Geiselbewacher und Sinwars Leibwächter ausgeschaltet: Israel trifft mehrere Hamas-Kader
Israel hat mehrere Hamas-Terroristen ausgeschaltet, darunter den Bewacher von drei Geiseln, Sinwars früheren Leibwächter und einen Nukhba-Terroristen des 7. Oktober. Die IDF wirft ihnen neue Anschlagsplanungen vor.

Bildnachweis: IDF Sprecher
IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen setzt die gezielte Jagd auf HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Terroristen fort, die am Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen beteiligt waren, Geiseln bewachten oder nach der Waffenruhe am Wiederaufbau der Terrororganisation arbeiteten. Innerhalb weniger Tage wurden im GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen mehrere hochrangige oder besonders belastete Hamas-Mitglieder ausgeschaltet. Darunter befinden sich ein Kommandeur, der drei israelische Geiseln in einem Tunnel festhielt, der frühere Leibwächter von Yahya Sinwar sowie weitere Terroristen der Nukhba-Eliteeinheit.
Im Mittelpunkt steht Ismail Mohammad Ibrahim Barim. Die IDF griff ihn am Mittwoch im Raum Khan Yunis an und bestätigte seinen Tod am Donnerstag. Barim war Kommandeur im militärischen Arm der Hamas. Nach Angaben der Armee war er nach dem Massaker vom 7. Oktober dafür verantwortlich, Edan Alexander, Matan Zangauker und Avera Mengistu in einem Tunnel im südlichen Gazastreifen gefangen zu halten.
Dabei hatten die drei Geiseln unterschiedliche Vorgeschichten. Alexander und Zangauker wurden am 7. Oktober 2023 verschleppt, während Mengistu bereits 2014 in den Gazastreifen gelangt war und anschließend mehr als ein Jahrzehnt von Hamas festgehalten wurde. Dass Barim zeitweise für alle drei verantwortlich war, macht deutlich, welche Rolle er innerhalb des Geiselapparats der Terrororganisation spielte.
Die IDF erklärte zudem, Barim habe zuletzt Anschläge gegen israelische Soldaten und Zivilisten vorbereitet und gleichzeitig versucht, militärische Fähigkeiten der Hamas wiederherzustellen. Israel wertet diese Aktivitäten als systematische Verletzung der Waffenruhe. Der Angriff sei erfolgt, um die von ihm ausgehende Bedrohung zu beseitigen.
Sinwars ehemaliger Leibwächter gehörte selbst zu den Angreifern des 7. Oktober
Bereits zuvor hatten IDF und Shin Bet zwei weitere Hamas-Terroristen in Khan Yunis ausgeschaltet, die nach Angaben der Sicherheitsbehörden am 7. Oktober persönlich nach Israel eingedrungen waren.
Einer von ihnen war Razek Sahil Suleiman Abu Shahma. Er gehörte zur Nukhba-Eliteeinheit und hatte am Angriff auf den IDF-Stützpunkt Re'im teilgenommen. Gleichzeitig war er über längere Zeit Leibwächter des inzwischen getöteten Hamas-Führers Yahya Sinwar. Auf von der IDF veröffentlichtem älterem Bildmaterial ist Abu Shahma an Sinwars Seite zu sehen. Er wurde am Montag bei einem israelischen Angriff in Khan Yunis getötet.
Am Sonntag traf die IDF Hazem Mousa, ebenfalls Mitglied der Nukhba-Einheit. Auch er soll am 7. Oktober den Militärstützpunkt Re'im angegriffen haben.
Nach Angaben der IDF waren beide Männer keineswegs nur wegen ihrer Vergangenheit Ziel der Angriffe. Sie hätten zuletzt erneut Anschläge gegen israelische Soldaten und Zivilisten vorbereitet und am Wiederaufbau der militärischen Fähigkeiten der Hamas gearbeitet. Die Armee begründet die Operationen deshalb mit einer weiterhin bestehenden unmittelbaren Bedrohung und nicht allein mit ihrer Beteiligung am 7. Oktober.
Damit setzt Israel eine Linie fort, die die militärische Führung zuletzt mehrfach ausdrücklich formuliert hat: Die Beteiligung am Massaker vom 7. Oktober soll für die Verantwortlichen auch Jahre später nicht erledigt sein. Gleichzeitig will die IDF verhindern, dass erfahrene Hamas-Kader die gegenwärtige Ruhephase nutzen, um neue Strukturen, Anschlagszellen und Waffenfähigkeiten aufzubauen.
Am Donnerstag folgten weitere Angriffe. Im Gebiet al-Shati im Norden des Gazastreifens tötete die IDF Bilal Ibrahim Saleh Raqi'i, einen Kommandeur der Panzerabwehreinheiten des militärischen Hamas-Arms. Bei einem weiteren Angriff in Khan Yunis wurde Azzam Rifaat Abd Abadala ausgeschaltet, der der Khan-Yunis-Brigade der Hamas angehörte.
Auch diese beiden Männer sollen nach Angaben der Armee zuletzt Anschläge gegen israelische Kräfte und Zivilisten vorbereitet und beim Wiederaufbau der Hamas mitgewirkt haben.
Hamas versucht weiter, militärische Infrastruktur wiederherzustellen
Die gezielten Tötungen stehen nicht isoliert. Israel greift zugleich Einrichtungen an, von denen aus Hamas nach Angaben der IDF erneut militärische Fähigkeiten aufbaut.
Am Dienstag zerstörte die Armee im Raum Jabalya eine Stellung, die als Hinterhalt für Hamas-Terroristen und gleichzeitig als WaffenlagerTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen gedient haben soll. Besonders auffällig war ihre Lage: Nach Angaben der IDF befand sie sich lediglich rund 70 Meter vom Kamal-Adwan-Krankenhaus und etwa 170 Meter von einer Schule entfernt. Zur sogenannten Gelben Linie waren es ungefähr 50 Meter.
Israel sieht darin ein weiteres Beispiel für die seit Jahren dokumentierte Hamas-Strategie, militärische Einrichtungen in unmittelbarer Nähe ziviler und humanitärer Infrastruktur aufzubauen. Hamas bestreitet regelmäßig israelische Darstellungen zu einzelnen Standorten.
Der aktuelle Schlag gegen mehrere Hamas-Kader zeigt zugleich, weshalb Israel die Waffenruhe nicht als Ende seines militärischen Auftrags betrachtet. Solange Hamas versucht, ihre Strukturen wiederherzustellen und erfahrene Terroristen neue Anschläge vorbereiten, behält sich die IDF Operationen gegen diese Bedrohungen vor.
Besonders deutlich wird das am Fall Abu Shahma. Ein Mann, der am 7. Oktober selbst den Stützpunkt Re'im angriff, später als Leibwächter an der Seite Yahya Sinwars stand und nach israelischen Angaben auch 2026 wieder am Aufbau terroristischer Fähigkeiten arbeitete, war aus israelischer Sicht keine Figur der Vergangenheit.
Dasselbe gilt für Barim. Seine Rolle bei der Gefangenhaltung von Alexander, Zangauker und Mengistu gehört zur Geschichte der israelischen Geiseln in Gaza. Nach Angaben der IDF arbeitete er zugleich daran, Hamas erneut für weitere Angriffe handlungsfähig zu machen.
Die jüngsten Operationen verfolgen deshalb zwei miteinander verbundene Ziele: Verantwortliche des 7. Oktober sollen ihrer Beteiligung nicht entkommen, und Hamas soll die Waffenruhe nicht dazu nutzen können, die militärischen Strukturen für den nächsten Krieg wieder aufzubauen.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Freitag, 28. August 2026