Intifada: Ein Wort für Terror gegen Israel

„Intifada“ wird oft als Protestbegriff verharmlost. Für Israel steht das Wort für Terror, Selbstmordanschläge, Lynchmorde und ermordete Zivilisten.

Der Begriff Intifada stammt aus dem Arabischen und wird meist mit „Abschütteln“ oder „Sich-Erheben“ übersetzt. In politischen Debatten wird er häufig als Wort für Aufstand, Widerstand oder Protest verwendet. Genau darin liegt das Problem. Denn wer „Intifada“ sagt, benutzt keinen neutralen Begriff. Für Israelis ist dieses Wort nicht romantisch, nicht abstrakt und nicht nur historisch. Es steht für Jahre der Angst, für explodierende Busse, für zerrissene Körper in Cafés, für erschossene Familien, für Lynchmorde, für Messerangriffe, für Raketen, für brennende Straßen und für die Erfahrung, dass jüdisches Leben erneut gezielt zum Ziel wurde.

In vielen westlichen Debatten wird „Intifada“ heute leichtfertig gerufen, auf Plakate geschrieben oder als scheinbar revolutionäre Parole verwendet. Besonders nach dem 7. Oktober 2023 tauchte der Begriff erneut auf Demonstrationen, in sozialen Netzwerken und im akademischen Umfeld auf. Wer ihn benutzt, stellt ihn oft als allgemeinen Ruf nach Befreiung dar. Doch diese Verharmlosung blendet aus, was Intifada in der israelischen Wirklichkeit bedeutet hat. Das Wort ist historisch nicht von der Gewalt zu trennen, die unter seinem Namen ausgeübt wurde. Es ist kein bloßes Symbol des Protests, sondern ein Begriff, der mit Terror gegen Zivilisten verbunden ist.

Die Erste Intifada begann im Dezember 1987 im Gazastreifen und breitete sich auf Judäa und Samaria sowie auf Ostjerusalem aus. International wurde sie oft durch Bilder von Jugendlichen mit Steinen geprägt. Diese Bilder wurden zu einem mächtigen politischen Symbol. Sie verdeckten jedoch, dass die Erste Intifada nicht nur aus Demonstrationen bestand. Es gab Angriffe auf israelische Soldaten und Zivilisten, Molotowcocktails, Messerangriffe, Schusswaffen, Gewalt gegen mutmaßliche palästinensische Kollaborateure und eine wachsende Radikalisierung des Konflikts. Für Israel war diese Zeit keine ferne politische Auseinandersetzung, sondern ein Alltag aus Unruhe, Bedrohung und ständiger Sicherheitsanspannung.

Die Erste Intifada veränderte den Konflikt. Sie brachte die palästinensische Frage stärker in die Weltöffentlichkeit und erhöhte den Druck auf Israel. Zugleich zeigte sie, wie schnell politische Mobilisierung in Gewalt umschlagen kann, wenn Hass, nationale Erzählungen und organisierte Strukturen aufeinandertreffen. In den frühen 1990er Jahren entstand aus dieser Lage heraus der Oslo Prozess. Viele Israelis hofften damals, dass gegenseitige Anerkennung, palästinensische Selbstverwaltung und Verhandlungen den Weg aus der Gewalt öffnen könnten. Diese Hoffnung wurde später schwer erschüttert.

Die Zweite Intifada begann im Jahr 2000 und wurde zu einer der blutigsten Terrorphasen in der Geschichte Israels. Sie wird auch Al Aqsa Intifada genannt. In manchen Darstellungen wird sie als spontane Reaktion auf den Besuch Ariel Scharons auf dem Tempelberg beschrieben. Diese Erklärung ist verkürzt. Die Gewalt entstand in einem Umfeld gescheiterter Verhandlungen, wachsender Radikalisierung und palästinensischer Führungskreise, die Gewalt nicht nur zuließen, sondern in Teilen politisch nutzten. Für Israel bedeutete die Zweite Intifada den Zusammenbruch einer Illusion: Die Annahme, dass politische Zugeständnisse automatisch zu Frieden und Sicherheit führen würden, wurde durch eine Welle mörderischer Anschläge zerstört.

Zwischen 2000 und 2005 wurden israelische Zivilisten in Bussen, Restaurants, Hotels, Einkaufsstraßen, an Haltestellen, auf Märkten und bei Familienfeiern angegriffen. Selbstmordattentäter sprengten sich mitten unter Menschen in die Luft. Die Anschläge trafen Jugendliche, Kinder, alte Menschen, religiöse Familien, säkulare Israelis, Einwanderer, Touristen und Arbeiter. Besonders tief im israelischen Gedächtnis verankert sind das Massaker im Dolphinarium in Tel Aviv im Jahr 2001, bei dem vor allem junge Menschen getötet wurden, und das Attentat auf das Park Hotel in Netanja während des Pessachabends 2002. Dort wurde ein jüdisches Fest, ein Moment von Familie, Erinnerung und religiöser Würde, zum Tatort eines Massakers.

