Trumps Kniefall vor den Mullahs zeigt das völlige Versagen Washingtons


Trump nennt es Frieden. Doch sein Iran-Deal lässt Uran, Raketen, Hisbollah, Hormus und Sanktionen offen. Washington verkauft Schwäche als Erfolg.

Trumps Kniefall vor den Mullahs zeigt das völlige Versagen Washingtons
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Donald Trump wollte der Welt einen großen Friedensdeal präsentieren. Was er nun als historischen Erfolg verkauft, wirkt bei genauerem Blick wie ein sicherheitspolitischer Offenbarungseid. Die USA haben Iran bombardiert, Härte versprochen, Teheran an den Verhandlungstisch gezwungen und stehen nun vor einem Abkommen, dessen offizieller Text nicht einmal veröffentlicht ist, während bereits fast alle zentralen Fragen offenbleiben. Das ist keine amerikanische Stärke. Das ist Washingtons Versuch, einen selbst begonnenen Krieg schnell aus den Schlagzeilen zu bekommen.

Nach den bisherigen Berichten handelt es sich nicht um einen abschließenden Vertrag, sondern um eine Verständigung, der innerhalb von 60 Tagen ein detaillierteres Abkommen folgen soll. Genau darin liegt die Gefahr. Trump erklärt den Frieden, bevor klar ist, was Iran tatsächlich aufgibt. Teheran erhält Zeit. Washington erhält Bilder. IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen erhält neue Risiken. Und die Mullahs erhalten die wichtigste Botschaft: Wer lange genug droht, wer die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen als Druckmittel einsetzt, wer Raketen, Drohnen und Stellvertreter mobilisiert, wird am Ende nicht gebrochen, sondern wieder als Verhandlungspartner aufgewertet.

Die offenen Fragen sind nicht nebensächlich, sie bilden den Kern des Problems. Unklar bleibt, was mit den rund 440 Kilogramm hochangereichertem Uran geschehen soll, die Iran besitzt und die bei weiterer Anreicherung binnen kurzer Zeit militärisch nutzbar werden könnten. Berichtet wird über eine Verdünnung auf iranischem Boden. Doch wer kontrolliert das? In welchem Zeitraum? Mit welchem Zugriff? Mit welchen Folgen bei Täuschung? Ebenso offen ist das Schicksal der tonnenweise vorhandenen niedriger angereicherten Uranbestände. Wenn diese Bestände nicht zuverlässig entfernt oder dauerhaft überwacht werden, bleibt Iran gefährlich nahe an der nuklearen Schwelle.

Auch die unterirdischen Nuklearanlagen bleiben ein zentrales Problem. Natanz, Fordow und weitere tief verbunkerte Einrichtungen sind über Jahre als Schutzräume des iranischen Atomprogramms ausgebaut worden. Dort standen oder stehen Zentrifugen, dort liegt technisches Wissen, dort liegt die Fähigkeit zur Wiederaufnahme. Wenn diese Anlagen nicht demontiert oder überprüfbar dauerhaft stillgelegt werden, ist jede Vereinbarung nur eine Pause. Iran verliert dann nicht seine Fähigkeit. Es legt sie unter Aufsicht auf Eis und wartet auf bessere politische Bedingungen.

Hinzu kommt die Frage der Dauer. Während die USA nach Berichten eine lange Begrenzung der Anreicherung wollten, soll Iran deutlich kürzere Zeiträume bevorzugt haben. Diskutiert wurden zehn, 15 oder 20 Jahre. Doch selbst 15 Jahre lösen das Problem nicht, wenn Iran danach wieder Uran auf niedriger Stufe anreichern darf und seine Infrastruktur im Grundsatz erhalten bleibt. Genau das erinnert an den Atomdeal von 2015, den Trump jahrelang als Katastrophe beschimpft hat. Nun droht ausgerechnet Trump eine Neuauflage zu liefern, nur unter schlechteren Bedingungen, nach einem Krieg und mit weniger amerikanischer Abschreckung.

