Als eine palästinensische Universität den Sbarro-Massenmord zur Ausstellung machte
15 Menschen waren gerade ermordet worden, zahlreiche weitere schwer verletzt. Wenige Wochen später wurde der Hamas-Anschlag von Jerusalem an einer Universität in Nablus nachgestellt mit künstlichem Blut, Körperteilen und Verehrung für die Täter.

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Am 9. August 2001 explodierte zur Mittagszeit in der vollbesetzten Sbarro-Pizzeria im Zentrum Jerusalems eine Bombe. Familien saßen beim Essen, Kinder waren unter den Gästen. Der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Terrorist Izz al-Din al-Masri sprengte sich in die Luft. 15 Menschen starben unmittelbar oder infolge des Anschlags, darunter sieben Kinder und eine schwangere Frau, mehr als 120 wurden verletzt. Chana Nachenberg blieb nach dem Anschlag fast 22 Jahre lang ohne Bewusstsein und starb 2023 an ihren Verletzungen. Damit stieg die Zahl der Todesopfer schließlich auf 16.
Nur wenige Wochen nach diesem Massenmord geschah etwas, das heute fast vergessen ist. An der An-Najah-Universität in Nablus wurde der Anschlag nicht etwa zum Anlass genommen, über Terrorismus, den Tod von Kindern oder die Verwüstung der Zweiten IntifadaIntifada: Ein Wort für Terror gegen IsraelIntifada bedeutet wörtlich etwa „Abschütteln“. Politisch bezeichnet der Begriff vor allem zwei palästinensische Gewaltwellen gegen Israel. Besonders die Zweite Intifada wurde durch Selbstmordanschläge, Schussangriffe und Terror gegen israelische Zivilisten geprägt. Heute wird der Begriff oft leichtfertig als Parole benutzt.Mehr lesen zu diskutieren. Hamas-nahe Studenten bauten den Tatort nach und machten aus dem Massaker eine Ausstellung.
Zeitgenössische Berichte der Jewish Telegraphic Agency dokumentieren, wie Besucher eine Nachbildung der Sbarro-Pizzeria betraten. Studenten stellten Selbstmordattentäter dar, teilweise mit Koran und Waffe. Ein weiterer Student simulierte das Legen einer Bombe. Über dem nachgebauten Restaurant stand auf Hebräisch „koscher“. Künstliches Blut, zerstörte Einrichtung und nachgebildete Körperteile sollten die Folgen des Anschlags darstellen. Fotos vom September 2001 zeigen zudem Besucher, die beim Betreten oder Verlassen der Ausstellung über israelische und amerikanische Flaggen liefen.
Das war keine geheime Zusammenkunft einer Terrorzelle. Es geschah auf dem Gelände einer bedeutenden palästinensischen Universität, öffentlich und vor Studenten.
Genau deshalb ist die Geschichte auch 25 Jahre später relevant.
Wenn der Mord an Zivilisten zum politischen Spektakel wird
Der Anschlag auf Sbarro traf keine militärische Stellung. Die Hamas zielte auf ein gut besuchtes Restaurant im Herzen Jerusalems. Ahlam Tamimi, die an der Vorbereitung beteiligt war und den Terroristen zum Ziel brachte, erklärte später selbst, dass der Ort wegen der großen Zahl möglicher Opfer ausgewählt worden war. Das amerikanische Außenministerium setzt bis heute eine Belohnung von bis zu fünf Millionen Dollar für Hinweise aus, die zu ihrer Ergreifung führen. Sie wurde in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen zu 16 lebenslangen Haftstrafen verurteilt, 2011 jedoch im Austausch für Gilad Schalit freigelassen und lebt seitdem in Jordanien.
haOlam hat erst im August zum 25. Jahrestag des Anschlags über diesen bis heute offenen Skandal berichtet. Während Angehörige wie Arnold und Frimet Roth seit einem Vierteljahrhundert um Gerechtigkeit kämpfen, konnte eine zentrale Beteiligte am Mord ihrer 15-jährigen Tochter Malka ein öffentliches Leben führen. Die neue Erinnerung an die Ausstellung von Nablus zeigt jedoch eine zweite Dimension dieser Geschichte: Terror wurde nicht nur von bewaffneten Organisationen durchgeführt. Er wurde in Teilen der Gesellschaft verherrlicht, ästhetisiert und als politischer Widerstand inszeniert.
