Selbst Amnesty prangert Hamas Hinrichtungen in Gaza an
Die Organisation, die Israel weiterhin des Genozids bezichtigt, dokumentiert nun selbst öffentliche Erschießungen, Folter und willkürliche Festnahmen durch Hamas. Acht gefesselte Männer wurden laut Amnesty in Gaza-Stadt erschossen.

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Ausgerechnet Amnesty International erhebt schwere Vorwürfe gegen die HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen. Die Menschenrechtsorganisation fordert die Terrororganisation und die mit ihr verbundenen bewaffneten Kräfte im GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen auf, außergerichtliche Hinrichtungen, willkürliche Festnahmen und Vergeltungsmaßnahmen gegen palästinensische Familien unverzüglich zu beenden. Die Vorwürfe beruhen nicht lediglich auf Berichten Dritter: Amnesty hat nach eigenen Angaben Fotos und Videos überprüft, mit elf Angehörigen von Getöteten sowie zwei Mitarbeitern des Gesundheitswesens gesprochen und Veröffentlichungen der Hamas sowie ihrer bewaffneten Gruppen ausgewertet.
Bemerkenswert ist die Deutlichkeit dieser Kritik auch deshalb, weil Amnesty seine massive Kampagne gegen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen keineswegs aufgegeben hat. In derselben Stellungnahme, in der die Organisation Hamas wegen Hinrichtungen, Folter und schwerer Menschenrechtsverletzungen angreift, bezeichnet sie Israels Krieg im Gazastreifen weiterhin als „Genozid“. Das ist eine politische und rechtliche Bewertung von Amnesty, keine gerichtlich abschließend festgestellte Tatsache. Der Kontrast bleibt dennoch bemerkenswert: Selbst eine Organisation, die Israel seit Jahren mit schwersten Vorwürfen überzieht, kann nicht mehr übersehen, mit welcher Brutalität Hamas gegen PalästinenserPalästinenser: Herkunft, Begriffswandel und politische IdentitätPalästinenser bezeichnet heute meist palästinensische Araber mit eigener nationaler Identität. In der Mandatszeit konnte der Begriff jedoch allgemein Bewohner des britischen Mandatsgebiets Palästina meinen, auch Juden.Mehr lesen vorgeht.
Amnesty dokumentierte neun außergerichtliche Hinrichtungen sowie eine weitere rechtswidrige Tötung durch Hamas-nahe Kräfte. Bis auf einen Fall ereigneten sie sich unmittelbar nach Beginn der Waffenruhe im Oktober 2025. Besonders ausführlich untersucht wurde das Vorgehen gegen Angehörige der Familie Dughmush im Stadtteil Al-Sabra in Gaza-Stadt.
Gefesselt, mit verbundenen Augen und aus nächster Nähe erschossen
Am 13. Oktober 2025 wurden nach den Ermittlungen von Amnesty acht unbewaffnete Männer der Familie Dughmush öffentlich hingerichtet. Hamas beziehungsweise ihr nahestehende Kräfte beschuldigten sie der Zusammenarbeit mit Israel. Ein Gerichtsverfahren gab es nicht.
Das von Amnesty überprüfte Videomaterial zeigt nach Angaben der Organisation acht Männer mit verbundenen Augen und gefesselten Händen. Einige waren nur teilweise bekleidet und wiesen offenbar bereits zuvor erlittene Verletzungen auf. Bewaffnete und maskierte Männer brachten sie auf einen offenen Platz an der Al-Thalathini-Straße in Gaza-Stadt. Dort wurden sie aus unmittelbarer Nähe erschossen. Die Aufnahmen wurden anschließend über Hamas-nahe Kanäle in sozialen Netzwerken verbreitet.
Nach Aussagen von Angehörigen hatten sich die Männer zuvor freiwillig gestellt. Ihnen sei ein ordentliches Verfahren zugesichert worden. Zwei Stunden später waren sie tot. Amnesty zufolge stimmen mehrere unabhängig voneinander eingeholte Aussagen in diesem entscheidenden Punkt überein.
Der Fall zeigt eine Seite der Hamas-Herrschaft, die in Teilen der internationalen Gaza-Berichterstattung erstaunlich wenig Raum erhält. Die Terrororganisation herrscht nicht nur durch ihre Waffen gegen Israel. Sie sichert ihre Macht auch im Inneren mit Einschüchterung, Gewalt und dem Verdacht auf Verrat. Wer als Gegner, Abweichler oder angeblicher Informant gilt, kann offenbar ohne ein rechtsstaatliches Verfahren zum Tode verurteilt werden.
Vor den Hinrichtungen hatte es schwere Kämpfe zwischen Hamas-Kräften und Angehörigen der Familie Dughmush gegeben. Nach den von Amnesty zusammengetragenen Angaben umstellten Hamas-nahe Kräfte das Viertel der Familie etwa eine Woche lang. Mindestens vier Angehörige der Familie und mindestens ein Hamas-Mitglied kamen dabei ums Leben. Häuser wurden geplündert, verwüstet und teilweise niedergebrannt. Amnesty erhielt Aufnahmen von zwei betroffenen Gebäuden.
