Morgen um 6.29 Uhr hält Israel inne: So begeht das Land den 7. Oktober

Morgen um 6.29 Uhr hält Israel inne: So begeht das Land den 7. Oktober


Drei Jahre nach dem Hamas-Massaker wird Israel am Mittwoch von Gedenken, persönlichen Erinnerungen und der Forderung nach Aufklärung geprägt sein. Der Tag beginnt um 6.29 Uhr und endet mit Zehntausenden im Park Hayarkon.

Morgen um 6.29 Uhr hält Israel inne: So begeht das Land den 7. Oktober
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Wenn am Mittwochmorgen um6.29 Uhrin IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen der 7. Oktober beginnt, wird es kein gewöhnlicher Jahrestag sein. Es ist exakt die Minute, in der vor drei Jahren der massive Raketenbeschuss begann und HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Terroristen ihren Angriff auf Israel eröffneten. Rund 1.200 Menschen wurden an diesem Tag ermordet, 251 nach GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen verschleppt.

Zum dritten Jahrestag sind erstmals alle Geiseln wieder in Israel. Die unmittelbare Geschichte der Gefangenschaft ist damit beendet. Die Geschichte des 7. Oktober ist es nicht. Der morgige Tag soll deshalb nicht nur an die Ermordeten erinnern. Familien, Überlebende und ehemalige Geiseln wollen auch jene Fragen wieder in den Mittelpunkt rücken, die drei Jahre später noch immer nicht vollständig beantwortet sind.

Das staatliche Gedenken fand bereits am Montag, dem 5. Oktober, auf dem Herzlberg in JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen statt. Israel orientiert den offiziellen Gedenktag am hebräischen Kalender und an einer Regierungsentscheidung, nach der er am 24. Tischri begangen wird. Am eigentlichen kalendarischen Jahrestag des Massakers bestimmen deshalb vor allem die betroffenen Familien, Überlebenden und zivilgesellschaftlichen Initiativen das Bild.ynet

Um 6.29 Uhr beginnt ein langer Tag

Der „Oktober-Rat“, in dem sich Hinterbliebene und Überlebende zusammengeschlossen haben, ruft das Land für6.29 Uhr zu einer Schweigeminuteauf. Unmittelbar danach sind Gedenkveranstaltungen und Protestaktionen in Caesarea, Jerusalem, Sha'ar HaNegev und zahlreichen weiteren Orten vorgesehen.

Bereits um7 Uhrwollen Angehörige und Aktivisten vor den Häusern von Ministern erscheinen, die am 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen der Regierung angehörten. Die Organisatoren nennen die Aktionen eine „Weckaktion“. Gedenken und Protest sollen sich dabei bewusst verbinden. Die Forderung lautet weiterhin, die politischen, militärischen und geheimdienstlichen Entscheidungen vor dem Massaker umfassend durch eine unabhängige staatliche Untersuchungskommission aufarbeiten zu lassen.

Um7.10 Uhrsoll ein Konvoi von Caesarea nach Tel Aviv aufbrechen. Eine weitere Protestaktion von Frauen beginnt um8.30 Uhr am Trumpeldor-Strand in Tel Aviv. Um10 Uhrfahren Konvois aus dem Norden, Süden und Zentrum zu einer Gedenkveranstaltung im Ben-Shemen-Wald. Ab11 Uhrnehmen Familien an lokalen Gedenkfeiern in den Gemeinden nahe Gaza und an zahlreichen weiteren Orten des Landes teil.ynet

Um12 Uhrsoll Israel erneut für eine Minute innehalten. Krankenhäuser, Hightech-Unternehmen, Restaurants und andere Einrichtungen haben ihre Teilnahme angekündigt. In Jaffa ist zugleich die Ausstellung „Der Raum, der blieb“ im Peres Center geöffnet. Dort werden keine abstrakten Zahlen gezeigt, sondern persönliche Gegenstände der Menschen, deren Leben am 7. Oktober zerstört wurde.

Zu den Exponaten gehören das Laufrad von Ariel Bibas, die Baskenmütze der Beobachtungssoldatin Roni Eshel, das Stethoskop der in Be'eri ermordeten Sanitäterin Amit Mann, Musikinstrumente von Yagev Buchshtab und die Kamera des Ynet-Fotografen Roi Idan. Am Anfang der Ausstellung steht eine verbrannte und zerrissene israelische Flagge vom 7. Oktober. Am Ende befinden sich Flaggen, in die sich die zurückgekehrten Geiseln Matan Zangauker und Matan Angrest nach ihrer Rückkehr aus Gaza hüllten.ynet

Diese Gegenstände erzählen vielleicht mehr über den 7. Oktober als jede Statistik. Ein Kinderfahrrad. Eine Baskenmütze. Ein Stethoskop. Eine Kamera. Dinge aus normalen Leben, die an einem einzigen Morgen auseinandergerissen wurden.

