Trumps Gaza-Plan ohne Geld: Offizieller Fonds soll trotz Milliardenzusagen leer sein


Milliarden wurden für Trumps „Board of Peace“ zugesagt, doch der offizielle Weltbank-Fonds soll bisher keinen Dollar erhalten haben. Der Wiederaufbau Gazas bleibt damit vorerst Theorie.

Trumps Gaza-Plan ohne Geld: Offizieller Fonds soll trotz Milliardenzusagen leer sein
Bildnachweis: The White House

Der von der Weltbank eingerichtete Fonds für Donald Trumps „Board of Peace“ hat laut einem Bericht der „Financial Times“ bislang kein Geld erhalten. Das ist politisch brisant, denn zuvor waren von den USA und weiteren internationalen Akteuren Zusagen in Höhe von rund 17 Milliarden Dollar gemacht worden. Eine mit der Angelegenheit vertraute Quelle brachte die Lage gegenüber der Zeitung auf einen Satz: „Null Dollar wurden eingezahlt.“

Damit zeigt sich ein zentrales Problem des Gaza-Plans der US-Regierung: Die politische Architektur wurde angekündigt, doch die praktische Umsetzung steht offenbar weitgehend still. Zwar soll das Board of Peace Spenden erhalten haben, diese seien nach Angaben eines Sprechers jedoch direkt über ein JPMorgan-Konto geflossen und nicht über den offiziellen Weltbank-Fonds. Anders als bei der Weltbank besteht bei diesem Konto laut Bericht keine vergleichbare Verpflichtung, den Geldstand gegenüber Beitragszahlern und Mitgliedern des Boards offenzulegen.

Nach Angaben des Boards seien mehrere Möglichkeiten geschaffen worden, um Mittel anzunehmen. Bisher hätten Geldgeber andere Wege gewählt. Diese Erklärung nimmt dem Vorgang jedoch nicht seine Sprengkraft. Ein internationaler Gaza-Plan, der auf Transparenz, Vertrauen und Kontrolle angewiesen ist, wirkt schwach, wenn der dafür vorgesehene offizielle Fonds leer bleibt und zentrale Finanzströme über weniger transparente Wege laufen.

Marokko soll rund 20 Millionen Dollar beigetragen haben. Dieses Geld habe nach dem Bericht unter anderem das Büro von Nickolay Mladenov finanziert, dem hochrangigen Vertreter für den Nachkriegsplan in Gaza, sowie Gehälter für ein palästinensisches technokratisches Komitee, das in Gaza Verwaltungsaufgaben übernehmen soll. Die Vereinigten Arabischen Emirate sollen zudem 100 Millionen Dollar für die Ausbildung einer neuen Polizeitruppe in Gaza zugesagt haben. Dieses Geld sei jedoch eingefroren, das Programm habe nicht begonnen.

Auch die USA stehen im Mittelpunkt der Fragen. Das Außenministerium will demnach etwa 1,2 Milliarden Dollar bestehender Hilfsausgaben auf Projekte umleiten, die zur Agenda des Boards passen. Ausgegeben wurde dieses Geld jedoch offenbar noch nicht. Ein Kongressmitarbeiter sagte der „Financial Times“, kein Teil dieser Mittel werde vom Board of Peace verwaltet, und das Außenministerium habe auch nicht die Absicht, diese Verwaltung an das Board zu übertragen. Zusätzlich seien rund 50 Millionen Dollar direkt für das Board vorgesehen, doch auch diese Summe sei bislang nicht ausgezahlt worden.

Der Hintergrund ist klar: Das Board kann Geld nicht sinnvoll einsetzen, solange grundlegende Strukturen fehlen. Ein Sprecher räumte ein, man arbeite noch nicht in Gaza, auch weil die Hamas nicht entwaffnet sei. Genau das ist der harte Kern des Problems. Trumps Plan sah mehrere Phasen vor: Entwaffnung der Hamas, Rückzug israelischer Kräfte und Wiederaufbau Gazas. Laut Bericht ist bei keinem dieser Ziele ein echter Durchbruch erreicht worden.

Damit bleibt der Wiederaufbau bislang vor allem ein politisches Versprechen. Ausschreibungen für Sicherheits- und Wiederaufbauarbeiten sollen begonnen haben, Verträge wurden jedoch noch nicht vergeben. Zwei mit der Planung vertraute Personen sagten der „Financial Times“, kein einziger US-Dollar sei bisher für den Wiederaufbau Gazas eingesetzt worden.

Der palästinensisch-amerikanische Wissenschaftler Bishara Bahbah, der für die Trump-Regierung an Gesprächen mit der Hamas beteiligt war, beschreibt die Lage nüchtern. Das technokratische Komitee könne seine Arbeit in Gaza nicht aufnehmen, weil ihm die Mittel fehlten, vor Ort überhaupt etwas auszuführen. Würde es ohne Geld nach Gaza gehen, würden die Menschen sofort Hilfe erwarten, doch das Komitee hätte keine Werkzeuge und keine Möglichkeiten.

Für Israel ist diese Entwicklung von großer Bedeutung. Ein Gaza nach der Hamas kann nicht allein auf Pressekonferenzen entstehen. Es braucht Sicherheit, Verwaltung, Finanzierung, Kontrolle und belastbare Institutionen. Solange die Hamas bewaffnet bleibt, Gelder eingefroren sind und der offizielle Fonds leer ist, bleibt der Plan ein Entwurf ohne Bodenhaftung.

Der Bericht zeigt deshalb mehr als ein Finanzproblem. Er offenbart die Lücke zwischen diplomatischer Ankündigung und Wirklichkeit. Milliardenversprechen beeindrucken auf Gipfeln. In Gaza zählen am Ende funktionierende Strukturen, klare Zuständigkeiten und Geld, das tatsächlich ankommt. Genau daran fehlt es bisher.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 27. Mai 2026

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