Israel zerstört Dutzende Terror-Denkmäler in Judäa und Samaria

Israel zerstört Dutzende Terror-Denkmäler in Judäa und Samaria


Gedenkstätten für Terroristen, Waffenlager und mutmaßliche Terrorfinanzierung: Israels Armee geht mit mehreren groß angelegten Einsätzen gegen Strukturen vor, die Gewalt verherrlichen und neue Anschläge begünstigen sollen.

Israel zerstört Dutzende Terror-Denkmäler in Judäa und Samaria
Bildnachweis: IDF

Israels Streitkräfte haben in Judäa und SamariaJudäa und Samaria: Israels historisches Kernland im politischen StreitJudäa und Samaria bezeichnen historische Landschaften zwischen Jerusalem, dem Jordantal und den zentralen Höhenzügen des Landes Israel. In Israel ist der Begriff gebräuchlich. International wird das Gebiet oft anders bezeichnet und politisch als umstritten eingeordnet.Mehr lesen innerhalb von zwei Wochen Dutzende Denkmäler und Gedenktafeln zerstört, mit denen palästinensische Terroristen öffentlich geehrt wurden. Die Maßnahmen sind Teil einer umfassenden Operation gegen terroristische Netzwerke, deren Unterstützer und Einrichtungen, die nach Erkenntnissen der israelischen Sicherheitsbehörden zur Verherrlichung von Anschlägen und zur Verbreitung terroristischer PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen genutzt werden.

Wie die israelische Armee am Freitag, dem 16. Oktober 2026, mitteilte, wurden insgesamt fünf größere Operationen durchgeführt. Dabei durchsuchten Soldaten Tausende Objekte, nahmen Dutzende gesuchte Personen fest und beschlagnahmten Waffen, Drohnen sowie Gelder, die nach Angaben des Militärs zur Finanzierung terroristischer Aktivitäten bestimmt waren. Israelische Medien berichten unter Berufung auf die Streitkräfte von mehreren Hunderttausend Schekel.

Besondere Aufmerksamkeit gilt den Denkmälern, die in palästinensischen Städten und Ortschaften zu Ehren getöteter oder verurteilter Terroristen errichtet wurden. Solche Gedenkstätten sind nicht zwangsläufig bloße Erinnerungsorte. Wo Menschen wegen ihrer Beteiligung an Anschlägen gegen israelische Zivilisten als Helden verehrt werden, erhält terroristische Gewalt eine öffentliche Anerkennung, die weit über die Erinnerung an Verstorbene hinausgeht.

Nach Darstellung der israelischen Streitkräfte dienten die nun entfernten Denkmäler und Schilder dazu, Terroristen zu glorifizieren, weitere Gewalt zu fördern und Unterstützung für terroristische Organisationen zu mobilisieren. Zu den überprüften Einrichtungen gehörten auch Orte, an denen das Massaker der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen vom 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen ausdrücklich unterstützt worden sein soll.

Der Kampf gegen die Verherrlichung von Terror

Die Einsätze begannen nicht erst mit der jüngsten Erfolgsmeldung. Bereits am 7. Oktober, dem dritten Jahrestag des Hamas-Massakers, zerstörten israelische Sicherheitskräfte mehrere Terror-Gedenkstätten. Unter anderem waren sie in Nablus und in der Ortschaft Ya'bad südwestlich von Dschenin tätig.

Nach einem Bericht des israelischen Nachrichtenportals N13 wurde in Nablus ein größeres Denkmal entfernt. In Ya'bad zerstörten die Soldaten eine Gedenkstätte für Yasser al-Hamdouni, der wegen seiner Beteiligung an der Ermordung des israelischen Zivilisten Avner Maimon im Jahr 2003 verurteilt worden war.

