannte Risiken und unbequeme Erkenntnisse zugunsten politischer Ruhe beiseitegeschoben werden.
Genau deshalb wäre es problematisch, Flydubai wieder nach Ben Gurion fliegen zu lassen, nur damit das Verhältnis zu Abu Dhabi keinen Schaden nimmt, bevor geklärt ist, wie ein radikalisierter Pilot überhaupt auf diese Route gelangen konnte und welche Sicherheitsmaßnahmen künftig verhindern sollen, dass sich ein solcher Fall wiederholt.
Das bedeutet nicht, dass jede israelische Forderung automatisch angemessen sein muss. Auch die Emirate haben ein legitimes Interesse daran, ihre Souveränität auf dem Flughafen Dubai zu wahren. Die Stationierung ausländischen Sicherheitspersonals und zusätzliche israelische Kontrolltechnik auf emiratischem Boden sind keine nebensächlichen Maßnahmen.
Darüber kann und muss verhandelt werden.
Aber diese Verhandlungen müssen vom tatsächlichen Ausgangspunkt ausgehen.
Der Streit begann nicht, weil Israel plötzlich mehr Einfluss am Flughafen Dubai wollte.
Er begann, weil ein Flydubai-Copilot nach den Erkenntnissen der emiratischen Justiz eine Passagiermaschine kapern und in Ben Gurion zum Massenmord einsetzen wollte.
Wenn die Emirate nun sagen, israelische Sicherheitsforderungen verletzten ihre Ehre, ist das diplomatisch nachvollziehbar als Ausdruck von Souveränität und nationalem Selbstverständnis.
Es beantwortet aber nicht die Sicherheitsfrage.
Die Antwort darauf kann nur lauten: Wie verhindern beide Länder gemeinsam, dass ein islamistisch radikalisierter Pilot jemals wieder mit einer voll besetzten Maschine Kurs auf Israel nehmen kann?
Solange diese Frage nicht überzeugend beantwortet ist, sollte der Termin für die nächste Flydubai-Landung in Ben Gurion nicht wichtiger sein als die Sicherheit der Menschen an Bord und am Boden.
Die Abraham-Abkommen waren nie nur ein Vertrag für sonnige Tage.
Jetzt zeigt sich, ob die neue Partnerschaft auch dann funktioniert, wenn Israel nach einem beinahe erfolgreichen Terroranschlag unbequeme Forderungen stellt und die Emirate diese als Eingriff in ihre Souveränität empfinden.
Ein Abkommen, das diesen Konflikt aushält, wird stärker.
Eines, bei dem Sicherheitsaufklärung an verletzter „Ehre“ scheitert, hätte ein wesentlich tieferes Problem.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 15. Oktober 2026