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Teherans gefährliche Lehre: Nach den Schlägen setzt Iran erst recht auf die Bombe


Ein israelischer Iran Experte warnt vor der bitteren Logik des Regimes. Wer Teheran jetzt ein Abkommen um jeden Preis anbietet, könnte genau jene Atomstrategie stärken, die Israel verhindern muss.

Teherans gefährliche Lehre: Nach den Schlägen setzt Iran erst recht auf die Bombe
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Die wichtigste Frage nach den amerikanisch israelischen Schlägen gegen Iran lautet nicht, ob Teheran kurzfristig geschwächt wurde. Das wurde es. Die wichtigere Frage lautet, welche Lehre das Regime daraus zieht. Genau davor warnt der israelische Nahost Experte Prof. Eyal Zisser von der Universität Tel Aviv. Seine Einschätzung ist unbequem, aber sie trifft den Kern der Lage: Iran könnte aus den Angriffen nicht den Schluss ziehen, dass das Atomprogramm zu gefährlich geworden ist, sondern den gegenteiligen. Wer überleben will, braucht die Bombe.

Zisser sagte im Gespräch mit dem israelischen Sender 103FM, das Regime in Teheran habe aus den Erfahrungen der vergangenen Monate eine klare Botschaft abgeleitet. Iran sei zweimal von IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und den USA angegriffen worden. Aus Sicht der Machthaber könne daraus die Folgerung entstehen, dass nur eine eigene Atomwaffe die Herrschaft dauerhaft schützt. Zisser verwies dabei auf den Vergleich, den Regime in solchen Situationen ziehen: Saddam Hussein und Muammar al Gaddafi gaben ihre nuklearen Ambitionen auf oder verfügten über keine wirksame atomare Abschreckung. Beide endeten gestürzt und getötet. Nordkorea dagegen besitzt Atomwaffen und bleibt unangreifbar. Genau diese Lektion sei für Teheran gefährlich verführerisch.

Damit steht die Iran Politik nach dem Iran Krieg 2026 vor einem harten Widerspruch. Militärische Schläge können Anlagen zerstören, Wissenschaftler ausschalten, Kommandostrukturen erschüttern und Zeit gewinnen. Aber sie können auch eine Diktatur in ihrer Überzeugung bestärken, dass sie beim nächsten Mal nicht mehr verwundbar sein darf. Für Israel ist diese Erkenntnis nicht theoretisch. Ein atomar bewaffneter Iran wäre keine gewöhnliche Großmacht mit problematischer Rhetorik. Es wäre ein Regime, das seit Jahrzehnten Israels Vernichtung propagiert, die HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen im Libanon stützt, HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen und Islamischen Dschihad fördert, die HouthisHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen stärkt und im Inneren jede freie Stimme unterdrückt.

Besonders schwer wiegt, dass der alte religiöse Vorwand schwächer geworden ist. Ali Khamenei hatte über Jahre auf eine Fatwa verwiesen, die Atomwaffen als religiös verboten darstellte. Bereits früher wurde darüber gestritten, ob diese Fatwa echte Bindungskraft hatte oder politisch nützlich war. Reuters berichtete schon 2024, dass ein Berater Khameneis erklärte, Iran könne seine Nukleardoktrin ändern, falls seine Existenz bedroht werde. Nach Khameneis Tod und dem Aufstieg seines Sohnes Mojtaba Khamenei ist diese Frage noch brisanter geworden. Reuters berichtete im März 2026, Mojtaba Khamenei sei von der Expertenversammlung zum neuen Obersten Führer gewählt worden, seine Nähe zu den RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen gilt als zentraler Faktor.

Die Bombe als Versicherung des Regimes

Das iranische Regime denkt nicht wie eine normale Regierung, die Wohlstand, Vertrauen und internationale Einbindung als Grundlage ihrer Zukunft begreift. Es denkt in Überleben, Kontrolle und Abschreckung. Wenn die Revolutionsgarden nach den Schlägen stärker in die politische Mitte rücken, wird die Atombombe nicht als Tabubruch gesehen, sondern als Lebensversicherung. Reuters berichtete bereits im März, dass iranische Hardliner ihre Forderungen nach einer Atombombe lauter und öffentlicher vortragen. Nach Khameneis Tod und den amerikanisch israelischen Angriffen seien Stimmen im Machtapparat stärker geworden, die das bisherige Schwellenmodell infrage stellen.

