Nach antiisraelischem Kurs: Israel erwägt Rauswurf britischer Vertreter

Nach antiisraelischem Kurs: Israel erwägt Rauswurf britischer Vertreter


Nach Spanien und den Niederlanden könnte nun auch Großbritannien seine Vertreter in der internationalen Gaza-Zentrale in Kirjat Gat verlieren. In Jerusalem wächst die Bereitschaft, antiisraelische Maßnahmen europäischer Staaten nicht länger folgenlos hinzunehmen.

Nach antiisraelischem Kurs: Israel erwägt Rauswurf britischer Vertreter
Bildnachweis: Symbolbild / KI

IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen erwägt nach einem Bericht der „Financial Times“, britische Vertreter aus der internationalen Koordinierungszentrale für GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen in Kirjat Gat auszuschließen. Hintergrund ist die zunehmend konfrontative Haltung Londons gegenüber der israelischen Regierung. In den vergangenen Wochen soll in JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen zudem über ähnliche Schritte gegen Vertreter Deutschlands und Italiens gesprochen worden sein. Eine Entscheidung gegen diese beiden Staaten ist jedoch nicht gefallen.

Die Diskussion zeigt, dass Israel seine Beziehungen zu europäischen Verbündeten zunehmend nach einem einfachen Grundsatz bewertet: Staaten, die politisch oder wirtschaftlich gegen Israel vorgehen, sollen nicht gleichzeitig selbstverständlich an Einrichtungen auf israelischem Staatsgebiet beteiligt sein, die über die Zukunft Gazas mitentscheiden.

Die internationale Zentrale in Kirjat Gat wurde im Oktober 2025 eingerichtet und arbeitet unter amerikanischer Führung. Israelische und amerikanische Vertreter sitzen dort gemeinsam mit militärischen und diplomatischen Mitarbeitern zahlreicher Staaten und internationaler Organisationen. Die Einrichtung überwacht unter anderem die Umsetzung der Waffenruhe im Gazastreifen und spielt eine Rolle bei der Koordinierung der weiteren Schritte für Gaza.

Gerade deshalb besitzt die Mitarbeit dort mehr als symbolischen Wert. Wer in Kirjat Gat vertreten ist, erhält Zugang zu einem wichtigen internationalen Abstimmungsprozess über Gaza. Israel stellt nun zunehmend die Frage, warum Regierungen diesen Zugang behalten sollen, wenn sie gleichzeitig Maßnahmen beschließen, die Jerusalem als gezielt gegen den jüdischen Staat gerichtet betrachtet.

Nach Spanien mussten auch die Niederlande gehen

Dass es nicht bei Warnungen bleibt, haben Spanien und die Niederlande bereits erfahren.

Spanische Vertreter wurden im April aus der Koordinierungszentrale ausgeschlossen. Das israelische Außenministerium begründete den Schritt damals mit der nach seiner Darstellung ausgeprägt antiisraelischen Politik der Regierung in Madrid. Die Entscheidung war zuvor mit den Vereinigten Staaten abgestimmt worden.

In dieser Woche folgten die Niederlande. Außenminister Gideon Sa'ar ordnete an, die niederländischen Vertreter aus der Zentrale in Kirjat Gat zu entfernen. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte dem Schritt zugestimmt.

Auslöser war nach Angaben Sa'ars eine Reihe niederländischer Maßnahmen gegen Israel. Besonders verwies er auf ein Gesetz, das den Handel mit Produkten aus Judäa und SamariaJudäa und Samaria: Israels historisches Kernland im politischen StreitJudäa und Samaria bezeichnen historische Landschaften zwischen Jerusalem, dem Jordantal und den zentralen Höhenzügen des Landes Israel. In Israel ist der Begriff gebräuchlich. International wird das Gebiet oft anders bezeichnet und politisch als umstritten eingeordnet.Mehr lesen, dem östlichen Jerusalem und den Golanhöhen untersagt und im September in Kraft treten soll.

Sa'ar formulierte Israels Haltung unmissverständlich: Wer gegen Israel handle, könne nicht damit rechnen, gleichzeitig Einfluss in der Region auszuüben. Israel werde Maßnahmen gegen das Land nicht einfach ohne Antwort hinnehmen.

Genau dieser Grundsatz könnte nun Großbritannien treffen.

Die britische Regierung hat ihren Kurs gegenüber Israel zuletzt deutlich verschärft. Premierminister Andy Burnham kündigte unter anderem an, Schritte gegen Waren aus Judäa und Samaria voranzutreiben. Großbritannien beteiligte sich außerdem gemeinsam mit Deutschland, Italien und zahlreichen weiteren Staaten sowie der Europäischen Kommission an einer Erklärung gegen die israelischen Baupläne im Gebiet E1 bei Ma'ale Adumim.