Die Reaktion der damaligen Palästinensischen Autonomiebehörde macht die Sache nicht besser. Jassir ArafatPLO: Die Organisation zwischen Terrorgeschichte, Oslo und MachtverlustDie PLO ist die Palästinensische Befreiungsorganisation. Sie wurde 1964 gegründet, wurde später international als Vertreterin der Palästinenser anerkannt und spielte im Oslo-Prozess eine zentrale Rolle.Mehr lesen ordnete zwar schließlich die Schließung der Ausstellung an. Doch dies geschah erst nach erheblichem internationalen Druck. Nach dem damaligen JTA-Bericht wurde die Ausstellung zunächst lediglich verändert und nicht sofort vollständig geschlossen. Der damalige Leiter des Simon Wiesenthal Centers, Rabbi Marvin Hier, bezeichnete die verspätete Reaktion sinngemäß als viel zu wenig und viel zu spät.
Das Entscheidende ist nicht, ob jeder Student der An-Najah-Universität diese Inszenierung unterstützte. Das lässt sich nicht behaupten und wäre unseriös. Entscheidend ist, dass eine solche Ausstellung überhaupt auf einem Universitätscampus stattfinden konnte: Wochen nachdem ein Terrorist Kinder und Familien in einer Pizzeria ermordet hatte.
Heute wird häufig so getan, als sei die Radikalisierung, die am 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen in ihrem mörderischen Extrem sichtbar wurde, plötzlich entstanden. Die Geschichte der Sbarro-Ausstellung widerspricht dieser bequemen Vorstellung.
Schon während der Zweiten Intifada wurden Selbstmordattentäter in Teilen der palästinensischen Öffentlichkeit als „Märtyrer“ verehrt. Anschläge auf Restaurants, Busse und andere zivile Orte wurden nicht nur militärisch vorbereitet, sondern politisch gerechtfertigt und kulturell verklärt. Eine Universitätsausstellung, in der ein Massenmord nachgespielt wird, gehört zu den drastischsten Beispielen dafür.
Man sollte dabei die Verantwortung genau zuordnen. Nicht „die PalästinenserPalästinenser: Herkunft, Begriffswandel und politische IdentitätPalästinenser bezeichnet heute meist palästinensische Araber mit eigener nationaler Identität. In der Mandatszeit konnte der Begriff jedoch allgemein Bewohner des britischen Mandatsgebiets Palästina meinen, auch Juden.Mehr lesen“ bauten diese Ausstellung. Sie wurde von Hamas-nahen Studenten organisiert. Nicht jeder Besucher unterstützte zwangsläufig die Botschaft. Und Arafat ließ die Ausstellung schließlich schließen.
Aber auch diese Präzision ändert nichts am Kern: Eine Terrororganisation ermordete israelische Zivilisten, darunter Kinder. Wenige Wochen später wurde ihr Anschlag an einer Universität zum Spektakel.
Dass Besucher über israelische Flaggen liefen, während im Inneren der Tod israelischer Zivilisten nachgestellt wurde, macht die politische Botschaft deutlich. Hier wurde nicht über Gewalt aufgeklärt. Hier wurde sie verherrlicht.
25 Jahre später ist diese Episode deshalb mehr als eine groteske Fußnote der Zweiten Intifada. Sie erinnert daran, dass Terrorismus nicht erst mit Waffen beginnt. Er braucht ein gesellschaftliches Umfeld, in dem Täter zu Helden werden, Mord an Zivilisten eine Rechtfertigung erhält und selbst eine Universität den Übergang von Bildung zu PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen zulässt.
Der 7. Oktober fiel nicht vom Himmel.
Wer verstehen will, wie eine Terrororganisation über Jahrzehnte eine Kultur des „Widerstands“ aufbauen konnte, in der selbst der Mord an Kindern gefeiert wurde, sollte sich diese Bilder aus Nablus noch einmal ansehen.
Nicht, weil eine Ausstellung von 2001 den 7. Oktober erklärt.
Aber weil sie zeigt, wie früh die Verherrlichung genau jener Art von Terror sichtbar war, die Israel mehr als zwei Jahrzehnte später erneut in unvorstellbarem Ausmaß traf.
Autor: Bernd Geiger
Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 1. Oktober 2026