Besonders brisant ist der Libanon. Iran soll darauf gedrängt haben, dass die Waffenruhe auch den Libanon umfasst. Für Israel ist das ein direkter Eingriff in seine Sicherheit. Dort steht die HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, Irans stärkste Terrorarmee an Israels Nordgrenze. Wenn ein amerikanisch-iranisches Abkommen dazu führt, dass Israel bei Schlägen gegen Hisbollah-Strukturen politisch stärker gebunden wird, dann wird nicht die Bedrohung reduziert, sondern Israels Handlungsfreiheit beschnitten. Genau das ist der gefährliche Tausch: Teheran bekommt Entlastung, die Hisbollah bekommt Luft, Israel bekommt Zurückhaltung zugemutet.

Noch schwerer wiegt, dass das Raketenprogramm und die Stellvertreterfrage offenbar nicht Teil des Kernabkommens sein sollen. Nach iranischen Berichten sollen Irans ballistische Raketen und die Unterstützung für regionale StellvertreterStellvertreterkrieg: Irans indirekter Krieg gegen IsraelEin Stellvertreterkrieg ist ein Konflikt, in dem ein Staat oder Akteur andere bewaffnete Gruppen unterstützt, um eigene Ziele zu verfolgen, ohne selbst vollständig offen Krieg zu führen. Im Nahen Osten nutzt Iran dieses Modell besonders gegen Israel.Mehr lesen endgültig vom Tisch genommen worden sein. Sollte das stimmen, wäre es der Beweis für Washingtons Kapitulation vor der Realität iranischer Machtpolitik. Denn Iran bedroht die Region nicht nur durch Uran. Iran bedroht die Region durch Raketen, Drohnen, die RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen, die Hisbollah im Libanon, die HuthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen im Jemen und Milizen im Irak und in Syrien. Ein Deal, der diese Struktur nicht angreift, löst nicht die Gefahr. Er schützt sie vor weiterer Eskalation.

Auch die Sanktionen bleiben ein Warnsignal. In iranischen und arabischen Berichten ist von wirtschaftlichen Erleichterungen und der Freigabe eingefrorener Gelder die Rede. Genannt werden etwa 24 Milliarden Dollar, die in den kommenden 60 Tagen freigegeben werden könnten. Unklar bleibt, welche konkreten Schritte Iran leisten muss, um welche Vorteile zu erhalten. Genau diese fehlende Staffelung ist gefährlich. Wenn Teheran schnell Geld bekommt, während die Kontrolle über Uran, Raketen und Stellvertreter erst später verhandelt wird, dann zahlt Washington im Voraus und hofft auf spätere Vernunft eines Regimes, das seit Jahrzehnten vom Gegenteil lebt.

Die Straße von Hormus macht das Versagen besonders sichtbar. Iran hat diese Meerenge als seinen wichtigsten Hebel gegen die USA und den Westen eingesetzt. Nun wird sie zur großen Trophäe, mit der Trump seinen Deal verkauft. Doch selbst hier ist unklar, ob es eine Rückkehr zum alten Zustand gibt. Iranische Berichte sprechen davon, dass Teheran künftig Gebühren oder andere Ansprüche im Zusammenhang mit der Durchfahrt geltend machen könnte. Sollte Washington das akzeptiert haben, wäre das ein politischer Skandal. Dann hätte Iran eine der wichtigsten Energieadern der Welt bedroht und bekäme am Ende auch noch Einfluss, Geld oder Anerkennung für ihre Freigabe.

Das ist keine Diplomatie aus Stärke. Das ist die Verrechtlichung von Erpressung. Erst wird die Weltwirtschaft mit Hormus bedroht. Dann gibt es Verhandlungen. Am Ende soll Teheran nicht nur geschont, sondern womöglich auch wirtschaftlich gestärkt werden. Genau deshalb ist die Kritik aus Washington und Berlin so scharf.

In Washington greifen Politiker beider Parteien den Deal an. Republikaner warnen davor, einem Regime Geld zu geben, das weiter Raketen baut, Terrororganisationen unterstützt und seine Opfer nicht entschädigt. Lindsey Graham äußerte Sorge, Iran könne das Abkommen anders verstehen als das amerikanische Verhandlungsteam. Demokraten attackieren Trump aus einer anderen Richtung. Senator Chris Murphy sprach sinngemäß von einer Kapitulation vor Iran, begrüßte aber zugleich das Ende des Krieges. Diese amerikanische Zerrissenheit zeigt: Viele wollen raus aus dem Krieg, aber sie wissen, dass dieser Preis gefährlich ist.