Am frühen Abend gehen Gedenken und Protest weiter. Ab18 Uhrsind Veranstaltungen unter anderem in Haifa, Afula, an der Tzemach-Kreuzung und bei Rosh Pina angekündigt. Am Sha'ar-HaNegev-Knoten soll ab19.30 Uhreine offene Bühne eingerichtet werden, auf der Überlebende und Familien ihre Geschichten erzählen.

Um 18.29 Uhr kehrt Nova nach Re'im zurück

Einer der emotional schwersten Momente des Tages dürfte jedoch bereits um18.29 Uhrstattfinden. Am ehemaligen Nova-Gelände bei Re'im beginnt erstmals am selben Abend wie die große Familienzeremonie eine gemeinsame Gedenkveranstaltung der Nova-Gemeinschaft.

378 Menschen wurden nach der inzwischen verwendeten Opferzählung beim Nova-Festival ermordet, 44 Menschen von dort nach Gaza verschleppt. Zum ersten Mal seit dem Massaker kann die gesamte Gemeinschaft dort zusammenkommen, ohne dass noch jemand aus ihren Reihen in Gaza festgehalten wird.

Genau deshalb beginnt die Veranstaltung zwölf Stunden nach der Minute, in der der Angriff begann.

Unter den auftretenden Künstlern ist Yuval Raphael, die selbst das Massaker überlebte, nachdem sie sich stundenlang zwischen Leichen in einem Schutzraum verborgen hatte. Weitere angekündigte Künstler sind Benaia Barabi, Ninet Tayeb, Amir Benayoun und Shuli Rand. Die Veranstaltung wird von Tamir Steinman moderiert.Times of Israel

Anschließend richtet sich der Blick nach Tel Aviv.

Um21.15 Uhrbeginnt im Park Hayarkon die zentrale Gedenkzeremonie der Familien des 7. Oktober. Veranstaltet wird sie erneut von der Bewegung Kumu und Angehörigen der Ermordeten und Gefallenen. Bereits bis Sonntag hatten sich mehr als50.000 Menschenangemeldet. Erstmals wird der Park ohne Tribünen als große offene Fläche genutzt, damit möglichst viele Menschen teilnehmen können. Nur wenige Tage vor der Veranstaltung waren nach Angaben der Organisatoren nur noch einige Tausend Karten verfügbar.mako

Moderiert wird der Abend vonEli Sharabiund der SchauspielerinShani Cohen. Sharabi wurde am 7. Oktober aus Kibbutz Be'eri nach Gaza verschleppt. Seine Frau Lianne und seine Töchter Noiya und Yahel wurden ermordet. Sein Bruder Yossi wurde ebenfalls verschleppt und in Gefangenschaft getötet.

Auf der Bühne stehen einige der bekanntesten Künstler Israels, darunter Shlomo Artzi, Miri Mesika, Gali Atari, Ivri Lider, Eden Golan, Harel Skaat, Amir Dadon, Ran Danker, Yuval Dayan, Roni Dalumi und Tamir Greenberg. Die Zeremonie wird von den großen israelischen Fernsehsendern übertragen und an weiteren Orten des Landes gezeigt, darunter auch auf dem Geiselplatz in Tel Aviv.mako

Dabei wird dieser Platz morgen anders wirken als in den vergangenen Jahren.

Drei Jahre lang war er Symbol einer offenen Wunde. Dort standen Familien und forderten die Rückkehr ihrer Angehörigen. Dort hingen die Bilder der Geiseln, dort wurden Tage der Gefangenschaft gezählt.

Nun sind alle zurück.

Einige konnten ihre Familien wieder umarmen. Andere wurden nur zurückgebracht, damit sie in Israel begraben werden konnten.

Was geblieben ist, ist die Forderung nach Erinnerung und Wahrheit.

Der Oktober-Rat sagt, der 7. Oktober dürfe nicht zu einem weiteren Datum im Kalender werden. Hinter den Zahlen stünden Menschen, Familien und ausgelöschte Leben. Gleichzeitig seien Fragen offen geblieben, auf die die israelische Öffentlichkeit ein Recht auf Antworten habe.

haOlam hat in den vergangenen Monaten immer wieder über genau diese Fragen berichtet. Die IDF hat zahlreiche eigene Untersuchungen durchgeführt, Geheimdienste und Verantwortliche haben Versagen eingeräumt, neue Warnungen und Dokumente sind bekannt geworden. Eine zentrale Untersuchung, die politische, militärische und geheimdienstliche Ebenen gemeinsam betrachtet, steht jedoch weiterhin aus.

Morgen wird Israel deshalb zugleich trauern und fragen.

Um 6.29 Uhr beginnt der Tag mit Stille.

Zwölf Stunden später stehen Überlebende dort, wo beim Nova-Festival die Musik verstummte.

Und am Abend werden Zehntausende im Park Hayarkon zusammenkommen.

Nicht weil der 7. Oktober nach drei Jahren vorbei wäre.

Sondern weil Israel verhindern will, dass er jemals nur Vergangenheit wird.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 6. Oktober 2026

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