Diese Gewalt war kein bedauerlicher Randaspekt der Zweiten Intifada. Sie war ihr Kern. Hamas, Islamischer Dschihad, die Al Aqsa Märtyrerbrigaden und andere bewaffnete Gruppen machten israelische Zivilisten bewusst zu Zielen. Der Terror sollte Angst verbreiten, den Alltag zerstören und politischen Druck durch Mord erzeugen. Wer heute von „Intifada“ spricht, ohne diese Realität zu benennen, verharmlost nicht nur Geschichte. Er entmenschlicht auch die Opfer, weil er ihre Ermordung hinter einem politischen Schlagwort verschwinden lässt.

Für Israel war die Zweite Intifada ein nationales Trauma. Menschen änderten ihre Wege zur Arbeit. Eltern fürchteten um ihre Kinder in Bussen und Cafés. Sicherheitsleute standen vor Einkaufszentren, Restaurants und Schulen. Taschenkontrollen wurden zum Alltag. Jeder unbeaufsichtigte Gegenstand konnte Verdacht auslösen. Diese Jahre prägten eine ganze Generation. Sie erklärten auch, warum israelische Sicherheitsentscheidungen von außen oft hart wirken, im Land selbst aber als Konsequenz bitterer Erfahrung verstanden werden. Israel hat nicht aus theoretischem Misstrauen gehandelt, sondern nach Jahren, in denen seine Bürger auf offener Straße ermordet wurden.

Der Bau der israelischen Sicherheitsbarriere gehört zu den Folgen dieser Zeit. International wurde sie häufig als Symbol der Trennung kritisiert. In Israel wurde sie vor allem als Antwort auf Selbstmordanschläge verstanden. Ihr Zweck war nicht Ästhetik, nicht Ideologie, sondern Schutz. Für viele Israelis war entscheidend, dass erfolgreiche Anschläge nach dem Ausbau der Barriere deutlich zurückgingen. Das zeigt, wie sehr die Zweite Intifada die israelische Vorstellung von Sicherheit verändert hat. Frieden kann nicht auf Vertrauen allein gebaut werden, wenn Terrororganisationen und bewaffnete Netzwerke jede offene Grenze zur Angriffsfläche machen.

Besonders gefährlich ist die heutige Wiederverwendung des Begriffs als Parole. Wer „globale Intifada“ ruft, kann nicht glaubwürdig behaupten, er meine nur friedlichen Protest. Der Begriff trägt seine Geschichte mit sich. In jüdischen Gemeinden, bei Israelis und bei vielen Menschen, die die Anschläge der 2000er Jahre erlebt haben, löst er keine akademische Debatte aus, sondern Erinnerung an Terror. Wenn der Ruf nach Intifada in Berlin, London, New York oder auf Universitätsgeländen auftaucht, wirkt er nicht harmlos. Er klingt wie die Übertragung eines Gewaltbegriffs auf jüdisches Leben weltweit.

Dabei muss man nicht jede Person, die das Wort benutzt, automatisch als Terrorunterstützer bezeichnen. Manche verwenden es aus Unwissenheit, aus politischer Nachlässigkeit oder weil sie Parolen übernehmen, deren Geschichte sie nicht kennen. Genau deshalb braucht es Aufklärung. Wer aber nach Hinweis auf die Bedeutung des Begriffs weiter von Intifada spricht, nimmt bewusst in Kauf, dass Terror gegen Israelis sprachlich normalisiert wird. Dann ist es keine Unwissenheit mehr, sondern politische Verantwortungslosigkeit.

Eine präzise Einordnung muss deshalb klar sagen: Intifada ist kein unschuldiges Wort. Es bezeichnet nicht einfach Protest. Es steht historisch für Gewaltwellen gegen Israel, in besonderem Maß für Terroranschläge gegen Zivilisten. Der Begriff wurde und wird von Akteuren benutzt, die Israels Existenz ablehnen und Gewalt als legitimes Mittel darstellen. Seine heutige Verwendung als kämpferische Parole ist deshalb gefährlich, weil sie die Grenze zwischen politischer Kritik, Feindbildpflege und Gewaltverherrlichung verwischt.

Für Israel bleibt „Intifada“ ein Wort, das Blut trägt. Es erinnert an Menschen, die nicht in einem Krieg gefallen sind, sondern beim Essen, Feiern, Einkaufen, Busfahren oder Warten ermordet wurden. Wer dieses Wort heute leichtfertig benutzt, sollte wissen, was er ausspricht. Und wer es bewusst benutzt, sollte dafür politisch und moralisch verantwortlich gemacht werden. Denn Sprache bereitet Wirklichkeit vor. Gerade im Nahostkonflikt beginnt Entmenschlichung oft nicht mit der Tat, sondern mit Begriffen, die Gewalt als Befreiung verkleiden.

Quellen

  1. Encyclopaedia Britannica: Intifada britannica.com/event/intifada
  2. Israel Ministry of Foreign Affairs: The First Intifada gov.il/en/pages/the-first-intifada
  3. Israel Ministry of Foreign Affairs: Wave of Terror 2000 to 2005 gov.il/en/pages/wave-of-terror-2000-2005
  4. Jewish Virtual Library: The First Intifada jewishvirtuallibrary.org/the-first-intifada
  5. Jewish Virtual Library: The Second Intifada jewishvirtuallibrary.org/the-second-intifada
  6. Anti Defamation League: The Second Intifada adl.org/resources/backgrounder/second-intifada
  7. Council on Foreign Relations: Israeli Palestinian Conflict cfr.org/global-conflict-tracker/conflict/israeli-palestinian-conflict

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