Gerade dieses Beispiel verdeutlicht, worum es bei der israelischen Maßnahme geht. Ein Denkmal für einen wegen Beteiligung an einem Mord verurteilten Terroristen vermittelt eine andere Botschaft als eine gewöhnliche Gedenkstätte für die Opfer eines Konflikts. Es erhebt jemanden zum Vorbild, dessen Gewalttat gegen einen Zivilisten gerichtet war.

Für die israelischen Sicherheitsbehörden gehört diese öffentliche Heldenverehrung zu einem Umfeld, in dem terroristische Organisationen neue Anhänger gewinnen können. Wer einen Attentäter als Märtyrer feiert, kann dessen Tat nachträglich legitimieren und anderen vermitteln, dass ähnliche Anschläge gesellschaftliche Anerkennung verdienen.

Dabei muss zwischen der Dokumentation der Vergangenheit und der gezielten Verherrlichung terroristischer Gewalt unterschieden werden. Nicht jede Erinnerung an einen getöteten PalästinenserPalästinenser: Herkunft, Begriffswandel und politische IdentitätPalästinenser bezeichnet heute meist palästinensische Araber mit eigener nationaler Identität. In der Mandatszeit konnte der Begriff jedoch allgemein Bewohner des britischen Mandatsgebiets Palästina meinen, auch Juden.Mehr lesen stellt eine Aufforderung zu Gewalt dar. Die israelische Armee begründet die konkreten Zerstörungen jedoch damit, dass die betroffenen Anlagen Terroristen verherrlichten und zur Aufstachelung beitrugen. Nach ihren Angaben wurden entsprechende Maßnahmen im Rahmen eines geregelten Verfahrens durchgeführt.

Am 9. Oktober berichteten die Streitkräfte außerdem über Einsätze der Ephraim-Brigade in mehreren Ortschaften, darunter Tulkarm und Kalkilya. Soldaten fanden nach Militärangaben Waffen, Messer, Drohnen und Propagandamaterial der Hamas. Zudem wurden Verdächtige befragt, darunter frühere Häftlinge und Personen, die im Zuge von Geiselvereinbarungen freigelassen worden waren.

Die Bekämpfung dieser Strukturen hat für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen eine unmittelbare sicherheitspolitische Bedeutung. Judäa und Samaria liegen in direkter Nachbarschaft zu israelischen Städten und Gemeinden. Anschlagsplanungen, Waffenbeschaffung und die Rekrutierung neuer Terroristen können deshalb sowohl israelische Bewohner der Region als auch Menschen innerhalb Israels gefährden.

Auch die Finanzierung terroristischer Organisationen im Visier

Die aktuellen Operationen richten sich nicht allein gegen Denkmäler und Propagandamaterial. Israel versucht gleichzeitig, die finanziellen und organisatorischen Grundlagen terroristischer Netzwerke in Judäa und Samaria zu schwächen.

Am 13. Oktober durchsuchten Soldaten und Angehörige des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet unter anderem Einrichtungen in Ramallah und Yatta bei Hebron. Im Mittelpunkt standen zwei Organisationen, die nach Angaben der Sicherheitsbehörden als Tarnstrukturen für die Hamas beziehungsweise die Volksfront zur Befreiung PalästinasPFLP: Marxistische Terrororganisation gegen IsraelDie PFLP ist eine 1967 gegründete marxistisch leninistische palästinensische Organisation. Sie lehnt Israel ab, setzt auf bewaffneten Kampf und wird von den USA und der EU als Terrororganisation geführt.Mehr lesen (PFLPPFLP: Marxistische Terrororganisation gegen IsraelDie PFLP ist eine 1967 gegründete marxistisch leninistische palästinensische Organisation. Sie lehnt Israel ab, setzt auf bewaffneten Kampf und wird von den USA und der EU als Terrororganisation geführt.Mehr lesen) dienten.

In Ramallah wurde die Organisation Addameer durchsucht. Israel wirft ihr vor, über Verbindungen zur PFLP zu verfügen und unter anderem juristische Unterstützung für inhaftierte Mitglieder der Terrororganisation zu finanzieren. In Yatta richteten sich die Ermittlungen gegen eine Organisation zur Betreuung von Waisenkindern, die nach israelischen Erkenntnissen als Finanzierungs- und Organisationsstruktur der Hamas fungiert haben soll.

