PA lässt Terror-Denkmäler sofort wieder aufbauen
Israel zerstört in Tulkarem Denkmäler für PFLP-Gründer George Habash und Ziyad Da"as. Die Reaktion der Stadtverwaltung folgt umgehend: Der Habash-Gedenkort soll sofort wiederhergestellt werden. Der Fall zeigt, wie selbstverständlich Terroristen in offiziellen PA-Strukturen als nationale Vorbilder verehrt werden.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Die Palästinensische AutonomiebehördePLO: Die Organisation zwischen Terrorgeschichte, Oslo und MachtverlustDie PLO ist die Palästinensische Befreiungsorganisation. Sie wurde 1964 gegründet, wurde später international als Vertreterin der Palästinenser anerkannt und spielte im Oslo-Prozess eine zentrale Rolle.Mehr lesen beklagt regelmäßig ihre Finanznot und fordert internationale Unterstützung. Gleichzeitig fließen kommunale Ressourcen offenbar weiterhin in die Pflege und Wiederherstellung von Denkmälern für Männer, deren Namen mit Terrororganisationen und tödlichen Anschlägen verbunden sind.
Ein aktueller Fall aus Tulkarem macht dieses Problem besonders deutlich.
Israelische Kräfte zerstörten Anfang August in der Stadt ein Denkmal für George Habash, den Gründer der Volksfront zur Befreiung PalästinasPFLP: Marxistische Terrororganisation gegen IsraelDie PFLP ist eine 1967 gegründete marxistisch leninistische palästinensische Organisation. Sie lehnt Israel ab, setzt auf bewaffneten Kampf und wird von den USA und der EU als Terrororganisation geführt.Mehr lesen, PFLPPFLP: Marxistische Terrororganisation gegen IsraelDie PFLP ist eine 1967 gegründete marxistisch leninistische palästinensische Organisation. Sie lehnt Israel ab, setzt auf bewaffneten Kampf und wird von den USA und der EU als Terrororganisation geführt.Mehr lesen. Die palästinensische Nachrichtenagentur WAFA bestätigte die Zerstörung selbst und berichtete zusätzlich über ein Denkmal für Ziyad Da'as. WAFA bezeichnete die Geehrten dabei als "Märtyrer" beziehungsweise nationale Persönlichkeiten.
Habash war keineswegs lediglich ein palästinensischer Politiker oder Intellektueller. Er gründete 1967 die PFLP. Die Vereinigten Staaten führen die Organisation seit 1997 offiziell als ausländische Terrororganisation. Das US-Außenministerium dokumentiert zahlreiche internationale Terroranschläge und Flugzeugentführungen der PFLP.
Trotzdem trägt in Tulkarem ein öffentlicher Platz seinen Namen. Schon bei der Einweihung wurde Habash in offiziellen palästinensischen Medien als großer nationaler und revolutionärer Führer gefeiert.
Bürgermeister ordnet sofortige Reparatur an
Besonders aufschlussreich ist deshalb, was nach der israelischen Zerstörung geschah.
Palestinian Media Watch, PMW, dokumentiert eine Sendung des offiziellen PA-Fernsehens vom 5. August. Darin erklärte der Sprecher der Stadtverwaltung Tulkarem, Muhannad Matar, die Anweisung des Bürgermeisters sei unmittelbar nach dem Abzug der israelischen Kräfte erfolgt.
Die städtischen Mitarbeiter hätten sofort mit Wartung und Wiederherstellung des beschädigten Habash-Denkmals beginnen sollen.
Das ist keine Aussage irgendeines privaten Aktivisten.
Laut dem von PMW dokumentierten Material spricht ein offizieller Vertreter einer palästinensischen Stadtverwaltung im offiziellen Fernsehen der Palästinensischen Autonomiebehörde über den Wiederaufbau eines Denkmals für den Gründer einer international als Terrororganisation eingestuften Gruppe.
PMW verfolgt eine klar proisraelische und ausgesprochen kritische Linie gegenüber der PA. Deshalb sollte seine politische Bewertung nicht einfach ungeprüft übernommen werden. In diesem Fall lässt sich der entscheidende Sachverhalt jedoch mit anderen Quellen absichern: WAFA bestätigt die Existenz der Denkmäler und ihre Zerstörung, ältere Veröffentlichungen der PA dokumentieren die Benennung des Platzes nach Habash.
Auch Ziyad Da'as ist kein unbeschriebenes Blatt. Er war ein führender FatahFatah: Von Arafats Kampfbewegung zur erstarrten Machtpartei der PalästinenserFatah ist eine säkular-nationalistische palästinensische Bewegung, die Ende der 1950er Jahre um Jassir Arafat entstand. Sie wurde zur dominierenden Kraft in der PLO und prägt bis heute die Palästinensische Autonomiebehörde.Mehr lesen-TanzimFatah: Von Arafats Kampfbewegung zur erstarrten Machtpartei der PalästinenserFatah ist eine säkular-nationalistische palästinensische Bewegung, die Ende der 1950er Jahre um Jassir Arafat entstand. Sie wurde zur dominierenden Kraft in der PLO und prägt bis heute die Palästinensische Autonomiebehörde.Mehr lesen-Aktivist in Tulkarem. Ihm wurde unter anderem die Planung des Anschlags auf eine Bat-Mizwa-Feier in Hadera 2002 zugerechnet, bei dem mehrere Menschen ermordet wurden. Bereits Jahre später wurde ein palästinensisches Fußballturnier zu seinen Ehren veranstaltet.