Aus Berlin kommt das Urteil noch direkter. CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter nannte das Abkommen ein Desaster und einen sicherheitspolitischen Offenbarungseid. Er wirft Trump vor, bei Drohungen eines brutalen Regimes einzuknicken und langfristige Sicherheitsinteressen für einen schnellen PR-Erfolg zu opfern. Härter kann man es kaum formulieren. Aber genau diese Härte ist angemessen. Denn wenn die USA nach militärischen Schlägen und großen Versprechen ein Abkommen akzeptieren, das Iran wirtschaftlich entlastet, seine Raketenfrage offenlässt, seine Stellvertreter schont und Israel im Libanon politisch einengt, dann ist das kein Erfolg. Dann ist es ein Rückzug mit Fahnen und Kameras.

Der Vergleich mit dem Abkommen von 2015 ist für Trump vernichtend. Damals warf er Barack Obama vor, Iran zu viele Zugeständnisse gemacht zu haben. Nun zeigt sich: Auch Trumps Vereinbarung folgt offenbar dem gleichen Grundprinzip, Beschränkung gegen wirtschaftliche Erleichterung. Der Unterschied ist nur, dass Trump vorher bombardiert hat und nun behauptet, deshalb sei alles grundlegend anders. Doch wenn am Ende ähnliche Mechanismen stehen, wenn Iran weiter verhandeln darf, wenn Kontrollen unklar bleiben und Milliarden fließen, dann ist Trumps Deal nicht besser. Dann ist er Obamas Deal unter Kriegsbedingungen, mit beschädigter amerikanischer Abschreckung.

Genau das ist der eigentliche Schaden. Die USA haben nicht gezeigt, dass sie Iran dauerhaft zwingen können. Sie haben gezeigt, dass sie militärisch zuschlagen können, aber politisch kein klares Ende erzwingen. Washington hat die Muskeln gezeigt und dann die Kraft verloren, die entscheidenden Forderungen durchzusetzen. Ein Experte brachte es laut N12 auf den Punkt: Im nuklearen Bereich sehe das Abkommen im Grundsatz ähnlich aus wie 2015, nur sei es diesmal schlimmer, weil die USA ihren abschreckenden Muskel verloren hätten.

Für Israel ist diese Entwicklung alarmierend. JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen hatte klare Ziele: Irans nukleare Schwelle zurückdrängen, das ballistische Programm zerschlagen, die Verbindung Teherans zu seinen Terrorarmeen kappen. Wenn diese Ziele im Abkommen fehlen, dann wird Israel mit einem schwächeren Westen und einem aufgewerteten Iran zurückgelassen. Die Hisbollah bleibt im Libanon, die Huthi bleiben im Roten Meer, die Revolutionsgarden bleiben das Machtzentrum der Aggression. Nur Trump erklärt, der Frieden sei da.

Frieden ist aber nicht das Schweigen der Waffen für einige Wochen. Frieden bedeutet, dass die Bedrohung kleiner wird. Wenn Iran Geld, Zeit, politische Anerkennung, Spielraum an Hormus und eine Atempause für seine Stellvertreter erhält, dann wird die Bedrohung nicht kleiner. Sie wird verschoben. Und das kann für Israel, die Golfstaaten und Europa gefährlicher sein als ein offener Konflikt, weil die Illusion von Stabilität jede Wachsamkeit schwächt.

Trumps Iran-Deal zeigt deshalb mehr als einen schlechten Vertrag. Er zeigt, wie schwach die USA geworden sind, wenn ein Präsident große Härte ankündigt, militärisch eskaliert und am Ende zentrale Fragen offenlässt, damit er einen Erfolg verkünden kann. Washington hat nicht Teherans Macht gebrochen. Washington hat Teherans Methode bestätigt. Drohen, eskalieren, verhandeln, kassieren. Für die Mullahs ist das ein Sieg. Für Israel ist es eine Warnung. Für die iranische Bevölkerung ist es ein bitteres Signal. Und für den Westen ist es der Beweis, dass amerikanische Führung ohne strategische Klarheit nur noch Inszenierung ist.



Autor: Bernd Geiger

Artikel veröffentlicht am: Montag, 15. Juni 2026

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