Außenminister Ed Miliband warf Israel in diesem Zusammenhang vor, die Zweistaatenlösung zu gefährden.

Aus israelischer Sicht stellt sich jedoch eine andere Frage: Wie lange sollen europäische Regierungen Israel unter politischen und wirtschaftlichen Druck setzen können, während sie gleichzeitig davon ausgehen, dass ihre Vertreter selbstverständlich an einer strategisch wichtigen internationalen Einrichtung in Israel beteiligt bleiben?

Der mögliche Ausschluss Großbritanniens wäre deshalb weniger eine spontane Strafaktion als Ausdruck eines grundlegenden Wandels der israelischen Außenpolitik. Jerusalem zeigt zunehmend, dass diplomatische Beziehungen keine Einbahnstraße sind.

Ein europäischer Staat darf Israel kritisieren. Israel ist aber ebenso wenig verpflichtet, einer Regierung, die gezielt Maßnahmen gegen das Land beschließt, besondere politische Zugänge zu gewähren.

Deutschland und Italien bislang nicht betroffen

Besonders sensibel ist die Situation bei Deutschland und Italien. Nach dem Bericht der „Financial Times“ wurde in Israel auch über einen möglichen Ausschluss ihrer Vertreter gesprochen. Daraus ist bislang jedoch keine konkrete Maßnahme entstanden.

Ein israelischer Vertreter betonte ausdrücklich, Israel unterhalte gute Beziehungen zu Deutschland und Italien. Auch aus Rom wurde die Darstellung zurückgewiesen, wonach ein Ausschluss beider Staaten unmittelbar bevorstehe. Deutsche Stellen wollten sich zu dem Bericht zunächst nicht äußern.

Die Unterschiede sind erheblich. Deutschland kritisiert die israelische Politik in Judäa und Samaria und hat sich ebenfalls gegen die E1-Pläne ausgesprochen. Gleichzeitig besitzt das Verhältnis zwischen Berlin und Jerusalem eine andere politische und historische Bedeutung als die Beziehungen Israels zu Staaten wie Spanien.

Deshalb wäre es falsch, aus den internen Überlegungen bereits eine bevorstehende Ausweisung deutscher Vertreter abzuleiten. Der Bericht zeigt aber, dass selbst bei engen europäischen Partnern die israelische Geduld Grenzen hat.

Offen ist außerdem, wer einen solchen Ausschluss formal beschließen darf. Zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen erklärten laut „Financial Times“, weitere Ausweisungen könnten die Zustimmung des von den USA geführten Board of Peace benötigen. Andere israelische Vertreter vertreten dagegen die Auffassung, dass Israel als souveräner Staat allein darüber entscheidet, wer sich auf seinem Staatsgebiet aufhalten und an der Einrichtung in Kirjat Gat teilnehmen darf.

Diese Frage dürfte bei einem möglichen Vorgehen gegen Großbritannien noch wichtig werden. Die Zentrale ist international organisiert und von den Vereinigten Staaten geprägt, befindet sich aber in Israel. Dass ein ausländischer Mechanismus bestimmen könnte, wen Israel auf israelischem Boden akzeptieren muss, dürfte in Jerusalem kaum widerspruchslos hingenommen werden.

Das eigentliche politische Signal ist ohnehin bereits angekommen.

Spanien wurde ausgeschlossen. Die Niederlande folgten. Großbritannien könnte der nächste Staat sein.

Israel macht damit deutlich, dass europäische Regierungen nicht gleichzeitig Maßnahmen gegen den jüdischen Staat verschärfen und erwarten können, dass dies für ihre Zusammenarbeit mit Israel keinerlei Folgen hat. Kritik gehört zu internationalen Beziehungen. Boykottmaßnahmen, wirtschaftlicher Druck und eine systematische politische Konfrontation sind jedoch etwas anderes.

Wer Israel bewusst unter Druck setzt, muss damit rechnen, dass Israel seine eigenen diplomatischen Möglichkeiten nutzt.

Gerade nach Jahren, in denen Jerusalem europäische Verurteilungen häufig lediglich zur Kenntnis nahm und anschließend zur Tagesordnung überging, ist das eine bemerkenswerte Veränderung. Israel beginnt, politischen Druck nicht nur abzuwehren, sondern mit eigenen Konsequenzen zu beantworten.

Ob Großbritannien tatsächlich aus Kirjat Gat ausgeschlossen wird, ist noch offen. Doch allein die ernsthafte Prüfung eines solchen Schrittes zeigt London und anderen europäischen Hauptstädten: Zusammenarbeit mit Israel ist keine Selbstverständlichkeit, während man gleichzeitig Politik gegen Israel betreibt.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 27. August 2026

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