Die Botschaft solcher Ehrungen ist schwer zu übersehen.
Eine Gesellschaft erinnert durch Straßennamen, Plätze und Denkmäler daran, wen sie für vorbildwürdig hält.
Vom Terroristen zum nationalen Vorbild
Der aktuelle Fall ist keineswegs neu.
PMW dokumentiert seit Jahren Straßen, Sportveranstaltungen, Schulen und öffentliche Plätze, die nach Tätern oder führenden Mitgliedern terroristischer Organisationen benannt wurden.
Besonders bekannt ist die Verehrung von Dalal Mughrabi, die 1978 den Terrorangriff auf der israelischen Küstenstraße anführte. Bei dem Anschlag wurden Dutzende israelische Zivilisten, darunter zahlreiche Kinder, ermordet. Das israelische Verteidigungsministerium dokumentiert den Angriff ausführlich.
Trotzdem wurden in palästinensischen Gebieten Plätze und Einrichtungen nach Mughrabi benannt und sie als nationale Heldin dargestellt.
Ähnlich ist die Geschichte des 19 Jahre alten Omar Abu Laila. Nach seinem tödlichen Anschlag 2019 wurde er nach der Dokumentation von PMW innerhalb kürzester Zeit mit einem Denkmal, einem Platz, einem Straßennamen und Veranstaltungen geehrt.
Auch außerhalb der palästinensischen Gebiete wird Geld für diese Erinnerungspolitik eingesetzt.
PMW dokumentierte 2025 die Renovierung des sogenannten Märtyrerfriedhofs in Syrien. Dort befinden sich unter anderem Gräber von Abu Jihad, Fathi Shaqaqi und Abu al-Abbas. Die PA-Berichterstattung stellte die Arbeiten ausdrücklich als Projekt dar, das auf Anweisung von Mahmoud Abbas vorangetrieben wurde.
Bei Abu al-Abbas ist die historische EinordnungKontextualisierung: Fakten verständlich einordnenKontextualisierung bedeutet, Informationen in einen Zusammenhang zu stellen. Sie hilft, Ereignisse nicht isoliert zu betrachten, sondern mit Vorgeschichte, Ursachen, Folgen und beteiligten Akteuren zu verstehen.Mehr lesen besonders eindeutig. Das US-Außenministerium bezeichnet seine PalestinePalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen Liberation Front als verantwortlich für die Entführung des Kreuzfahrtschiffes Achille Lauro 1985 und die Ermordung des amerikanischen Passagiers Leon Klinghoffer.
Fathi Shaqaqi wiederum war Gründer des Palästinensischen Islamischen Dschihad. Der israelische Shin Bet beschreibt die Organisation als terroristische Bewegung mit dem Ziel, IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen durch bewaffneten Dschihad zu beseitigen.
Friedensrhetorik und Heldenkult passen nicht zusammen
Genau hier liegt das politische Problem.
Die internationale Gemeinschaft behandelt die Palästinensische Autonomiebehörde regelmäßig als möglichen Partner für eine zukünftige politische Ordnung in Gaza und als Gegenmodell zur HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen.
Doch ein Gegenmodell zu Hamas kann nicht nur bedeuten, eine andere Verwaltung aufzubauen.
Es muss auch eine andere politische Kultur entstehen.
Wer Terroristen weiterhin als "Märtyrer", nationale Symbole und Vorbilder verehrt, vermittelt jungen Menschen eine sehr klare Botschaft darüber, welche Taten gesellschaftliche Anerkennung bringen.
Ein Denkmal erschießt niemanden.
Aber ein Denkmal entscheidet mit darüber, wer erinnert wird und wofür.
Die sofortige Wiederherstellung eines George-Habash-Denkmals ist deshalb keine belanglose kommunale Verschönerungsmaßnahme.
Sie zeigt, dass die Verehrung bewaffneter Kämpfer und Terroristen in Teilen der offiziellen palästinensischen Erinnerungskultur weiterhin fest verankert ist.
Gerade eine PA, die internationale Anerkennung, Milliardenhilfe und möglicherweise eine größere Rolle in Gaza verlangt, muss sich daran messen lassen.
Wer Frieden beansprucht, kann Terroristen nicht gleichzeitig zu nationalen Vorbildern erklären.
Und wenn ein Denkmal für den Gründer einer Terrororganisation zerstört wird, sollte die erste Priorität einer finanziell angeschlagenen Stadtverwaltung vieles sein.
Sein sofortiger Wiederaufbau gehört nicht dazu.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Freitag, 21. August 2026