1.000 Tage nach dem 7. Oktober: Zusammenstöße vor der Knesset bei Gedenken und Protesten
In Israel haben Angehörige, Überlebende und frühere Geiseln an 1.000 Tage seit dem Hamas-Massaker erinnert. Vor der Knesset kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, landesweit liefen Gedenkaktionen.

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In JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen ist es am Donnerstagmorgen vor der Knesset zu Zusammenstößen zwischen der israelischen Polizei und Demonstranten gekommen. Die Kundgebungen fanden am 1.000. Tag seit dem HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023 statt. Demonstranten warfen der Polizei vor, die Versammlung gewaltsam auflösen zu wollen.
Der Tag begann in vielen Teilen Israels mit Gedenkaktionen um 6.29 Uhr. Diese Uhrzeit erinnert an den Beginn des Hamas-Angriffs am 7. Oktober 2023. Damals drangen Terroristen der Hamas und weiterer Gruppen aus dem GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen nach IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen ein, ermordeten rund 1.200 Menschen und verschleppten 251 Geiseln nach GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen.
Die Proteste verbanden Gedenken, Forderungen nach Aufarbeitung und Kritik an der Regierung. Angehörige von Opfern, Überlebende und ehemalige Geiseln hatten für den Tag zahlreiche Veranstaltungen angekündigt. Der sogenannte October Council, ein Zusammenschluss von Hinterbliebenen, Überlebenden und früheren Geiseln, organisierte Gedenkveranstaltungen, Proteste, Konvois und eine zentrale Abendkundgebung in Tel Aviv.
Vor der Knesset versammelten sich Demonstranten mit Fahnen, gelben Symbolen und Schildern. Gelb steht in Israel seit Langem für die Forderung nach Rückkehr der Geiseln. Reuters-Bilder zeigten Menschen, die vor dem Parlament eine Straße blockierten. Auf einem weiteren Bild war ein Polizeifahrzeug mit Wasserwerfer vor der Knesset zu sehen. An einer Installation stand demnach die Aufschrift „1000 days of neglect“.
Auch an mehreren Straßenkreuzungen im Land kam es zu Aktionen. Bei Karkur nahe Haifa blockierten gelb gekleidete Demonstranten zeitweise den Verkehr. Auf einem Schild stand: „1,000 days. We won't forget, and we won't forgive.“ Eine ähnliche Kundgebung fand bei Kabri in Galiläa statt. Dort forderten Teilnehmer eine staatliche Untersuchungskommission zu den Fehlern vor und während des 7. Oktober.
Diese Forderung gehört zu den zentralen Punkten des Protesttages. Viele Angehörige und Überlebende verlangen eine unabhängige staatliche Untersuchungskommission. Die Regierung hat eine solche Kommission bislang nicht eingesetzt. Kritiker werfen ihr vor, eine unabhängige Prüfung der politischen und sicherheitspolitischen Verantwortung zu verhindern.
Im Süden Israels erinnerten Familien am Ort des Nova-Festival-Massakers bei Re'im an die Opfer. Von dort sollte ein Konvoi durch mehrere am 7. Oktober angegriffene Orte fahren, darunter Nir Oz, Kissufim, Be'eri, Nahal Oz und Kfar Aza. Der Zug sollte an einem Gedenkort nahe Sderot enden.
In Tel Aviv wurde der Geiselplatz für den Tag symbolisch zum „Memory Square“ umbenannt. Dort waren Ausstellungen mit persönlichen Gegenständen von Ermordeten, gefallenen Soldaten und Geiseln geplant. Zudem sollten Zeugenaussagen von Überlebenden gezeigt werden. Am Abend war eine zentrale Kundgebung vorgesehen.
Auch vor den Wohnhäusern mehrerer Politiker gab es Proteste. Genannt wurden unter anderem Bildungsminister Yoav Kish in Hod Hasharon, Knessetsprecher Amir Ohana in Tel Aviv und Kultur- und Sportminister Miki Zohar. Vor Ohanas Haus richtete sich die Kritik auch gegen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und eine Äußerung aus einem Interview mit Channel 14, in dem er scherzhaft gesagt hatte, seit dem 7. Oktober habe sich für ihn vor allem geändert, dass er etwas Gewicht verloren habe.
Mehrere Politiker äußerten sich ebenfalls zum 1.000. Tag seit dem Massaker. Der frühere Generalstabschef Gadi Eisenkot schrieb um 6.29 Uhr, Israel werde sich der Opfer weiter würdig erweisen. Avigdor Liberman sprach von der schlimmsten Katastrophe in der Geschichte des jüdischen Volkes seit der ShoahShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen und warf der Regierung vor, Verantwortung zu vermeiden.
Der Tag wurde damit zugleich als Gedenktag und als Protesttag begangen. Im Mittelpunkt standen die Erinnerung an die Ermordeten und Entführten, die Forderung nach vollständiger Aufarbeitung und die Kritik an der Regierung, 1.000 Tage nach dem 7. Oktober noch keine unabhängige staatliche Untersuchungskommission eingesetzt zu haben.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 2. Juli 2026