Genau deshalb ist die gegenwärtige amerikanische Verhandlungsbereitschaft so riskant. Zisser beschreibt eine Seite, die nach außen Sieg und Gleichgültigkeit signalisiert, und eine andere, die unbedingt ein Abkommen erreichen will. Für Teheran ist das ein vertrautes Muster. Druck aushalten, drohen, verhandeln, Zugeständnisse kassieren, Zeit gewinnen. Wenn ein neues Abkommen am Ende nur eine Erklärung enthält, Iran strebe keine Atomwaffen an, während Kontrolle, Uranbestände, Raketen und Stellvertreterstrukturen unzureichend geregelt bleiben, dann wäre das kein Durchbruch. Es wäre eine Einladung zur Täuschung.

Die offene Frage nach dem hochangereicherten Uran macht die Lage noch gefährlicher. Die Internationale Atomenergiebehörde schätzte, dass Iran vor den Angriffen 440,9 Kilogramm Uran mit einer Anreicherung von bis zu 60 Prozent besaß. Reuters berichtete, dass die IAEA weiter vollständige Auskunft darüber fordert, wie viel dieses Materials die Angriffe überstanden hat und wo es sich befindet. Wenn dieses Material weiter existiert und nicht lückenlos überprüft wird, bleibt die Gefahr nicht abstrakt.

Für Israel kann es deshalb keine Sicherheit auf Grundlage iranischer Zusicherungen geben. Nicht nach Jahren der Täuschung. Nicht nach geheimen Anlagen. Nicht nach Raketen auf israelische Städte. Nicht nach der Unterstützung der Terrorarme rings um Israel. Ein Staat, der seine Bürger schützen muss, darf sich nicht mit einem Papier beruhigen lassen, während der Gegner aus jedem Schlag gegen ihn die Lehre zieht, beim nächsten Mal atomar geschützt sein zu müssen.

Ein Abkommen ohne Kontrolle wäre ein Geschenk an Teheran

Das eigentliche Problem ist nicht Diplomatie. Diplomatie kann sinnvoll sein, wenn sie Druck absichert, Kontrolle erzwingt und dem Regime keine Zeit kauft. Gefährlich wird sie, wenn sie das Bedürfnis westlicher Regierungen nach Beruhigung über die Sicherheitsrealität Israels stellt. Wer ein Abkommen vor allem deshalb will, weil Märkte ruhiger, Ölpreise niedriger und Schlagzeilen freundlicher werden, verwechselt Stabilität mit Betäubung.

Iran hat in den vergangenen Monaten gelernt, dass seine Führung verwundbar ist. Die richtige westliche Antwort wäre, diese Verwundbarkeit in überprüfbare Entwaffnung zu übersetzen: vollständige Kontrolle der Uranbestände, dauerhafter Zugriff der Inspektoren, Ende der militärischen Nuklearoption, Begrenzung der Raketenprogramme und Austrocknung der Stellvertreterfinanzierung. Alles andere wäre ein Stück Papier, das Teheran nach innen als Sieg verkaufen kann.

Israel wird an dieser Stelle kaum auf fremde Zusicherungen vertrauen können. Der 7. Oktober hat gezeigt, was geschieht, wenn Warnzeichen zu lange politisch verwaltet werden. Der Iran Krieg 2026 hat gezeigt, dass Teheran bereit ist, seine Macht regional und nuklear bis an den Rand zu treiben. Zisser benennt nun die gefährlichste Lehre, die das Regime aus der Krise ziehen könnte: Nicht weniger Atomprogramm, sondern mehr. Nicht Rückzug, sondern Abschreckung. Nicht Verzicht, sondern Bombe.

Genau deshalb wäre ein schwaches Abkommen nicht nur ein Fehler. Es wäre ein Signal an Teheran, dass Drohung und Durchhalten belohnt werden. Israel kann sich ein solches Signal nicht leisten. Der Westen übrigens auch nicht.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 2. Juli 2026

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