Auch der Fall Hisham al-Saftawi wird von der Organisation dokumentiert. Der 57-Jährige wurde im Oktober 2025 in Al-Bureij bei einem versuchten Zugriff erschossen. Nach Angaben seiner Ehefrau drangen zahlreiche maskierte Bewaffnete in das Haus der Familie ein. Hamas erklärte später, der Schütze habe al-Saftawi versehentlich getroffen, als dieser zu fliehen versucht habe. Die Familie verlangt dagegen eine unabhängige Untersuchung und macht deutlich, dass sie einer internen Untersuchung durch Hamas nicht vertraut.
Diese Zweifel sind nachvollziehbar. Amnesty erklärte, keine Belege dafür erhalten zu haben, dass Verantwortliche für die untersuchten außergerichtlichen Tötungen tatsächlich zur Rechenschaft gezogen wurden. Hamas verwies gegenüber der Organisation auf interne Untersuchungen und rechtfertigte außergewöhnliche Maßnahmen mit der Sicherheitslage im Gazastreifen. Für Amnesty ist diese Argumentation eindeutig unzureichend: Auch unter Kriegsbedingungen dürfen Menschen nicht ohne Verfahren hingerichtet oder gefoltert werden.
Die Vereinten Nationen dokumentieren ein größeres Muster
Die Fälle sind offenbar keine isolierten Ausnahmen. Eine Untersuchung der unabhängigen UN-Kommission zum israelisch-palästinensischen Konflikt identifizierte für die Jahre 2024 und 2025 insgesamt 249 Fälle von Hinrichtungen und schwerer körperlicher Gewalt im Gazastreifen. Dabei wurden mindestens 108 Menschen getötet und 384 verletzt. Hamas-nahe Kräfte waren nach Feststellung der Kommission an mindestens 60 dieser Vorfälle beteiligt. Zu den dokumentierten Fällen gehörten auch öffentliche Hinrichtungen.
Die Kommission stellte ausdrücklich fest, dass Hamas Hinrichtungen mutmaßlicher Kollaborateure aufzeichnete und veröffentlichte, um Menschen öffentlich zu demütigen, Angst zu verbreiten und mögliche Gegner abzuschrecken. Genau darin liegt der politische Zweck solcher Taten. Es geht nicht allein darum, einen angeblichen Informanten zu beseitigen. Eine öffentliche Exekution sendet eine Botschaft an jeden Bewohner Gazas: Wer sich gegen Hamas stellt oder auch nur in den Verdacht gerät, kann zum nächsten Opfer werden.
Im Juli 2026 bestätigte Hamas selbst die Hinrichtung eines Mannes, dem Zusammenarbeit mit Israel vorgeworfen wurde. Die Terrororganisation behauptete, der Mann habe Informationen geliefert, die Israel bei der Tötung hochrangiger Hamas-Funktionäre geholfen hätten. Ein ordentliches Gerichtsverfahren wurde auch in diesem Fall nicht bekannt. Hamas-nahe Sicherheitskreise kündigten anschließend an, weitere angebliche Informanten hinrichten zu wollen.
Damit wird einmal mehr sichtbar, wie verzerrt ein Bild des Gazastreifens ist, in dem praktisch jede Gewalt ausschließlich Israel zugerechnet wird. Palästinenser sind auch Opfer der Hamas. Sie werden von ihr bedroht, festgenommen, misshandelt und im schlimmsten Fall öffentlich erschossen. Hamas schützt die Bevölkerung nicht vor Gewalt. Sie übt selbst Gewalt gegen jene Bevölkerung aus, in deren Namen sie zu sprechen behauptet.
Dass Amnesty International dies nun mit ungewöhnlicher Klarheit dokumentiert, ist wichtig. Ebenso wichtig ist allerdings, die Widersprüchlichkeit der Organisation nicht auszublenden. Während Amnesty auf der einen Seite detailliert beschreibt, wie Hamas Menschen fesselt, foltert und ohne Gerichtsverfahren erschießen lässt, hält sie auf der anderen Seite an ihrer pauschalen Genozidbeschuldigung gegen Israel fest. Dadurch entsteht weiterhin ein moralisches Ungleichgewicht in der Darstellung dieses Krieges.
Die neuen Erkenntnisse nehmen der Hamas jedoch eine oft gepflegte Rolle: die einer Organisation, die lediglich gegen Israel kämpfe und ansonsten Ausdruck palästinensischer Interessen sei. Wer Palästinenser öffentlich hinrichtet, Häuser ihrer Familien verwüstet und Angst zur Herrschaftsmethode macht, handelt nicht im Interesse dieser Menschen.
Hamas ist nicht nur eine Bedrohung für Israel. Sie ist auch eine Bedrohung für Palästinenser, die ihrer Herrschaft ausgeliefert sind. Dass ausgerechnet Amnesty International dafür inzwischen Beweise veröffentlicht, sollte auch diejenigen nachdenklich machen, die diese Realität jahrelang nur am Rande wahrhaben wollten.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 26. August 2026