Schwer verletzt verschleppt, im Krankenhaus erschossen
Hanan Yablonka überlebte offenbar zunächst den Angriff auf das Nova-Festival. Nach neuen Angaben seiner Schwester wurde der Vater zweier Kinder in einem Krankenhaus in Gaza dreimal in den Kopf geschossen und anschließend in einem Tunnel versteckt.

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Fast drei Jahre nach dem Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023 erfährt die Familie von Hanan Yablonka neue Einzelheiten über seine letzten Stunden. Sie verändern das bisher öffentlich bekannte Bild seines Schicksals auf erschütternde Weise. Der Israeli soll nicht bereits am Ort des Angriffs gestorben sein. Nach Angaben seiner Schwester Avivit Yablonka Abady wurde er schwer verletzt und lebend in den GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen gebracht. Dort sollen Menschen, die ihn in einem Krankenhaus vorfanden, beschlossen haben, ihn nicht zu retten, sondern zu erschießen.
Avivit berichtete während der Nova-Ausstellung in London gegenüber der britischen „Daily Mail“, ihr Bruder sei dreimal in den Kopf geschossen worden. Anschließend hätten seine Mörder den Leichnam in einen Sack gesteckt und in einer Wand oder Nische eines Tunnels in Dschabalija verborgen. Die neuen Angaben beruhen auf den Erkenntnissen, die der Familie nach der Bergung seines Körpers übermittelt wurden. Unabhängig veröffentlichtes Beweismaterial zu den geschilderten Abläufen liegt bislang nicht vor. Die Schilderung muss deshalb klar der Schwester zugeschrieben werden.
Diese Einschränkung nimmt dem Bericht nichts von seinem Gewicht. Sie ist notwendig, weil es um konkrete Verantwortlichkeiten und um Vorgänge geht, die sich in einem von der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen beherrschten Gebiet ereignet haben. Zugleich macht die Aussage deutlich, weshalb Angehörige israelischer Geiseln auch Jahre später noch um eine vollständige Wahrheit kämpfen: Die Rückkehr eines Leichnams beendet nicht automatisch die Ungewissheit darüber, was einem Menschen angetan wurde.
Er stieg aus, um anderen zu helfen
Hanan hatte am Morgen des 7. Oktober kurzfristig entschieden, mit Freunden das Nova-Musikfestival nahe Re’im zu besuchen. Seine Familie wusste nichts davon und ging zunächst davon aus, dass er zu Hause sei. Als der Raketenbeschuss begann und Hamas-Terroristen das Festivalgelände überfielen, floh er gemeinsam mit Freunden in einem Fahrzeug.
Nach Darstellung seiner Schwester kollidierte ihr Wagen auf der Flucht mit einem anderen Auto. Hanan sei ausgestiegen, um nach den Insassen zu sehen. In diesem Moment hätten Terroristen auf ihn geschossen und ihn an der Brust getroffen. Seine Begleiter wurden nach den Angaben der Familie ermordet. Hanan selbst soll trotz der schweren Verwundung noch gelebt haben, als ihn seine Entführer nach Gaza brachten.
Dieser Teil seiner Geschichte zeigt einen Menschen, der mitten im Massaker nicht nur an die eigene Flucht dachte. Er stieg aus, weil andere möglicherweise Hilfe brauchten. Genau dieser Augenblick soll ihn den Angreifern ausgeliefert haben.
Monatelang wusste seine Familie nicht, ob er noch lebte. In dem von Kugeln durchsiebten Fluchtwagen fanden die Angehörigen zwar seine Schlüssel, sein Telefon und seine Ausweispapiere, aber keine eindeutigen Spuren, die seinen Tod belegten. Erst im Januar 2024 wurde Hanan offiziell als Geisel eingestuft. Seine Familie klammerte sich weiter an die Hoffnung, dass er irgendwo in Gaza festgehalten werde.
Hanan war 41 Jahre alt und wäre vier Tage nach dem Massaker 42 geworden. Er hinterließ zwei Kinder. Angehörige und Freunde beschrieben ihn als lebensfrohen Familienmenschen, leidenschaftlichen Sportfan und begeisterten Anhänger von Hapoel Tel Aviv. Er liebte Musik, Tanz und das Zusammensein mit anderen. Ausgerechnet ein Fest, das für Freude und Freiheit stand, wurde für ihn zum Ort des Grauens.