Bei diesen Razzien wurden fünf mutmaßliche Unterstützer terroristischer Organisationen festgenommen. Die Sicherheitskräfte beschlagnahmten Computer, Dokumente und Scheckhefte mit Kennzeichnungen, die nach israelischen Angaben Verbindungen zur Hamas erkennen lassen. Ob sämtliche erhobenen Vorwürfe gegen die betroffenen Einrichtungen einer gerichtlichen Überprüfung standhalten, ist bislang nicht abschließend geklärt.

Die Verbindung zwischen terroristischer Propaganda und finanzieller Unterstützung ist für Israels Sicherheitsstrategie von zentraler Bedeutung. Terrororganisationen benötigen nicht nur Waffen und Kämpfer. Sie sind auch auf Geldgeber, organisatorische Netzwerke und gesellschaftliche Strukturen angewiesen, die ihre Tätigkeit ermöglichen oder fördern. Werden Terroristen gleichzeitig öffentlich verehrt, kann eine Umgebung entstehen, in der Gewalt gegen israelische Zivilisten nicht als Verbrechen, sondern als vermeintlich ehrenhafte Handlung dargestellt wird.

Wie ernst die Bedrohung ist, zeigte erneut der Anschlag vom 21. September 2026 bei Neve Tzuf. Dabei wurde der Israeli Netanel Shukron ermordet. Am 7. Oktober zerstörten israelische Sicherheitskräfte nach Angaben der Armee das Haus des verantwortlichen Terroristen in der Ortschaft Biddu. Parallel begannen die größeren Operationen gegen Terrorunterstützung und gewaltverherrlichende Gedenkstätten.

Die Frage, wie tief die Unterstützung terroristischer Gewalt in Teilen der palästinensischen Gesellschaft verankert ist, lässt sich allerdings nicht allein an Denkmälern beantworten. Frühere Untersuchungen der palästinensischen öffentlichen Meinung zeigen ein widersprüchliches Bild. So berichtete haOlam.de bereits über eine Umfrage, nach der die Unterstützung für die Hamas zurückging, zugleich jedoch 72 Prozent der Befragten eine Entwaffnung der Organisation vor einem vollständigen israelischen Rückzug aus GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen ablehnten. Die Ergebnisse belegen keine pauschale Zustimmung zu Anschlägen, verdeutlichen aber die politischen und gesellschaftlichen Schwierigkeiten einer nachhaltigen Entwaffnung terroristischer Organisationen.

Israel setzt deshalb nicht ausschließlich darauf, bewaffnete TerrorzellenTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen auszuschalten. Die jüngsten Einsätze zeigen den Versuch, zugleich gegen deren Finanzierung, Rekrutierungsumfeld und öffentliche Verherrlichung vorzugehen.

Ob die Zerstörung der Denkmäler langfristig zu einem Rückgang terroristischer Gewalt führt, lässt sich derzeit nicht beurteilen. Ohne eine Veränderung der gesellschaftlichen Akzeptanz für solche Taten können entfernte Gedenktafeln durch neue Formen der Verherrlichung ersetzt werden.

Ungeachtet dessen bleibt ein wesentlicher Unterschied bestehen: Die Erinnerung an Verstorbene ist nicht dasselbe wie die öffentliche Ehrung von Menschen für terroristische Gewalttaten. Wo der Mord an Zivilisten zur Heldengeschichte erhoben wird, entsteht ein Problem, das weit über einzelne Denkmäler hinausreicht. Die israelischen Operationen richten sich nach Darstellung der Streitkräfte genau gegen diese Verbindung von Terrorismus, öffentlicher Verherrlichung und organisatorischer Unterstützung.




Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Samstag, 17. Oktober 2026

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