Angriff während Schabbat: Mann wegen Hassverbrechen in New Yorker Synagoge angeklagt
Während des Schabbat-Gottesdienstes in der Central Synagogue in Manhattan soll ein 46-Jähriger ein Gemeindemitglied angegriffen, Eigentum beschädigt und einen Sicherheitsmitarbeiter attackiert haben. Die Polizei wertet den Vorfall als Hassverbrechen.

Ein Schabbat-Gottesdienst in einer der bekanntesten Synagogen New Yorks ist am Freitagabend durch einen gewaltsamen Zwischenfall unterbrochen worden. Ein 46 Jahre alter Mann aus der Bronx wurde festgenommen und anschließend wegen mehrerer Hassverbrechen angeklagt.
Nach Angaben von NYPD Commissioner Jessica Tisch betrat Larry Montes die Central Synagogue in Manhattan während des laufenden Gottesdienstes. Er soll zunächst die Veranstaltung gestört und anschließend ein Mitglied der Gemeinde geschlagen haben.
Als Sicherheitskräfte versuchten, ihn aus dem Gebäude zu bringen, soll Montes einen Wachmann angespuckt und mit dem Kopf gestoßen haben. Außerdem wurde Eigentum der Synagoge beschädigt.
Ein NYPD Sergeant, der als Sicherheitskraft an der Synagoge eingesetzt war, griff ein und nahm den Mann fest.
Die Verletzten mussten nach Angaben der Polizei nicht ins Krankenhaus gebracht werden. Sie wurden noch am Tatort untersucht und befinden sich in gutem Zustand. Weitere konkrete Bedrohungen gegen die Synagoge waren zunächst nicht bekannt.
Gegen Montes wurden zwei Anklagepunkte wegen Körperverletzung als Hassverbrechen sowie ein Anklagepunkt wegen Sachbeschädigung als Hassverbrechen erhoben.
Die Central Synagogue hatte für Freitag, den 14. August, wie üblich ihren Schabbat-Gottesdienst von 18.00 bis 19.30 Uhr angesetzt. Die Gemeinde überträgt zahlreiche Gottesdienste zusätzlich im Internet.
Angriff trifft jüdisches Leben mitten in Manhattan
Der Tatort besitzt besondere Bedeutung. Die Central Synagogue befindet sich an der East 55th Street in Midtown Manhattan und gehört zu den bekanntesten Reformgemeinden der Vereinigten Staaten.
Für Polizeichefin Jessica Tisch ist die Verbindung sogar persönlich. Sie erklärte nach dem Angriff, selbst in der Central Synagogue aufgewachsen zu sein. Der Ort habe sie in glücklichen ebenso wie in schweren Zeiten begleitet. Ein Gotteshaus dürfe niemals zum Tatort werden.
Auch New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani verurteilte den Angriff. Er erklärte, jüdische New Yorker müssten ihre Religion ausüben können, ohne Gewalt fürchten zu müssen. Auch Gouverneurin Kathy Hochul und New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James äußerten sich bestürzt über den Vorfall.
Über das konkrete Motiv des Verdächtigen liegen bislang nur begrenzte Informationen vor.
Entscheidend ist deshalb die juristische Einordnung: Die New Yorker Polizei beziehungsweise Staatsanwaltschaft behandelt den Angriff als mutmaßliches Hassverbrechen. Nach den öffentlich vorliegenden Informationen wurden bislang keine antisemitischen Parolen oder politischen Äußerungen des Verdächtigen bekanntgegeben.
Diese Zurückhaltung ist wichtig. Die Anklage wegen eines Hassverbrechens ist erheblich, ersetzt aber nicht die noch ausstehende gerichtliche Klärung des Falls.
Der Angriff ereignet sich zugleich in einer Stadt, in der antisemitischAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen motivierte Straftaten weiterhin einen außergewöhnlich großen Anteil aller Hassverbrechen ausmachen.
Offizielle Zahlen des NYPD zeigen für die ersten sechs Monate des Jahres 2026 insgesamt 322 bestätigte Hassverbrechen. Davon richteten sich 178 gegen Juden. Das entspricht 55,3 Prozent aller bestätigten Hassverbrechen, obwohl jüdische New Yorker nach Angaben der Stadt lediglich ungefähr zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen. Gegenüber dem gleichen Zeitraum 2025 stieg die Zahl bestätigter antijüdischer Hassverbrechen von 174 auf 178.
Allein im Mai wurden 41 bestätigte antijüdische Hassverbrechen registriert. In diesem Monat machten sie mehr als 60 Prozent sämtlicher bestätigter Hassverbrechen in New York aus.
Diese Zahlen machen deutlich, weshalb ein Angriff während eines Schabbat-Gottesdienstes weit über die unmittelbar Betroffenen hinaus Wirkung entfaltet.
Wer eine Synagoge betritt, während Menschen dort beten, und anschließend Gemeindemitglieder und Sicherheitskräfte angreift, trifft einen Ort, der gerade Sicherheit und religiöse Freiheit gewährleisten soll.
Dass ein Polizeibeamter direkt vor Ort war, verhinderte offenbar eine weitere Eskalation.
Gleichzeitig zeigt der Vorfall, warum jüdische Einrichtungen in New York inzwischen mit erheblichen Sicherheitsmaßnahmen arbeiten müssen.
Die Polizei hat angekündigt, den Fall weiter zu untersuchen und zusätzliche Kräfte an der Central Synagogue einzusetzen. Das NYPD verfügt für solche Fälle über eine eigene Hate Crime Task Force. Sie prüft, ob Straftaten ganz oder zu einem wesentlichen Teil durch Vorurteile gegen Religion, Herkunft oder andere geschützte Merkmale motiviert wurden.
Die politische Reaktion auf den Angriff ist eindeutig.
Entscheidend wird nun sein, ob diese Entschlossenheit auch im Alltag sichtbar bleibt.
Jüdische New Yorker sollten keine bewaffneten Polizisten benötigen, um am Freitagabend ungestört beten zu können.
Doch solange mehr als die Hälfte der bestätigten Hassverbrechen der Stadt gegen Juden gerichtet ist, bleibt genau dieser Schutz notwendig.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Samstag, 15. August 2026