Die neue Schilderung widerspricht der ersten öffentlichen Annahme
Als die israelischen Streitkräfte am 24. Mai 2024 die Bergung der Leichen von Hanan Yablonka, Michel Nisenbaum und Orión Hernández Radoux bekannt gaben, lautete die damalige öffentliche Darstellung anders. Nach zu diesem Zeitpunkt vorliegenden Geheimdienstinformationen waren die drei demnach am 7. Oktober im Gebiet von Mefalsim oder kurz danach auf dem Weg nach Gaza ermordet worden. Ihre Leichen seien anschließend verschleppt worden.
Die nun von Avivit geschilderten Einzelheiten legen dagegen nahe, dass ihr Bruder schwer verletzt lebend nach Gaza gelangte und erst dort getötet wurde. Woher die späteren Erkenntnisse stammen, wird in den öffentlich zugänglichen Berichten nicht näher erklärt. Möglich sind forensische Untersuchungen, Geheimdienstinformationen, Zeugenaussagen oder während der Bergungsoperation gesicherte Erkenntnisse. Solange diese Grundlagen nicht veröffentlicht werden, lässt sich der genaue Ablauf von außen nicht abschließend bewerten.
Gerade deshalb sollte die ältere Kurzform, Hanan sei bereits am Festival oder auf der Flucht ermordet und nur sein Körper verschleppt worden, nicht länger ohne Hinweis auf die neuen Angaben wiederholt werden. Die Familie sagt heute etwas anderes: Er soll den ersten Schuss überlebt haben. Menschen in Gaza hätten damit noch die Möglichkeit gehabt, ihm zu helfen. Stattdessen sei er mit drei Schüssen in den Kopf getötet worden.
Besonders schwer wiegt der behauptete Tatort. Ein Krankenhaus ist nach jedem menschlichen und ärztlichen Verständnis ein Ort, an dem Verwundete behandelt werden, unabhängig von ihrer Herkunft. Sollte sich die Schilderung bestätigen, wurde ein schwer verletzter Israeli dorthin nicht gebracht, um sein Leben zu retten, sondern um über sein weiteres Schicksal zu entscheiden. Wer einen sterbenden Gefangenen erschießt, handelt nicht im Kampf. Er vollstreckt eine Hinrichtung.
Dabei ist bislang nicht öffentlich geklärt, ob es sich bei den von Avivit als „Ärzte“ bezeichneten Personen tatsächlich um behandelnde Mediziner, um Hamas-Angehörige innerhalb der Klinik oder um andere anwesende Personen handelte. Diese Unterscheidung ist für die genaue Verantwortlichkeit wichtig. Sie ändert jedoch nichts an der Kernaussage der Familie: Hanan soll verwundet, wehrlos und in der Gewalt seiner Entführer gewesen sein, als er durch gezielte Kopfschüsse getötet wurde.
Sein Leichnam wurde nach Angaben der Schwester anschließend nicht würdig verwahrt oder zur Identifizierung übergeben. Er sei in einen Sack gesteckt und in einem Tunnel in Dschabalija verborgen worden. Israelische Soldaten fanden die sterblichen Überreste dort während einer gemeinsamen Operation der Armee und des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet. Mit Hanan wurden auch Michel Nisenbaum und Orión Hernández Radoux nach IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen zurückgebracht. Die Körper wurden am Nationalen Institut für Rechtsmedizin identifiziert.
Hanans Leichnam war nach Angaben seiner Schwester so stark verwest, dass die Identifizierung nur noch anhand der Zähne möglich gewesen sei. Zwei Tage nach der Bergung wurde er in Tel Aviv beigesetzt. Rund 10.000 Menschen nahmen nach damaligen Berichten Abschied von ihm. Seine Familie hatte endlich ein Grab, aber noch längst keine vollständigen Antworten.
Die Geschichte von Hanan Yablonka widerspricht jedem Versuch, den 7. Oktober auf abstrakte Zahlen oder eine politische Formel zu reduzieren. Hinter der Bezeichnung „Geisel“ stand ein Vater, ein Sohn, ein Bruder und ein Freund. Er wollte anderen Menschen nach einem Unfall helfen, wurde angeschossen, verschleppt und nach Darstellung seiner Familie in einem Krankenhaus hingerichtet.
Seine Mörder versteckten seinen Körper. Sie konnten jedoch nicht verhindern, dass sein Name und seine Geschichte zurückkehrten.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 22. Juli 2026